Hashimoto-Thyreoiditis: Wenn das Immunsystem die Schilddrüse angreift
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Hashimoto-Thyreoiditis (ausgesprochen: Hah-schi-mo-toh Tü-re-oi-di-tis) ist eine chronische Erkrankung der Schilddrüse. Bei dieser Erkrankung greift das Immunsystem – also die körpereigene Abwehr – die eigene Schilddrüse an. Dadurch wird das Schilddrüsengewebe nach und nach zerstört und die Schilddrüse kann weniger Hormone herstellen. Es entsteht eine Schilddrüsenunterfunktion – diese lässt sich jedoch sehr gut behandeln.
Wichtige Fakten
- Bei Hashimoto greift das Immunsystem fälschlicherweise die eigene Schilddrüse an.
- Hashimoto ist die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion in Deutschland.
- Die Erkrankung ist gut behandelbar – mit der richtigen Therapie ist ein ganz normales Leben möglich.
Ja. Die Hashimoto-Thyreoiditis ist in Deutschland eine der häufigsten Autoimmunerkrankungen. Man geht davon aus, dass etwa 5 von 100 Menschen betroffen sind. Viele wissen allerdings gar nicht, dass sie erkrankt sind, weil die Beschwerden oft schleichend beginnen.
Frauen sind etwa fünf- bis zehnmal häufiger betroffen als Männer. Die Erkrankung beginnt meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr. Sie kann aber in jedem Alter auftreten – auch bei Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen.
Symptome
- Rufen Sie sofort die 112 an, wenn eine Person mit bekannter Schilddrüsenunterfunktion stark verwirrt, kaum noch weckbar oder bewusstlos ist
- Rufen Sie sofort die 112 an, wenn die Körpertemperatur deutlich unter 35 Grad fällt und die Atmung sehr langsam oder flach wird
- Rufen Sie sofort die 112 an, wenn plötzlich schwere Herzrhythmusstörungen mit Brustschmerzen oder Atemnot auftreten
- Rufen Sie sofort die 112 an, wenn ein Mensch in Ihrer Nähe ohnmächtig wird oder einen Krampfanfall erleidet
- ⚠Plötzliche starke Schwellung am Hals mit Schluck- oder Atembeschwerden – suchen Sie noch am selben Tag eine Notfallambulanz auf
- ⚠Neu aufgetretene Herzrhythmusstörungen mit Schwindel oder Schwächegefühl – stellen Sie sich noch am selben Tag ärztlich vor
- ⚠Zunehmende Verwirrtheit oder starke Schläfrigkeit im Alltag, die nicht nur mit Müdigkeit zu erklären ist – klären Sie dies noch am selben Tag ab
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Erschöpfung, oft schon nach leichten Tätigkeiten
- Gewichtszunahme trotz unveränderter Ernährung
- Ständiges Frieren, besonders an Händen und Füßen
- Trockene, schuppige Haut und brüchige Haare
- Verstopfung und Völlegefühl
- Niedergeschlagene Stimmung bis hin zu depressiven Verstimmungen
- Konzentrationsschwierigkeiten und Vergesslichkeit
- Muskel- und Gelenkschmerzen
- Druck- oder Kloßgefühl im Hals
Symptome bei Kindern
- Wachstumsverzögerung – das Kind bleibt im Wachstum hinter anderen Kindern zurück
- Müdigkeit und geringe körperliche Ausdauer
- Schulische Probleme durch Konzentrationsschwäche
- Verzögerter Beginn der Pubertät
- Trockene Haut und häufige Verstopfung
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die typischen Beschwerden fehlen oft oder fallen wenig auf
- Verwirrtheit oder Gedächtnisprobleme, die an eine Demenz erinnern können
- Verlangsamter Puls oder Herzrhythmusstörungen
- Allgemeine Schwäche und Gangunsicherheit
- Ohrensausen oder Hörprobleme
Ursachen
Hauptursachen
- Bei Hashimoto zerstört das Immunsystem nach und nach das eigene Schilddrüsengewebe. Das nennt man eine Autoimmunreaktion – die Abwehr richtet sich gegen den eigenen Körper.
- Die genaue Ursache ist noch nicht vollständig geklärt. Fachleute gehen davon aus, dass eine erbliche Veranlagung die Grundlage bildet.
- Bestimmte Auslöser können die Erkrankung begünstigen – zum Beispiel lange Stressphasen, Virusinfektionen oder eine sehr hohe Jodzufuhr.
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht – Frauen erkranken deutlich häufiger als Männer
- Schilddrüsenerkrankungen oder andere Autoimmunerkrankungen in der Familie
- Bereits bestehende Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes, Zöliakie oder rheumatoide Arthritis
- Eine Schwangerschaft oder eine kurz zurückliegende Geburt
- Rauchen – es belastet die Schilddrüse und den gesamten Stoffwechsel
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Atemnot, starkem Druckgefühl im Hals oder Schluckbeschwerden durch eine geschwollene Schilddrüse
- Bei plötzlich auftretender schwerer Schwäche in Verbindung mit Brustschmerzen oder Luftnot
- Bei zunehmender Verwirrtheit oder stark ausgeprägter Schläfrigkeit bei bekannter Schilddrüsenunterfunktion
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über mehrere Wochen unter unerklärlicher Müdigkeit, Gewichtszunahme oder Antriebslosigkeit leiden
- Wenn Sie ständig frieren, obwohl andere sich wohlfühlen
- Wenn in Ihrer Familie bereits eine Hashimoto-Thyreoiditis oder andere Schilddrüsenerkrankungen bekannt sind
- Wenn Sie unerfüllten Kinderwunsch haben und Ihr Zyklus unregelmäßig ist
- Wenn Sie sich nach einer Geburt über Wochen erschöpft und niedergeschlagen fühlen
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zunächst nach Ihren Beschwerden und tastet den Hals ab. Fühlt sich die Schilddrüse vergrößert an oder deuten die Symptome auf eine Unterfunktion hin, folgen Blutuntersuchungen und gegebenenfalls ein Ultraschall. Die Diagnose richtet sich nach den aktuellen medizinischen Leitlinien, unter anderem der AWMF.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung des TSH-Wertes (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) – dieser ist bei einer Unterfunktion meist erhöht
- Messung der freien Schilddrüsenhormone fT3 und fT4 – sie zeigen, ob tatsächlich ein Hormonmangel vorliegt
- Antikörpertest auf TPO-Antikörper (Thyreoperoxidase-Antikörper) – diese sind bei Hashimoto typischerweise erhöht
- Ultraschall der Schilddrüse – zeigt Größe, Struktur und mögliche knotige Veränderungen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Blutentnahme dauert nur wenige Minuten und ist kaum schmerzhaft. Die Ergebnisse liegen meist nach ein bis zwei Tagen vor. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bespricht die Befunde ausführlich mit Ihnen. Falls die Werte unklar sind oder eine spezielle Betreuung nötig ist, erhalten Sie eine Überweisung an eine Endokrinologin oder einen Endokrinologen – also an Fachleute für Hormonerkrankungen.
Behandlung
Eine Heilung der Hashimoto-Thyreoiditis ist derzeit nicht möglich. Die daraus entstehende Schilddrüsenunterfunktion lässt sich jedoch sehr gut behandeln. Dafür wird das fehlende Schilddrüsenhormon in Tablettenform eingenommen. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt stellt die Dosis individuell ein und kontrolliert sie regelmäßig über Blutwerte. Das Ziel ist, dass Sie sich wieder wohl und leistungsfähig fühlen.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie Ihr Hormonpräparat zuverlässig ein, idealerweise immer zur gleichen Tageszeit – am besten morgens auf nüchternen Magen mit etwas Wasser
- Halten Sie Ihre Blutkontrolltermine konsequent ein, besonders in den ersten Monaten der Einstellung
- Gönnen Sie sich ausreichend Schlaf und Ruhephasen, vor allem im ersten Jahr nach der Diagnose
- Führen Sie sich kurz schriftlich vor Augen, wie Sie sich im Alltag fühlen – das hilft beim Arztgespräch
- Verzichten Sie auf sehr hohe Joddosen, etwa aus Nahrungsergänzungsmitteln mit Algenextrakten
Medizinische Behandlungen
Die Standardbehandlung ist der Ersatz des fehlenden Schilddrüsenhormons durch Tabletten. Die Dosis wird individuell anhand Ihrer Blutwerte, Ihres Körpergewichts und Ihres Befindens festgelegt. Es gibt keine Einheitsdosis – jede Behandlung ist persönlich abgestimmt. Anfangs sind häufigere Kontrollen nötig, später meist einmal pro Jahr.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in seltenen Fällen erforderlich – zum Beispiel, wenn eine stark vergrößerte Schilddrüse die Luftröhre einengt oder wenn der Verdacht auf bösartige Veränderungen besteht. In der Regel ist bei Hashimoto keine Operation notwendig.
Leben mit der Erkrankung
Mit Hashimoto können Sie Ihrem gewohnten Alltag nachgehen – ob Beruf, Familie, Sport oder Reisen. Der Schlüssel ist eine konstante Hormoneinstellung. Nach der richtigen Dosis spüren die meisten Menschen schnell eine deutliche Besserung. Die tägliche Einnahme der Tablette wird zur Routine wie Zähneputzen. Offene Gespräche mit Familie und Freundinnen oder Freunden helfen, Verständnis für Ihre Situation zu schaffen.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich regelmäßig und moderat – zum Beispiel mit zügigen Spaziergängen, Radfahren oder Schwimmen
- Halten Sie einen möglichst regelmäßigen Schlafrhythmus ein
- Reduzieren Sie Stress durch Entspannungsübungen, Atemtechniken oder Achtsamkeit
- Verzichten Sie auf das Rauchen und trinken Sie Alkohol nur in Maßen
- Vermeiden Sie extreme Diäten und kurzfristige Gewichtswechsel
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle Hashimoto-Diät ist wissenschaftlich nicht belegt. Empfohlen wird eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, hochwertigen Ölen und ausreichend Eiweiß. Paranüsse enthalten Selen, das die Schilddrüsenfunktion unterstützt – ein bis zwei Stücke am Tag genügen. Übertreiben Sie es nicht mit Jodpräparaten. Bei Bewegung gilt: Starten Sie langsam und steigern Sie sich, wenn Sie sich wohler fühlen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Erkrankung betrifft nicht nur den Körper, sondern auch die Psyche. Reizbarkeit, Antriebslosigkeit und depressive Verstimmungen sind keine Einbildung – sie gehören zur Unterfunktion dazu. Mit der richtigen Behandlung bessern sich diese Beschwerden meist deutlich. Sollten Sie trotzdem anhaltend niedergeschlagen sein, sprechen Sie das in Ihrer Praxis an. Ein Gespräch mit einer Psychologin oder einem Psychologen kann zusätzlich helfen. Wenn Sie das Gefühl haben, in einer schweren Krise zu stecken, suchen Sie sofort Hilfe – der Rettungsdienst ist unter 112 rund um die Uhr erreichbar.
Vorbeugung
Nein, Hashimoto lässt sich nicht verhindern, weil die Veranlagung erblich ist. Sie können aber den Verlauf günstig beeinflussen, indem Sie auf einen gesunden Lebensstil achten, nicht rauchen und auf extreme Jodmengen verzichten.
Impfungen
Gegen Hashimoto selbst gibt es keine Schutzimpfung. Die allgemein empfohlenen Impfungen sollten Sie dennoch wahrnehmen – sie schützen Sie vor Infekten, die den Körper zusätzlich belasten können.
Früherkennungsprogramme
Wenn in Ihrer direkten Familie Schilddrüsenerkrankungen gehäuft vorkommen, kann eine regelmäßige Bestimmung des TSH-Wertes sinnvoll sein. Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt darüber, ob und in welchen Abständen eine solche Kontrolle für Sie empfehlenswert ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Zunehmende Müdigkeit, Antriebslosigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit
- Erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck und ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Fruchtbarkeitsprobleme sowie ein erhöhtes Risiko für Komplikationen in der Schwangerschaft
- Seelische Beschwerden bis hin zu Depressionen
- In sehr seltenen Fällen ein sogenanntes myxödematöses Koma – eine lebensbedrohliche Notfallsituation mit Unterkühlung, verlangsamter Atmung und Bewusstlosigkeit
Langzeitprognose
Mit einer gut eingestellten Hormontherapie ist die Lebenserwartung normal. Die meisten Menschen fühlen sich nach der Einstellung wieder fit und haben eine gute Lebensqualität. Hashimoto ist keine Krankheit, vor der man Angst haben muss. Sie ist eine Begleiterin, die sich gut kontrollieren lässt, wenn man regelmäßig auf sich achtet und ärztliche Kontrollen wahrnimmt.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Schilddrüsen-Liga e.V. ↗ · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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