Nierenversagen: Wenn die Nieren nicht mehr richtig arbeiten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Nierenversagen bedeutet, dass die Nieren ihre Aufgabe nicht mehr ausreichend erfüllen können. Ihre Aufgabe ist es, das Blut zu filtern, überschüssiges Wasser und Abfallstoffe zu entfernen. Wenn die Nieren versagen, sammeln sich diese Stoffe im Körper an. Es gibt ein plötzliches Nierenversagen (akutes Nierenversagen) und ein schleichendes, das sich über Jahre entwickelt (chronisches Nierenversagen).
Wichtige Fakten
- Nierenversagen kann plötzlich oder über Jahre hinweg entstehen.
- Häufige Ursachen sind Diabetes, Bluthochdruck und Nierenerkrankungen.
- Eine Behandlung kann das Fortschreiten oft verlangsamen oder aufhalten.
- Bei schwerem Nierenversagen können Dialyse oder Nierentransplantation nötig sein.
Nierenversagen ist nicht selten, besonders bei älteren Menschen. Auch Menschen mit Diabetes oder Bluthochdruck haben ein erhöhtes Risiko. In Deutschland sind schätzungsweise mehrere Millionen Menschen von einer chronischen Nierenschwäche betroffen, aber nicht alle entwickeln ein vollständiges Nierenversagen.
Nierenversagen kann grundsätzlich jeden treffen. Ein akutes Nierenversagen kann zum Beispiel bei schweren Infektionen, nach Unfällen oder durch bestimmte Medikamente auftreten. Ein chronisches Nierenversagen betrifft häufiger ältere Menschen, Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck oder einer familiären Vorbelastung.
Symptome
- Sie können überhaupt keinen Urin lassen
- Starke Schmerzen in der Nierengegend oder in der Brust
- Schwere Atemnot oder Flüssigkeit in der Lunge
- Krampfanfälle
- Bewusstlosigkeit oder starke Verwirrtheit
- ⚠Blut im Urin
- ⚠Schnell zunehmende Schwellungen
- ⚠Anhaltende Übelkeit mit Erbrechen
- ⚠Fieber über 38 Grad Celsius mit Krankheitsgefühl
- ⚠Neu aufgetretene oder sich verschlimmernde Verwirrtheit
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Geschwollene Beine, Knöchel oder Augenlider (Wassereinlagerungen)
- Verminderte Urinmenge oder nächtlicher Harndrang
- Übelkeit oder Appetitlosigkeit
- Juckreiz oder trockene Haut
- Konzentrationsschwierigkeiten oder Verwirrtheit
Symptome bei Kindern
- Appetitlosigkeit und schlechte Gewichtszunahme
- Geschwollenes Gesicht oder geschwollene Beine
- Müdigkeit und geringe Aktivität
- Auffällig viel oder auffällig wenig Urin
- Einnässen bei Kindern, die bereits trocken waren
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder plötzliche Veränderung des Denkvermögens
- Starke Müdigkeit und Schwäche
- Weniger Urin als früher oder gar kein Urin
- Schwellungen an Füßen und Beinen
- Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
Ursachen
Hauptursachen
- Diabetes mellitus – ein zu hoher Blutzucker über Jahre hinweg schädigt die Nieren
- Bluthochdruck – hoher Druck schädigt die feinen Nierengefäße
- Entzündungen der Nieren (Glomerulonephritis)
- Erbliche Nierenerkrankungen wie Zystennieren
- Plötzliche Durchblutungsstörungen der Nieren, z. B. bei schwerem Blutdruckabfall oder großem Blutverlust
- Verengung oder Verschluss der Harnwege, z. B. durch einen Nierenstein oder eine vergrößerte Prostata
- Nierenschäden durch bestimmte Schmerzmittel oder Röntgenkontrastmittel in hohen Mengen
Risikofaktoren
- Älteres Alter
- Familienanamnese mit Nierenerkrankungen
- Bestehender Diabetes
- Bestehender Bluthochdruck
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Übergewicht
- Rauchen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich sehr wenig oder gar keinen Urin ausscheiden
- Wenn Sie starke Schwellungen an Beinen oder im Gesicht bemerken
- Bei Blut im Urin
- Bei anhaltender Übelkeit und Erbrechen ohne erkennbaren Grund
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie Diabetes oder Bluthochdruck haben und eine regelmäßige Kontrolle der Nierenwerte ansteht
- Wenn Sie trocken, müde und antriebslos sind und dies nicht nachlässt
- Wenn Sie wiederholt geschwollene Beine oder Augenlider bemerken
- Wenn bei Ihnen ein erhöhter Kreatininwert im Blut festgestellt wurde
Diagnose
Der Arzt fragt zunächst nach Beschwerden, Vorerkrankungen und Medikamenten. Danach folgen Blut- und Urinuntersuchungen. Damit wird gemessen, wie gut die Nieren filtern und ob Eiweiß oder Blut im Urin ist.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung: Kreatinin und berechnete Filtrationsrate (eGFR) zeigen die Nierenleistung
- Urinuntersuchung auf Eiweiß, Blut und Entzündungszeichen
- Ultraschalluntersuchung der Nieren, um Größe, Form und mögliche Abflussstörungen zu erkennen
- Gegebenenfalls eine Nierenbiopsie, bei der eine Gewebeprobe entnommen wird
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Hausarzt kann die ersten Untersuchungen durchführen. Bei auffälligen Befunden überweist er Sie in der Regel an eine Spezialistin oder einen Spezialisten für Nierenerkrankungen (Nephrologin oder Nephrologe). Dort werden die Befunde besprochen und weitere Schritte geplant.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Ursache und dem Schweregrad des Nierenversagens ab. Ein akutes Nierenversagen kann sich oft zurückbilden, wenn man die Ursache behandelt. Ein chronisches Nierenversagen lässt sich nicht heilen, aber gut behandeln, sodass eine Verschlechterung verlangsamt wird.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie verschriebene Medikamente genau nach Anweisung ein
- Achten Sie auf ausreichende, aber nicht übermäßige Flüssigkeitsaufnahme – sprechen Sie mit Ihrem Arzt
- Vermeiden Sie Rauchen und übermäßigen Alkohol
- Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht
- Kontrollieren Sie regelmäßig Ihren Blutdruck, wenn Sie ein Messgerät haben
Medizinische Behandlungen
Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören Medikamente, die den Blutdruck senken und die Nieren schützen, sowie entwässernde Medikamente, wenn sich Wasser im Körper ansammelt. Auch Medikamente gegen Blutarmut oder Knochenprobleme können nötig sein. Wenn die Nieren ihre Arbeit nicht mehr leisten können, ist eine Dialyse (Blutwäsche) erforderlich. Dabei werden Schadstoffe und überschüssiges Wasser maschinell aus dem Blut entfernt. Eine weitere Möglichkeit ist die Nierentransplantation.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kann nötig sein, um einen Zugang für die Dialyse zu schaffen, zum Beispiel einen sogenannten Dialyse-Shunt am Arm. Bei einer fortgeschrittenen Nierenerkrankung kann eine Nierentransplantation die Dialyse ersetzen.
Leben mit der Erkrankung
Mit Nierenversagen ist der Alltag gut zu bewältigen, wenn man regelmäßig zur Kontrolle geht und die Empfehlungen befolgt. Wichtig ist, auf Veränderungen zu achten und den Arzt bei ungewöhnlichen Beschwerden zu informieren. Auch das Führen eines Blutdruck- und Gewichtstagebuchs kann helfen.
Tipps für den Alltag
- Nehmen Sie sich regelmäßig Zeit für Bewegung, zum Beispiel Spazierengehen oder Schwimmen
- Vermeiden Sie übermäßigen Stress und schaffen Sie Ruhepausen
- Besprechen Sie alle Medikamente – auch freiverkäufliche – vorher mit dem Arzt
- Rauchen Sie nicht, denn Rauchen schädigt die Blutgefäße und damit die Nieren
- Halten Sie eine gute Blutzucker- und Blutdruckeinstellung ein
Ernährung und Bewegung
Die Ernährung sollte an die Nierenfunktion angepasst werden. Ein Fachgespräch mit einer Ernährungsfachkraft kann helfen, die richtige Menge an Eiweiß, Salz, Kalium und Phosphat zu finden. Grundsätzlich gilt: wenig Salz, frische Lebensmittel statt Fertigprodukte. Leichte bis mittlere Bewegung ist empfehlenswert, solange der Arzt nichts anderes sagt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose Nierenversagen kann Angst, Trauer oder Überforderung auslösen. Das ist verständlich. Es ist wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen. Viele Menschen brauchen Zeit, um sich anzupassen. Ein offenes Gespräch mit Ärztinnen und Ärzten, der Familie oder einer psychologischen Beratung hilft dabei.
Vorbeugung
Nicht jedes Nierenversagen lässt sich verhindern, aber in vielen Fällen schon. Besonders wichtig sind die Behandlung von Diabetes und Bluthochdruck sowie ein herzgesunder Lebensstil. Auch ausreichendes Trinken, aber nicht übertrieben, und der vorsichtige Umgang mit Schmerzmitteln können helfen.
Impfungen
Bei Nierenerkrankung ist es besonders wichtig, sich gegen Grippe und andere Infektionen impfen zu lassen. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, welche Impfungen für Sie empfohlen werden.
Früherkennungsprogramme
Menschen mit erhöhtem Risiko – etwa mit Diabetes, Bluthochdruck oder familiärer Vorbelastung – sollten ihre Nierenwerte regelmäßig kontrollieren lassen. Die gesetzlichen Früherkennungsuntersuchungen umfassen auch Urinuntersuchungen, die frühe Zeichen einer Nierenschädigung aufdecken können.
Komplikationen
Unbehandelt
- Anstieg von Kalium im Blut, was zu Herzrhythmusstörungen führen kann
- Überschüssiges Wasser in der Lunge mit Atemnot
- Blutarmut mit anhaltender Müdigkeit
- Schwächung der Knochen und erhöhte Bruchgefahr
- Verwirrtheit bis hin zur Bewusstlosigkeit durch Abfallstoffe im Blut
Langzeitprognose
Auch wenn Nierenversagen eine ernste Erkrankung ist, gibt es heute viele Behandlungsmöglichkeiten. Mit einer guten ärztlichen Betreuung, angepasster Medikation und einem gesunden Lebensstil können viele Menschen mit Nierenversagen viele Jahre ein erfülltes Leben führen. Manche Formen – besonders das akute Nierenversagen – bilden sich vollständig zurück. Eine Nierentransplantation kann für viele Betroffene eine große Verbesserung der Lebensqualität bringen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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