Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW): Herzrasen verständlich erklärt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Beim WPW-Syndrom hat das Herz von Geburt an eine zusätzliche elektrische Leitungsbahn. Diese kann dazu führen, dass das Herz plötzlich sehr schnell schlägt.
Wichtige Fakten
- Das WPW-Syndrom ist eine angeborene Veränderung der elektrischen Reizleitung im Herzen.
- Viele Menschen mit WPW haben gar keine Beschwerden oder nur selten Herzrasen.
- Bei Beschwerden gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten, zum Beispiel einen kleinen Eingriff im Herzkatheterlabor.
Das WPW-Syndrom ist selten. Ungefähr 1 bis 3 von 1.000 Menschen haben diese zusätzliche Leitungsbahn.
Es kann in jedem Alter beginnen, häufig zeigen sich Beschwerden zum ersten Mal bei Kindern, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.
Symptome
- Bewusstlosigkeit oder Kreislaufstillstand
- Anhaltendes, sehr schnelles Herzrasen, das nicht aufhört
- Starke Brustschmerzen, die in Arme, Hals oder Kiefer ausstrahlen
- Schwere Atemnot, blasse oder graue Haut
- ⚠Wiederkehrendes Herzrasen, das Sie einschränkt oder Ihnen Angst macht
- ⚠Schwindel mit Unsicherheit beim Stehen oder Gehen
- ⚠Einmalige oder kurze Ohnmacht (Synkope) – ärztliche Abklärung am selben Tag
Häufige Symptome
- Plötzlich einsetzendes Herzrasen, meist mit regelmäßigem schnellem Puls
- Herzklopfen oder das Gefühl, dass das Herz „stolpert“
- Schwindel oder Benommenheit
- Kurzatmigkeit oder ein Engegefühl in der Brust
- Angst- oder Unruhegefühle während der Anfälle
Symptome bei Kindern
- Herzrasen, das plötzlich auftritt und wieder aufhört
- Blässe, Schwitzen oder ungewöhnliche Unruhe
- Schnelle oder flache Atmung
- Stillen oder Trinken bereitet dem Baby Mühe
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Schwindel und Stürze ohne erkennbaren Grund
- Herzrasen, das weniger deutlich gespürt wird als bei Jüngeren
- Müdigkeit, Atemnot oder Verwirrtheit
- Brustschmerzen, die auch nach einer Herzerkrankung klingen können
Ursachen
Hauptursachen
- Eine zusätzliche Muskelverbindung zwischen den oberen und unteren Herzkammern (sogenannte akzessorische Leitungsbahn)
- Die Ersatzbahn ist angeboren; die genaue Ursache dafür ist meist unbekannt
- In einigen Familien tritt das WPW-Syndrom gehäuft auf
Risikofaktoren
- Es gibt keine sicheren äußeren Risikofaktoren, die die Zusatzbahn auslösen
- Herzrasen-Anfälle können bei manchen Menschen durch Stress, Koffein, Alkohol oder körperliche Anstrengung gefördert werden
- Ein junges Lebensalter ist ein Risikofaktor dafür, dass symptomfreie Träger tatsächlich Herzrasen bekommen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei neu aufgetretenem, heftigem Herzrasen oder Brustschmerzen
- Wenn Sie ohnmächtig geworden sind oder beinahe das Bewusstsein verloren hätten
- Wenn ein Anfall länger als 15 bis 20 Minuten anhält und Sie sich sehr unwohl fühlen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn bei Ihnen ein WPW-Syndrom bekannt ist und Sie Fragen zu Behandlung oder Sport haben
- Wenn die Anfälle häufiger werden oder Sie im Alltag einschränken
- Vor einer Operation oder Schwangerschaft, um das Herz-Risiko besprechen zu können
Diagnose
Das WPW-Syndrom wird in der Regel mithilfe eines Elektrokardiogramms (EKG) erkannt. Dabei wird die elektrische Aktivität des Herzens aufgezeichnet.
Mögliche Untersuchungen
- Ruhe-EKG (Herzstrommessung im Liegen)
- Langzeit-EKG über 24 bis 48 Stunden, um auch kurze Anfälle zu erfassen
- Belastungs-EKG auf dem Fahrrad oder Laufband
- Spezielle Untersuchung der Reizleitung im Herzkatheterlabor (elektrophysiologische Untersuchung, EPU)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ihr Hausarzt wird Sie bei Verdacht an eine Kardiologin oder einen Kardiologen (Herzspezialist) überweisen. Dort wird das Herz in Ruhe und oft auch unter Belastung untersucht. Das ist alles schmerzfrei. Danach besprechen die Ärzte mit Ihnen, ob und gegebenenfalls welche Behandlung sinnvoll ist.
Behandlung
Nicht jede Zusatzbahn muss behandelt werden. Wenn Sie keine Beschwerden haben oder nur selten einen Anfall, reicht es möglicherweise, die Auslöser zu meiden und zu wissen, was im Anfall zu tun ist. Wenn die Anfälle häufiger auftreten oder gefährlich werden können, gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten.
Selbsthilfe zu Hause
- Bleiben Sie ruhig und setzen Sie sich hin oder legen Sie sich hin, wenn Ihr Herz rast.
- Manche Menschen können den Herzschlag mit bestimmten Atem- oder Pressübungen (Vagusmanöver) verlangsamen – Ihr Arzt oder Ihre Ärztin zeigt Ihnen, wie das geht.
- Verzichten Sie auf große Mengen Koffein oder Energy-Drinks, wenn diese bei Ihnen Anfälle auslösen.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung richtet sich danach, wie oft und wie stark die Anfälle sind. Es gibt Medikamente, die die Erregungsleitung verlangsamen und so Herzrasen vorbeugen oder unterbrechen können. Welches Mittel für Sie geeignet ist, entscheidet die Kardiologin oder der Kardiologe. Wir verzichten hier bewusst auf Medikamentennamen, weil die Auswahl immer eine individuelle ärztliche Entscheidung ist.
Wann kommt eine Operation infrage?
Ein häufiges Verfahren ist die Katheterablation. Dabei wird über eine feine Sonde in der Leistengegend die zusätzliche Leitungsbahn im Herzen verödet. Der Eingriff ist minimalinvasiv, das heißt, er erfolgt ohne offene Operation und wird in der Regel gut vertragen. Er kann das WPW-Syndrom in den meisten Fällen vollständig heilen.
Leben mit der Erkrankung
Viele Menschen mit WPW-Syndrom führen ein völlig normales Leben. Wenn Sie wissen, wie ein Anfall aussieht und was im Notfall zu tun ist, verschwindet meist auch die Unsicherheit.
Tipps für den Alltag
- Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, bevor Sie Leistungssport betreiben – nach erfolgreicher Behandlung ist in der Regel alles erlaubt.
- Vermeiden Sie übermäßigen Alkohol und Koffein, wenn Sie feststellen, dass Herzrasen dadurch ausgelöst wird.
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und lernen Sie, mit Stress umzugehen – zum Beispiel durch Yoga oder Meditation.
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle Diät für WPW gibt es nicht. Empfehlenswert ist eine ausgewogene, herzgesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten. Bei Sport gilt: Ausdauersport wie Radfahren und Schwimmen ist meist gut möglich – lassen Sie sich vorher jedoch von Ihrem Kardiologen beraten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Herzrhythmusstörung kann Angst machen. Manche Menschen bekommen regelrecht Angst vor dem nächsten Anfall und meiden bestimmte Situationen. Das ist verständlich. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt darüber – manchmal hilft auch eine Psychotherapie, um die Angst zu bewältigen.
Vorbeugung
Das WPW-Syndrom ist angeboren und lässt sich daher nicht verhindern. Sie können aber dazu beitragen, Anfälle seltener zu machen, indem Sie Auslöser wie starken Koffeinkonsum oder Stress meiden.
Früherkennungsprogramme
Bei familiärer Häufung kann ein EKG zur Früherkennung sinnvoll sein. Ob das bei Ihnen angebracht ist, klären Sie mit Ihrem Hausarzt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei manchen Menschen mit WPW kann sehr schnelles Herzrasen zu Kreislaufproblemen bis hin zur Ohnmacht führen.
- In seltenen Fällen kann eine gefährliche Herzrhythmusstörung (Kammerflimmern) entstehen, die ohne sofortige Hilfe lebensbedrohlich ist.
- Unbehandelt kann WPW das Risiko für Komplikationen während Narkosen oder bei bestimmten Medikamenten erhöhen.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind sehr gut. Viele Menschen haben nie ernsthafte Beschwerden. Die Katheterablation kann das Syndrom in über 90 Prozent der Fälle dauerhaft beseitigen. Auch ohne Behandlung ist die Lebenserwartung bei den meisten Betroffenen normal – regelmäßige ärztliche Kontrollen geben Sicherheit.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Herzstiftung e.V. ↗ · Deutschland
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.