Hidradenitis suppurativa (Akne inversa) – verständlich erklärt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Hidradenitis suppurativa, auch Akne inversa genannt, ist eine chronische Hauterkrankung, bei der sich unter der Haut schmerzhafte Knoten und Abszesse bilden. Sie entsteht, wenn Haarfollikel – also die Wurzeln der Haare – verstopfen und sich entzünden. Die Entzündungen treten meist an Stellen auf, an denen Haut auf Haut liegt, etwa in den Achseln, in der Leistengegend oder unter der Brust.
Wichtige Fakten
- Die Krankheit ist nicht ansteckend.
- Sie entsteht nicht durch mangelnde Hygiene.
- Sie verursacht wiederkehrende Knoten und Abszesse in Hautfalten.
Die Krankheit ist nicht selten. Man geht davon aus, dass etwa einer von 50 Menschen betroffen ist – allerdings werden viele Fälle nicht erkannt oder nicht berichtet.
Die Erkrankung beginnt meist bei jungen Erwachsenen. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer. Auch Übergewicht und Rauchen spielen eine wichtige Rolle.
Symptome
- Bei hohem Fieber und starkem Krankheitsgefühl sofort den Notruf 112 rufen
- Bei schnell zunehmender, sehr schmerzhafter Rötung oder Schwellung sofort den Notruf 112 rufen
- Bei Schüttelfrost, Atemnot oder Kreislaufproblemen sofort den Notruf 112 rufen
- ⚠Bei sehr großen oder extrem schmerzhaften Abszessen, die nicht von selbst aufbrechen
- ⚠Bei starkem eitrigem Ausfluss oder unangenehmem Geruch
- ⚠Bei Schmerzen, die Sie im Alltag stark einschränken
Häufige Symptome
- Wiederkehrende, schmerzhafte Knoten unter der Haut
- Rötung, Schwellung und Wärmegefühl an den betroffenen Stellen
- Abszesse, die aufbrechen und Flüssigkeit oder Eiter entleeren
- Narben oder kleine Gänge unter der Haut nach der Abheilung
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist die Erkrankung sehr selten. Wenn doch Knoten oder Abszesse in Achseln oder Leisten auftreten, sollten Sie die Kinderärztin oder den Kinderarzt aufsuchen, um andere Ursachen auszuschließen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Auch im Alter können Knoten und Abszesse neu auftreten. Da andere Hautveränderungen im Alter häufiger sind, kann die Diagnose länger dauern. Wenden Sie sich bei wiederkehrenden Entzündungen an Ihre Hautärztin oder Ihren Hautarzt.
Ursachen
Hauptursachen
- Verstopfte Haarfollikel durch überschüssiges Keratin
- Eine überschießende Entzündungsreaktion des Körpers
- Hormonelle Einflüsse, die die Talgproduktion anregen
Risikofaktoren
- Rauchen
- Übergewicht
- Häufiges Reiben oder Schwitzen an Hautfalten
- Eine familiäre Veranlagung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie Fieber oder ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl haben
- Wenn sich eine Rötung schnell ausbreitet oder sehr heiß anfühlt
- Wenn ein Abszess unter der Haut rasant größer wird oder immer wieder aufbricht
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie trotz Selbstpflege seit Wochen immer wieder Knoten bemerken
- Wenn sich unter der Haut verhärtete Gänge anfühlen
- Wenn die Beschwerden Ihr Selbstbewusstsein oder Ihre Arbeit beeinträchtigen
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt stellt die Diagnose meist nach einem ausführlichen Gespräch und der Untersuchung der betroffenen Hautstellen. Typisch ist das Muster aus wiederkehrenden Knoten und Abszessen an den bekannten Körperstellen.
Mögliche Untersuchungen
- Die körperliche Untersuchung der Hautfalten
- Ein Gespräch über Ihre Beschwerden, frühere Entzündungen und Lebensgewohnheiten
- In einzelnen Fällen eine Blutuntersuchung oder Ultraschall, um andere Ursachen auszuschließen – ganz selten wird eine kleine Hautprobe (Biopsie) entnommen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist für Sie nicht schmerzhaft und dauert meist nur wenige Minuten. Die Ärztin oder der Arzt wird Ihnen einige Fragen stellen, etwa wann die Knoten zuerst auftraten und ob sie mit der Regel oder Stress zusammenhängen. Nehmen Sie sich Zeit und sprechen Sie alle Sorgen offen an.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der Erkrankung. Sie verbindet tägliche Hautpflege, entzündungshemmende Medikamente und bei Bedarf kleinere Eingriffe. Gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt finden Sie heraus, welcher Weg für Sie am besten ist.
Selbsthilfe zu Hause
- Legen Sie mehrmals täglich warme, feuchte Umschläge auf die betroffenen Stellen
- Reinigen Sie die Haut nur mit milden, pH-neutralen Waschstücken
- Tragen Sie lockere Kleidung, die nicht scheuert
- Drücken Sie Knoten oder Abszesse niemals aus – das verstärkt die Entzündung
- Vermeiden Sie raue oder parfümierte Hautpflege
Medizinische Behandlungen
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann verschiedene Arzneimittel verschreiben, die die Entzündung dämpfen – zum Beispiel äußerlich anzuwendende Cremes oder Salben, entzündungshemmende Tabletten oder die Injektion von Medikamenten, die das Immunsystem gezielt beeinflussen (sogenannte Biologika). Welches Medikament für Sie geeignet ist, hängt von Ihrem individuellen Befund ab. Weitere Hinweise finden Sie auch in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Dermatologie (AWMF). Bitte nehmen Sie selbst keine Medikamente ein, ohne zuvor mit Ihrem Behandlungsteam gesprochen zu haben.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn sich dauerhafte Gänge oder Narben unter der Haut bilden, kann ein kleiner chirurgischer Eingriff sinnvoll sein. Dabei entfernt die Ärztin oder der Chirurg das entzündete Gewebe. Solche Eingriffe werden in der Regel ambulant unter örtlicher Betäubung durchgeführt.
Leben mit der Erkrankung
Die Erkrankung ist chronisch, aber Sie sind nicht hilflos. Eine regelmäßige, sanfte Hautpflege und das Meiden von Reibung können Schübe abmildern. Planen Sie sich im Alltag bewusst Pausen ein und kühlen Sie gereizte Stellen kurz mit einem sauberen Tuch. Besprechen Sie anhaltende Schmerzen offen mit Ihrem Behandlungsteam – es gibt hilfreiche Optionen.
Tipps für den Alltag
- Rauchen Sie nicht
- Bewegen Sie sich regelmäßig – zum Beispiel mit Schwimmen oder Radfahren
- Halten Sie Ihr Körpergewicht in einem gesunden Bereich
- Reduzieren Sie Stress durch Atemübungen, Musik oder Spaziergänge
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten unterstützt den Körper allgemein. Sie ersetzt aber keine ärztliche Behandlung. Bewegung hilft, das Gewicht zu halten und den Kreislauf anzuregen – beides kann sich positiv auf die Hautgesundheit auswirken.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine sichtbare und schmerzhafte Hauterkrankung kann sehr belasten. Viele Betroffene erleben Schamgefühle, Angst oder depressive Stimmung. Das ist normal. Scheuen Sie sich nicht, darüber zu sprechen – mit nahestehenden Menschen oder mit einer Fachperson für Psychotherapie. Seelische Unterstützung ist ein wichtiger Teil der Behandlung.
Vorbeugung
Eine vollständige Vorbeugung ist nicht möglich. Sie können jedoch das Risiko für neue Schübe senken, indem Sie nicht rauchen, Übergewicht vermeiden und auf hautreizende Produkte verzichten.
Impfungen
Es gibt bislang keinen Impfstoff gegen Hidradenitis suppurativa. Gegen andere Infektionen empfohlene Impfungen sollten Sie aber wie von Ihrem Arzt empfohlen wahrnehmen.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening gibt es nicht. Wer wiederkehrende Knoten oder Abszesse an typischen Hautstellen bemerkt, sollte sie frühzeitig ärztlich abklären lassen – das ist die beste Vorsorge.
Komplikationen
Unbehandelt
- Tiefe Narben, die die Bewegungsfreiheit einschränken können
- Fistelgänge unter der Haut, die sich in Schüben entzünden
- Chronische Schmerzen und dauerhafte Entzündungsherde weiterer Körperbereiche
- Psychische Belastung mit Rückzug aus dem Alltag
Langzeitprognose
Die Aussichten sind heute besser als früher. Mit einer rechtzeitigen Diagnose und einer individuell passenden Behandlung lassen sich Symptome meist gut kontrollieren und Komplikationen verringern. Die Krankheit ist chronisch, aber sie ist weder ansteckend noch lebensbedrohlich. Viele Menschen lernen, mit dieser Hauterkrankung gut zu leben.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
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