Pulmonalarterienstenose – verengte Lungenschlagader
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Pulmonalarterienstenose ist eine Verengung der Lungenschlagader (Pulmonalarterie), also des Blutgefäßes, das Blut von der rechten Herzkammer in die Lunge bringt. Durch die Verengung muss das Herz stärker pumpen, um genug Blut durch die Lunge zu bekommen. Das kann auf Dauer das Herz belasten.
Wichtige Fakten
- Die Verengung kann angeboren sein oder später im Leben entstehen.
- Leichte Formen verursachen oft keine Beschwerden und müssen nicht behandelt werden.
- Bei stärkeren Verengungen gibt es heute schonende Eingriffe, um das Gefäß zu erweitern.
- Die Diagnose wird meist mithilfe von Ultraschall des Herzens gestellt.
Eine Pulmonalarterienstenose ist insgesamt selten. Sie kommt häufiger bei Kindern mit angeborenen Herzfehlern vor. Bei Erwachsenen tritt sie seltener auf, zum Beispiel als Spätfolge einer Herzoperation oder bei entzündlichen Gefäßerkrankungen.
Betroffen sind vor allem Neugeborene und Kinder mit angeborenen Herzfehlern. Auch Erwachsene können eine Pulmonalarterienstenose bekommen, etwa nach Operationen am Herzen oder durch Gefäßentzündungen.
Symptome
- Starke Brustschmerzen, die nicht nachlassen.
- Plötzlich auftretende schwere Atemnot ohne erkennbaren Grund.
- Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit.
- ⚠Neue oder sich verschlimmernde Kurzatmigkeit.
- ⚠Neu aufgetretene Schwellungen an den Beinen.
- ⚠Anhaltendes Herzrasen, das den Alltag beeinträchtigt.
Häufige Symptome
- Oft keinerlei Beschwerden bei leichter Verengung.
- Kurzatmigkeit bei körperlicher Anstrengung.
- Müdigkeit oder schnelle Erschöpfung.
- Ein Herzgeräusch, das der Arzt beim Abhören feststellt.
- Selten: Brustschmerzen oder Druckgefühl im Brustkorb.
Symptome bei Kindern
- Schwaches Trinken und frühes Ermüden beim Stillen oder Flaschentrinken.
- Gedeihstörung, das heißt das Kind nimmt nicht gut zu.
- Bläuliche Verfärbung von Lippen oder Haut (Zyanose).
- Atemnot, besonders beim Füttern oder Weinen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Nachlassende Leistungsfähigkeit, zum Beispiel beim Treppensteigen.
- Schwellungen an Knöcheln oder Beinen als Zeichen einer Herzschwäche.
- Herzklopfen, Herzrasen oder das Gefühl, unregelmäßig zu schlagen.
- Zunehmende Kurzatmigkeit auch bei leichter Anstrengung.
Ursachen
Hauptursachen
- Angeborene Fehlbildung der Lungenschlagader.
- Vernarbungen nach einer Operation am offenen Herzen.
- Entzündungen der Blutgefäße, zum Beispiel einer Takayasu-Arteriitis.
- Selten: Tumore oder Strahlentherapie im Brustbereich, die das Gefäß einengen.
Risikofaktoren
- Andere angeborene Herzfehler.
- Genetische Syndrome wie das Williams-Beuren-Syndrom.
- Röteln-Infektion während der Schwangerschaft (bei der angeborenen Form).
- Frühere Herzoperationen an den Lungengefäßen.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei wiederkehrender Atemnot oder Brustschmerzen sollten Sie noch am selben Tag eine Arztpraxis oder eine Notaufnahme aufsuchen.
- Wenn ein Kind plötzlich schlapp wird, nicht trinkt oder bläuliche Lippen bekommt, ist eine sofortige ärztliche Abklärung wichtig.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei anhaltender Müdigkeit oder abnehmender körperlicher Leistungsfähigkeit.
- Wenn Ihr Kind nicht gut gedeiht oder oft beim Trinken unterbricht.
- Bei bekanntem Herzfehler zu regelmäßigen Kontrollen beim Kardiologen.
Diagnose
Ein Kardiologe stellt die Diagnose. Das wichtigste Untersuchungsverfahren ist die Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie). Dabei misst man die Geschwindigkeit des Blutflusses in der Lungenschlagader und erkennt, wo und wie stark das Gefäß verengt ist.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung und Abhören des Herzens.
- Echokardiografie (Herzultraschall) zur Darstellung der Verengung.
- Elektrokardiogramm (EKG) zur Beurteilung der Herzaktion.
- Magnetresonanztomografie (MRT) des Herzens für eine genaue Darstellung der Gefäße.
- Herzkatheteruntersuchung, bei Bedarf, um die Druckverhältnisse im Herzen und in der Lunge zu messen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die meisten Untersuchungen sind schmerzfrei und können ambulant erfolgen. Bei einer Herzkatheteruntersuchung wird ein dünner Schlauch über eine Leistenvene bis zum Herzen geführt; das kann an der Einstichstelle ein leichtes Druckgefühl machen. Ihr Arzt erklärt Ihnen den Ablauf vorher im Detail.
Behandlung
Wie die Behandlung aussieht, hängt vom Schweregrad der Verengung ab. Bei einer leichten Stenose reicht es meist aus, das Herz regelmäßig zu kontrollieren. Bei mittleren bis schweren Verengungen kann ein Eingriff nötig sein, um das Gefäß zu erweitern und den Blutfluss zu verbessern.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie Ihre Kontrolltermine zuverlässig wahr.
- Bewegen Sie sich regelmäßig im Alltag, sofern Sie sich dabei wohlfühlen.
- Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, um das Herz zu entlasten.
- Verzichten Sie auf Rauchen und meiden Sie Passivrauchen.
- Sprechen Sie frühzeitig mit Ihrem Arzt, wenn sich Beschwerden verschlimmern.
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache und Schweregrad können eine Ballonerweiterung (Angioplastie) oder das Einsetzen einer Gefäßstütze (Stent) den verengten Bereich aufdehnen. Ist das nicht möglich oder nicht erfolgreich, kann eine Operation nötig sein, bei der die Engstelle erweitert oder der betroffene Gefäßabschnitt ersetzt wird. Zusätzlich können Medikamente eingesetzt werden, um das Herz zu entlasten oder den Herzrhythmus zu stabilisieren. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bespricht die Optionen individuell mit Ihnen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird meist dann empfohlen, wenn die Verengung stark ausgeprägt ist und ein Kathetereingriff mit Ballon oder Stent nicht möglich, nicht sicher oder nicht erfolgreich wäre.
Leben mit der Erkrankung
Menschen mit einer leichten Pulmonalarterienstenose können in der Regel ein normales Leben führen. Bei ausgeprägteren Verengungen sollten Sie körperliche Belastungen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt abstimmen und auf die Signale Ihres Körpers achten. Regelmäßige kardiologische Kontrollen geben Sicherheit.
Tipps für den Alltag
- Moderate Bewegung wie Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen – optimalerweise nach Rücksprache mit Ihrem Kardiologen.
- Entspannungsübungen oder Stressabbau durch genügend Erholung.
- Gute Zahnpflege und regelmäßige Zahnarztbesuche, um Infektionen vorzubeugen.
- Sprechen Sie bei jedem Arztbesuch davon, dass Sie eine Herzerkrankung haben.
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und wenig Salz unterstützt Ihre Herzgesundheit. Starkes Übergewicht sollten Sie vermeiden. Bei Sport mit sehr hoher Belastung, zum Beispiel Wettkampfsport, ist vorher eine ärztliche Freigabe sinnvoll.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Herzerkrankung kann Ängste und Unsicherheiten auslösen, besonders wenn Eingriffe anstehen. Es ist normal, sich deshalb Sorgen zu machen. Sprechen Sie über Ihre Gefühle – mit Partner, Familie oder einer psychologischen Beratungsstelle. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen kann helfen.
Vorbeugung
Eine angeborene Pulmonalarterienstenose lässt sich direkt nicht verhindern. Sie können aber das Risiko für Folgen wie Herzschwäche senken, indem Sie auf eine herzgesunde Lebensweise achten und Kontrolltermine einhalten. Eine Röteln-Impfung vor einer Schwangerschaft kann bestimmte angeborene Herzfehler verhindern.
Impfungen
Für Frauen mit Kinderwunsch wird die Röteln-Impfung dringend empfohlen. Auch die allgemeinen Standardimpfungen im Erwachsenenalter sind sinnvoll. Besprechen Sie mit Ihrem Hausarzt, welche Impfungen für Sie und Ihre Familie wichtig sind.
Früherkennungsprogramme
Bei Neugeborenen gibt es ein Screening auf kritische Herzfehler mittels Pulsoxymetrie. Viele Pulmonalarterienstenosen werden zudem im Rahmen der Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft oder bei Kinderuntersuchungen entdeckt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Überlastung der rechten Herzhälfte, die zu einer Herzschwäche führen kann.
- Erweiterung der Lungenschlagader oberhalb der Verengung.
- Herzrhythmusstörungen, zum Beispiel Vorhofflimmern.
- In seltenen Fällen Bluthusten durch den erhöhten Druck im Lungengefäß.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind heute in den meisten Fällen gut. Viele Menschen mit leichter Verengung brauchen keine Behandlung und leben völlig normal. Auch bei ausgeprägteren Verengungen sind die Erfolgschancen von Kathetereingriffen und Operationen in spezialisierten Zentren hoch. Wichtig ist, dass Sie regelmäßig in kardiologischer Betreuung bleiben und auf Warnzeichen achten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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