Lewy-Body-Demenz: verständlich erklärt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Lewy-Body-Demenz ist eine Form von Demenz. Im Gehirn bilden sich winzige Eiweißablagerungen, die sogenannten Lewy-Körper. Diese Ablagerungen stören die Arbeitsweise der Nervenzellen. Dadurch leiden Denken, Bewegung und Stimmung.
Wichtige Fakten
- Die Krankheit ist nach Alzheimer eine der häufigsten Demenzursachen.
- Die geistige Leistung kann von Tag zu Tag oder sogar von Stunde zu Stunde stark schwanken.
- Typisch sind Bildersehen (Halluzinationen) und Bewegungsstörungen ähnlich wie bei Parkinson.
Die Lewy-Body-Demenz ist nicht selten, aber weniger bekannt als Alzheimer. Fachleute schätzen, dass etwa 1 von 100 älteren Menschen betroffen ist. Sie gehört zu den häufigeren Demenzformen.
Sie betrifft meist Menschen über 60 Jahre. Frauen und Männer können erkranken, Männer etwas häufiger.
Symptome
- Schwere Bewusstseinsstörung oder plötzliche Teilnahmslosigkeit
- Sturz mit Kopfverletzung oder Bewusstlosigkeit
- Schluckstörungen, die zu Erstickungsgefahr führen
- Starke Unruhe oder Aggression, die eine Gefahr für die Person oder andere darstellt
- Schlaganfallzeichen wie plötzliche Sprachstörungen oder Lähmungen
- ⚠Neu aufgetretene oder deutlich schlimmere Verwirrtheit
- ⚠Hohes Fieber in Verbindung mit Verwirrtheit
- ⚠Wiederholte Stürze oder Verletzungen
- ⚠Die Person isst oder trinkt nicht mehr ausreichend
Häufige Symptome
- Schwankende Denkfähigkeit, Aufmerksamkeit und Konzentration
- Sehen von Dingen, die andere nicht sehen (vor allem Bildersehen / visuelle Halluzinationen)
- Bewegungsstörungen: Muskelsteifheit, langsames Gehen, Zittern
- Schlafprobleme, bei denen die Person ihre Träume auslebt (sogenannte REM-Schlaf-Verhaltensstörung)
- Gedächtnislücken, die anfangs oft weniger stark sind als bei Alzheimer
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist noch unbekannt.
- Im Gehirn sammeln sich Eiweißklumpen, die Lewy-Körper, an.
- Diese Eiweißablagerungen schädigen Nervenzellen, die für Denken, Bewegung und Stimmung zuständig sind.
- Dadurch geraten wichtige Botenstoffe im Gehirn aus dem Gleichgewicht.
Risikofaktoren
- Lebensalter über 60 Jahre
- Eine seltene familiäre Vorbelastung
- Bestehende Parkinson-Krankheit
- Eine Schlafstörung, bei der Träume ausgelebt werden (REM-Schlaf-Verhaltensstörung)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlicher schwerer Verwirrtheit oder gefährlichen Halluzinationen
- Wenn die Person unsicher läuft und stürzt
- Wenn Schlucken oder Trinken nicht mehr sicher möglich ist
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei Gedächtnisproblemen oder Konzentrationsschwierigkeiten
- Bei Bewegungsveränderungen wie Zittern oder Steifigkeit
- Bei Schlafstörungen oder ungewöhnlichem Verhalten in der Nacht
- Wenn sich Angehörige überlastet fühlen und Unterstützung brauchen
Diagnose
Die Diagnose wird vor allem durch ausführliche ärztliche Gespräche und körperliche Untersuchungen gestellt. Es gibt keinen einfachen Test für diese Krankheit. Fachärzte für Neurologie erkennen die typischen Muster aus Gedächtnisproblemen, Bewegungseinschränkungen und Bildersehen. Dafür gibt es auch aktuelle medizinische Leitlinien, zum Beispiel von der AWMF, die helfen, die Diagnose sicher zu stellen.
Mögliche Untersuchungen
- Ausführliches Gespräch über die Beschwerden und den Alltag, auch mit Angehörigen
- Kognitive Tests, zum Beispiel Zeichnen einer Uhr oder Erinnern von Wörtern
- Blutuntersuchungen, um andere Ursachen wie Schilddrüsenprobleme oder Vitaminmangel auszuschließen
- Bildgebung des Gehirns (z. B. Magnetresonanztomographie / MRT), um andere Erkrankungen auszuschließen
- Gegebenenfalls eine Untersuchung im Schlaflabor
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen erfordern meist mehrere Termine. Hausarzt, Nervenarzt und manchmal Psychiater arbeiten zusammen. Angehörige werden einbezogen, weil sie wichtige Beobachtungen beitragen können. Eine genaue Diagnose braucht Zeit, ist aber sehr wichtig für die passende Behandlung.
Behandlung
Eine Heilung gibt es bislang nicht. Aber man kann viele Beschwerden lindern. Die Behandlung wird ganz individuell auf die betroffene Person abgestimmt. Ziel ist, so lange wie möglich ein selbstständiges und würdevolles Leben zu ermöglichen.
Selbsthilfe zu Hause
- Einen festen Tagesablauf einhalten – das gibt Sicherheit.
- Die Wohnung sicher gestalten: Sturzfallen entfernen, gute Beleuchtung, Haltegriffe im Bad.
- Angehörige und Freunde über die Krankheit informieren, damit sie Verständnis aufbringen.
- Sich als Angehöriger regelmäßig Pausen gönnen und Hilfe im Pflegestützpunkt anfragen.
Medizinische Behandlungen
Es gibt Medikamente, die die Denkleistung bei leichter bis mittlerer Demenz eine Zeit lang stabilisieren können. Auch gegen Bewegungsstörungen, Halluzinationen oder Schlafstörungen gibt es Behandlungsmöglichkeiten. Menschen mit Lewy-Body-Demenz reagieren auf manche Medikamente oft sehr empfindlich – deshalb wählt der Arzt jedes Medikament besonders sorgfältig aus und überwacht die Wirkung. Zusätzlich helfen Ergotherapie, Physiotherapie und Logopädie.
Leben mit der Erkrankung
Der Alltag sollte ruhig und gut vorhersehbar sein. Plötzliche Veränderungen können Verwirrtheit auslösen. Wichtig ist, die Person in Gespräche einzubeziehen, geduldig zuzuhören und Gedächtnislücken liebevoll zu überbrücken.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung wie Spazierengehen oder leichte Gymnastik
- Geistige Anregung durch Singen, Vorlesen oder einfache Spiele
- Viel trinken, auch wenn das Durstgefühl nachlässt
- Ausreichend Schlaf und ein fester Schlafrhythmus
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt die allgemeine Gesundheit. Tägliche leichte Bewegung erhält die Beweglichkeit und hebt die Stimmung. Bei Schluckbeschwerden sollte ein Logopäde beraten, um die Nahrung sicher anzupassen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Depressionen, Ängste und Teilnahmslosigkeit sind bei Lewy-Body-Demenz häufig – bei Erkrankten und oft auch bei Angehörigen. Diese Gefühle sind verständlich, und es ist wichtig, darüber zu sprechen. Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person Gedanken an Selbstverletzung haben, suchen Sie sofort ärztliche Hilfe. In einer akuten Krise rufen Sie die Notrufnummer 112 an.
Vorbeugung
Eine sichere Vorbeugung gegen Lewy-Body-Demenz gibt es nicht. Ein gesunder Lebensstil mit Bewegung, gesunder Ernährung und geistiger Aktivität kann das Risiko für Demenzerkrankungen allgemein etwas senken.
Komplikationen
Unbehandelt
- Stürze und Knochenbrüche durch Gleichgewichtsprobleme
- Schluckstörungen, die zu Lungenentzündung führen können
- Schwere Verwirrtheitszustände oder ausgeprägte Sinnestäuschungen
- Starke Erschöpfung und Überlastung pflegender Angehöriger
Langzeitprognose
Auch wenn die Krankheit fortschreitet, gibt es oft lange Phasen, in denen die Person klar denkt und Freude erlebt. Eine gute Behandlung und verständnisvolle Begleitung können die Lebensqualität deutlich verbessern. Die Forschung entwickelt ständig neue Ansätze – es gibt Hoffnung.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
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