Trikuspidalklappenerkrankung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Trikuspidalklappe ist eine Herzklappe zwischen dem rechten Vorhof und der rechten Herzkammer. Sie öffnet und schließt sich bei jedem Herzschlag, damit das Blut richtig fließt. Bei einer Trikuspidalklappenerkrankung ist diese Klappe nicht richtig verengt oder undicht, sodass das Herz stärker arbeiten muss.
Wichtige Fakten
- Die Trikuspidalklappe sitzt im rechten Herzen zwischen Vorhof und Herzkammer.
- Eine Erkrankung kann eine Verengung (Stenose) oder ein Undichtigsein (Insuffizienz) sein.
- Sie tritt häufiger zusammen mit anderen Herzerkrankungen auf, zum Beispiel mit einer Erkrankung der Mitralklappe.
Die Trikuspidalklappenerkrankung ist deutlich seltener als Erkrankungen der Aorten- oder Mitralklappe. Sie wird oft nur im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung des Herzens entdeckt.
Sie kann jeden Menschen betreffen, unabhängig vom Alter. Sie tritt häufiger bei Menschen mit bestehender Herzerkrankung, angeborenem Herzfehler, Lungenerkrankungen oder einer Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) auf.
Symptome
- Sofort die 112 rufen: Schwere Atemnot, die auch in Ruhe nicht nachlässt
- Sofort die 112 rufen: Starke Schmerzen im Brustkorb, die nicht weggehen
- Sofort die 112 rufen: Ohnmacht oder Beinahe-Ohnmacht
- Sofort die 112 rufen: Sehr unregelmäßiger Puls mit Schwindel und Schwäche
- ⚠Schnelle Zunahme von Beinschwellungen oder Bauchumfang
- ⚠Gewichtszunahme von mehr als 2 Kilogramm innerhalb weniger Tage
- ⚠Fieber mit Schüttelfrost und neuem Herzgeräusch (mögliche Herzklappenentzündung)
Häufige Symptome
- Kurzatmigkeit, besonders bei Belastung
- Müdigkeit und Schwäche
- Geschwollene Beine oder Knöchel
- Aufgeblähter Bauch oder Druckgefühl im Oberbauch
- Herzklopfen oder unregelmäßiger Herzschlag
Symptome bei Kindern
- Gedeihstörungen (schlechte Gewichtszunahme)
- Schnelle Ermüdung beim Trinken oder Spielen
- Bläuliche Verfärbung der Lippen oder Haut (bei angeborenen Formen)
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Zunehmende Erschöpfung im Alltag
- Wassereinlagerungen in den Beinen
- Husten oder Atemnot in Ruhe oder bei leichter Anstrengung
- Verwirrtheit bei älteren Menschen durch verminderte Durchblutung
Ursachen
Hauptursachen
- Angeborene Fehlbildungen der Herzklappe (zum Beispiel Ebstein-Anomalie)
- Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) durch Bakterien
- Rheumatisches Fieber (in Deutschland heute selten)
- Erweiterung der rechten Herzhöhlen durch Bluthochdruck im Lungenkreislauf (pulmonale Hypertonie)
- Erkrankungen der linken Herzhälfte, die das ganze Herz beeinträchtigen
Risikofaktoren
- Bestehende Herzerkrankungen, zum Beispiel Herzschwäche oder Herzinfarkt
- Lungenkrankheiten wie COPD oder Lungenembolie
- Drogenkonsum mit Spritzen (erhöhtes Risiko für Herzklappenentzündungen)
- Implantierte Herzschrittmacher- oder Defibrillator-Elektroden
- Frühere rheumatische Erkrankungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich Atemnot, Brustschmerzen oder Herzrasen bekommen
- Wenn sich Ihre Beine innerhalb weniger Tage stark schmerzhaft vergrößern
- Wenn Sie Fieber, Schüttelfrost und ein allgemeines Krankheitsgefühl haben
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie bereits wissen, dass Ihre Trikuspidalklappe verändert ist, sind regelmäßige Kontrollen wichtig.
- Wenn Sie anhaltende Müdigkeit oder Wassereinlagerungen über mehrere Wochen bemerken.
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin hört Ihr Herz ab, fragt nach Ihren Beschwerden und führt eine Ultraschalluntersuchung des Herzens durch, die Echokardiografie. Ergänzende Untersuchungen helfen, die genaue Funktion der Klappe und die Belastung des Herzens zu beurteilen. Die Diagnose und Behandlung folgen den Leitlinien der AWMF.
Mögliche Untersuchungen
- Echokardiografie (Herzultraschall) – mit oder ohne Schluckuntersuchung
- Elektrokardiogramm (EKG) zur Messung der Herzaktionen
- Röntgenaufnahme des Brustkorbs
- Magnetresonanztomografie (MRT) des Herzens für eine genaue Darstellung
- Manchmal Herzkatheteruntersuchung, um den Druck im Herzen zu messen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei. Sie müssen sich vorher nicht auf besondere Weise vorbereiten. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin bespricht die Ergebnisse mit Ihnen und erklärt, ob die Klappe behandelt werden muss.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Ursache, der Schwere der Erkrankung und Ihren Beschwerden ab. Ziel ist es, das Herz zu entlasten, Beschwerden zu lindern und mögliche Folgen zu vermeiden. Bei einer leichten Erkrankung reichen oft regelmäßige Kontrollen und ein gesunder Lebensstil.
Selbsthilfe zu Hause
- Beobachten Sie Ihr Gewicht und Ihre Beine regelmäßig und notieren Sie Veränderungen.
- Achten Sie auf eine kochsalzarme Ernährung, um Wassereinlagerungen zu verringern.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, aber überlasten Sie sich nicht. Sprechen Sie Bewegung mit Ihrem Arzt ab.
- Vermeiden Sie Rauchen und trinken Sie nur wenig Alkohol.
- Nehmen Sie alle verschriebenen Medikamente zuverlässig ein.
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann Ihnen Medikamente verschreiben, die dem Körper überschüssiges Wasser entziehen, den Blutdruck senken oder den Herzrhythmus stabilisieren. Medikamente werden immer individuell auf Sie und Ihre Herzerkrankung abgestimmt. Einige Patienten werden sie dauerhaft brauchen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Klappenerkrankung schwer ist und zu starken Beschwerden führt oder das Herz schädigt, kann ein Eingriff nötig sein. Dabei kann die Klappe repariert oder durch eine künstliche Klappe ersetzt werden. Ob dies möglich ist, hängt vom Einzelfall ab und wird in einem Herz-Team besprochen.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer Trikuspidalklappenerkrankung können Sie viele Jahre gut leben. Wichtig sind regelmäßige ärztliche Kontrollen, eine gesunde Lebensweise und ein wachsames Auge auf Warnzeichen wie ungewöhnliche Atemnot oder Wassereinlagerungen. Eine herzgesunde Ernährung und moderate Bewegung stärken Ihr Herz.
Tipps für den Alltag
- Planen Sie Pausen im Alltag und wiegen Sie sich täglich zur gleichen Zeit.
- Führen Sie ein kleines Beschwerde-Tagebuch, um Veränderungen zu erkennen.
- Fragen Sie bei Reisen in große Höhen oder sehr warmen Regionen vorher Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
- Tragen Sie einen Notfallausweis oder notieren Sie Ihre Erkrankung in Ihrem Handy – zum Beispiel für den Notfall.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten ist empfehlenswert. Salzen Sie wenig und meiden Sie stark verarbeitete Lebensmittel. Bei Bewegung gilt: Belasten Sie sich so, dass Sie sich dabei noch unterhalten können. Beginnen Sie langsam und steigern Sie sich vorsichtig.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer Herzerkrankung kann Angst machen oder belasten. Sprechen Sie offen über Ihre Sorgen, mit Ihrer Familie, Ihrer Hausärztin oder einem psychologischen Beratungsangebot. Emotionale Unterstützung ist ein wichtiger Teil der Behandlung.
Vorbeugung
Eine Trikuspidalklappenerkrankung lässt sich nicht immer verhindern. Sie können aber Ihr Herz schützen, indem Sie Herz-Kreislauf-Risiken wie Bluthochdruck oder Diabetes behandeln lassen und Infektionen vorbeugen. Vermeiden Sie Drogenkonsum mit Spritzen und suchen Sie früh medizinische Hilfe bei Fieber und Herzgeräuschen.
Impfungen
Lassen Sie sich regelmäßig gegen Grippe und Lungenentzündung impfen, da diese Infektionen das Herz belasten können. Auch eine Impfung gegen Pneumokokken wird Menschen mit Herzerkrankungen oft empfohlen. Besprechen Sie den Impfstatus mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Wenn Sie eine Herzerkrankung haben, wird der Arzt oft schon beim Abhören des Herzens ein verändertes Geräusch bemerken. Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie) ist die wichtigste Screening-Untersuchung. Sie wird vor allem bei Personen mit Herzschwäche oder nach einer Herzentzündung durchgeführt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Rechtsherzinsuffizienz (Schwäche der rechten Herzkammer)
- Schwere Herzrhythmusstörungen
- Stauung der Leber mit Leberschädigung
- Stark eingeschränkte körperliche Belastbarkeit
Langzeitprognose
Die Prognose ist gut, wenn die Erkrankung früh erkannt und richtig behandelt wird. Viele Menschen haben eine leichte Form, die ihre Lebenserwartung kaum beeinflusst. Bei schweren Formen gibt es erfolgreiche Behandlungen, die Beschwerden lindern und die Lebensqualität verbessern können. Ihr Behandlungsteam begleitet Sie auf diesem Weg.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.