Nierenarterienerkrankung – verständlich erklärt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Nierenarterien sind zwei kräftige Blutgefäße, die Ihre Nieren mit Blut versorgen. Bei einer Nierenarterienerkrankung sind diese Gefäße verengt oder sogar blockiert. Dadurch bekommen die Nieren weniger Blut und arbeiten nicht mehr richtig. Das kann den Blutdruck erhöhen und die Nieren dauerhaft schädigen.
Wichtige Fakten
- Die Erkrankung verursacht oft lange keine Beschwerden und wird häufig zufällig entdeckt.
- Die häufigste Ursache ist eine Verkalkung der Gefäße (Arteriosklerose).
- Mit einer guten Behandlung bleiben die Nieren oft lange gesund.
- Bluthochdruck kann ein wichtiger Hinweis auf eine Nierenarterienverengung sein.
Eine Nierenarterienverengung ist selten. Die meisten Menschen mit Bluthochdruck haben eine andere Ursache. Bei älteren Menschen mit Gefäßverkalkung kommt sie jedoch häufiger vor.
Betroffen sind meist Menschen über 50, die an Gefäßverkalkung, Diabetes, hohen Blutfettwerten oder Bluthochdruck leiden. Eine andere Form der Verengung tritt bei jüngeren Erwachsenen auf, häufiger bei Frauen.
Symptome
- Plötzliche, sehr starke Schmerzen in der Flanke oder im Bauch
- Sichtbares Blut im Urin
- Hoher Blutdruck mit Brustschmerzen, Atemnot oder sehr starken Kopfschmerzen
- Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen oder ein hängender Mundwinkel (Schlaganfallzeichen)
- ⚠Blutdruckwerte, die trotz Medikamenten deutlich ansteigen
- ⚠Deutlich weniger Urin als normal
- ⚠Wiederholtes Erbrechen oder starke Übelkeit
Häufige Symptome
- Bluthochdruck, der sich mit Medikamenten schwer behandeln lässt
- Keine Beschwerden – die Erkrankung wird bei einer Vorsorgeuntersuchung entdeckt
- Müdigkeit und allgemeine Schwäche
- Kopfschmerzen, besonders morgens
Ursachen
Hauptursachen
- Arteriosklerose – Fett- und Kalkablagerungen verengen die Gefäßwand
- Fibromuskuläre Dysplasie – eine Veränderung der Gefäßwand, bei der die Arterie von außen eingeschnürt wird
- Entzündungen oder Verletzungen der Blutgefäße (selten)
Risikofaktoren
- Rauchen
- Erhöhte Blutfettwerte
- Bluthochdruck
- Diabetes mellitus
- Übergewicht
- Alter über 50 Jahre
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn sich der Blutdruck trotz mehrerer Medikamente nicht senken lässt
- Wenn Sie plötzlich Sehstörungen, sehr starke Kopfschmerzen oder Ohrensausen bemerken
- Wenn Sie geschwollene Beine oder Knöchel bemerken
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie zu Hause regelmäßig erhöhte Blutdruckwerte messen
- Wenn bei einer Blutuntersuchung die Nierenwerte auffällig sind
- Wenn ein Familienmitglied eine Nierenarterienverengung hat
Diagnose
Ihr Arzt fragt nach Ihrer Krankengeschichte, misst den Blutdruck und hört Ihre Nierengefäße ab. Danach folgen Blut- und Urintests sowie bildgebende Verfahren. Mit diesen Untersuchungen lässt sich eine Verengung meist sicher erkennen.
Mögliche Untersuchungen
- Blutdruckmessung an beiden Armen
- Bluttest auf Kreatinin (Nierenwert)
- Urintest auf Eiweiß
- Ultraschall der Nieren mit Dopplersonografie
- Computertomografie (CT) mit Kontrastmittel
- Magnetresonanztomografie (MRT) ohne Röntgenstrahlung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die meisten Untersuchungen sind schmerzfrei. Für ein CT wird ein Kontrastmittel in die Armvene gespritzt. Manche Menschen spüren dabei ein Wärmegefühl. Sie müssen danach meist etwas trinken. Die Ergebnisse besprechen Sie anschließend mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
Behandlung
Ziele sind: den Blutdruck senken, die Nierenfunktion schützen und Folgeerkrankungen vermeiden. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad. Häufig genügen eine gesunde Lebensweise und Medikamente. Ein Eingriff ist nur bei schwerer Verengung nötig. Die Entscheidung darüber folgt den aktuellen medizinischen Leitlinien, zum Beispiel der AWMF.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie Ihnen verordnete Medikamente regelmäßig ein
- Messen Sie Ihren Blutdruck zu Hause und notieren Sie die Werte
- Verzichten Sie auf das Rauchen
- Reduzieren Sie Stress, zum Beispiel mit Spaziergängen oder Entspannungsübungen
Medizinische Behandlungen
Zur Behandlung werden Medikamente eingesetzt, die den Blutdruck senken. Welche Wirkstoffe für Sie geeignet sind, entscheidet Ihr Arzt oder Ihre Ärztin. Auch bei leichten Verengungen können diese Medikamente die Nieren schützen. In manchen Fällen werden zusätzlich Arzneimittel zur Hemmung der Blutgerinnung verordnet. Die Medikamente werden individuell eingestellt und regelmäßig überwacht.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Verengung sehr stark ist oder die Nierenfunktion deutlich nachlässt, kann eine Gefäßerweiterung helfen. Dabei wird ein kleiner Ballon über einen Katheter in die verengte Stelle gebracht und aufgeblasen. Meist bleibt dort eine kleine Stützröhre (Stent) zurück. Nur in komplizierten Fällen ist ein offener chirurgischer Eingriff nötig. Ihr Behandlungsteam bespricht mit Ihnen, welcher Weg am besten passt.
Leben mit der Erkrankung
Sie können mit dieser Erkrankung gut leben. Wichtig sind regelmäßige ärztliche Kontrollen, ein stabiler Blutdruck und ein gesunder Lebensstil. Nehmen Sie Termine wahr und sprechen Sie offen über Ihre Sorgen.
Tipps für den Alltag
- Kontrollieren Sie Ihren Blutdruck regelmäßig
- Bewegen Sie sich an den meisten Tagen mindestens 30 Minuten
- Trinken Sie ausreichend Wasser – wie viel, besprechen Sie mit Ihrem Arzt
- Vermeiden Sie Rauchen und übermäßigen Alkohol
Ernährung und Bewegung
Eine salzarme Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten kann den Blutdruck positiv beeinflussen. Sport wie zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen ist empfehlenswert. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt eine persönliche Empfehlung geben.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer Gefäßerkrankung kann Angst und Verunsicherung auslösen. Reden Sie mit Ihrem Partner, Ihrer Familie oder Freunden. Wenn Sie sich sehr niedergeschlagen fühlen, sprechen Sie mit Ihrem ärztlichen Team. In einer akuten Krise ist die Notrufnummer 112 für Sie da, und Sie können sich auch an eine psychiatrische Notaufnahme wenden.
Vorbeugung
Nicht immer lässt sich eine Nierenarterienverengung verhindern. Aber Sie können das Fortschreiten einer Gefäßverkalkung verlangsamen: durch Nichtrauchen, gesunde Ernährung, Bewegung und eine gute Einstellung von Blutdruck und Blutzucker.
Impfungen
Gegen diese Erkrankung selbst gibt es keine Schutzimpfung. Allgemeine Impfungen können aber schwere Infekte verhindern, die die Nieren zusätzlich belasten. Lassen Sie sich hierzu vom Hausarzt beraten.
Früherkennungsprogramme
Ein generelles Screening gibt es nicht. Bei Menschen mit erhöhtem Risiko überprüfen Ärzte im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung regelmäßig Blutdruck, Blutfette und Nierenwerte.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fortschreitende Nierenschwäche bis hin zum Nierenversagen
- Schwer einstellbarer Bluthochdruck
- Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall
- In seltenen Fällen ein plötzlicher Verschluss der Nierenarterie (Niereninfarkt)
Langzeitprognose
Wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt wird, haben Sie gute Chancen, Ihre Nierenfunktion lange zu erhalten. Viele Betroffene benötigen keinen Eingriff und kommen mit Medikamenten und einem gesunden Lebensstil gut zurecht. Ihr Behandlungsteam begleitet Sie Schritt für Schritt.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
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