Niedrige weiße Blutkörperchen: Ursachen, Symptome und Behandlung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ihr Blut enthält weiße Blutkörperchen – auch Leukozyten genannt. Sie sind Teil Ihres Immunsystems und helfen, Infektionen abzuwehren. Wenn im Blutbild zu wenige weiße Blutkörperchen gemessen werden, sprechen Fachleute von einer Leukopenie. Ein leichter Abfall ist oft harmlos. Er kann aber auch auf eine Erkrankung hinweisen, die abgeklärt werden sollte.
Wichtige Fakten
- Weiße Blutkörperchen sind die Abwehrzellen Ihres Körpers gegen Bakterien, Viren und andere Erreger.
- Ein niedriger Wert ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern ein Laborwert mit möglichen Ursachen.
- Wie wichtig der Wert ist, hängt von der genauen Zahl, Ihren Beschwerden und der durchgeführten Blutuntersuchung ab.
Ja. Eine leichte Erniedrigung der weißen Blutkörperchen wird bei Blutuntersuchungen häufig entdeckt. Sie ist oft vorübergehend und bedarf keiner speziellen Behandlung. Erst wenn der Wert stark sinkt oder Beschwerden auftreten, wird eine genauere Abklärung wichtig.
Grundsätzlich kann jeder Mensch betroffen sein. Häufiger tritt sie auf bei Menschen, die eine Virusinfektion durchgemacht haben, bei Autoimmunerkrankungen, bei einer Therapie mit bestimmten Medikamenten oder nach einer Krebsbehandlung. Auch angeborene Formen kommen vor, sind aber selten.
Symptome
- Fieber mit Schüttelfrost und starkem Krankheitsgefühl
- Sehr schnelles Atmen, Atemnot oder Brustschmerz
- Plötzliche Verwirrtheit oder Benommenheit
- Flecken auf der Haut, die nicht wegdrückbar sind (Hinweis auf schwere Infektion oder Sepsis)
- Rufen Sie bei diesen Zeichen sofort den Notruf 112.
- ⚠Fieber ab 38,5 Grad Celsius
- ⚠Anhaltende Halsschmerzen, Schluckbeschwerden oder schmerzhafte Bläschen im Mund
- ⚠Anzeichen einer Infektion, die nicht besser werden, zum Beispiel Husten oder eine Wunde, die eitert
- ⚠Vereinbaren Sie am selben Tag einen Termin bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Häufige Symptome
- Viele Menschen haben keinerlei Beschwerden und erfahren den Wert nur zufällig bei einer Blutabnahme.
- Müdigkeit oder ein allgemeines Schwächegefühl
- Häufigere oder länger anhaltende Infektionen wie Schnupfen, Halsschmerzen oder Harnwegsinfekte
- Fieber oder wiederkehrende Entzündungen
Symptome bei Kindern
- Kinder machen häufiger Infektionen durch, zum Beispiel Mittelohr- oder Mandelentzündungen.
- Auch hier gilt: Meist ist der Grund harmlos und der Wert erholt sich von selbst.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Im höheren Alter verändert sich das Knochenmark. Auch Medikamente, die ältere Menschen oft einnehmen, können die weißen Blutkörperchen senken.
- Deshalb wird bei älteren Menschen besonders auf zusätzliche Erkrankungen geachtet.
Ursachen
Hauptursachen
- Virale Infektionen, etwa eine Erkältung oder ein Magen-Darm-Infekt
- Knochenmarkerkrankungen, bei denen zu wenige Blutzellen gebildet werden
- Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem körpereigene Zellen angreift
- Bestimmte Medikamente, zum Beispiel einige Antibiotika, Schmerzmittel oder Mittel gegen Rheuma oder Krebs
- Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure
- Angeborene Störungen der Blutbildung (selten)
Risikofaktoren
- Nach einer überstandenen Virusinfektion
- Während oder nach einer Chemo- oder Strahlentherapie
- Bei Autoimmunerkrankungen wie Lupus oder rheumatoider Arthritis
- Bei Mangelernährung oder einseitiger Kost
- Wenn nahe Verwandte an Bluterkrankungen leiden
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Fieber, Schüttelfrost oder anderen Infektzeichen
- Wenn Sie eine Krebsbehandlung erhalten und Fieber bekommen
- Wenn Ihnen sehr schwindelig ist, Sie starke Nachtschweiße haben oder Blutungen auftreten
- Bei Symptomen einer schweren Infektion – dann sofort den Notruf 112 wählen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie bemerken, dass Sie häufiger krank werden als früher
- Wenn der niedrige Wert bei mehreren Blutuntersuchungen bestehen bleibt
- Wenn in der Blutuntersuchung auch andere Werte auffällig sind, zum Beispiel rote Blutkörperchen oder Blutplättchen
Diagnose
Die Diagnose wird durch eine Blutuntersuchung gestellt. Dabei wird die Anzahl der weißen Blutkörperchen im Blut bestimmt. Zusätzlich fragt die Ärztin oder der Arzt nach Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenten und möglichen Infekten.
Mögliche Untersuchungen
- Wiederholtes Blutbild, um den Verlauf zu prüfen
- Blutausstrich: Dabei werden die Zellen unter dem Mikroskop betrachtet
- Blutuntersuchung auf Entzündungswerte oder Viren
- Test auf Autoantikörper, wenn eine Autoimmunerkrankung vermutet wird
- Knochenmarkpunktion, falls eine Knochenmarkerkrankung möglich ist
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Meist beginnt die Abklärung in der Hausarztpraxis. Die Ärztin oder der Arzt bespricht mit Ihnen das Ergebnis des Blutbildes und überlegt, ob weitere Tests nötig sind. Bei unklaren oder schweren Fällen kann eine Überweisung an eine Facharztpraxis für Blutkrankheiten (Hämatologie) erfolgen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Wenn ein Medikament die weißen Blutkörperchen senkt, kann die Ärztin oder der Arzt das Mittel absetzen oder ändern. Bei einer Infektion steht die Behandlung der Infektion im Vordergrund. Liegt eine Blutbildungsstörung vor, übernimmt eine Fachärztin oder ein Facharzt für Hämatologie die Betreuung.
Selbsthilfe zu Hause
- Händewaschen mit Seife – besonders vor dem Essen und nach dem Toilettengang
- Menschen mit ansteckenden Krankheiten aus dem Weg gehen
- Bei hohem Fieber und Krankheitsgefühl den Körper schonen
- Mund- und Zahnpflege, um Entzündungen zu vermeiden
- Ärztliche Kontrolluntersuchungen wahrnehmen
Medizinische Behandlungen
Manchmal werden sogenannte Wachstumsfaktoren eingesetzt. Das sind Medikamente, die das Knochenmark anregen, mehr weiße Blutkörperchen zu bilden. Sie werden in der Regel gespritzt. Bei Infektionen können Antibiotika oder Virenmedikamente – sofern nötig – verordnet werden. Auch die Behandlung der Grunderkrankung kann den Blutwert verbessern. Welches Vorgehen im Einzelfall richtig ist, entscheidet Ihre behandelnde Ärztin oder Ihr behandelnder Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nicht die Behandlung für einen niedrigen weißen Blutwert selbst. Wenn jedoch eine Erkrankung gefunden wird, die chirurgisch behandelt werden kann, zum Beispiel ein Tumor, kann eine Operation Teil des Behandlungsplans sein.
Leben mit der Erkrankung
Mit einem niedrigen Wert der weißen Blutkörperchen können Sie gut leben, solange Sie auf sich achten. Wichtig ist, Infektionen vorzubeugen und den Körper in Balance zu halten. Regelmäßige Kontrollen geben Sicherheit.
Tipps für den Alltag
- Ausreichend Schlaf und Stressabbau stärken das Immunsystem
- Auf Händehygiene achten – besonders in der Grippesaison
- Rauchen vermeiden, da Rauchen die Abwehr belastet
- Bei sehr niedrigen Werten Menschenansammlungen meiden
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und ausreichend Eiweiß unterstützt den Körper. Bei stark erniedrigtem Wert sollte rohes Fleisch, roher Fisch und nicht pasteurisierte Milchprodukte vermieden werden, weil dort Keime vorkommen können. Leichte Bewegung wie Spazierengehen oder sanftes Yoga ist in der Regel gut – fragen Sie Ihr Behandlungsteam, was für Sie passt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein auffälliger Blutwert kann Angst machen. Vielleicht helfen Gespräche mit Ihren Angehörigen oder mit einer Psychologin oder einem Psychologen. Auch Entspannungsübungen, bewusstes Atmen oder ein Hobby können Sie dabei unterstützen, emotional stabil zu bleiben. Wichtig ist: Sie müssen nicht alleine damit fertig werden – suchen Sie sich Unterstützung, die zu Ihnen passt.
Vorbeugung
Viele Ursachen können nicht verhindert werden. Was Sie tun können, ist, Ihr Immunsystem zu unterstützen und Warnzeichen von Infektionen ernst zu nehmen. Lassen Sie ungewöhnliche Beschwerden frühzeitig ärztlich abklären.
Impfungen
Lassen Sie Ihre Impfungen prüfen. Bei geschwächter Abwehr sind Impfungen, die vor Infektionen schützen, besonders wichtig. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann Sie zu empfohlenen Impfungen beraten.
Früherkennungsprogramme
Wenn eine Grunderkrankung bekannt ist, helfen regelmäßige Blutkontrollen, den Verlauf zu beobachten. Auch während einer Therapie, die das Blutbild beeinflussen kann, sind ärztliche Verlaufskontrollen üblich.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne ausreichende weiße Blutkörperchen können Infektionen schwerer verlaufen.
- Im schlimmsten Fall kann eine Infektion auf den ganzen Körper übergreifen – eine sogenannte Sepsis, die lebensbedrohlich ist.
- Je nach Grunderkrankung kann ein unbehandelter Mangel die allgemeine Gesundheit weiter schwächen.
Langzeitprognose
Eine gute Nachricht vorweg: Viele Menschen mit einem niedrig gelegenen Wert brauchen gar keine Therapie. Sobald die Ursache gefunden ist, lässt sich in den meisten Fällen ein guter Behandlungsplan erstellen. Auch ernstere Ursachen sind heute oft besser zu behandeln als früher. Bleiben Sie im Gespräch mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt – sie begleiten Sie durch alle Schritte.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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