Nebennierenadenom – gutartiger Knoten an der Nebenniere
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Nebennierenadenom ist eine gutartige Wucherung (Geschwulst) in der Nebenniere. Die Nebennieren sind zwei kleine Organe, die auf den Nieren sitzen. Sie produzieren wichtige Botenstoffe (Hormone), die unter anderem den Blutdruck, den Zuckerstoffwechsel und die Stressreaktion des Körpers steuern. Ein Adenom wächst aus Drüsengewebe und ist fast immer harmlos. Oft macht es keine Beschwerden und wird rein zufällig bei einer Untersuchung des Bauches entdeckt.
Wichtige Fakten
- Mehr als 95 % der Nebennierenadenome sind gutartig.
- Viele Adenome produzieren keine Hormone und verursachen keine Beschwerden.
- Wenn das Adenom Hormone bildet, können Blutdruck, Blutzucker und Körpergewicht beeinflusst werden.
- Nicht jedes Adenom muss operiert werden – regelmäßige Kontrollen reichen häufig aus.
Ja, das Nebennierenadenom ist recht häufig. Bei Bildgebungen des Bauches findet man es bei etwa 1 bis 5 Prozent aller Erwachsenen. Bei Menschen über 70 Jahren ist es noch häufiger.
Das Adenom kommt in jedem Alter vor, wird aber meist bei Menschen über 40 entdeckt. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.
Symptome
- Plötzliche, sehr starke Bauch- oder Rückenschmerzen – besonders in Kombination mit Übelkeit oder Schwäche.
- Zeichen einer möglichen Hormonkrise: sehr hoher Blutdruck, rasendes Herz, starkes Schwitzen, Zittern oder Verwirrtheit.
- Bewusstlosigkeit oder ein Krampfanfall.
- Atemnot oder Schmerzen in der Brust.
- ⚠Wiederkehrende Anfälle von Herzrasen, Schwitzen und Kopfschmerzen.
- ⚠Ein stark erhöhter Blutdruck, der nicht sinkt und mit Sehstörungen einhergeht.
- ⚠Neue, deutliche Muskelschwäche, die den Alltag erschwert.
Häufige Symptome
- Häufig treten gar keine Symptome auf – das Adenom ist ein Zufallsbefund.
- Wenn es zu viel Botenstoffe produziert, kann es zu Bluthochdruck kommen, der sonst schwer einzustellen ist.
- Mögliche Zeichen sind außerdem: rundes Gesicht, Gewichtszunahme am Bauch, dünne Haut und blaue Flecken.
- Muskelschwäche, Müdigkeit und vermehrter Durst können auf einen gestörten Zuckerstoffwechsel hinweisen.
- Herzklopfen, Schwitzen, Zittern und Kopfschmerzen treten auf, wenn das Adenom Stresshormone (Adrenalin-ähnliche Stoffe) bildet.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist meist unklar. Es handelt sich um eine gutartige Vermehrung von Zellen in der Nebennierenrinde.
- In seltenen Fällen liegen erbliche Veränderungen (Genmutationen) vor, die das Risiko erhöhen.
- In den allermeisten Fällen gibt es keine äußere Ursache wie etwa bestimmte Lebensmittel oder Medikamente.
Risikofaktoren
- Zunehmendes Alter (häufiger bei über 40-Jährigen)
- Weibliches Geschlecht – Frauen sind etwas häufiger betroffen
- Seltene erbliche Syndrome in der Familie (z.B. multiple endokrine Neoplasie)
- Bestehende hormonelle Störungen bei nahen Verwandten
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie neu auftretende oder wiederkehrende Beschwerden wie Herzrasen, starkes Schwitzen, starke Kopfschmerzen oder einen plötzlich steigenden Blutdruck bemerken.
- Wenn Sie Blut im Urin oder anhaltende Schmerzen im Bereich der Nieren feststellen (auch wenn dies nicht typisch für ein Nebennierenadenom ist, sollte es abgeklärt werden).
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn bei einer Untersuchung ein Nebennierenadenom neu entdeckt wurde, vereinbaren Sie einen Termin zur Abklärung in einer Praxis für Endokrinologie oder einem Krankenhaus mit entsprechender Spezialabteilung.
- Wenn Sie an einer erblichen Vorbelastung leiden und sich unsicher sind, sprechen Sie bei Ihrem nächsten routinemäßigen Besuch mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin darüber.
Diagnose
Häufig wird das Adenom zufällig bei einer Ultraschall- oder Schnittbilduntersuchung (CT oder MRT) entdeckt. Um zu klären, ob das Adenom Hormone bildet und ob es gefährlich werden kann, sind weitere Untersuchungen nötig. Die Diagnostik folgt in Deutschland den Empfehlungen der Fachgesellschaften (AWMF-Leitlinie).
Mögliche Untersuchungen
- Blut- und Urinuntersuchungen auf überschüssige Hormone und deren Abbauprodukte
- Eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) der Nebennieren, um Größe und Struktur zu beurteilen
- In bestimmten Fällen eine Blutentnahme direkt aus den Nebennierenvenen (Nebennierenvenenblutentnahme)
- In sehr seltenen Fällen eine Gewebeprobe (Biopsie), etwa wenn der Befund auffällig ist
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie werden meist an eine endokrinologische Ambulanz oder Spezialpraxis überwiesen. Die genaue Abklärung dauert in der Regel einige Tage bis Wochen und ist überwiegend ambulant möglich. Bringen Sie alte Befunde, insbesondere frühere Bildgebungen, mit und stellen Sie Fragen – Sie haben ein Recht auf gute Aufklärung.
Behandlung
Die Behandlung hängt davon ab, ob das Adenom Hormone produziert, wie groß es ist und ob es Beschwerden macht. Ein kleines, inaktives Adenom erfordert oft keine Therapie, aber eine regelmäßige Verlaufskontrolle. Bei hormonaktiven Adenomen stehen verschiedene Behandlungswege zur Verfügung – von der regelmäßigen Kontrolle über Medikamente bis zur Operation.
Selbsthilfe zu Hause
- Messen Sie Ihren Blutdruck regelmäßig, am besten nach Absprache mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
- Führen Sie ein kurzes Symptomtagebuch, wenn Sie Herzrasen, Kopfschmerzen, Schwitzen oder anhaltende Müdigkeit bemerken.
- Nehmen Sie Ihre Kontrolltermine wahr – bei inaktiven Adenomen wird die Untersuchung je nach Größe und Risiko in ein- bis fünfjährlichen Abständen empfohlen.
Medizinische Behandlungen
Wenn das Adenom zu viele Hormone bildet, kann eine Behandlung mit Medikamenten sinnvoll sein. Diese Medikamente werden individuell ausgewählt und können die Hormonwirkung abschwächen oder die Hormonbildung verringern. Die Verordnung und Überwachung erfolgt durch Fachärzte für Endokrinologie oder Innere Medizin – bitte beachten Sie, dass Medikamente immer nur nach ärztlicher Verordnung eingenommen werden dürfen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird empfohlen, wenn das Adenom Hormone produziert und dadurch zum Beispiel Bluthochdruck, Diabetes oder Herzprobleme verursacht. Auch bei einer bestimmten Größe oder einem auffälligen Aussehen im CT/MRT kann eine Operation angeraten werden. Der Eingriff erfolgt in der Regel minimalinvasiv (Schlüssellochtechnik), also über kleine Schnitte.
Leben mit der Erkrankung
Viele Menschen mit einem Nebennierenadenom bemerken im Alltag nichts davon. Wichtig ist, dass Sie auf Ihren Körper hören, Blutdruck und Blutzucker regelmäßig kontrollieren lassen und alle ärztlichen Empfehlungen nachverfolgen. Bei einer Hormonüberfunktion kann eine angepasste Behandlung die Lebensqualität deutlich verbessern.
Tipps für den Alltag
- Bewegung an der frischen Luft hilft, Stress abzubauen und den Blutdruck zu senken.
- Entspannungsübungen oder Atemtechniken können zur Ruhe beitragen – besonders bei innerer Unruhe oder Herzrasen.
- Ausreichender Schlaf und eine regelmäßige Tagesstruktur stärken Körper und Psyche.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten sowie wenig Salz ist empfehlenswert. Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, vor allem mit Wasser. Bei hormonbedingtem Bluthochdruck kann eine salzärmere Ernährung helfen – besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt. Moderate Bewegung wie Spazierengehen oder Radfahren ist in der Regel gut geeignet.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose eines harmlosen Knotens kann dennoch Ängste auslösen – viele fragen sich, ob daraus Krebs entsteht oder ob eine Operation nötig wird. Nehmen Sie diese Gefühle ernst. Ein ausführliches Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt hilft fast immer, die Angst zu verringern.
Vorbeugung
Das Entstehen eines Nebennierenadenoms lässt sich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht verhindern, da die Ursache bislang kaum bekannt ist. Sie können jedoch Folgeprobleme vermeiden, indem Sie Ihren Blutdruck, Ihren Blutzucker und mögliche Beschwerden regelmäßig ärztlich kontrollieren lassen.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Nebennierenadenome.
Früherkennungsprogramme
Ein generelles Screening (Früherkennungsuntersuchung) auf Nebennierenadenome ist nicht üblich. Wenn in Ihrer Familie eine seltene erbliche Form bekannt ist, kann eine genetische Beratung sinnvoll sein – das sollte Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Dauerhaft erhöhter Blutdruck, der das Herz-Kreislauf-System belastet
- Zuckerstoffwechselstörungen bis hin zu Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Osteoporose (Knochenschwund) bei langjährig erhöhten Kortisolwerten
- Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall bei unbehandelter Hormonüberproduktion
Langzeitprognose
Die Prognose ist in den allermeisten Fällen hervorragend. Nebennierenadenome sind fast immer gutartig und bleiben meist über Jahre unverändert. Wenn doch Hormone gebildet werden, lässt sich dies sehr gut behandeln – durch Medikamente oder einen kleinen Eingriff. Die meisten Betroffenen können ein völlig normales aktives Leben führen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
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