Lungenembolie – Ursachen, Symptome, Behandlung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei einer Lungenembolie verschließt ein Blutgerinnsel (Thrombus) ein Blutgefäß in der Lunge. Dadurch kann ein Teil der Lunge nicht mehr richtig durchblutet werden. Das kann zu Atemnot, Brustschmerzen und in schweren Fällen zu lebensbedrohlichen Zuständen führen. Eine schnelle Behandlung ist sehr wichtig.
Wichtige Fakten
- Eine Lungenembolie entsteht meist, wenn ein Blutgerinnsel aus einem Bein (tiefe Beinvenenthrombose) in die Lunge wandert.
- Die Beschwerden beginnen oft plötzlich: Bei akuter Atemnot oder Brustschmerz sollte man sofort den Notruf 112 wählen.
- Mit rascher Behandlung ist die Prognose häufig gut – die meisten Menschen erholen sich vollständig.
Eine Lungenembolie ist keine Seltenheit. In Deutschland sind jedes Jahr viele tausend Menschen betroffen.
Die Erkrankung kann jeden treffen. Häufiger sind Menschen über 60 Jahre, Personen, die lange regungslos liegen (z. B. nach Operationen), und Menschen mit bestimmten Risikofaktoren.
Symptome
- Plötzliche schwere Atemnot
- Starker Brustschmerz
- Husten von Blut
- Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht
- ⚠Schwellung, Schmerz oder Druckgefühl in einem Bein – besonders, wenn dies mit Atemnot verbunden ist
- ⚠Anhaltende Atemnot oder Brustschmerz, der nicht nachlässt
- ⚠Neue Beschwerden nach einer Operation oder langen Reise
Häufige Symptome
- Plötzlich einsetzende Atemnot – oft schon in Ruhe
- Brustschmerz, der sich bei tiefem Einatmen oder Husten verstärkt
- Husten mit manchmal blutigem Auswurf
- Herzrasen oder das Gefühl eines schnellen Pulses
- Ohnmachtsgefühl oder Ohnmacht
- Ein unbestimmtes Angstgefühl
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist eine Lungenembolie sehr selten. Mögliche Zeichen sind plötzliche Atemnot, Brustschmerz, Schwäche oder eine Ohnmacht.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen sind die Zeichen oft weniger deutlich: Müdigkeit, Verwirrtheit, körperliche Schwäche oder ein allgemeiner Leistungsabfall können im Vordergrund stehen.
Ursachen
Hauptursachen
- Ein Blutgerinnsel löst sich aus einer Blutader im Becken oder in den Beinen und wird über das Herz in die Lunge geschwemmt.
- Sehr selten entsteht das Gerinnsel direkt in der Lunge oder wird durch Fett, Luft oder Fruchtwasser ausgelöst.
Risikofaktoren
- Lange Bettruhe oder Ruhigstellung (z. B. nach Operationen oder Verletzungen)
- Lange Reisen mit Auto, Bus oder Flugzeug (mehr als 4 Stunden)
- Operationen, besonders an Hüfte, Knie oder im Bauchraum
- Schwangerschaft und die Zeit nach der Geburt
- Übergewicht, Rauchen und Bluthochdruck
- Krebserkrankung oder Chemotherapie
- Angeborene Neigung zur Gerinnselbildung (Thrombophilie)
- Einnahme von bestimmten Hormonen (z. B. Antibabypille) – besonders in Kombination mit Rauchen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei den genannten Notfallsymptomen sofort den Notruf 112 wählen.
- Bei sich zunehmender Atemnot oder Brustschmerz noch am selben Tag ärztliche Hilfe suchen – zum Beispiel beim ärztlichen Bereitschaftsdienst.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn ein Bein geschwollen oder schmerzhaft ist – auch ohne Atemnot –, innerhalb von 24 Stunden einen Arzt aufsuchen.
- Nach einer überstandenen Lungenembolie die empfohlenen Kontrolltermine wahrnehmen.
Diagnose
Der Arzt fragt zunächst nach Ihren Beschwerden, Vorerkrankungen und Risikofaktoren. Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung. Die Ärzte orientieren sich dabei an den aktuellen Leitlinien der AWMF. Auf dieser Grundlage werden gezielte Untersuchungen veranlasst.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest auf D-Dimere – ein Hinweis auf Gerinnselabbauprodukte
- Ultraschall der Beinvenen (Kompressionsultraschall), um ein Blutgerinnsel im Bein zu finden
- Computertomographie (CT) der Lunge – die genaue Darstellung der Lungengefäße
- Elektrokardiogramm (EKG), um eine Belastung des Herzens zu erkennen
- Messung des Sauerstoffgehalts im Blut (Pulsoxymetrie)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei oder nur leicht unangenehm. Für das CT müssen Sie kurz in einer Röhre liegen; das dauert nur wenige Minuten. Nach der Diagnose bespricht das Ärzteteam mit Ihnen die nächsten Schritte.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Größe und Auswirkung der Lungenembolie ab. Meist muss man für ein paar Tage ins Krankenhaus. Das Wichtigste ist, den Blutgerinnsel zu behandeln und neue Gerinnsel zu verhindern.
Selbsthilfe zu Hause
- Bewegen Sie sich nach Rücksprache mit dem Arzt täglich – beginnen Sie mit kleinen Strecken.
- Vermeiden Sie langes Sitzen oder Liegen ohne Bewegung.
- Tragen Sie verschriebene Kompressionsstrümpfe, falls Sie dies mit Ihrem Arzt abgesprochen haben.
- Trinken Sie ausreichend Wasser oder ungesüßten Tee.
- Nehmen Sie alle verordneten Medikamente genau nach Anweisung ein – auch nach der Entlassung.
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse Behandlung erfolgt mit gerinnungshemmenden Medikamenten, auch Antikoagulanzien genannt. Sie machen das Blut dünner und verhindern, dass sich das Gerinnsel vergrößert oder neue entstehen. In schweren Fällen kann eine Auflösung des Gerinnsels über einen Katheter oder eine Operation notwendig sein. Welche Methode für Sie am besten ist, entscheidet das Behandlungsteam individuell mit Ihnen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation – das Entfernen des Blutgerinnsels – ist nur bei sehr großen Lungenembolien oder wenn andere Verfahren nicht helfen, nötig. Sie wird im Krankenhaus durchgeführt.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer Lungenembolie braucht Ihr Körper Zeit, um zu heilen. Je nach Schweregrad dauert die Erholung Wochen bis Monate. Sie werden wahrscheinlich für eine Zeit Medikamente einnehmen. Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind wichtig, damit der Verlauf gut beobachtet wird.
Tipps für den Alltag
- Vermeiden Sie lange sitzende Tätigkeiten – stehen Sie zwischendurch auf und gehen Sie ein paar Schritte.
- Achten Sie auf Ihren Körper: Schwellungen oder Schmerzen in den Beinen immer ernst nehmen.
- Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über eine Rauchentwöhnung, falls Sie rauchen.
- Nehmen Sie Hilfsangebote an, wenn Sie psychisch belastet sind – auch das ist Teil der Heilung.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten unterstützt die Erholung. Bewegung ist wichtig, aber beginnen Sie langsam. Ein Spaziergang von 15 Minuten kann am Anfang schon ausreichen. Ihr Behandlungsteam berät Sie, wie Sie die Belastung schrittweise steigern können.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Lungenembolie ist ein einschneidendes Erlebnis. Angst vor einer Wiederholung ist normal. Viele Menschen haben in den Wochen danach hinderliche Gedanken. Reden Sie darüber – mit Ihrem Hausarzt, einer vertrauten Person oder einer psychologischen Beratungsstelle. Mit Unterstützung gelingt der Weg zurück in den Alltag besser.
Vorbeugung
Nicht immer, aber das Risiko lässt sich häufig senken. Bei längeren Reisen ist es zum Beispiel hilfreich, sich regelmäßig zu bewegen und die Beine zu lockern. Nach Operationen erhalten viele Patientinnen und Patienten vorübergehend gerinnungshemmende Medikamente, um Blutgerinnseln vorzubeugen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Lebensbedrohliche Verschlechterung durch eine massive Lungenembolie.
- Dauerhaft erhöhter Blutdruck in den Lungengefäßen (pulmonale Hypertonie) – führt zu Atemnot und eingeschränkter Leistungsfähigkeit.
- Dauerhafte Schädigung der rechten Herzhälfte, weil diese gegen den erhöhten Widerstand in der Lunge arbeiten muss.
Langzeitprognose
Die meisten Menschen überstehen eine Lungenembolie und erholen sich vollständig. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser ist die Prognose. Auch wenn die Therapie einige Zeit in Anspruch nehmen kann: Die meisten kehren nach Monaten zu einem aktiven und erfüllten Leben zurück.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.