Listeriose – eine seltene, aber ernst zu nehmende Infektion durch Listerien
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Listeriose ist eine Infektionskrankheit, die durch Listerien-Bakterien ausgelöst wird. Diese Bakterien kommen in der Natur vor, zum Beispiel in Erde, Wasser und im Darm von Tieren. Sie können über Lebensmittel in den menschlichen Körper gelangen. Bei gesunden Menschen verläuft die Infektion oft unbemerkt oder wie eine leichte Erkältung. Für Schwangere, Neugeborene, ältere Menschen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann sie jedoch gefährlich werden.
Wichtige Fakten
- Listerien gelangen meist über verunreinigte Lebensmittel in den Körper.
- Die Zeit zwischen Ansteckung und ersten Symptomen kann mehrere Wochen betragen.
- Für Schwangere ist Listeriose besonders riskant, da sie das ungeborene Kind gefährden kann.
- Eine frühzeitige Behandlung mit Antibiotika verbessert die Heilungschancen deutlich.
Nein, Listeriose ist selten. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 400 bis 600 Menschen. Die Zahl der gemeldeten Fälle ist in den letzten Jahren aber leicht gestiegen.
Besonders gefährdet sind schwangere Frauen, Neugeborene, Menschen über 65 Jahre und Personen mit geschwächtem Immunsystem – zum Beispiel wegen einer Krebsbehandlung, nach einer Organtransplantation oder durch Medikamente, die die Abwehrkräfte unterdrücken.
Symptome
- Hohes Fieber mit starken Kopfschmerzen und steifem Nacken – das kann auf eine Hirnhautentzündung hindeuten.
- Krampfanfälle oder Bewusstseinsstörungen
- Atemprobleme
- Bei Schwangeren: Fieber mit Unterleibsschmerzen, Kontraktionen oder verminderte Kindsbewegungen
- Zeichen einer Blutvergiftung: hohes Fieber, schneller Puls, extrem krankes Gefühl
- ⚠Anhaltendes Fieber, besonders wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören
- ⚠Muskelschmerzen und Kopfschmerzen ohne Besserung
- ⚠Durchfall mit Fieber über mehrere Tage
- ⚠Wenn Sie ein risikoreiches Lebensmittel gegessen haben und sich dann unwohl fühlen
Häufige Symptome
- Fieber und Schüttelfrost
- Muskelschmerzen und Abgeschlagenheit
- Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
- Kopfschmerzen
Symptome bei Kindern
- Fieber
- Trink- oder Essprobleme
- Ungewöhnliche Unruhe oder Teilnahmslosigkeit
- Hautausschlag oder Gelbfärbung der Haut (bei Neugeborenen)
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder plötzliche Wesensänderung
- Starke Kopfschmerzen
- Nackensteifigkeit und Berührungsempfindlichkeit
- Fieber und allgemeine Schwäche
Ursachen
Hauptursachen
- Verzehr von rohen oder nicht ausreichend erhitzten Lebensmitteln, die mit Listerien verunreinigt sind, zum Beispiel Rohmilch, Weichkäse, geräucherter Fisch, rohes Fleisch, rohe Sprossen
- Übertragung von der Mutter auf das ungeborene Kind während der Schwangerschaft
- Ansteckung von Neugeborenen während oder nach der Geburt
Risikofaktoren
- Schwangerschaft – die Infektionsgefahr ist in der Schwangerschaft erhöht und kann das Kind gefährden
- Alter über 65 Jahre
- Geschwächtes Immunsystem durch Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder HIV
- Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr hemmen (zum Beispiel bei Autoimmunerkrankungen)
- Erkrankungen der Magen- oder Darmschleimhaut oder eine Magensäure blockierende Therapie
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie zu einer Risikogruppe gehören und Fieber, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen oder Durchfall haben
- Wenn Sie schwanger sind und innerhalb weniger Wochen nach dem Verzehr von möglicherweise belasteten Lebensmitteln Fieber bekommen
- Wenn bei Ihnen Anzeichen einer Hirnhautentzündung auftreten, wie starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit oder Lichtempfindlichkeit – dann suchen Sie sofort ärztliche Hilfe oder wählen Sie die 112
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie sich Sorgen wegen einer möglichen Listeriose machen, auch ohne akute Beschwerden
- Wenn Sie regelmäßig zu den Risikogruppen gehören und Fragen zur Vorbeugung haben
Diagnose
Zur Diagnose fragt die Ärztin oder der Arzt nach Ihren Symptomen, möglichen Risiken in der Schwangerschaft oder einer geschwächten Immunabwehr und danach, ob Sie in letzter Zeit bestimmte Lebensmittel gegessen haben. Die Diagnose wird hauptsächlich durch Blutuntersuchungen gesichert.
Mögliche Untersuchungen
- Blutkultur: Eine Blutprobe wird im Labor auf Listerien untersucht.
- Untersuchung des Nervenwassers (Liquor): Bei Verdacht auf Hirnhautentzündung wird mit einer 'Lumbalpunktion' etwas Nervenflüssigkeit aus dem Rückenmark entnommen.
- Stuhlprobe: Kann helfen, den Erreger nachzuweisen, ist aber nicht in jedem Fall aussagekräftig.
- Manchmal zusätzlich eine Ultraschall- oder Bildschirmuntersuchung des Gehirns, um eine Entzündung zu erkennen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung dauert meist nicht lange. Bei einer Blutentnahme sitzen Sie einige Minuten in der Praxis. Eine Lumbalpunktion wird in der Regel in einem Krankenhaus durchgeführt. Sie liegen dabei entspannt auf der Seite oder im Sitzen. Wegen einer örtlichen Betäubung spüren Sie kaum Schmerzen.
Behandlung
Die Behandlung hängt davon ab, wie schwer die Erkrankung ist und ob Sie zu einer Risikogruppe gehören. Gesunde Menschen mit milden Beschwerden brauchen manchmal keine besondere Therapie. Bei Risikopatienten oder bei schweren Verläufen wird eine Antibiotikatherapie durchgeführt – meist im Krankenhaus.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel trinken, zum Beispiel Wasser oder Tee, um Flüssigkeitsverlust durch Fieber oder Durchfall auszugleichen
- Schonung und viel Ruhe, damit der Körper sich erholen kann
- Auf die Einhaltung von Hygieneregeln achten, besonders beim Händewaschen
- Keine Selbstmedikation – besprechen Sie Fieber oder Schmerzen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt
Medizinische Behandlungen
Bei schweren oder riskanten Verläufen werden Antibiotika eingesetzt. Diese werden meist über einen Venenzugang im Krankenhaus verabreicht, damit sie schnell im ganzen Körper wirken. Die Behandlung dauert oft 14 Tage oder länger. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt entscheidet das individuelle Behandlungschema. Wichtig ist, die Therapie immer vollständig abzuschließen, auch wenn Sie sich schon besser fühlen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Listeriose in der Regel nicht erforderlich. Nur in sehr seltenen Fällen – zum Beispiel bei Abszessen im Gehirn – könnte ein kleiner Eingriff von Fachleuten nötig sein.
Leben mit der Erkrankung
Wenn Sie an Listeriose erkrankt sind, ist es wichtig, dass Sie sich ausruhen und auf Ihren Körper hören. Nehmen Sie verordnete Medikamente genau wie verordnet ein und stellen Sie bei Fragen rechtzeitig Ihren Arzt oder Ihre Ärztin. Während der Schwangerschaft wird Sie Ihre Frauenarztpraxis engmaschig begleiten.
Tipps für den Alltag
- Verzichten Sie in der Schwangerschaft auf rohes oder geräuchertes Tierprodukt, Weichkäse aus Rohmilch und Sprossen.
- Waschen Sie Obst und Gemüse gründlich oder kochen Sie es kurz ab.
- Kühlen Sie Speisen direkt nach dem Kochen und erhitzen Sie Reste vor dem Essen gründlich.
- Reinigen Sie Ihren Kühlschrank regelmäßig und halten Sie die Kühlkette ein.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung unterstützt Ihr Immunsystem – viel Gemüse, Obst und vollwertige Lebensmittel. Vermeiden Sie in der Genesungszeit stark verarbeitete Speisen und essen Sie leicht Bekömmliches. Leichte Bewegung wie Spazierengehen ist erlaubt und tut gut – aber erst, wenn das Fieber abgeklungen ist. Hören Sie auf Ihren Körper.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Listeriose kann verängstigen – besonders in der Schwangerschaft. Sorgen um das ungeborene Kind sind verständlich. Sprechen Sie über Ihre Ängste, am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Auch Partnerin oder Partner sowie Familienmitglieder können eine wichtige Stütze sein.
Vorbeugung
Ja, durch einfache Hygiene- und Lebensmittelmaßnahmen können Sie das Risiko stark senken: Erhitzen Sie Lebensmittel gut durch, vermeiden Sie rohe tierische Produkte, waschen Sie Hände nach dem Kontakt mit rohen Lebensmitteln und achten Sie auf eine saubere Küche. Besonders empfindliche Personen sollten auf bestimmte Lebensmittel verzichten – am besten besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Impfungen
Gegen Listeriose gibt es keine Schutzimpfung.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening auf Listerien ist nicht üblich. Bei Schwangeren mit unklarem Fieber wird die Ärztin oder der Arzt jedoch gezielt Untersuchungen einleiten, um eine Listeriose auszuschließen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei geschwächten Menschen oder in der Schwangerschaft: Ausbreitung der Bakterien im Blut (Sepsis), die lebensbedrohlich werden kann
- Hirnhautentzündung oder Gehirnentzündung
- Bei Schwangeren: ungünstige Auswirkungen auf das ungeborene Kind, wie Früh- oder Fehlgeburt
- Schwere Neugeboreneninfektion nach der Geburt
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Die meisten Menschen mit gesundem Immunsystem haben leichte oder gar keine Beschwerden und werden vollständig gesund. Bei Risikogruppen ist eine frühe Behandlung entscheidend – dann sind die Aussichten deutlich besser. In der Schwangerschaft wird besonders eng zusammengearbeitet, um Mutter und Kind bestmöglich zu schützen.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Ihre Hausarztpraxis · Deutschland
- Ihr örtliches Gesundheitsamt · Deutschland
- Frauenarztpraxis (bei Schwangerschaft) · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
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