Frühgeborenen-Retinopathie (ROP)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Frühgeborenen-Retinopathie, kurz ROP, ist eine Augenerkrankung, die bei zu früh geborenen Babys auftreten kann. Dabei wachsen in der Netzhaut – dem lichtempfindlichen Teil des Auges – unnormal verlaufende Blutgefäße. Diese Gefäße sind schwach und können Flüssigkeit austreten lassen oder die Netzhaut von ihrer Unterlage abheben.
Wichtige Fakten
- Sie betrifft nur Babys, die zu früh geboren wurden.
- Die Netzhaut ist das Licht- und Sehzentrum im Auge.
- Viele milde Formen heilen von selbst ab.
- Mit rechtzeitiger Untersuchung und Behandlung lässt sich eine schwere Sehbehinderung meist verhindern.
- Eine sorgfältige Kontrolle durch Augenärzte ist entscheidend.
Sie tritt nur bei Frühgeborenen auf. Wie häufig sie ist, hängt vom Geburtszeitpunkt und Geburtsgewicht ab: Je früher und kleiner das Kind geboren wird, desto größer ist das Risiko.
Betroffen sind Frühgeborene, vor allem Kinder, die vor der 31. Schwangerschaftswoche geboren wurden oder ein Geburtsgewicht unter 1500 g haben. Auch eine längere Sauerstoffgabe nach der Geburt kann das Risiko erhöhen.
Symptome
- Plötzliche Bewusstlosigkeit oder Krampfanfall – dies ist bei einem Frühgeborenen ein Notfall, auch wenn es nicht direkt mit der ROP zusammenhängen muss.
- ⚠Weiße oder trübe Pupille
- ⚠Das Kind blinzelt stark oder reibt sich ständig die Augen
- ⚠Das Kind öffnet die Augen kaum oder reagiert nicht auf Licht
- ⚠Eine plötzliche Schielstellung der Augen
Häufige Symptome
- Im Frühstadium gibt es keine sichtbaren Zeichen – nur die Augenärztin oder der Augenarzt kann die Veränderung am Augenhintergrund erkennen.
Symptome bei Kindern
- Weiße Pupille statt schwarzer Pupille
- Schielen oder Verdrehen der Augen
- Zittern der Augen (Augenzittern)
- Das Baby reagiert nicht auf helles Licht oder verfolgt keine Gegenstände mit den Augen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Nicht anwendbar, da die Krankheit nur bei Frühgeborenen entsteht. Im Erwachsenenalter können aber Spätfolgen wie eine Netzhautablösung auftreten, wenn die ROP damals schwer war.
Ursachen
Hauptursachen
- Bei einer Frühgeburt ist die Netzhaut noch nicht fertig entwickelt. Normalerweise wachsen Blutgefäße von der Mitte der Netzhaut nach außen bis kurz vor der Geburt. Wenn das Baby zu früh kommt, stoppt dieses Wachstum und bildet sich ein störender Rand aus abnormen Gefäßen.
Risikofaktoren
- Sehr frühe Geburt (vor allem vor der 31. Woche)
- Niedriges Geburtsgewicht (unter 1500 g)
- Zusätzliche Sauerstoffgabe nach der Geburt
- Andere Erkrankungen des Frühgeborenen, z. B. Infektionen oder Beatmungspflicht
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn das Baby eine auffällige weiße Pupille zeigt
- Wenn das Kind nicht auf Licht reagiert oder die Augen nicht richtig bewegt
- Wenn sich ein plötzliches Schielen entwickelt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Alle Frühgeborenen mit erhöhtem Risiko bekommen fest eingeteilte Augenuntersuchungen in der Klinik. Diese Termine müssen unbedingt wahrgenommen werden – auch wenn die Eltern keine Probleme sehen.
Diagnose
Ein Augenarzt – meist ein Spezialist für Netzhauterkrankungen bei Kindern – untersucht den Augenhintergrund mit einem speziellen Gerät. Dafür bekommt das Baby Augentropfen, die die Pupille weit machen.
Mögliche Untersuchungen
- Untersuchung des Augenhintergrunds (Augenspiegelung)
- Fotografie oder Ultraschall des Auges (falls nötig)
- Bei sehr kleinen Frühgeborenen wird die Untersuchung in der Klinik in einer Art Babypflegetechnik durchgeführt, damit das Kind ruhig liegen kann
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist unangenehm, aber nicht schmerzhaft. Das Baby kann weinen. Die Augentropfen können eine Zeit lang kribbeln. Danach ist das Kind noch einige Stunden lichtempfindlich. Die Augenärztin oder der Augenarzt erklärt die Einteilung und die nächsten Schritte auf verständliche Weise.
Behandlung
Die Behandlung hängt davon ab, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist und wie schnell sie sich verändert. In leichten Fällen reicht eine regelmäßige Kontrolle. Bei schweren Formen kann ein Eingriff nötig sein, um das Augenlicht zu erhalten.
Selbsthilfe zu Hause
- Halten Sie alle Kontrolltermine ein, auch wenn das Baby gesund aussieht.
- Verdunkeln Sie nach der Augenuntersuchung den Raum etwas, weil die Pupillen lange weit bleiben.
- Trennen Sie Ihr Kind nicht unnötig von der medizinischen Betreuung – die Ärzteteams sind auf die Bedürfnisse von Frühgeborenen spezialisiert.
Medizinische Behandlungen
Je nach Schweregrad kann eine Laserbehandlung eingesetzt werden, um die krankhaft wachsenden Gefäße zu veröden und die Netzhaut zu stabilisieren. In manchen Fällen wird eine Injektion in das Auge gegeben, die das Gefäßwachstum hemmt. Die Entscheidung trifft das Spezialistenteam gemeinsam mit den Eltern.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn sich die Netzhaut abzulösen droht oder bereits abgelöst ist, ist meist eine Operation nötig. Dabei wird die Netzhaut wieder angelegt und das Auge stabilisiert.
Leben mit der Erkrankung
In den ersten Monaten und Jahren stehen regelmäßige Augenarztbesuche im Mittelpunkt. Viele Kinder mit ROP haben eine normale Sehentwicklung. Bei Sehschwäche helfen Brillen, Augenpflaster oder frühkindliche Sehtherapie.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf eine gute Beleuchtung im Spielzimmer.
- Halten Sie die vereinbarten Kontrollen ein – nicht nur die Augen, sondern auch die allgemeine Entwicklung wird überwacht.
- Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt über Fördermöglichkeiten, falls Ihr Kind entwicklungsverzögert ist.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung unterstützt die allgemeine Entwicklung des Frühgeborenen. Bewegungs- und Wahrnehmungsübungen helfen dem Gehirn, Augen und Körper zusammenzubringen. Sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt über geeignete Übungen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Zeit mit einem Frühgeborenen ist emotional aufwändig. Sorgen um die Augen und die Entwicklung können Eltern belasten. Es ist normal, sich ängstlich oder überfordert zu fühlen. Holen Sie sich Unterstützung aus Ihrem Familien-, Freundes- oder professionellem Umfeld.
Vorbeugung
Eine Frühgeburt selbst lässt sich nicht immer verhindern. Aber eine gute medizinische Betreuung von Mutter und Kind kann Risiken verringern. Die ROP selbst kann man nicht vorbeugen – man kann aber ihr Fortschreiten durch regelmäßige Kontrollen stoppen.
Impfungen
Für Frühgeborene gelten die üblichen Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt, wann die Impfungen für Ihr Kind sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland ist das Augenscreening für Frühgeborene mit Risiko eine feste Leitlinie. Es beginnt meist in der 4. bis 6. Lebenswoche und wird so lange wiederholt, bis sich die Netzhautgefäße normal entwickelt haben. Diese Untersuchungen sind entscheidend, um schwere Verläufe zu verhindern.
Komplikationen
Unbehandelt
- Netzhautablösung – die Netzhaut löst sich vom Augenhintergrund
- Schielbildung und Sehschwäche (Amblyopie)
- Erhöhter Augeninnendruck (Grüner Star)
- In schweren Fällen starke Sehbehinderung oder Blindheit
Langzeitprognose
Die meisten Kinder mit einer leichten ROP entwickeln sich gut und brauchen keine Behandlung. Auch bei schwereren Formen kann eine rechtzeitige Therapie in den allermeisten Fällen eine schwere Sehbehinderung verhindern. Der Verlauf ist für jedes Kind anders – aber es gibt viel Hoffnung und gute medizinische Möglichkeiten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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