Nebenhodenentzündung (Epididymitis)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Nebenhodenentzündung ist eine schmerzhafte Entzündung des Nebenhodens. Der Nebenhoden ist ein kleines gewundenes Organ, das auf jedem Hoden sitzt. Hier reifen die Spermien heran. Meist entzündet sich nur eine Seite.
Wichtige Fakten
- Betrifft in der Regel nur einen Hoden
- Äußert sich durch Schwellung, Rötung und Schmerzen im Hodensack
- Wird meist durch Bakterien verursacht
- Mit frühzeitiger Behandlung heilt sie fast immer ohne Folgen aus
Jeder zwanzigste Mann ist irgendwann im Leben betroffen. Sie gehört zu den häufigsten Ursachen für Hoden- oder Hodensackschmerzen.
Sie betrifft vor allem junge Männer zwischen 18 und 35 Jahren sowie Männer über 50. Bei Jüngeren steckt oft eine sexuell übertragbare Infektion dahinter, bei Älteren häufig eine Harnwegs- oder Prostataerkrankung.
Symptome
- Plötzlicher, sehr starker Schmerz im Hodensack – rufen Sie sofort den Rettungsdienst (Notruf 112), denn es könnte eine Hodenverdrehung vorliegen.
- Übelkeit oder Erbrechen zusammen mit Hoden- oder Bauchschmerzen
- Hohes Fieber mit starkem Krankheitsgefühl und Schüttelfrost
- Der Hodensack ist heiß, stark gerötet und sehr geschwollen
- ⚠Seit Stunden anhaltende Hoden- oder Hodensackschmerzen
- ⚠Fieber über 38,5 Grad Celsius
- ⚠Blut im Urin
- ⚠Eitriger Ausfluss aus der Harnröhre
- ⚠Beschwerden, die nach ein bis zwei Tagen nicht besser werden
Häufige Symptome
- Schwellung und Rötung des Hodensacks
- Schmerzen im Hoden oder Hodensack, oft auf einer Seite
- Druckempfindlichkeit des betroffenen Hodens
- Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl
- Brennen beim Wasserlassen
- Häufiger Harndrang
- Ausfluss aus der Harnröhre (bei manchen Männern)
Symptome bei Kindern
- Schmerzen im Hoden oder im Unterbauch
- Das Kind kann hinken, weil es die Schmerzen beim Laufen spürt
- Fieber und manchmal Erbrechen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Beschwerden sind oft weniger deutlich
- Häufig geht eine Harnwegsinfektion oder eine Prostatavergrößerung voraus
- Schmerzen beim Wasserlassen und Fieber stehen im Vordergrund
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterien, die aus der Harnröhre oder Blase in den Nebenhoden aufsteigen
- Bei sexuell übertragbaren Infektionen sind Erreger wie Chlamydien oder Gonokokken häufig
- Bei Männern über 50 sind Darmbakterien (E. coli) oft die Ursache, besonders bei Harnwegsinfekten
- Selten nichtbakterielle Ursachen wie Verletzungen oder Urinrückstau
Risikofaktoren
- Ungeschützter Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnern
- Harnwegskatheter oder Eingriffe an Blase und Harnröhre
- Vergrößerte Prostata mit Restharn
- Langes Sitzen oder starker Druck auf den Hodensack
- Schwere körperliche Arbeit oder intensiver Sport
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei akuten Hoden- oder Hodensackschmerzen, besonders wenn sie plötzlich auftreten
- Bei Fieber und Schüttelfrost
- Bei Blut im Urin oder Ausfluss aus der Harnröhre
- Bei Übelkeit und Erbrechen zusammen mit Hodenschmerzen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie seit mehr als zwei Tagen ein Ziehen oder leichte Schmerzen im Hoden spüren
- Wenn das Wasserlassen brennt oder Sie häufiger als sonst müssen
- Wenn eine Schwellung im Hodensack nicht zurückgeht
Diagnose
Der Arzt fragt nach Ihren Beschwerden, Ihrer Krankengeschichte und möglichen Risiken. Danach tastet er den Hodensack vorsichtig ab und prüft, ob eine Schwellung oder ein Druckschmerz vorliegt. Meist folgt eine Ultraschalluntersuchung.
Mögliche Untersuchungen
- Urinuntersuchung zum Nachweis von Bakterien
- Abstrich aus der Harnröhre bei Verdacht auf eine sexuell übertragbare Infektion
- Ultraschall des Hodensacks, um Durchblutung und Struktur zu beurteilen
- Bluttest, um Entzündungszeichen festzustellen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist kurz, kann aber etwas unangenehm sein. Sie klärt, ob eine Entzündung, eine Zyste oder eine andere Ursache vorliegt. Der Arzt erklärt Ihnen die Ergebnisse und bespricht mit Ihnen die nächsten Schritte.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei einer bakteriellen Infektion wird in der Regel ein Antibiotikum verschrieben. Zusätzlich helfen Ruhe, Kühlung und Entlastung. Wichtig ist, die Behandlung vollständig durchzuführen.
Selbsthilfe zu Hause
- Den Hodensack hochlagern und kühlen, zum Beispiel mit einem in ein Tuch gewickelten Kühlpack
- Enge Unterhosen oder eine Hodenauflage zum Entlasten tragen
- Auf Sport und anstrengende Tätigkeiten verzichten, bis die Schmerzen abklingen
- Viel trinken, um die Harnwege zu spülen
- Auf ungeschützten Geschlechtsverkehr verzichten, bis die Entzündung ausgeheilt ist
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt kann Ihnen ein Schmerzmittel empfehlen, das Sie in der Apotheke rezeptfrei bekommen können. Je nach Erreger wird ein Antibiotikum verordnet. Nehmen Sie es genau nach Anweisung ein – auch wenn die Beschwerden schon nachlassen. In manchen Fällen sollte auch der Partner behandelt werden. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt darüber.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in sehr seltenen Fällen nötig, zum Beispiel wenn sich ein Abszess (Eiteransammlung) gebildet hat oder das Gewebe schwer geschädigt ist. Der Arzt entscheidet das individuell mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
In den ersten Tagen sollten Sie sich schonen und den Hodensack entlasten. Sie können normal essen und trinken. Die Schmerzen bessern sich meist innerhalb einer Woche. Die Schwellung kann noch einige Wochen bestehen bleiben.
Tipps für den Alltag
- Auf gute Hygiene im Genitalbereich achten
- Kondome verwenden, um sexuell übertragbare Infektionen zu vermeiden
- Blasenprobleme frühzeitig ärztlich abklären lassen
- Viel Wasser trinken und den Harndrang nicht hinauszögern
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung und genügend Flüssigkeit unterstützen die Heilung. Nach dem Abklingen der akuten Beschwerden können Sie sich wieder normal bewegen. Sport sollten Sie erst wieder machen, wenn Sie völlig schmerzfrei sind.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Beschwerden im Intimbereich können verunsichern und belasten. Das ist verständlich. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt auch über Ängste oder Sorgen. Wenn die Niedergeschlagenheit anhält, ist eine ärztliche Beratung sinnvoll.
Vorbeugung
Nicht jede Entzündung ist vermeidbar, aber das Risiko lässt sich senken. Safer Sex, gute Hygiene und das Vermeiden von anhaltendem Druck auf den Hodensack sind wichtige Punkte. Eine rechtzeitige Behandlung von Harnwegsinfekten beugt vor.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine eigene Früherkennungsuntersuchung für die Nebenhodenentzündung. Regelmäßige urologische Vorsorge ab 45 Jahren hilft jedoch, Prostata- und Harnprobleme früh zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Abszessbildung im Hodensack
- Ausbreitung der Entzündung auf andere Hodenstrukturen
- In seltenen Fällen verminderte Fruchtbarkeit
- Chronische Nebenhodenentzündung mit wiederkehrenden Schmerzen
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung heilt die Nebenhodenentzündung in den allermeisten Fällen vollständig aus. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab. Komplikationen sind selten, wenn frühzeitig gehandelt wird.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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