Weibliche Unfruchtbarkeit – wenn es mit dem Schwangerwerden nicht klappt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Unfruchtbarkeit der Frau (medizinisch: Infertilität) bedeutet: Eine Frau im gebärfähigen Alter wird trotz regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr zwölf Monate lang nicht schwanger. Es kann sein, dass kein Eisprung stattfindet, die Eileiter verschlossen sind oder eine Schwangerschaft nicht aufrechterhalten werden kann. Das Wort klingt endgültig, ist es aber nicht – in vielen Fällen gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten.
Wichtige Fakten
- Unfruchtbarkeit ist eine Angelegenheit des Paares – auch beim Mann kann die Ursache liegen.
- In Deutschland ist etwa jedes sechste Paar mit Kinderwunsch davon betroffen.
- Das Alter spielt eine große Rolle: Die Fruchtbarkeit der Frau nimmt ab Mitte 30 deutlich ab.
- Viele Ursachen sind behandelbar – zum Beispiel mit Hormontherapie oder künstlicher Befruchtung.
Ja. Etwa 10 von 100 Frauen im Kinderwunschalter sind betroffen. Weil viele Frauen heute später ihr erstes Kind bekommen möchten, ist das Thema häufiger geworden.
Betroffen sind Frauen im gebärfähigen Alter. Das Risiko steigt mit dem Alter, besonders ab 35 Jahren. Auch Frauen mit unregelmäßigem Zyklus, Endometriose, Hormonstörungen oder starkem Über- oder Untergewicht haben häufiger Schwierigkeiten, schwanger zu werden.
Symptome
- Plötzliche, sehr starke einseitige Unterbauchschmerzen – das kann auf eine Eileiterschwangerschaft hinweisen (eine Schwangerschaft, die sich im Eileiter statt in der Gebärmutter eingenistet hat). Rufen Sie sofort die 112.
- Ohnmacht, starker Schwindel oder Kreislaufzusammenbruch zusammen mit starken Bauchschmerzen.
- Sehr starke, nicht enden wollende Blutungen aus der Scheide.
- ⚠Starke Unterleibsschmerzen, die nicht nachlassen oder schlimmer werden.
- ⚠Starke Blutungen außerhalb Ihrer normalen Regelblutung.
- ⚠Fieber oder starke Schmerzen nach einer gynäkologischen Untersuchung – stellen Sie sich noch am selben Tag ärztlich vor.
Häufige Symptome
- Unregelmäßiger oder ausbleibender Menstruationszyklus
- Sehr schmerzhafte oder sehr starke Regelblutungen
- Anzeichen von Hormonstörungen, zum Beispiel auffällige Hautveränderungen, Haarausfall oder Gewichtsveränderungen
- Oft gibt es keine Warnzeichen – die Unfruchtbarkeit fällt erst beim Versuch, schwanger zu werden, auf.
Symptome bei Kindern
- Im Kindesalter gibt es keine typischen Anzeichen von Unfruchtbarkeit.
- Wenn die erste Monatsblutung bis zum 15. oder 16. Lebensjahr ausbleibt oder der Zyklus auch nach der Pubertät sehr unregelmäßig bleibt, sollte das ärztlich abgeklärt werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Nach den Wechseljahren (Menopause) ist eine natürliche Schwangerschaft nicht mehr möglich – das ist ein normaler Lebensabschnitt und keine Krankheit.
Ursachen
Hauptursachen
- Störungen des Eisprungs: Der Eisprung bleibt aus oder findet unregelmäßig statt, zum Beispiel bei hormonellen Störungen.
- Verschlossene oder verklebte Eileiter, oft nach Entzündungen im Unterleib.
- Endometriose: Gutartige Wucherungen gebärmutterähnlichen Gewebes außerhalb der Gebärmutter.
- Veränderungen an der Gebärmutter, etwa gutartige Muskelknoten (Myome) oder Verwachsungen.
- Das Alter der Frau: Mit zunehmendem Alter sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft, besonders ab Mitte 30.
Risikofaktoren
- Alter über 35 Jahre
- Rauchen, starkes Übergewicht oder deutliches Untergewicht
- Starker Alkoholkonsum
- Dauerhafter Stress
- Unbehandelte Erkrankungen wie Schilddrüsenstörungen, Zuckerkrankheit (Diabetes) oder das Polyzystische-Ovar-Syndrom (PCO-Syndrom)
- Frühere Entzündungen im Beckenbereich oder Geschlechtskrankheiten
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen heftigen Bauchschmerzen, Ohnmacht oder sehr starken Blutungen: Nicht bis zur Praxis warten – sofort die 112 anrufen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie unter 35 Jahre alt sind und seit einem Jahr regelmäßig, ungeschützt Geschlechtsverkehr haben, ohne schwanger zu werden.
- Wenn Sie über 35 Jahre alt sind und seit sechs Monaten vergeblich versuchen, schwanger zu werden.
- Wenn Ihre Monatsblutung sehr unregelmäßig ist oder ganz ausbleibt.
- Wenn Sie oder Ihr Partner frühere Erkrankungen hatten, die die Fruchtbarkeit beeinflussen können.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt erhebt zuerst ein ausführliches Gespräch: zur Gesundheit, zum Zyklus, zu früheren Schwangerschaften und zum Lebensstil. Danach folgen körperliche Untersuchungen, Bluttests und bildgebende Verfahren. Wichtig: Auch der Partner sollte untersucht werden. Die Abklärung folgt in Deutschland den medizinischen Leitlinien der AWMF, der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchungen: Messung von Hormonwerten, zum Beispiel zur Überprüfung des Eisprungs und der Eierstockfunktion.
- Ultraschall (Sonografie): Blick auf Gebärmutter und Eierstöcke, meist über die Scheide.
- Eileiterprüfung: Kontrolle, ob die Eileiter durchgängig sind.
- Spermiogramm: Untersuchung der Samenflüssigkeit des Partners.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Abklärung ist eine Reise zu zweit: Sie dauert in der Regel einige Wochen und umfasst mehrere Termine. Sie dürfen jederzeit Fragen stellen. Viele Frauenarztpraxen und spezielle Kinderwunschzentren bieten ausführliche Beratungsgespräche für Paare an – nehmen Sie sich dafür Zeit.
Behandlung
Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von der gefundenen Ursache ab. Es gibt einfache Maßnahmen, aber auch moderne Verfahren der Fortpflanzungsmedizin. Ihr Ärzteteam erstellt gemeinsam mit Ihnen einen persönlichen Behandlungsplan – und Sie dürfen sich jederzeit Zeit nehmen, um zu entscheiden.
Selbsthilfe zu Hause
- Pflegen Sie eine gesunde Lebensweise – das unterstützt Ihre Fruchtbarkeit.
- Verzichten Sie auf Zigaretten und Alkohol.
- Planen Sie Ruhepausen ein und reduzieren Sie Stress, zum Beispiel mit Spaziergängen, Yoga oder Hobbys.
- Sprechen Sie offen mit Ihrem Partner – Kinderwunsch ist Gemeinschaftsarbeit.
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache kommen beispielsweise Hormonbehandlungen infrage, die den Eisprung anregen, oder Verfahren der künstlichen Befruchtung: Bei der Insemination werden aufbereitete Samenzellen in die Gebärmutter eingebracht. Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) entnimmt die Ärztin Eizellen, befruchtet sie außerhalb des Körpers und setzt die befruchtete Eizelle später in die Gebärmutter ein. Welche Methode für Sie geeignet ist, bespricht eine Spezialistin oder ein Spezialist für Fortpflanzungsmedizin.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn verschlossene Eileiter, Endometriose-Herde oder Myome die Ursache sind, kann ein kleiner operativer Eingriff helfen, zum Beispiel eine Bauchspiegelung. Dabei können Verwachsungen gelöst und krankhaftes Gewebe entfernt werden, sodass eine Schwangerschaft wieder möglich wird.
Leben mit der Erkrankung
Ungewollte Kinderlosigkeit ist eine seelische Berg- und Talfahrt. Es hilft, sich bewusst Auszeiten vom Thema Kinderwunsch zu nehmen und das Leben als Paar zu pflegen. Suchen Sie sich Menschen, mit denen Sie offen reden können – und holen Sie sich rechtzeitig Unterstützung.
Tipps für den Alltag
- Rauchen aufhören und Alkohol stark einschränken – beides verringert die Fruchtbarkeit.
- Ein gesundes Körpergewicht anstreben und halten.
- Regelmäßige Bewegung in den Alltag einbauen.
- Für guten Schlaf und Erholungsphasen sorgen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten unterstützt die Hormonbildung. Moderate Bewegung wie zügiges Gehen, Schwimmen oder Radfahren tut Körper und Seele gut. Achtung: Extremes Ausdauertraining kann den Zyklus stören – maßvoller Sport ist die beste Wahl.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Der unerfüllte Kinderwunsch kann sehr belastend sein. Trauer, Wut, Scham und Schuldgefühle sind häufige Reaktionen – und gehören zu einer verständlichen Krise. Es ist keine Schwäche, sich psychologische Hilfe zu suchen. Wenn die Belastung überhandnimmt oder Sie sich sehr verzweifelt fühlen, wenden Sie sich an eine Beratungsstelle. In einer akuten seelischen Krise ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 erreichbar – oder im Notfall die 112.
Vorbeugung
Nicht jede Form von Unfruchtbarkeit lässt sich verhindern, denn das Alter und einige Erkrankungen sind nicht beeinflussbar. Sie können Ihr Risiko aber senken: durch einen gesunden Lebensstil, Schutz vor Geschlechtskrankheiten und die frühzeitige Behandlung von Zyklusstörungen.
Früherkennungsprogramme
Eine generelle Reihenuntersuchung zur Fruchtbarkeit gibt es in Deutschland nicht. Sinnvoll ist eine Beratung bei der Frauenärztin oder beim Hausarzt, wenn Sie Ihre Familienplanung beginnen möchten oder Zyklusprobleme haben.
Komplikationen
Unbehandelt
- Langanhaltende seelische Belastung kann in eine Depression münden – dann ist professionelle Hilfe wichtig.
- Unbehandelte Grunderkrankungen wie Endometriose können weiter fortschreiten und stärkere Schmerzen verursachen.
- Je später Hilfe gesucht wird, desto geringer sind manchmal die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung – vor allem mit zunehmendem Alter.
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Es gibt heute viele Wege, den Kinderwunsch zu erfüllen. Zahlreichen Paaren helfen Hormonbehandlungen oder Verfahren der künstlichen Befruchtung. Je früher Sie sich beraten lassen, desto mehr Möglichkeiten stehen offen. Auch wenn der Weg manchmal Geduld erfordert, gibt es fast immer eine Perspektive.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.