Achalasie – Wenn das Schlucken nicht mehr klappt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Achalasie ist eine seltene Erkrankung der Speiseröhre. Die Speiseröhre ist der Muskelkanal, der Speisen und Flüssigkeiten vom Rachen in den Magen transportiert. Bei Achalasie entspannt sich der untere Schließmuskel der Speiseröhre beim Schlucken nicht richtig. Außerdem verliert die Muskulatur der Speiseröhre ihre Fähigkeit, die Nahrung mit wellenförmigen Bewegungen zum Magen zu schieben. Dadurch bleibt Essen in der Speiseröhre liegen, was Schluckbeschwerden, Aufstoßen und Schmerzen hinter dem Brustbein verursacht.
Wichtige Fakten
- Die Krankheit ist selten: Jährlich erkranken in Deutschland etwa 1 von 100.000 Menschen neu daran.
- Achalasie tritt meist zwischen dem 25. und 60. Lebensjahr auf, kann aber in jedem Alter vorkommen.
- Die genaue Ursache ist noch nicht vollständig geklärt.
- Es gibt verschiedene wirksame Behandlungen, die die Beschwerden deutlich lindern können.
Nein, Achalasie ist selten. Die Diagnose wird in Deutschland auf etwa 1 bis 2 von 100.000 Menschen pro Jahr neu gestellt.
Achalasie kann in jedem Lebensalter auftreten, am häufigsten aber bei Erwachsenen zwischen 25 und 60 Jahren. Männer und Frauen sind etwa gleich oft betroffen.
Symptome
- Sehr starke, plötzliche Brustschmerzen, die in den Arm oder Kiefer ausstrahlen – sofort die 112 rufen, es könnte ein Herzinfarkt sein.
- Erstickungsgefühl oder Atemnot nach dem Schlucken
- Erbrechen von frischem Blut oder Abgang von schwarzem Stuhl
- Hohes Fieber mit Schüttelfrost und starkem Krankheitsgefühl
- ⚠Schluckbeschwerden, die so schlimm sind, dass Sie kaum noch etwas essen oder trinken können
- ⚠Ungewollter, deutlicher Gewichtsverlust innerhalb kurzer Zeit
- ⚠Wiederholtes nächtliches Erbrechen von unverdauter Nahrung
Häufige Symptome
- Schwierigkeiten beim Schlucken von festen Speisen, später auch von Flüssigkeiten
- Das Gefühl, dass Essen in der Brust stecken bleibt
- Aufstoßen von unverdauter Nahrung, besonders nachts oder im Liegen
- Brustschmerzen oder Druckgefühl hinter dem Brustbein
- Sodbrennen, das durch übliche Mittel nicht besser wird
- Ungewollter Gewichtsverlust, weil das Essen schwerfällt
- Husten oder Verschlucken, vor allem nachts
Symptome bei Kindern
- Erbrechen nach dem Essen
- Langsames Essen oder Verweigerung von festen Speisen
- Schlechter Appetit und ungewollter Gewichtsverlust
- Wiederkehrende Atemwegsinfekte durch Einatmen von Nahrung
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Anhaltende Schluckbeschwerden, die oft mit dem Alter verwechselt werden
- Häufiges Würgen oder Räuspern beim Essen
- Nächtlicher Husten und Aufstoßen
- Deutlicher Gewichtsverlust ohne erkennbare andere Ursache
Ursachen
Hauptursachen
- In der Muskelwand der Speiseröhre gehen bestimmte Nervenzellen verloren, die für die Entspannung des Schließmuskels zuständig sind.
- Durch den Nervenverlust kann sich der untere Schließmuskel nicht mehr öffnen und die Speiseröhre transportiert die Nahrung nicht mehr weiter.
- Die genauen Auslöser sind unbekannt. Möglicherweise spielen Virusinfektionen oder eine Reaktion des Immunsystems gegen eigene Körperzellen eine Rolle.
Risikofaktoren
- Es gibt keine gesicherten vermeidbaren Risikofaktoren im Alltag.
- In seltenen Fällen tritt Achalasie gehäuft innerhalb einer Familie auf, was auf eine erbliche Veranlagung hindeuten kann.
- Manchmal ist Achalasie mit bestimmten Autoimmunerkrankungen verbunden, bei denen das Immunsystem gegen den eigenen Körper vorgeht.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn das Schlucken fast unmöglich ist und Sie auch Flüssigkeiten kaum noch hinunterbekommen
- Wenn Sie ungewollt schnell viel Gewicht verlieren
- Wenn Sie wiederholt erbrechen, besonders nachts
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie seit mehreren Wochen immer wieder Probleme beim Schlucken haben
- Wenn Sie das Gefühl haben, dass Speisen in der Brust stecken bleiben
- Wenn Sodbrennen trotz Behandlung nicht besser wird
- Wenn Sie nachts immer wieder husten oder aufstoßen
Diagnose
Um eine Achalasie festzustellen, sind spezielle Untersuchungen der Speiseröhre nötig. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird zunächst ausführlich nach Ihren Beschwerden fragen und Sie körperlich untersuchen. Danach folgen in der Regel eine Magenspiegelung und eine Druckmessung der Speiseröhre. Die Behandlung richtet sich nach den aktuellen medizinischen Leitlinien, zum Beispiel den AWMF-Leitlinien zur Achalasie.
Mögliche Untersuchungen
- Ösophagogastroduodenoskopie (Magenspiegelung): Ein dünner Schlauch mit Kamera wird über den Mund eingeführt, um die Speiseröhre direkt zu betrachten und Engstellen oder Entzündungen zu erkennen.
- Ösophagusmanometrie (Druckmessung): Ein dünner Schlauch wird durch die Nase in die Speiseröhre gelegt. Die Messung zeigt, wie stark die Muskeln der Speiseröhre sich zusammenziehen und ob sich der Schließmuskel richtig entspannt.
- Breischluck-Röntgenuntersuchung: Sie trinken eine weiße Kontrastflüssigkeit. Auf dem Röntgenbild wird sichtbar, wie die Flüssigkeit durch die Speiseröhre fließt und ob sie sich dort staut.
- Hochauflösende Manometrie: Eine besonders genaue Form der Druckmessung, die die Bewegungsmuster der Speiseröhre sehr detailliert darstellt.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind unangenehm, aber meist gut auszuhalten. Für die Magenspiegelung bekommen Sie in der Regel ein Beruhigungsmittel. Bei der Druckmessung kann ein Würgereiz auftreten, verschwindet aber nach dem Einführen des Schlauches meist schnell. Sie können danach nach Hause gehen, sollten den Tag aber ruhig verbringen und nicht selbst Auto fahren, wenn Sie ein Beruhigungsmittel bekommen haben.
Behandlung
Das Ziel der Behandlung ist es, den verschlossenen Schließmuskel der Speiseröhre zu öffnen, damit Speisen und Flüssigkeiten wieder leichter in den Magen gelangen. Eine vollständige Heilung der Nervenschädigung gibt es nicht, aber die Beschwerden lassen sich meist gut lindern. Welche Behandlung die beste ist, hängt von Ihrem Alter, Ihrem Gesundheitszustand und der Schwere der Krankheit ab. Ihre Ärztinnen und Ärzte besprechen die Vor- und Nachteile gemeinsam mit Ihnen.
Selbsthilfe zu Hause
- Essen Sie langsam und kauen Sie sehr gründlich.
- Bevorzugen Sie mehrere kleine Mahlzeiten am Tag statt großer Portionen.
- Trinken Sie zu jedem Bissen einen Schluck Wasser.
- Bleiben Sie nach dem Essen mindestens 30 Minuten aufrecht sitzen.
- Meiden Sie sehr trockene, faserige oder klebrige Speisen, wenn sie Probleme bereiten.
Medizinische Behandlungen
Es gibt Medikamente, die den Schließmuskel der Speiseröhre entspannen. Diese Medikamente können die Beschwerden jedoch nur vorübergehend lindern und sind nicht für eine dauerhafte Behandlung gedacht. Häufig wird eine endoskopische Ballondilatation angewendet: Dabei wird ein Ballon in den verengten Schließmuskel eingeführt und aufgeblasen, um ihn zu erweitern. Auch eine endoskopische Myotomie (kurz POEM) ist möglich. Bei diesem Eingriff werden die Muskelfasern des Schließmuskels von innen durch den Mund mit einem Endoskop durchtrennt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird empfohlen, wenn die schonenden Verfahren nicht genug helfen oder wenn eine stärkere Erweiterung des Schließmuskels nötig ist. Die klassische Operation ist die Heller-Myotomie, bei der der Schließmuskel chirurgisch durchtrennt wird. Sie wird heute meist minimalinvasiv über kleine Bauchschnitte (Schlüssellochtechnik) durchgeführt. Die Erfolgsaussichten sind hoch.
Leben mit der Erkrankung
Das Leben mit Achalasie erfordert etwas Umstellung. Essen wird bewusster und braucht mehr Zeit. Viele Menschen entwickeln eigene Tricks, zum Beispiel den Kopf in eine bestimmte Position zu bringen oder sich nach jedem Bissen zu strecken. Wichtig ist, sich nicht unter Druck zu setzen und sich entspannt Zeit für Mahlzeiten zu nehmen.
Tipps für den Alltag
- Halten Sie beim Essen eine aufrechte Haltung ein.
- Schlafen Sie mit erhöhtem Oberkörper, damit nachts keine Nahrung zurückfließt.
- Tragen Sie bequeme Kleidung, die nicht auf den Bauch drückt.
- Haben Sie immer etwas zu trinken in Reichweite, um Speisen hinunterzuspülen.
Ernährung und Bewegung
Weiche, feuchtigkeitsspendende Speisen wie Eintöpfe, Joghurt oder gut zerkleinerte Kartoffeln sind oft leichter zu schlucken. Trinken Sie ausreichend, aber nicht zu viel auf einmal. Nach dem Essen ist ein gemütlicher Spaziergang ideal; anstrengenden Sport sollten Sie mindestens eine Stunde warten lassen, um Aufstoßen zu vermeiden.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Anhaltende Schluckbeschwerden können verunsichern und Angst vor dem Essen machen. Das ist verständlich. Es kann helfen, sich über die Krankheit zu informieren, Techniken zur Entspannung auszuprobieren und sich zu sagen, dass die Erkrankung gut behandelbar ist. Sollten sich depressive Verstimmungen zeigen, sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt. In einer seelischen Krise können Sie sich jederzeit an die Telefonseelsorge wenden.
Vorbeugung
Eine Achalasie lässt sich nicht gezielt verhindern, weil die genaue Ursache unbekannt ist. Eine gesunde Lebensweise ist aber immer sinnvoll. Am wichtigsten ist es, anhaltende Schluckbeschwerden frühzeitig ärztlich abklären zu lassen, damit Folgeerkrankungen vermieden werden.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein spezielles Früherkennungsprogramm für Achalasie. Bei bestehender Erkrankung sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen wichtig, um den Verlauf zu überwachen und seltene Spätfolgen rechtzeitig zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wiederholtes Einatmen von Speiseresten in die Lunge kann eine Lungenentzündung (Aspirationspneumonie) verursachen.
- Deutlicher Gewichtsverlust und Mangelernährung, wenn lange Zeit zu wenig gegessen werden kann.
- Entzündung der Speiseröhre, weil sich Speisen und Säfte dort stauen.
- Nach vielen Jahren besteht möglicherweise ein leicht erhöhtes Risiko für Speiseröhrenkrebs. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen wichtig.
Langzeitprognose
Mit einer geeigneten Behandlung können die meisten Menschen mit Achalasie wieder gut essen und trinken. Die Erfolgsraten der Operationen und der endoskopischen Verfahren liegen bei über 80 Prozent. Auch wenn die Krankheit nicht heilbar ist, ist sie gut behandelbar. Mit Unterstützung und einer positiven Einstellung können Sie ein erfülltes Alltagsleben führen – nehmen Sie die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen wahr und scheuen Sie sich nicht, über Ihre Beschwerden zu sprechen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
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