Scheidensenkung (Vaginalprolaps) – Ursachen, Symptome und Hilfe
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei einer Scheidensenkung, auch Vaginalprolaps genannt, erschlafft das Bindegewebe im Becken. Dadurch wölbt sich die Scheidenwand nach unten oder die Scheide stülpt sich sogar nach außen. Häufig ist auch die Harnblase, der Darm oder die Gebärmutter daran beteiligt. Eine Scheidensenkung ist keine Krebserkrankung und in der Regel kein Notfall – aber sie kann das Wohlbefinden stark beeinträchtigen.
Wichtige Fakten
- Die Scheidensenkung entsteht meist durch eine Schwäche des Beckenbodens.
- Symptome sind zum Beispiel ein Druckgefühl, Probleme beim Wasserlassen oder Ziehen im Unterleib.
- Es gibt gute Behandlungsmöglichkeiten wie Beckenbodentraining, eine Stützvorrichtung oder eine Operation.
Ja, eine Scheidensenkung ist sehr häufig. Schätzungen zufolge ist fast jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens betroffen, vor allem nach der Menopause und nach Geburten.
Betroffen sind fast immer Frauen. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter, nach vaginalen Geburten, bei schwerem Heben oder bei chronischer Verstopfung.
Symptome
- Plötzlich auftretende starke Schmerzen im Unterleib
- Der Scheidenvorfall tritt plötzlich aus und lässt sich nicht von allein zurückschieben
- Wenn Sie ein sehr blasses, kaltes Gefühl in der Scheide haben oder der Vorfall sich dunkelblau verfärbt – das kann ein Notfall sein. Rufen Sie sofort die 112.
- ⚠Sie können auf einmal kein Wasser lassen oder keinen Stuhlgang mehr absetzen
- ⚠Sie bemerken starke Blutungen aus der Scheide, die nicht zur Periode gehören
- ⚠Ihr Allgemeinzustand ist schlecht, zum Beispiel mit Fieber, Übelkeit oder Verwirrtheit
Häufige Symptome
- Druckgefühl oder Fremdkörpergefühl in der Scheide
- Ziehen oder Schweregefühl im Unterleib
- Probleme beim Wasserlassen, zum Beispiel ein schwacher Harnstrahl oder das Gefühl, die Blase nicht ganz zu entleeren
- Schwierigkeiten beim Stuhlgang oder das Gefühl einer Blockade
- Schmerzen oder ein Gefühl von Enge beim Geschlechtsverkehr
Ursachen
Hauptursachen
- Eine Schwäche des Bindegewebes und der Beckenbodenmuskulatur
- Belastung des Beckenbodens und des Bindegewebes durch Schwangerschaft und Geburt
- Ein natürlicher Verlust an Elastizität im Alter, besonders nach den Wechseljahren
Risikofaktoren
- Schwangerschaft und vaginale Geburten
- Übergewicht
- Wiederholtes schweres Heben oder körperlich anstrengende Arbeit
- Chronische Verstopfung oder starkes Pressen beim Toilettengang
- Chronischer Husten, zum Beispiel bei Asthma oder Rauchen
- Eine angeborene oder familiäre Bindegewebsschwäche
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich nicht mehr Wasser lassen können
- Wenn der Vorfall stark schmerzt oder sich dunkel verfärbt
- Wenn Sie Fieber oder Kreislaufprobleme bekommen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie ein Druckgefühl, einen Fremdkörper oder einen ziehenden Schmerz in der Scheide bemerken
- Wenn Sie Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang haben
- Wenn die Beschwerden im Alltag zunehmen oder Sie beim Geschlechtsverkehr Schmerzen haben
Diagnose
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird zuerst mit Ihnen sprechen und Sie dann körperlich untersuchen, meist mit einer Spiegeluntersuchung der Scheide. Dabei können Sie auf einem Untersuchungsstuhl liegen. Die Untersuchung tut nicht weh.
Mögliche Untersuchungen
- Die gynäkologische Untersuchung mit einem Spekulum (einem Instrument, das die Scheide sanft öffnet)
- Ein Abtasten der Scheide und des Beckenbodens, um den Schweregrad der Senkung einzuschätzen
- Gegebenenfalls ein Ultraschall der Nieren und der Blase
- Bei Blasenproblemen manchmal eine Untersuchung des Urins und eine Blasendruckmessung (Urodynamik)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung dauert etwa 15 bis 30 Minuten. Sie können sich dabei Zeit lassen und Fragen stellen. Die behandelnde Person kann Ihnen anschließend erklären, wie stark die Senkung ist. Die Einteilung folgt internationalen und nationalen Leitlinien, zum Beispiel der AWMF-Leitlinie.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich danach, wie sehr Sie die Beschwerden stören. Es kommen konservative (nicht-operative) Verfahren in Frage, etwa Beckenbodentraining, eine Stützvorrichtung oder auch einfach Abwarten und regelmäßige Kontrollen. Operationen sind nur nötig, wenn die Beschwerden stark sind.
Selbsthilfe zu Hause
- Beckenbodenübungen: Ihre Physiotherapeutin oder Ihr Physiotherapeut kann Ihnen zeigen, wie Sie den Beckenboden kräftigen.
- Vermeiden Sie starkes Pressen auf der Toilette. Trinken Sie ausreichend und achten Sie auf eine ballaststoffreiche Ernährung.
- Reduzieren Sie Übergewicht, wenn das möglich ist.
- Vermeiden Sie häufiges schweres Heben – heben Sie Gegenstände aus den Knien heraus, nicht aus dem Bauch.
Medizinische Behandlungen
Zu den medizinischen Behandlungen zählt zum Beispiel ein Pessar: eine weiche Stützvorrichtung aus medizinischem Silikon, die eine Fachperson in die Scheide einsetzt und so die Senkung von innen abstützt. Außerdem kann eine östrogenhaltige Creme die Scheidenschleimhaut kräftigen – aber nur, wenn eine Ärztin oder ein Arzt sie verordnet. Ihr Behandlungsteam wird mit Ihnen besprechen, welche Option zu Ihrer Lebenssituation passt. Die Entscheidung folgt den Empfehlungen der Fachgesellschaften, unter anderem der AWMF-Leitlinie zum Beckenboden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn das Druckgefühl stark ist, Blase oder Darm deutlich in ihrer Funktion eingeschränkt sind und andere Maßnahmen nicht helfen, kann eine Operation die Organe wieder anheben. Dabei wird das erschlaffte Bindegewebe gerafft oder verstärkt. Die Operation wird individuell geplant – besprechen Sie die Vor- und Nachteile genau mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt.
Leben mit der Erkrankung
Sie können gut mit einer Scheidensenkung leben, wenn Sie Ihren Beckenboden regelmäßig trainieren und schwere Belastungen vermeiden. Wenn Sie wissen, was die Beschwerden lindert – zum Beispiel sich hinzulegen und die Beine hochzulegen – können Sie den Alltag besser gestalten.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich regelmäßig, zum Beispiel mit Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen.
- Stehen Sie bei längerem Stehen immer wieder auf, machen Sie kleine Pausen und setzen Sie sich.
- Vermeiden Sie extremes Bauchtraining oder Übungen mit schweren Gewichten, die das Becken stark belasten.
- Gehen Sie rechtzeitig auf die Toilette und halten Sie den Urin nicht übermäßig lange an.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten hält den Stuhl weich und verhindert Pressen. Auch genug zu trinken ist wichtig. Für den Beckenboden sind Gehen, Tanzen, Fahrradfahren und Beckenbodenübungen gut. Eine spezialisierte Physiotherapie kann Ihnen einen Trainingsplan erstellen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Scheidensenkung kann Scham und Verunsicherung auslösen. Viele Frauen finden es schwierig, offen darüber zu sprechen. Es ist ganz normal, sich Sorgen zu machen. Sie müssen deshalb nicht alleine bleiben. Holen Sie sich Unterstützung – zum Beispiel bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bei einer Beckenboden-Sprechstunde oder einer Selbsthilfegruppe.
Vorbeugung
Nicht jede Scheidensenkung ist vermeidbar. Sie können Ihr persönliches Risiko aber senken, wenn Sie Ihren Beckenboden trainieren – besonders während und nach einer Schwangerschaft –, Übergewicht vermeiden, nicht schwer heben und Verstopfung vorbeugen.
Impfungen
Eine Impfung gegen Scheidensenkung gibt es nicht.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine spezielle Reihenuntersuchung zur Früherkennung. Bei der regelmäßigen gynäkologischen Untersuchung kann die Senkung aber oft mitbeurteilt werden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine leichte Senkung kann sich langsam verschlimmern, muss es aber nicht.
- Wenn die Scheide vollständig nach außen tritt, kann die Schleimhaut austrocknen, wund werden oder bluten.
- In seltenen Fällen kann der Vorfall eingeklemmt werden und die Durchblutung stören – dann ist schnelles Handeln nötig.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind sehr gut. Die meisten Frauen können mit einer Scheidensenkung gut leben, wenn sie frühzeitig gut informiert sind und passende Unterstützung bekommen. Es gibt viele Behandlungsmöglichkeiten – von einfachen Übungen bis zur Operation – und Ihr Behandlungsteam wird gemeinsam mit Ihnen den besten Weg finden.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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