Druckgeschwüre (Dekubitus)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Druckgeschwür (Dekubitus) entsteht, wenn Haut und das Gewebe darunter über längere Zeit Druck ausgesetzt sind. Zum Beispiel weil man lange liegt oder sitzt, ohne sich zu bewegen. Dadurch wird die Blutzufuhr gestört, das Gewebe wird schlechter versorgt und kann absterben. Umgangssprachlich spricht man auch von Wundliegen.
Wichtige Fakten
- Druckgeschwüre entstehen durch anhaltenden Druck, vor allem an Stellen, an denen Knochen direkt unter der Haut liegen.
- Wenn sie früh erkannt werden, lassen sich Druckgeschwüre meist gut behandeln.
- Die wichtigste Vorbeugung ist regelmäßiger Lagewechsel – etwa alle zwei Stunden.
Ja, Druckgeschwüre sind häufig. Besonders in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen kommen sie oft vor. Mit guten Vorbeugemaßnahmen lassen sich viele Fälle vermeiden.
Vor allem betroffen sind Menschen, die lange liegen oder sitzen müssen und sich nicht selbst bewegen können – zum Beispiel bettlägerige Patientinnen und Patienten, Rollstuhlfahrer oder ältere Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit.
Symptome
- Rufen Sie sofort die 112, wenn Sie bei sich oder einer anderen Person Anzeichen einer Blutvergiftung (Sepsis) bemerken: hohes Fieber, Schüttelfrost, starke Verwirrtheit, schneller Puls oder Atemnot.
- Sofortige Hilfe ist auch nötig, wenn die Wunde schwarz verfärbt ist und stark übel riecht.
- ⚠Suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe, wenn die Wunde Anzeichen einer Infektion zeigt: eitrige Absonderung, zunehmende Rötung, Schwellung, starke Schmerzen oder plötzliche Vergrößerung der Wunde.
Häufige Symptome
- Zuerst zeigt die Haut meist eine Rötung, die sich nicht wegdrücken lässt.
- Die Stelle kann geschwollen, wärmer oder kälter als die Umgebung sein.
- Es können sich Blasen, Schuppen oder eine offene Wunde bilden.
- Die betroffene Stelle kann schmerzen, jucken oder brennen.
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern entstehen Druckgeschwüre vor allem bei schweren Erkrankungen, wenn sie lange stillliegen.
- Kinder können Schmerzen oft nicht gut beschreiben – achten Sie auf Unruhe, Weinen oder auffällige Hautveränderungen am Rücken, Hinterkopf oder an den Fersen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die Haut älterer Menschen ist dünner und empfindlicher, daher entstehen Druckgeschwüre schneller.
- Die Haut verfärbt sich oft dunkler oder bläulich.
- Die Stelle fühlt sich möglicherweise verhärtet oder schwammig an.
Ursachen
Hauptursachen
- Hauptursache ist anhaltender Druck auf das Gewebe – besonders auf Knochenvorsprüngen wie Fersen, Kreuzbein, Gesäß oder Ellbogen.
- Auch Scheuern durch Reibung, zum Beispiel beim Umsetzen im Bett, schädigt die Haut.
- Anhaltende Feuchtigkeit – etwa durch Schweiß, Urin oder Wundsekret – macht die Haut zusätzlich anfällig.
Risikofaktoren
- Bettlägerigkeit oder Rollstuhlnutzung
- Eingeschränkte Bewegungsfähigkeit
- Gefühlsstörungen, etwa bei Diabetes
- Inkontinenz
- Mangelernährung oder Flüssigkeitsmangel
- Hohes Alter mit dünner Haut
- Schwerer Allgemeinzustand oder niedriger Blutdruck
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Haut nicht nur gerötet ist, sondern eine offene Wunde oder schwarze Stellen entstehen.
- Bei Fieber, starkem Schmerz oder übel riechendem Wundsekret.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie erste Anzeichen bemerken, zum Beispiel eine Rötung, die nach Druckentlastung nicht verschwindet, oder eine Verhärtung unter der Haut.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt untersucht die Haut sorgfältig, beurteilt Lage, Größe und Tiefe der Wunde und ordnet das Druckgeschwür einem Stadium zu. Die Einschätzung erfolgt nach den Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Mögliche Untersuchungen
- Bei Anzeichen einer Infektion kann ein Wundabstrich gemacht werden.
- Eine Blutuntersuchung hilft festzustellen, ob sich eine Entzündung im Körper ausbreitet.
- In manchen Fällen wird eine Ultraschalluntersuchung eingesetzt, um tiefere Gewebeschichten zu beurteilen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist in der Regel schmerzarm und dauert nicht lange. Nach der Untersuchung erhalten Sie einen persönlichen Behandlungsplan und erfahren, was Sie selbst tun können, um die Heilung zu unterstützen.
Behandlung
Die Behandlung hat mehrere Ziele: den Druck von der Wunde nehmen, das Gewebe versorgen, Infektionen vermeiden und die Heilung fördern. Ihr Behandlungsteam stimmt die Maßnahmen auf Ihre Situation ab – zum Beispiel durch besondere Lagerung, Wundauflagen oder Medikamente gegen Schmerzen oder Infektionen.
Selbsthilfe zu Hause
- Wechseln Sie regelmäßig Ihre Position – im Idealfall alle zwei Stunden, auch nachts.
- Entlasten Sie druckgefährdete Stellen mithilfe von weichen Kissen, Spezialmatratzen oder Gelauflagen.
- Reinigen Sie die Wunde nur so, wie es Ihnen das Pflegeteam gezeigt hat – meist mit Wasser und einer milden, parfümfreien Lösung.
- Beobachten Sie die Wunde täglich und notieren Sie Veränderungen von Farbe, Geruch oder Flüssigkeitsmenge.
- Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit Flüssigkeit und eiweißreicher Nahrung.
Medizinische Behandlungen
Die Ärztin oder der Arzt entfernt abgestorbenes Gewebe, spült die Wunde und wählt geeignete Wundauflagen – zum Beispiel Spezialverbände, die die Heilung fördern. Bei einer Infektion können Antibiotika verordnet werden. Schmerzen werden mit entsprechenden Medikamenten behandelt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird nötig, wenn sehr tiefe Gewebeschichten betroffen sind oder abgestorbenes Gewebe entfernt werden muss. Dabei wird die Wunde gereinigt, verschlossen oder mit einem Hautlappen gedeckt.
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag ist es wichtig, die Wunde regelmäßig pflegen zu lassen und auf neue Druckstellen zu achten. Bewegen Sie sich so viel wie möglich – auch kleine Lageveränderungen im Bett helfen. Nehmen Sie die Unterstützung von Pflegekräften und Angehörigen an.
Tipps für den Alltag
- Planen Sie feste Zeiten für Hautkontrolle und Pflege ein.
- Vermeiden Sie Rauchen, denn Nikotin verschlechtert die Durchblutung der Haut.
- Sorgen Sie für ausreichend Bewegung – so gut es in Ihrer Situation möglich ist.
Ernährung und Bewegung
Eine eiweißreiche Ernährung mit ausreichend Vitaminen – besonders Vitamin C und Zink – unterstützt die Wundheilung. Trinken Sie genug, wenn keine medizinischen Gründe dagegen sprechen. Bewegung wie kleine Übungen im Bett oder auf dem Stuhl fördert die Durchblutung.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Druckgeschwür kann seelisch belastend sein und zu Scham, Angst oder Niedergeschlagenheit führen. Es ist wichtig, über diese Gefühle zu sprechen – mit vertrauten Menschen oder Fachleuten. Sie sind mit diesen Sorgen nicht allein.
Vorbeugung
Ja – mit guter Vorbeugung lassen sich die meisten Druckgeschwüre vermeiden. Wichtig sind regelmäßiger Lagewechsel, geeignete Matratzen und Kissen, sorgfältige Hautpflege und ausreichende Ernährung.
Impfungen
Es gibt keinen Impfstoff gegen Druckgeschwüre. Ein ausreichender Impfschutz gegen Tetanus wird bei allen Wunden allgemein empfohlen – sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt darauf an.
Früherkennungsprogramme
Für Menschen mit erhöhtem Risiko, zum Beispiel in Pflegeeinrichtungen, gehören regelmäßige Hautinspektionen nach jedem Lagewechsel zur Routine. So werden erste Anzeichen früh erkannt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne Behandlung können sich Druckgeschwüre ausdehnen und in tiefere Gewebeschichten, Muskeln oder Knochen reichen.
- Es können sich Infektionen, Wundbrand oder eine Blutvergiftung (Sepsis) entwickeln.
- Die Heilung dauert dann deutlich länger und die Schmerzen nehmen zu.
Langzeitprognose
Mit rechtzeitiger Behandlung und konsequenter Vorbeugung heilen viele Druckgeschwüre vollständig ab – auch in schwereren Fällen ist eine deutliche Besserung möglich. Ihr Behandlungsteam begleitet Sie Schritt für Schritt.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
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