Aneurysma der Eingeweidearterien
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Aneurysma der Eingeweidearterien ist eine krankhafte Erweiterung einer Arterie, die ein Organ im Bauchraum versorgt – zum Beispiel die Leber, die Milz, die Nieren oder den Darm. Man kann es sich wie eine Ausbuchtung in der Gefäßwand vorstellen, ähnlich wie bei einer Blase an einem Fahrradschlauch. Solch eine Ausbuchtung kann mit der Zeit reißen, deshalb ist es wichtig, sie zu entdecken und zu beobachten.
Wichtige Fakten
- Die meisten Eingeweidearterien-Aneurysmen verursachen keinerlei Beschwerden und werden oft nur zufällig bei einer Ultraschall- oder CT-Untersuchung entdeckt.
- Sie können an verschiedenen Arterien im Bauchraum auftreten, am häufigsten an der Milzarterie, gefolgt von Leber- und Nierenarterie.
- Nicht jedes Aneurysma muss sofort behandelt werden; kleine, unauffällige Aneurysmen werden in regelmäßigen Abständen kontrolliert.
Nein, diese Erkrankung ist selten. Von 100.000 Menschen haben ungefähr 1 bis 2 ein Aneurysma an einer Eingeweidearterie.
Es kann Menschen jeden Alters betreffen, aber am häufigsten sind Erwachsene mittleren oder höheren Alters. Frauen sind etwas häufiger an der Milzarterie betroffen, Männer häufiger an anderen Baucharterien. Bei Kindern kommt es sehr selten vor, oft im Zusammenhang mit angeborenen Bindegewebserkrankungen.
Symptome
- Plötzlich auftretende, sehr starke Schmerzen im Bauch oder Rücken
- Schwindel, Kreislaufkollaps oder Bewusstlosigkeit
- Starkes Schwitzen bei blasser Haut und schnellem Puls
- Anzeichen eines Schocks – zum Beispiel kalte Haut und Verwirrtheit
- ⚠Neu aufgetretene oder zunehmende Bauchschmerzen
- ⚠Fieber mit Bauchschmerzen (kann auf eine Entzündung hindeuten)
- ⚠Eine pulsierende, spürbare Schwellung im Bauch
Häufige Symptome
- Meist keine Beschwerden – das Aneurysma wird zufällig entdeckt.
- Gelegentlich dumpfe oder ziehende Schmerzen im Oberbauch oder Rücken.
- Völlegefühl oder Druckgefühl im Bauch, wenn das Aneurysma größer wird.
Symptome bei Kindern
- Oft keine Symptome; das Aneurysma wird ebenfalls meist zufällig gefunden.
- Wenn ein Kind über anhaltende Bauchschmerzen klagt, sollte das medizinisch abgeklärt werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Häufig keine Beschwerden, da das Aneurysma langsam wächst.
- Unspezifische Bauchschmerzen oder Rückenschmerzen können vorkommen.
- Aufgrund anderer Gefäßveränderungen im Alter können zusätzlich Symptome wie Schaufensterkrankheit (Schmerzen in den Beinen beim Gehen) auftreten.
Ursachen
Hauptursachen
- Verkalkung und Verhärtung der Arterien (Arteriosklerose)
- Entzündungen der Gefäßwand (Vaskulitis)
- Verletzungen des Bauchraums durch Unfall oder Operation
- Angeborene Bindegewebsschwäche (zum Beispiel beim Marfan-Syndrom)
- Infektionen, die die Gefäßwand schädigen (selten)
Risikofaktoren
- Hoher Blutdruck
- Rauchen
- Erhöhte Blutfettwerte
- Bindegewebserkrankungen in der Familie
- Vorgeschichte mit anderen Gefäßerweiterungen (zum Beispiel im Kniebereich oder an der Bauchschlagader)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich heftige Bauchschmerzen oder Rückenschmerzen bekommen, sollten Sie sofort die Notrufnummer 112 wählen.
- Bei Fieber in Verbindung mit Bauchschmerzen ist eine zeitnahe ärztliche Abklärung notwendig – am selben Tag.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie einen Hausarzttermin haben und in Ihrer Familie bereits Gefäßerkrankungen bekannt sind, sprechen Sie das Thema an.
- Wenn Sie an Bluthochdruck oder anderen Gefäßrisiken leiden, lassen Sie Ihren Blutdruck regelmäßig kontrollieren.
Diagnose
Ein Eingeweidearterien-Aneurysma wird meistens zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung des Bauches entdeckt, zum Beispiel aus einem anderen Grund. Danach folgen weitere bildgebende Untersuchungen, um die Größe und Lage genau zu bestimmen.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschall (Sonographie) – schonend ohne Strahlenbelastung
- Computertomographie (CT) mit Kontrastmittel – zeigt das Aneurysma sehr genau
- Magnetresonanztomographie (MRT) – besonders gut für Weichteile und Gefäße
- Angiographie – eine Röntgenuntersuchung der Blutgefäße mit Kontrastmittel, die auch für eine geplante Behandlung wichtig sein kann
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ihr Arzt wird Sie zuerst ausführlich befragen und körperlich untersuchen, dabei auch den Bauch abtasten und mit einem Stethoskop mögliche Strömungsgeräusche hören. Die Bilder der Untersuchungen werden zusammen mit einem Gefäßmediziner (Gefäßchirurg oder Radiologe) beurteilt. Es ist normal, wenn Sie erst etwas unsicher sind – nehmen Sie am besten eine Vertrauensperson zum Gespräch mit und schreiben Sie offene Fragen auf.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Größe, Lage und Beschaffenheit des Aneurysmas ab, aber auch von Ihrem Allgemeinzustand. Nicht jedes Aneurysma muss behandelt werden. Entscheidend ist, ob es ein hohes Risiko hat zu reißen.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie verschriebene Medikamente zur Blutdruckkontrolle regelmäßig ein – auch wenn Sie sich gesund fühlen.
- Hören Sie am besten mit dem Rauchen auf, denn Rauchen schwächt die Gefäßwände zusätzlich.
- Achten Sie auf Warnzeichen wie plötzliche starke Schmerzen und handeln Sie dann sofort.
Medizinische Behandlungen
Es gibt keine Medikamente, die ein Aneurysma direkt verkleinern oder heilen. Die medizinische Behandlung konzentriert sich darauf, Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder erhöhte Blutfettwerte zu behandeln. Das passiert meist mit gut verträglichen, langfristig eingesetzten Medikamenten – die Auswahl erfolgt individuell und ausschließlich durch Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation oder ein Eingriff kommt infrage, wenn das Aneurysma groß ist, schnell wächst, Symptome verursacht oder bereits geplatzt ist. Dabei gibt es zwei Verfahren: eine Operation (offene Chirurgie) oder eine minimalinvasive Behandlung, bei der über einen Katheter von der Leiste aus kleine Spiralen oder Stents in das Aneurysma eingebracht werden, um es zu verschließen. Welche Methode am besten ist, entscheidet das Gefäßteam für Ihren individuellen Fall. Bei einem bereits gerissenen Aneurysma ist eine sofortige Notoperation lebensrettend.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Menschen mit einem kleinen Eingeweidearterien-Aneurysma führen ein völlig normales Leben. Wichtig ist, dass Sie Ihre Kontrolltermine einhalten – meist einmal im Jahr zur Ultraschall- oder CT-Untersuchung. Hören Sie auf Ihren Körper: Wenn sich ungewohnte Schmerzen im Bauch anbahnen, suchen Sie frühzeitig ärztlichen Rat.
Tipps für den Alltag
- Mit dem Rauchen aufhören – das schützt nicht nur Ihre Gefäße, sondern Ihren ganzen Körper.
- Stress reduzieren durch Entspannungsübungen, Atemtechniken oder Spaziergänge.
- Regelmäßig leichte Bewegung wie Schwimmen, Radfahren oder Wandern.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und wenig gesättigten Fettsäuren unterstützt die Gefäßgesundheit. Besonders wichtig ist, auf zu viel Salz zu verzichten, weil es den Blutdruck steigern kann. Bewegung in moderatem Umfang – zum Beispiel 30 Minuten pro Tag – ist ausdrücklich erlaubt und förderlich. Fragen Sie im Zweifel Ihre behandelnde Ärztin, ob für Sie bestimmte Sportarten empfohlen sind.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Zufallsbefund wie ein Aneurysma kann Ängste auslösen – das ist verständlich. Auch wenn Sie körperlich keine Symptome spüren, belastet die Vorstellung eines „Zeitbomben“-Befunds viele Menschen. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt über Ihre Sorgen. Oft hilft es, zu verstehen, wie selten eine Ruptur bei kleinen Aneurysmen ist und wie gut die Kontrolle funktioniert.
Vorbeugung
Nicht jedes Aneurysma lässt sich verhindern, weil auch angeborene Faktoren eine Rolle spielen. Aber Sie können Ihr persönliches Risiko senken, indem Sie Bluthochdruck behandeln, nicht rauchen, sich gesund ernähren und regelmäßig bewegen. Damit verlangsamen Sie die Entstehung von Arterienverkalkung, die eine häufige Ursache ist.
Impfungen
Impfungen haben keinen direkten Einfluss auf Aneurysmen. Es ist trotzdem empfehlenswert, Ihren Impfstatus regelmäßig zu überprüfen, denn Infekte können den Körper und die Gefäße belasten. Sprechen Sie Ihren Hausarzt auf die empfohlenen Impfungen an – zum Beispiel gegen Grippe oder Pneumokokken.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ein plötzlicher Riss (Ruptur) des Aneurysmas mit innerer Blutung – ein lebensbedrohlicher Notfall
- Ein Blutgerinnsel innerhalb des Aneurysmas, das ein Gefäß verschließen kann
- Ein Verschluss des betroffenen Organs durch ein gelöstes Gerinnsel (Embolie), was zum Absterben von Organgewebe führen kann
- Druck auf benachbarte Organe oder Nerven, was Beschwerden verursacht
Langzeitprognose
Die Prognose ist in der Regel gut. Wenn ein Eingeweidearterien-Aneurysma frühzeitig erkannt und richtig überwacht wird, ist das Risiko eines Risses sehr gering. Bei Behandlungsbedarf sind die heutigen Verfahren sicher und erfolgreich – die allermeisten Menschen erholen sich vollständig und können ihren Alltag fortsetzen. Es lohnt sich, auf die Gefäße achtzugeben und die Kontrollen wahrzunehmen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
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