Spontane Koronararteriendissektion (SCAD)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Spontane Koronararteriendissektion (SCAD) ist ein seltener Notfall am Herzen. Dabei reißt die Wand eines Herzkranzgefäßes – das ist ein Blutgefäß, das den Herzmuskel mit Sauerstoff versorgt – plötzlich ein. Blut gelangt zwischen die Gefäßwände und drückt das Gefäß von innen zusammen. Dadurch wird der Blutfluss behindert und der Herzmuskel bekommt zu wenig Blut. Das kann einen Herzinfarkt auslösen. „Spontan“ bedeutet, dass dieser Riss ohne äußere Gewalt oder bekannte Gefäßverkalkung entsteht.
Wichtige Fakten
- SCAD ist eine häufige Ursache für Herzinfarkte bei Frauen unter 55 Jahren.
- Der Einriss betrifft nicht die typische Verkalkung der Gefäße, sondern die Gefäßwand selbst.
- Die Heilungschancen sind meist gut – die Gefäßwand kann von selbst wieder verheilen.
- Die Behandlung unterscheidet sich oft von der Behandlung einer klassischen koronaren Herzkrankheit.
- Bei einem akuten Herzinfarkt muss schnell gehandelt werden – Notruf 112.
SCAD ist insgesamt selten. Sie macht aber einen erheblichen Teil der Herzinfarkte bei jüngeren Frauen aus, während sie bei Männern seltener vorkommt.
SCAD betrifft am häufigsten Frauen im Alter zwischen 40 und 55 Jahren. Sie kann aber auch Männer, ältere Menschen und in seltenen Fällen jüngere Erwachsene betreffen. Viele Betroffene haben vorher keine klassischen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen.
Symptome
- Starke Brustschmerzen, die länger als ein paar Minuten anhalten
- Sehr starkes Engegefühl in der Brust
- Atemnot, die nicht besser wird
- Ohnmacht oder das Gefühl, gleich bewusstlos zu werden
- Kalte, schweißnasse Haut zusammen mit Brustschmerz
- Dauerhafte Schmerzen, die in den Arm oder Kiefer ausstrahlen – wählen Sie sofort 112
- ⚠Wiederkehrende Brustschmerzen, die nicht sehr stark sind, aber immer wieder auftauchen
- ⚠Neue Atemnot bei Belastung
- ⚠Ungewöhnliche Müdigkeit mit Druckgefühl in der Brust – ärztliche Abklärung noch am selben Tag
Häufige Symptome
- Schmerzen oder Druck in der Brust, häufig links
- Ausstrahlender Schmerz in den linken Arm, den Rücken oder den Hals
- Atemnot
- Kalter Schweiß
- Übelkeit oder Erbrechen
- Schwindel oder Schwächegefühl
- Plötzliche, ungewöhnliche Müdigkeit
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist SCAD extrem selten. Sollte ein Kind über starke Brustschmerzen, Atemnot oder Ohnmacht klagen, ist sofort ärztliche Hilfe – im Notfall der Rettungsdienst unter 112 – erforderlich.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen können die Beschwerden manchmal weniger typisch sein. Zeichen können unter anderem Schmerzen im Rücken oder Oberbauch, ungewöhnliche Atemnot oder eine starke Erschöpfung sein. Jedes neu auftretende unerklärliche Symptom sollte ernst genommen werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache von SCAD ist noch nicht vollständig geklärt.
- Man nimmt an, dass ein Zusammenspiel aus hormonellen Veränderungen und einer angeborenen Schwäche der Gefäßwand eine Rolle spielt.
- SCAD tritt häufig in der Schwangerschaft oder in den Wochen nach der Geburt auf.
- Starker emotionaler Stress, zum Beispiel ein Todesfall oder eine Trennung, kann ein Auslöser sein.
- Auch intensive körperliche Anstrengung, etwa extremes Krafttraining, wird als möglicher Auslöser beschrieben.
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht
- Alter zwischen 40 und 55 Jahren
- Schwangerschaft und Wochenbett
- Bindegewebserkrankungen, zum Beispiel das Ehlers-Danlos-Syndrom
- Starker psychischer Stress oder chronische Überlastung
- Bluthochdruck, der nicht gut eingestellt ist
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei starken, anhaltenden Brustschmerzen oder Anzeichen eines Herzinfarkts immer sofort den Notruf 112 wählen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie nach einer SCAD in Behandlung sind und neue Symptome bemerken, vereinbaren Sie zeitnah einen Termin in Ihrer herzärztlichen Sprechstunde.
- Wenn Sie wegen unklarer Beschwerden unsicher sind, sprechen Sie zunächst mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin.
Diagnose
Die Diagnose wird meist im Krankenhaus gestellt, häufig im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung. Dabei wird ein dünner Schlauch bis zu den Herzkranzgefäßen vorgeschoben und die Gefäßwand von innen mit Kontrastmittel sichtbar gemacht. Bei SCAD erkennt der Arzt eine doppelte Kontur der Gefäßwand – ein typisches Zeichen für einen Einriss.
Mögliche Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG)
- Blutuntersuchung auf Herzenzyme
- Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiographie)
- Herzultraschall (Echokardiographie)
- Computerteomographie (CT) der Herzkranzgefäße
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen finden in der Klinik statt. Sie müssen in den meisten Fällen für ein paar Tage zur Überwachung auf einer Herzstation bleiben. Bis zur endgültigen Diagnose kann es ein bis mehrere Tage dauern, insbesondere wenn spezielle Bildgebung nötig ist. Dabei arbeiten Ärzte, Pflegende und manchmal auch Spezialisten für Herzbildgebung eng zusammen.
Behandlung
Die Behandlung von SCAD unterscheidet sich von der üblichen Behandlung bei Gefäßverkalkung. Bei vielen Betroffenen heilt die eingerissene Gefäßwand von selbst wieder aus. Deshalb wird häufig zunächst zugewartet und mit einer medikamentösen Therapie unterstützt. Nur wenn das Gefäß vollständig verschlossen ist oder der Herzmuskel in Gefahr ist, kann ein Eingriff nötig werden.
Selbsthilfe zu Hause
- In den ersten Wochen körperliche Anstrengung vermeiden und es langsam angehen lassen
- Auf Warnsignale des Körpers achten – zum Beispiel auf neue Brustschmerzen
- Stress reduzieren und ausreichend Ruhepausen einplanen
- Regelmäßige Kontrolltermine beim Kardiologen wahrnehmen
Medizinische Behandlungen
Ihr Behandlungsteam kann Medikamente verschreiben, die zum Beispiel die Blutgerinnung beeinflussen oder den Blutdruck senken. Diese sollen den Heilungsprozess unterstützen und weitere Ereignisse verhindern. Welche Medikamente im Einzelfall geeignet sind, entscheidet die Ärztin oder der Arzt gemeinsam mit Ihnen. Halten Sie sich genau an die Anweisungen und fragen Sie bei Unsicherheiten nach.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation oder ein Eingriff mit einem Stent (kleines Gefäßstützgerüst) wird nur dann empfohlen, wenn das betroffene Gefäß stark verschlossen ist und der Herzmuskel nicht ausreichend durchblutet wird. Eine Bypass-Operation kann in schweren Fällen nötig sein. Diese Entscheidung trifft ein Team aus Kardiologen und Herzchirurgen – immer abhängig vom Zustand des einzelnen Patienten.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer SCAD ist Geduld wichtig. Ihr Körper braucht Zeit zum Heilen. Viele Betroffene fühlen sich nach einigen Wochen wieder gut. Eine Herz-Rehabilitation kann Ihnen dabei helfen, Vertrauen in Ihren Körper zurückzugewinnen und den Alltag Schritt für Schritt wieder aufzubauen.
Tipps für den Alltag
- Rauchen vermeiden oder damit aufhören
- Übermäßigen Alkoholkonsum vermeiden
- Für ausreichend und regelmäßigen Schlaf sorgen
- Stress aktiv reduzieren – etwa mit Atemübungen oder leichter Bewegung
- Neue sportliche Aktivitäten nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt beginnen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten unterstützt die Herzgesundheit. Vermeiden Sie große Mengen Zucker, Salz und stark verarbeitete Lebensmittel. Bei der Bewegung gilt: Starten Sie langsam, zum Beispiel mit Spazierengehen oder sanftem Radfahren. Ihr Kardiologe kann Ihnen sagen, welches Maß an Belastung für Sie sicher ist.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine SCAD ist ein einschneidendes Ereignis. Angst vor einem weiteren Anfall ist ganz normal. Diese Gefühle ernst zu nehmen gehört zur Genesung dazu. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt über seelische Belastungen zu sprechen. Auch eine psychologische Beratung oder eine Selbsthilfegruppe können dabei helfen, Sicherheit zurückzugewinnen.
Vorbeugung
SCAD lässt sich nicht sicher verhindern, weil die genauen Auslöser noch unbekannt sind. Sie können aber Ihr Herz allgemein schützen: mit einem gesunden Lebensstil, gutem Stressmanagement und einer guten Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck.
Impfungen
Eine Impfung gegen SCAD gibt es nicht. Schutzimpfungen gegen Grippe und andere Atemwegserkrankungen werden für Menschen mit Herzerkrankungen aber allgemein empfohlen – sprechen Sie hierzu mit Ihrem Hausarzt.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine spezielle Vorsorgeuntersuchung für die Allgemeinbevölkerung. Wenn Sie bereits eine SCAD hatten, wird Ihr Kardiologe regelmäßige Kontrollen mit Ihnen vereinbaren, um den Heilungsprozess zu beobachten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ein anhaltender Verschluss eines Herzkranzgefäßes kann zu einem großen Herzinfarkt führen
- Es können dauerhafte Schäden am Herzmuskel bleiben
- Es können gefährliche Herzrhythmusstörungen auftreten
- Im schlimmsten Fall kann es zum plötzlichen Herztod kommen – schnelles Handeln rettet Leben
Langzeitprognose
Die gute Nachricht ist: Die meisten Menschen mit SCAD überleben und erholen sich erstaunlich gut. Die eingerissene Gefäßwand heilt häufig von selbst aus, und die langfristige Prognose ist oft besser als bei einem klassischen Herzinfarkt durch Gefäßverkalkung. Mit einer guten medizinischen Begleitung, einem gesunden Lebensstil und der Bereitschaft, auf den eigenen Körper zu hören, können viele Betroffene ein erfülltes und aktives Leben führen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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