Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen sind Erkrankungen des Herzens und der Blutgefäße. Dazu gehören zum Beispiel verengte Herzkranzgefäße, Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen. Sie entstehen oft über Jahre und können sich bei Frauen anders äußern als bei Männern.
Wichtige Fakten
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache bei Frauen in Deutschland.
- Frauen haben häufig untypische Symptome wie Atemnot, Übelkeit oder Rückenschmerzen statt eines starken Brustschmerzes.
- Viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen lassen sich durch einen gesunden Lebensstil und regelmäßige Kontrollen vermeiden oder günstig beeinflussen.
Ja. Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören in Deutschland zu den häufigsten Erkrankungen und betreffen auch viele Frauen. Besonders nach den Wechseljahren nimmt das Risiko deutlich zu.
Die Erkrankung kann Frauen in jedem Alter betreffen. Das Risiko steigt mit dem Alter sowie durch Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und Bewegungsmangel. Auch eine familiäre Vorbelastung spielt eine Rolle.
Symptome
- Sehr starke Brustschmerzen, die länger als eine Minute anhalten – rufen Sie sofort die 112.
- Schwere Atemnot, die auch in Ruhe nicht besser wird – rufen Sie sofort die 112.
- Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit – rufen Sie sofort die 112.
- Plötzliche Schwäche, Taubheit oder Sprachstörungen (Zeichen für einen Schlaganfall) – rufen Sie sofort die 112.
- ⚠Neu auftretende Beschwerden wie Brustdruck oder Engegefühl, die nicht verschwinden
- ⚠Wiederkehrendes Herzrasen oder Herzstolpern
- ⚠Schwellungen an Knöcheln oder Unterschenkeln
- ⚠Ungewöhnliche Abgeschlagenheit über mehrere Tage
Häufige Symptome
- Druck, Enge oder Schmerzen in der Brust
- Atemnot bei Belastung oder im Liegen
- Schmerzen im Rücken, Nacken, Kiefer oder Oberbauch
- Übelkeit, Erbrechen oder Magenschmerzen
- Ausgeprägte Müdigkeit, die nicht nachlässt
- Herzklopfen, Herzrasen oder Stolpern
Symptome bei Kindern
- Bei Mädchen sind angeborene Herzfehler häufiger als erworbene Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
- Warnzeichen können Blässe, schnelles Erschöpfen beim Spielen, Atemnot oder bläulich verfärbte Lippen sein.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Frauen zeigen sich Herz-Kreislauf-Erkrankungen oft durch allgemeine Schwäche, Schwindel, Verwirrtheit oder Luftnot.
- Ein klassischer Brustschmerz fehlt in diesem Alter häufiger.
Ursachen
Hauptursachen
- Ablagerungen in den Blutgefäßen (Arteriosklerose), die die Durchblutung des Herzens einschränken
- Erhöhter Blutdruck (Hypertonie), der das Herz auf Dauer belastet
- Erkrankungen des Herzmuskels, zum Beispiel durch Durchblutungsstörungen oder Entzündungen
- Störungen des Herzrhythmus, etwa Vorhofflimmern
Risikofaktoren
- Rauchen
- Bluthochdruck
- Erhöhte Blutfette (Cholesterin)
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Übergewicht / Bauchfett
- Bewegungsmangel
- Dauerhafter Stress
- Familiäre Vorbelastung
- Wechseljahre / Hormonumstellung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich Druck oder Schmerzen in der Brust verspüren, besonders mit Atemnot, Übelkeit oder Schwäche, suchen Sie noch am selben Tag eine Arztpraxis oder eine Notaufnahme auf.
- Bei sehr starken Beschwerden, die auf einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hindeuten, rufen Sie sofort die 112.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Ab dem 35. Lebensjahr können Sie regelhaft einen Gesundheits-Check-up in Ihrer Hausarztpraxis wahrnehmen.
- Wenn Sie bekannte Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhte Blutfette haben, sollten Sie regelmäßige Kontrollen vereinbaren.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zunächst nach Ihren Beschwerden, Ihrer Krankengeschichte und Ihrem Lebensstil. Es folgen eine körperliche Untersuchung und verschiedene Tests. Bei der Bewertung wird sie oder er sich an den aktuellen Leitlinien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) orientieren.
Mögliche Untersuchungen
- Blutdruckmessung
- Blutuntersuchung auf Blutfette, Blutzucker und Nierenwerte
- Ruhe-EKG (Aufzeichnung der Herzstromkurve)
- Belastungs-EKG (EKG während körperlicher Belastung)
- Ultraschall des Herzens (Echokardiografie)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei und dauern nur wenige Minuten. Manche finden in der Hausarztpraxis statt, manche bei einer Kardiologin oder einem Kardiologen. Sie bekommen die Ergebnisse persönlich erklärt und besprechen gemeinsam die nächsten Schritte.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Art, der Schwere und den Beschwerden der Herz-Kreislauf-Erkrankung ab. Sie besteht meist aus drei Teilen: einem gesunden Lebensstil, Medikamenten und – wenn nötig – einem Eingriff. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird gemeinsam mit Ihnen einen individuellen Behandlungsplan erstellen.
Selbsthilfe zu Hause
- Rauchen aufgeben – schon nach kurzer Zeit sinkt das Risiko spürbar.
- Sich regelmäßig bewegen, zum Beispiel an den meisten Tagen 30 Minuten zügig gehen.
- Stress reduzieren, etwa durch Atemübungen, Spaziergänge oder autogenes Training.
- Ausreichend schlafen und übermäßigen Alkoholkonsum vermeiden.
Medizinische Behandlungen
Es stehen mehrere Gruppen von Medikamenten zur Verfügung. Sie können zum Beispiel den Blutdruck senken, die Blutfette verringern, die Blutgerinnung beeinflussen oder den Herzrhythmus stabilisieren. Welches Medikament für Sie infrage kommt, hängt von Ihrer individuellen Situation ab. Nehmen Sie Medikamente deshalb niemals eigenmächtig ein, sondern immer nach ärztlicher Verordnung.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn Herzkranzgefäße stark verengt sind oder eine Herzklappe nicht mehr richtig arbeitet, kann ein Eingriff sinnvoll sein. Beispiele sind eine Herzkatheter-Behandlung mit Aufdehnung des Gefäßes oder eine Herzklappenoperation. Solche Eingriffe werden in spezialisierten Herzzentren durchgeführt. Vorher gibt es ein ausführliches Aufklärungsgespräch.
Leben mit der Erkrankung
Lernen Sie, auf die Signale Ihres Körpers zu achten. Notieren Sie, wann Beschwerden auftreten, zum Beispiel in einem Tagesbuch. Beteiligen Sie sich aktiv an Ihrer Behandlung und besuchen Sie regelmäßig Ihre Vorsorgetermine. Auch mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung bleiben Sie in den meisten Fällen lange aktiv und selbstständig.
Tipps für den Alltag
- Nehmen Sie Ihre verordneten Medikamente zuverlässig ein.
- Messen Sie Ihren Blutdruck regelmäßig, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt das empfiehlt.
- Vereinbaren Sie feste Kontrolltermine und halten Sie diese ein.
- Bewegen Sie sich im Alltag, hören Sie aber auf Ihren Körper und machen Sie Pausen, wenn nötig.
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung enthält viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und gesunde Fette aus Nüssen oder Pflanzenöl. Seien Sie sparsam mit Salz und stark verarbeiteten Lebensmitteln. Bewegung hilft dem Herzen: Zum Beispiel sind Ausdauersportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Nordic Walking gut geeignet. Als Ziel gelten an den meisten Tagen der Woche etwa 30 Minuten moderate Bewegung. Passen Sie die Aktivität Ihrem persönlichen Befinden an.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer Herzerkrankung kann Angst und Unsicherheit auslösen. Das ist verständlich. Es ist wichtig, diese Gefühle nicht zu ignorieren. Ein offenes Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, einer Psychologin oder einem Psychologen oder einer Selbsthilfegruppe kann sehr entlasten. Wenn Sie sich länger niedergeschlagen fühlen oder gar Gedanken an Selbsttötung haben, suchen Sie sofort professionelle Hilfe – zum Beispiel in einer psychiatrischen Notaufnahme oder über den Notruf 112.
Vorbeugung
Ein großer Teil der Herz-Kreislauf-Erkrankungen lässt sich durch einen gesunden Lebensstil verhindern oder zumindest hinauszögern. Die wichtigsten Stellschrauben sind: nicht rauchen, sich regelmäßig bewegen, sich ausgewogen ernähren, Stress abbauen und Blutdruck, Blutzucker sowie Blutfette im Rahmen halten. Lassen Sie sich regelmäßig ärztlich untersuchen, damit Risikofaktoren früh erkannt werden.
Impfungen
Impfungen können vor schweren Infekten schützen, die das Herz zusätzlich belasten. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt für Erwachsene zum Beispiel die Grippeschutzimpfung und die COVID-19-Impfung. Besonders bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann Impfschutz sinnvoll sein. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland können gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren alle drei Jahre einen Gesundheits-Check-up nutzen. Dabei werden auch Blutdruck, Blutfette und Blutzucker bestimmt. So lassen sich Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen früh erkennen und behandeln.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzinfarkt
- Schlaganfall
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
- Vorhofflimmern und andere Herzrhythmusstörungen
- Verschluss von Beinarterien (periphere arterielle Verschlusskrankheit)
Langzeitprognose
Mit einer frühen Erkennung und einer konsequenten Behandlung sind die Aussichten heute deutlich besser als früher. Viele Frauen leben trotz einer Herz-Kreislauf-Erkrankung lange und erfüllt. Die Prognose hängt stark davon ab, wie gut die Behandlung abgestimmt ist und wie aktiv Sie Ihren Lebensstil mitgestalten. Es bleibt fast immer etwas, das Sie tun können.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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