Chronische Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung sind die Schleimhäute in den luftgefüllten Hohlräumen im Gesichtsschädel – den Nasennebenhöhlen – dauerhaft geschwollen und entzündet. Die Entzündung dauert länger als 12 Wochen an oder kommt immer wieder. Dadurch können Schleim und Sekret nicht mehr richtig abfließen, was zu Druckgefühl und verstopfter Nase führt.
Wichtige Fakten
- Eine chronische Sinusitis dauert mindestens 12 Wochen an oder kehrt häufig wieder.
- Sie entsteht oft durch eine Kombination aus Entzündung, gestörtem Abfluss und manchmal durch Allergien oder Polypen.
- Eine genaue Diagnose und eine angepasste Behandlung sind wichtig, um die Beschwerden zu lindern und Folgeprobleme zu vermeiden.
Ja, chronische Nasennebenhöhlenentzündungen sind häufig. In Deutschland sind viele Menschen davon betroffen – die genaue Zahl ist allerdings schwer zu schätzen, weil die Beschwerden oft nicht eindeutig sind.
Sie kann Menschen jeden Alters betreffen, kommt aber bei Erwachsenen häufiger vor. Menschen mit Allergien, Asthma oder einer Entzündung der Nasenschleimhaut (Rhinitis) haben ein erhöhtes Risiko.
Symptome
- Schwellung oder Rötung rund um ein Auge, besonders mit Sehstörungen
- Plötzliche, starke Kopfschmerzen mit steifem Nacken
- Hohes Fieber mit starkem Krankheitsgefühl
- Bewusstseinsstörungen oder Verwirrtheit
- Atemnot oder Atembeschwerden
- ⚠Schmerzen im Gesicht oder Kopf, die trotz Behandlung zunehmen
- ⚠Starke Gesichtsschwellung
- ⚠Hohes Fieber über mehrere Tage
- ⚠Verschlechterung der Sehkraft oder Doppelbilder
- ⚠Wiederholtes Erbrechen oder starke Übelkeit
Häufige Symptome
- Verstopfte Nase oder ständiger Schnupfen
- Druckgefühl oder Schmerzen im Bereich der Wangen, Augen oder Stirn
- Verminderter Geruchssinn
- Sekretfluss aus der Nase oder in den Rachen
- Husten, der nachts oder morgens stärker wird
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
Symptome bei Kindern
- Häufige Nase, die zu ist
- Reizbarkeit oder Weinerlichkeit
- Husten, der länger anhält
- Schnarchen oder Mundatmung
- Ohrenschmerzen oder Druckgefühl im Ohr
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Weniger typische Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Fieber sind oft schwächer ausgeprägt
- Häufiger trockene Nase oder vermindertes Geruchsempfinden
- Unklare Abgeschlagenheit oder Verwirrtheit können hinzukommen
- Chronischer Husten oder nächtliche Atemprobleme
- Druckgefühl im Bereich der Nasennebenhöhlen statt deutlicher Schmerzen
Ursachen
Hauptursachen
- Wiederkehrende oder unvollständig ausgeheilte Atemwegsinfektionen
- Allergische Reaktionen, die die Schleimhaut anschwellen lassen
- Entzündungen der Nasenschleimhaut, die nicht abklingen
- Nasenpolypen – gutartige Wucherungen, die den Abfluss behindern
- Anatomische Besonderheiten, z. B. eine stark verkrümmte Nasenscheidewand
- Entzündungsreaktionen des Immunsystems in der Schleimhaut
Risikofaktoren
- Asthma oder bekanntes Allergie-Leiden
- Rauchen oder regelmäßige Passivbelastung durch Rauch
- Geschwächtes Immunsystem, z. B. durch bestimmte Erkrankungen
- Bestimmte Grunderkrankungen, die die Schleimbildung beeinflussen
- Längeres Verweilen in trockener oder schadstoffbelasteter Raumluft
- Zahnerkrankungen im Oberkiefer
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Die Beschwerden halten länger als 10–14 Tage an oder werden trotz Behandlung schlimmer
- Sie haben wiederholt hohes Fieber oder starke Schmerzen im Gesicht
- Ihre Nase ist einseitig stark geschwollen oder Sie bemerken einseitige Probleme
- Sie haben eine bekannte Grunderkrankung oder ein geschwächtes Immunsystem
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie regelmäßig über verstopfte Nase, Druckgefühl oder Geruchsverlust klagen
- Wenn Sie im vergangenen Jahr mehr als zwei Behandlungen wegen einer Nasennebenhöhlenentzündung hatten
- Wenn Allergien oder Asthma bekannt sind und Ihre Beschwerden häufig auftreten
Diagnose
Die Diagnose stellt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt in der Regel anhand einer ausführlichen Befragung zu Ihren Beschwerden und Ihrer Krankengeschichte. Dazu gehört eine Untersuchung der Nase, zum Beispiel mit einem kleinen Leuchtgerät (Endoskop). So lassen sich Schwellungen, Rötungen und mögliche Polypen erkennen.
Mögliche Untersuchungen
- Nasenendoskopie: Ein dünnes, flexibles Instrument mit Kamera wird in die Nase eingeführt, um die Schleimhäute zu beurteilen.
- Bildgebung: Bei unklaren oder schweren Fällen kann eine Computertomographie (CT) der Nasennebenhöhlen durchgeführt werden, um den Entzündungsgrad genauer zu sehen.
- Allergietests: Wenn eine Allergie als Auslöser vermutet wird, können Haut- oder Bluttests weiterhelfen.
- Abstrich: Nur bei bestimmten Fragen oder wenn eine bakterielle Infektion möglich ist, wird ein Abstrich genommen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist meist nicht schmerzhaft, kann aber ein leichtes Druckgefühl in der Nase verursachen. Oft ist der erste Termin bei der Hausärztin oder beim Hausarzt ausreichend. In manchen Fällen wird an eine HNO-Fachärztin oder einen HNO-Facharzt überwiesen.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist es, die Entzündung zu beruhigen und den Abfluss aus den Nasennebenhöhlen zu verbessern. Die Therapie richtet sich nach der Ursache und den Beschwerden. Oft kommen mehrere Ansätze gleichzeitig zum Einsatz – Behandlungspläne sollten immer mit einem Arzt oder einer Ärztin besprochen werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Spülungen der Nase mit einer isotonischen Kochsalzlösung (fragen Sie in der Apotheke nach fertigen Lösungen oder Anleitungen)
- Inhalieren mit warmem Wasserdampf, zum Beispiel im Bad oder mit einem handelsüblichen Inhalationsgerät
- Ausreichend trinken, um das Sekret flüssiger zu machen
- Mit erhöhtem Kopfteil schlafen, um den Abfluss bei Nacht zu erleichtern
- Auf Rauchen und starke Luftschadstoffe verzichten
- Regelmäßige kurze Spaziergänge an frischer Luft, wenn Sie sich fit genug fühlen
Medizinische Behandlungen
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Ihnen Behandlungen empfehlen, die die Entzündung hemmen oder den Abfluss verbessern. Dazu gehören zum Beispiel kortisonhaltige Nasensprays, die die Schleimhaut abschwellen lassen, oder andere entzündungshemmende Medikamente. Nur bei bakteriellen Infektionen sind Antibiotika sinnvoll – diese werden nie ohne ärztliche Diagnose eingesetzt. Besprechen Sie immer mit Ihrer ärztlichen Fachperson, welche Behandlung für Sie geeignet ist. Es gibt auch Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen – diese werden nur bei schweren, genau abgeklärten Formen eingesetzt und sind verschreibungspflichtig.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt in Betracht, wenn trotz guter Behandlung die Beschwerden weiterhin stark sind, wenn Nasenpolypen den Abfluss dauerhaft behindern oder wenn eine ausgeprägte anatomische Verengung vorliegt. Ziel des Eingriffs ist es, die Nebenhöhlen weiter zu öffnen und die Belüftung zu verbessern. Ob eine Operation sinnvoll ist, entscheiden Sie gemeinsam mit einer HNO-Ärztin oder einem HNO-Arzt.
Leben mit der Erkrankung
Eine chronische Sinusitis lässt sich im Alltag gut begleiten, wenn Sie die Behandlung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt regelmäßig prüfen. Achten Sie auf Auslöser, die Ihre Beschwerden verstärken, und bauen Sie Rituale wie eine Nasenspülung oder das Inhalieren in den Tagesablauf ein.
Tipps für den Alltag
- Halten Sie die Raumluft feucht – ein Luftbefeuchter oder ein feuchtes Tuch auf der Heizung kann helfen
- Vermeiden Sie reizende Stoffe wie Zigarettenrauch, starke Parfums oder chemische Dämpfe
- Lüften Sie regelmäßig, besonders im Schlafzimmer
- Achten Sie auf allergieauslösende Faktoren wie Hausstaub oder Pollen, wenn eine Allergie bekannt ist
- Gönnen Sie sich ausreichend Schlaf und Ruhe, besonders bei akuten Schüben
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und ausreichend Flüssigkeit unterstützt das Immunsystem. Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft kann die Durchblutung der Schleimhäute anregen und den Abfluss fördern. Vermeiden Sie aber übermäßige Anstrengung bei starkem Schnupfen oder Fieber.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Sinusitis kann belastend sein, weil Sie ständig mit Druckgefühl, Müdigkeit oder Geruchsverlust zu kämpfen haben. Das kann den Schlaf, die Konzentration und die Stimmung beeinflussen. Es ist völlig legitim, sich dabei Unterstützung zu holen – sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber.
Vorbeugung
Eine chronische Sinusitis lässt sich nicht immer vollständig verhindern, aber Sie können die Häufigkeit und Schwere von Schüben beeinflussen. Achten Sie auf eine gute Nasenpflege, meiden Sie bekannte Allergene, stärken Sie Ihr Immunsystem durch einen gesunden Lebensstil und behandeln Sie akute Atemwegsinfekte konsequent.
Impfungen
Lassen Sie sich von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu empfohlenen Impfungen beraten, die vor Atemwegsinfektionen schützen können. Impfungen gegen Grippe, COVID-19 oder Lungenentzündung können in bestimmten Situationen sinnvoll sein.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine allgemeine Früherkennungsuntersuchung für chronische Sinusitis. Wenn Sie wiederholt über die typischen Beschwerden klagen, sprechen Sie rechtzeitig mit Ihrer Hausarztpraxis – eine frühzeitige Abklärung ist die beste Vorbeugung gegen langwierige Verläufe.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Entzündung kann sich auf benachbarte Bereiche ausbreiten, zum Beispiel auf die Augen
- In seltenen Fällen kann eine Hirnhautentzündung (Meningitis) entstehen
- Nasenpolypen können das Atmen zunehmend erschweren
- Eine dauerhafte Schädigung des Geruchssinns ist möglich
- Die Lebensqualität nimmt durch Schlafprobleme und chronische Schmerzen ab
Langzeitprognose
Mit einer angepassten Behandlung können die meisten Menschen ihre Beschwerden deutlich lindern – auch wenn die Krankheit nicht immer vollständig verschwindet. Viele Betroffene lernen, gut mit der Erkrankung zu leben, und erleben lange beschwerdefreie Phasen. Eine enge Zusammenarbeit mit Ihrem medizinischen Team gibt Ihnen die besten Chancen, den Alltag wieder aktiv zu gestalten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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