Hortstörung (Messie-Syndrom)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei der Hortstörung, auch Messie-Syndrom genannt, haben Menschen einen sehr starken Drang, Dinge zu behalten. Sie können sich auch von wertlosen oder unbrauchbaren Gegenständen nicht trennen. Die Wohnung füllt sich immer mehr an, bis Alltag und Wohnen stark beeinträchtigt sind.
Wichtige Fakten
- Menschen mit Hortstörung empfinden beim Wegwerfen große Angst oder Anspannung.
- Die Wohnung wird unaufgeräumt und überfüllt, oft in allen Räumen.
- Eine Behandlung mit Psychotherapie kann helfen, das Verhalten zu verändern.
Etwa 2 bis 5 von 100 Menschen sind irgendwann im Leben von einer Hortstörung betroffen. Sie ist also nicht sehr häufig, aber auch kein Einzelfall.
Die Störung kann in jedem Alter beginnen, oft zeigt sie sich zuerst im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter. Mit den Jahren nimmt sie häufig zu. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer, aber beide Geschlechter können erkranken.
Symptome
- Akute Suizidgedanken oder Selbstverletzung – sofort die 112 wählen
- Feuer oder Rauchentwicklung in der Wohnung, zum Beispiel durch überfüllte Räume – 112
- Lebensbedrohliche Zustände wie Atemnot durch Schimmelpilz oder schwere Verletzungen durch umstürzende Gegenstände
- ⚠Zeichen einer schweren Infektion oder Blutvergiftung durch unsaubere Wunden
- ⚠Starke Verschlechterung einer bestehenden körperlichen Erkrankung, z.B. Herzbeschwerden oder Diabetes
- ⚠Unfähigkeit, überhaupt noch zu essen, zu trinken oder sich zu waschen
Häufige Symptome
- Starke Unruhe oder Angst beim Gedanken, etwas wegzuwerfen
- Unfähigkeit, Dinge wegzugeben, auch wenn sie keinen Wert haben
- Wohnbereiche wie Küche, Bad oder Schlafzimmer werden zweckentfremdet und zugestellt
- Vorübergehende Sammlungen von Zeitungen, Verpackungen oder alten Sachen
- Nachbarn oder Angehörige klagen über Gerüche, Ungeziefer oder Brandgefahr
- Betroffene ziehen sich von Freunden und Familie zurück
Symptome bei Kindern
- Sammeln von Dingen, die andere wegwerfen würden, z.B. Stifte, Steine oder Verpackungen
- Starke Ängste, wenn Eltern etwas aus dem Kinderzimmer entfernen wollen
- Schwierigkeiten, sich beim Spielen von Dingen zu trennen
- Leistungsabfall in der Schule, weil die Gedanken um das Sammeln kreisen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Stark überfüllte Wohnung mit hohen Stapeln und engen Gängen
- Häufige Stürze durch herumliegende Gegenstände
- Versorgung der eigenen Person wird vernachlässigt (z.B. duschen, kochen, Putzen)
- Gesundheitliche Gefahren durch Schimmel, Müll oder Ungeziefer
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist bislang nicht vollständig geklärt. Es gibt Hinweise, dass Hirnregionen, die für Entscheidungen und Impulskontrolle zuständig sind, anders arbeiten.
- Traumatische Lebensereignisse wie der Verlust eines geliebten Menschen können das Sammeln auslösen oder verstärken.
- Häufige Begleiterkrankungen sind Depression, Zwangsstörung oder Aufmerksamkeits-Defizit-Störung.
Risikofaktoren
- Eine familiäre Vorbelastung (z.B. ein Elternteil mit Sammelverhalten)
- Langsame Informationsverarbeitung oder Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen
- Soziale Isolation und Einsamkeit
- Höheres Lebensalter
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Wohnung gesundheits- oder brandgefährlich überfüllt ist und Sie selbst zu stürzen drohen
- Wenn Sie sich nicht mehr ausreichend selbst versorgen können
- Wenn Sie sich in einer akuten seelischen Krise befinden oder Gedanken haben, sich das Leben zu nehmen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie merken, dass Sie sich immer mehr von Ihren eigenen Dingen eingeengt fühlen
- Wenn Angehörige oder Nachbarn mehrfach besorgt auf Ihr Sammelverhalten ansprechen
- Wenn Sie unter Scham, Schuld oder Einsamkeit leiden und deshalb Hilfe suchen
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt stellt die Diagnose in einem ausführlichen Gespräch. Sie erkundigt sich nach Ihrer Wohnsituation, Ihren Gewohnheiten und Ihrem Erleben. Oft sind auch Angehörige, eine Hausärztin oder der Sozialpsychiatrische Dienst in die Diagnose einbezogen.
Mögliche Untersuchungen
- Klinisches Interview zur Lebensgeschichte und zum Sammelverhalten
- Fragebögen und standardisierte Untersuchungen zur Beurteilung des Schweregrads
- Körperliche Untersuchung, um andere körperliche Ursachen auszuschließen
- Gegebenenfalls Blutuntersuchungen oder Tests der geistigen Leistungsfähigkeit (Kognition)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
In der Regel sind mehrere Termine nötig. Die Ärztin oder der Arzt macht sich ein genaues Bild und bespricht die Diagnose offen mit Ihnen. Falls nötig, erhalten Sie eine Überweisung an eine psychiatrische oder psychotherapeutische Praxis.
Behandlung
Die Behandlung der Hortstörung ist wie ein längerer Weg mit kleinen Schritten. Sie baut auf Psychotherapie auf, oft in Form einer kognitiven Verhaltenstherapie. Ergänzend kann Hilfe im Alltag sinnvoll sein, zum Beispiel durch einen Sozialpsychiatrischen Dienst oder eine ambulante Eingliederungshilfe. Bei schweren Verläufen kann eine medikamentöse Behandlung begleitend eingesetzt werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie sich pro Tag oder Woche ganz kleine Aufgaben vor, z.B. drei Dinge aussortieren
- Sprechen Sie mit einer Person Ihres Vertrauens über Ihre Ziele
- Führen Sie ein einfaches Tagebuch, um festzuhalten, was Sie geschafft haben
- Suchen Sie sich Orte, an denen Sie sich wohlfühlen, um Druck abzubauen
Medizinische Behandlungen
Arzneimittel können die Behandlung ergänzen, wenn zusätzlich eine Depression oder eine Zwangsstörung vorliegt. Sie werden von einer Ärztin oder einem Arzt verschrieben und niemals ohne Ihre Zustimmung eingesetzt. Eine medikamentöse Behandlung allein löst die Hortstörung jedoch nicht auf.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei der Behandlung der Hortstörung nicht vorgesehen.
Leben mit der Erkrankung
Planen Sie feste Zeiten für das Entrümpeln, aber setzen Sie sich realistische Wochenziele. Trennen Sie sich nicht allzu schnell von allem – das überfordert. Es ist wichtig, Erfolge zu feiern und Rückfälle als normale Teilstücke des Weges zu sehen.
Tipps für den Alltag
- Tagesstruktur mit festen Zeiten zum Aufstehen, Essen und Schlafen
- Bewegung an der frischen Luft, auch kurze Spaziergänge helfen
- Entspannungsübungen wie tiefes Atmen oder Muskelentspannung
- Kontakt zu netten Menschen pflegen, Einsamkeit vermeiden
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität stabilisieren die Stimmung und die Konzentration. Sie müssen kein Sportprogramm absolvieren – schon regelmäßige Spaziergänge oder Gartenarbeit sind gute Schritte.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Menschen mit Hortstörung erleben oft Scham, Schuld und innere Anspannung. Die Störung belastet auch Angehörige. Bei seelischen Krisen, insbesondere bei Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid, ist es wichtig, sofort Hilfe zu holen – zum Beispiel über den Notruf 112 oder die nächste psychiatrische Notaufnahme.
Vorbeugung
Eine komplette Vorbeugung ist nicht immer möglich, aber je früher ein auffälliges Sammelverhalten ernst genommen wird, desto besser. Wer lernt, Entscheidungen zu treffen und Dinge loszulassen, verringert das Risiko für eine schwere Form.
Impfungen
Gegen eine Hortstörung gibt es keine Impfung.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein allgemeines Früherkennungsprogramm. Sprechen Sie bei Vorsorgeuntersuchungen oder Arztbesuchen Ihr Sammelverhalten an.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wohnungsverlust durch Räumungsklagen oder nicht mehr bewohnbare Zustände
- Brand- und Sturzgefahr durch übermäßig volle Räume
- Gesundheitliche Schäden durch Schimmel, Ungeziefer oder mangelnde Hygiene
- Sozialer Rückzug und Verlust wichtiger Beziehungen
Langzeitprognose
Die Prognose ist gut, wenn Sie Unterstützung annehmen und dranbleiben. Viele Menschen schaffen es, ihre Wohnung wieder nutzbar zu machen und ein Leben mit mehr Leichtigkeit zu führen. Schritt für Schritt gewinnen Sie Selbstvertrauen und Lebensqualität zurück.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
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