Hüftkopfgleiten (SCFE)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das Hüftkopfgleiten (auch Epiphyseolysis capitis femoris oder SCFE genannt) ist eine Erkrankung der Hüfte bei Jugendlichen. Dabei rutscht der Oberschenkelkopf (der runde Teil des Oberschenkelknochens, der das Hüftgelenk bildet) in der Wachstumsfuge ab. Die Wachstumsfuge ist die Stelle, an der der Knochen in der Pubertät noch wächst. Wenn dort ein Abrutschen passiert, wird die Hüfte instabil und es entstehen Schmerzen.
Wichtige Fakten
- Betrifft vor allem Jugendliche während des Wachstumsschubs.
- Übergewicht kann das Risiko erhöhen.
- Häufig sind Hüftschmerzen, Hinken oder Knieschmerzen – auch Knieschmerzen können vom Hüftgelenk ausgehen.
- Eine frühzeitige Behandlung ist wichtig, um Folgeschäden zu vermeiden.
- Die Behandlung erfolgt fast immer durch eine Operation, bei der die Hüfte stabilisiert wird.
SCFE ist nicht häufig: In Deutschland erkranken etwa 2 bis 10 von 100.000 Jugendlichen pro Jahr. Trotzdem ist es die häufigste Hüfterkrankung im Jugendalter.
Besonders betroffen sind Mädchen um das 11. bis 13. Lebensjahr und Jungen um das 13. bis 15. Lebensjahr. Jungen erkranken häufiger als Mädchen. Kinder mit Übergewicht oder bestimmten hormonellen Erkrankungen (zum Beispiel einer Schilddrüsenunterfunktion) sind ebenfalls öfter betroffen.
Symptome
- Plötzlich auftretende sehr starke Schmerzen in Hüfte oder Knie
- Unfähigkeit, das Bein zu belasten oder zu gehen
- Das Bein ist spürbar verkürzt oder stark nach außen gedreht
- ⚠Schmerzen in Hüfte oder Knie, die länger als ein paar Tage anhalten
- ⚠Hinken oder Schonhaltung des Beins
- ⚠Eingeschränkte Beweglichkeit in der Hüfte
Häufige Symptome
- Hüftschmerzen (oft in der Leiste oder an der Außenseite der Hüfte)
- Knieschmerzen, die vom Hüftgelenk ausgehen
- Hinken beim Gehen
- Steifheit und eingeschränkte Beweglichkeit im Hüftgelenk
- Das betroffene Bein lässt sich möglicherweise schwerer anheben oder ist nach außen gedreht
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern und Jugendlichen treten die oben genannten Symptome auf.
- Besonders wichtig: Schmerzen im Knie ohne ersichtliche Ursache können ein Hinweis auf ein Hüftproblem sein.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Hüftkopfgleiten tritt typischerweise nicht bei älteren Erwachsenen auf.
- Bei Erwachsenen wären eher Verschleiß (Arthrose) oder ein Knochenbruch die Ursache für ähnliche Beschwerden.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt.
- In der Pubertät wird die Wachstumsfuge vorübergehend schwächer und kann unter Belastung nachgeben.
- Bei Übergewicht ist der Druck auf die Hüfte größer.
- Manchmal spielen auch erbliche Faktoren oder eine hormonelle Störung eine Rolle.
Risikofaktoren
- Übergewicht
- Männliches Geschlecht
- Pubertätsalter
- Bestimmte Erkrankungen wie Schilddrüsenunterfunktion oder Wachstumshormonmangel
- Eine familiäre Häufung kann ebenfalls das Risiko erhöhen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Hinken oder anhaltenden Hüft- oder Knieschmerzen sollten Sie noch am selben Tag einen Arzt aufsuchen.
- Wenn Ihr Kind das Bein nicht normal bewegen kann oder beim Gehen starke Schmerzen hat, ist eine schnelle Abklärung wichtig.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Ihr Kind über vorbeiziehende Beschwerden klagt, die sich aber wieder bessern, können Sie in den nächsten Tagen einen Termin vereinbaren – zur Sicherheit aber immer ärztlich abklären lassen.
Diagnose
Der Arzt fragt nach den Beschwerden und untersucht die Hüfte. Danach wird in der Regel eine Röntgenaufnahme gemacht, um die Lage des Hüftkopfes zu beurteilen.
Mögliche Untersuchungen
- Röntgen des Hüftgelenks (in zwei Ebenen)
- Bei unklaren Befunden manchmal Ultraschall oder Magnetresonanztomographie (MRT)
- Blutuntersuchung, um hormonelle Ursachen auszuschließen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert nicht lange. Bei Verdacht auf Hüftkopfgleiten überweist der Arzt Ihr Kind an eine orthopädische Klinik oder Facharztpraxis zur weiteren Diagnostik und Behandlung.
Behandlung
Ein Hüftkopfgleiten heilt nicht von allein. Die Behandlung besteht fast immer aus einer Operation, bei der das Hüftgelenk stabilisiert wird, damit die Wachstumsfuge fest zusammenheilen kann. Dadurch wird ein weiteres Abrutschen verhindert und Folgeschäden vorgebeugt.
Selbsthilfe zu Hause
- Vor der Operation: Das Bein entlasten (z. B. mit Unterarmgehstützen) und keinen Sport treiben.
- Nach der Operation: Die Empfehlungen des Arztes zum Verhalten im Alltag genau befolgen.
- Bei Schmerzen nach der Operation können Kühlen und Hochlagern helfen – sprechen Sie aber immer mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
Medizinische Behandlungen
Zur Schmerzlinderung können Medikamente eingesetzt werden, die der Arzt verordnet. Es gibt auch entzündungshemmende Schmerzmittel, die jedoch nur in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt angewendet werden sollten. Die wichtigste Behandlung ist die chirurgische Stabilisierung.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist fast immer notwendig. Dabei bringt der Chirurg den Hüftkopf wieder in die richtige Position und fixiert ihn mit kleinen Schrauben oder sogenannten Pins. Der Eingriff wird unter Vollnarkose durchgeführt. Bis das Wachstum abgeschlossen ist, sind regelmäßige Kontrollen sinnvoll.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Operation ist das Hüftgelenk in der Regel stabil. Ihr Kind kann nach einer Erholungsphase von einigen Wochen wieder alltäglichen Aktivitäten nachgehen und normal laufen. Wichtig ist, die Nachuntersuchungen wahrzunehmen und körperliche Anstrengung erst nach ärztlicher Freigabe zu steigern.
Tipps für den Alltag
- Auf ein gesundes Körpergewicht achten
- Sport erst nach Freigabe durch die Ärztin oder den Arzt wieder aufnehmen
- Empfohlene physiotherapeutische Übungen regelmäßig durchführen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Kalzium und Vitamin D unterstützt den Heilungsprozess. Gezielte Bewegung und Muskelaufbau sind nach Absprache mit Arzt oder Physiotherapeut empfehlenswert.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Schmerzen oder eine Operation können belastend sein. Es ist normal, sich Sorgen zu machen. Wenn Ihr Kind Niedergeschlagenheit oder Ängste zeigt, sprechen Sie offen darüber und holen Sie sich Unterstützung bei Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle.
Vorbeugung
Ein Hüftkopfgleiten lässt sich nicht immer verhindern. Ein gesundes Körpergewicht kann das Risiko jedoch senken, da Übergewicht ein bekannter Risikofaktor ist.
Impfungen
Eine Impfung gegen Hüftkopfgleiten gibt es nicht.
Früherkennungsprogramme
Bei einem erhöhten Risiko (z. B. durch Übergewicht oder hormonelle Erkrankungen) kann der Kinderarzt regelmäßig nach Hüftbeschwerden fragen und bei Bedarf eine Röntgenuntersuchung veranlassen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fortschreitendes Abrutschen des Hüftkopfes
- Durchblutungsstörung des Hüftkopfes (sogenannter Hüftkopfnekrose)
- Vorzeitiger Verschleiß des Hüftgelenks (Arthrose)
- Dauerhafte Bewegungseinschränkungen und Hinken
Langzeitprognose
Bei frühzeitiger Erkennung und rechtzeitiger operativer Behandlung haben die meisten Jugendlichen eine sehr gute Prognose. Die Hüfte kann nach der Heilung wieder voll belastet werden. Regelmäßige Kontrollen bis zum Ende des Wachstums sind wichtig, um ein erneutes Abrutschen zu vermeiden.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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