Erhöhte weiße Blutkörperchen (Leukozytose)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein erhöhter Wert an weißen Blutkörperchen (auch Leukozyten genannt) bedeutet, dass Ihr Blut mehr von diesen Abwehrzellen enthält als üblich. Weiße Blutkörperchen sind ein wichtiger Teil Ihres Immunsystems. Sie helfen Ihrem Körper, Infektionen und Krankheiten zu bekämpfen. Ein erhöhter Wert ist oft ein Zeichen dafür, dass Ihr Körper gerade gegen etwas kämpft – zum Beispiel eine Infektion. In den meisten Fällen ist das vorübergehend und nicht gefährlich.
Wichtige Fakten
- Ein erhöhter weißer Blutkörperchen-Wert ist keine eigene Krankheit, sondern ein Hinweis auf einen möglichen Auslöser.
- Häufigste Ursachen sind Infektionen, Entzündungen oder Stress.
- Die Behandlung richtet sich immer nach der Ursache – nicht nach dem Wert allein.
- Nur selten steckt eine ernsthafte Erkrankung des blutbildenden Systems dahinter.
Ja, ein erhöhter Wert an weißen Blutkörperchen ist ein sehr häufiger Laborbefund. Er wird oft bei Routine-Blutuntersuchungen entdeckt, ohne dass die Person etwas davon spürt. In den meisten Fällen klärt er sich von selbst oder ist leicht behandelbar.
Ein erhöhter weißer Blutkörperchen-Wert kann in jedem Alter auftreten. Er ist besonders häufig bei Menschen mit akuten Infektionen, chronischen Entzündungen, starkem Stress oder nach körperlicher Belastung. Er kann auch als normale Reaktion während einer Schwangerschaft vorkommen.
Symptome
- Sehr hohes Fieber über 39 °C, das nicht fällt
- Starke Atemnot oder das Gefühl zu ersticken
- Bewusstlosigkeit oder starke Benommenheit
- Zeichen einer Blutvergiftung (Sepsis): Fieber mit Schüttelfrost, schneller Herzschlag, schnelle Atmung, Verwirrtheit, kalte oder fleckige Haut
- Starke Blutungen oder ungewöhnliche blaue Flecken ohne erkennbaren Grund
- ⚠Anhaltendes Fieber seit mehr als 2 Tagen
- ⚠Schwere Kopfschmerzen oder Nackensteifigkeit
- ⚠Wiederholtes Erbrechen oder Durchfall mit Anzeichen von Austrocknung
- ⚠Verschlechterung eines bekannten chronischen Leidens
- ⚠Sich sehr krank fühlen oder ungewöhnlich schwach sein
Häufige Symptome
- In den meisten Fällen verursacht die Leukozytose selbst keine Beschwerden. Symptome hängen von der eigentlichen Ursache ab.
- Bei einer Infektion: Fieber, Husten, Schnupfen, Halsschmerzen, Durchfall oder allgemeines Krankheitsgefühl.
- Bei Entzündungen: Schmerzen, Rötung oder Schwellung an einer Körperstelle.
Ursachen
Hauptursachen
- Infektionen, besonders durch Bakterien, aber auch durch Viren
- Entzündungen im Körper, zum Beispiel bei Rheuma oder Darmerkrankungen
- Starker körperlicher oder seelischer Stress
- Rauchen
- Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen
- Nach Operationen oder Verletzungen
- Selten: Erkrankungen des blutbildenden Systems oder des Knochenmarks
Risikofaktoren
- Vor kurzem eine Infektion oder eine Erkältung durchgemacht
- Entzündliche Erkrankungen wie Rheuma oder Asthma
- Rauchen
- Starker seelischer oder körperlicher Stress
- Schwangerschaft
- Einnahme bestimmter Medikamente
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie Fieber, Schüttelfrost, starke Schmerzen oder ein allgemein schweres Krankheitsgefühl haben.
- Wenn Sie sich plötzlich sehr schwach fühlen, stark schwitzen oder einen beschleunigten Herzschlag bemerken.
- Wenn Sie ungewöhnliche Blutungen oder blaue Flecken bemerken.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn der erhöhte Wert bei einer Routine-Blutuntersuchung zufällig entdeckt wurde und Sie keine Beschwerden haben.
- Wenn Sie seit Wochen müde sind, Nachtschweiß oder ungewollten Gewichtsverlust bemerken.
- Wenn Sie eine Grunderkrankung haben und der Wert über längere Zeit erhöht bleibt.
Diagnose
Der erhöhte Wert wird durch eine Blutuntersuchung festgestellt. Dabei wird die Anzahl der weißen Blutkörperchen in einer Blutprobe gemessen. Da dieser Wert allein nicht aussagekräftig ist, schaut man sich zusätzlich das Blutbild und den Differenzialblutwert an, also die verschiedenen Untergruppen der weißen Blutkörperchen.
Mögliche Untersuchungen
- Großes Blutbild zur Bestimmung aller Blutzellen
- Differenzialblutbild (Aufteilung der weißen Blutkörperchen in Untergruppen)
- Entzündungswerte im Blut, zum Beispiel CRP
- Urinuntersuchung, wenn der Verdacht auf eine Harnwegsinfektion besteht
- Weitere gezielte Tests je nach Verdacht, zum Beispiel auf bestimmte Viren oder Bakterien
- Bei anhaltenden Beschwerden: Ultraschall oder andere bildgebende Verfahren
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird Ihre Krankengeschichte besprechen, Sie körperlich untersuchen und Blut abnehmen. Die Auswertung dauert meist nur wenige Stunden bis Tage. Sollten die Werte auffällig bleiben, kann eine Kontrolle nach einigen Wochen sinnvoll sein. In seltenen Fällen wird eine Überweisung zur Fachärztin oder zum Facharzt für Bluterkrankungen (Hämatologie) empfohlen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nicht nach dem erhöhten Wert selbst, sondern nach der Ursache. Oft ist keine Behandlung nötig, weil der Wert von selbst wieder normal wird. Wenn eine Infektion oder eine Entzündung vorliegt, wird diese behandelt. Eine alleinige Senkung der weißen Blutkörperchen ohne Ursache ist nicht sinnvoll.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie ausreichend Wasser, besonders bei Fieber oder Infektionen.
- Sorgen Sie für ausreichend Ruhe und Schlaf, damit Ihr Immunsystem arbeiten kann.
- Beobachten Sie, ob neue Symptome auftreten, und dokumentieren Sie diese.
- Vermeiden Sie zusätzlichen Stress, etwa durch Entspannungsübungen oder Spaziergänge.
Medizinische Behandlungen
Die medizinische Behandlung hängt von der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Bei einer bakteriellen Infektion kann die Ärztin oder der Arzt ein Antibiotikum verschreiben. Bei entzündlichen Erkrankungen kommen entzündungshemmende Medikamente zum Einsatz. Wenn Medikamente den Wert verursachen, wird besprochen, ob diese angepasst oder gewechselt werden können. In sehr seltenen Fällen, wenn eine Bluterkrankung vorliegt, wird eine spezialisierte Behandlung in Zusammenarbeit mit Blut-Spezialisten durchgeführt.
Leben mit der Erkrankung
In den meisten Fällen können Sie ganz normal weiterleben. Der erhöhte Wert ist nur ein Hinweis. Wichtig ist, auf Ihren Körper zu hören und sich bei Infekten zu schonen. Wenn Sie sich schlapp fühlen, legen Sie öfter eine Pause ein. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn der Wert nicht zurückgeht oder neue Beschwerden auftreten.
Tipps für den Alltag
- Nicht rauchen – Rauchen kann die Werte dauerhaft erhöhen.
- Ausreichend schlafen, mindestens 7 bis 8 Stunden pro Nacht.
- Stress reduzieren durch Entspannungstechniken oder regelmäßige Bewegung.
- Auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten achten.
Ernährung und Bewegung
Gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung stärken Ihr Immunsystem und können dazu beitragen, Entzündungen im Körper zu reduzieren. Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Bewegung in Maßen ist gut – übertreiben Sie es nicht, wenn Sie gerade eine Infektion durchmachen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein auffälliger Laborwert kann Ängste auslösen. Das ist verständlich. Manche Menschen sorgen sich, dass etwas Ernstes dahinterstecken könnte. Sprechen Sie über Ihre Sorgen mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin. Die meisten Ursachen sind harmlos. Wenn die Angst anhält, kann auch eine psychologische Beratung helfen.
Vorbeugung
Nicht immer. Da die meisten erhöhten Werte durch Infektionen oder Entzündungen entstehen, kann eine gesunde Lebensweise das Risiko senken. Wichtig ist, Infektionen zu vermeiden, zum Beispiel durch Händehygiene und einen gesunden Lebensstil. Stressabbau und Nichtrauchen können ebenfalls dazu beitragen.
Impfungen
Lassen Sie Ihren Impfschutz gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) überprüfen und auffrischen. Impfungen schützen vor vielen Infektionskrankheiten, die zu erhöhten weißen Blutkörperchen führen können.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine spezielle Vorsorgeuntersuchung für erhöhte weiße Blutkörperchen. Eine regelmäßige Gesundheitsuntersuchung beim Hausarzt kann jedoch Auffälligkeiten im Blut frühzeitig erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eine unbehandelte schwere Infektion kann sich im Körper ausbreiten und zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen.
- Bei einer unerkannten chronischen Entzündung kann die Krankheit fortschreiten und Organe schädigen.
- In seltenen Fällen kann eine Erkrankung des blutbildenden Systems ohne Abklärung unerkannt bleiben und sich verschlimmern.
Langzeitprognose
Die Prognose ist in den allermeisten Fällen sehr gut. Der erhöhte Wert bildet sich meist zurück, sobald die Ursache überstanden ist – oft ohne jede Behandlung. Selbst bei ernsteren Ursachen gibt es heute viele wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Je früher eine genaue Abklärung erfolgt, desto besser sind die Aussichten. Sie sind nicht allein – lassen Sie sich von Ihrem medizinischen Team begleiten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
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