Shigellose verstehen: Symptome, Behandlung und Schutz
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Shigellose (auch Shigellen-Ruhr genannt) ist eine ansteckende Durchfallerkrankung. Sie wird durch Bakterien namens Shigellen verursacht. Die Bakterien besiedeln den Darm und führen zu wässrigem oder blutigem Durchfall, Bauchkrämpfen und Fieber.
Wichtige Fakten
- Hochansteckend: Schon winzige Spuren von Stuhl können ausreichen, um andere anzustecken.
- Auslöser sind Bakterien (Shigellen), die von Mensch zu Mensch übertragen werden.
- In Deutschland ist die Shigellose meldepflichtig – das Gesundheitsamt wird informiert.
- Ausreichend Trinken ist die wichtigste Maßnahme bei einer Infektion.
- Blutiger Durchfall sollte immer ärztlich abgeklärt werden.
In Deutschland ist die Shigellose selten geworden. Weltweit gibt es jedes Jahr viele Millionen Fälle, besonders in Regionen mit unzureichender Wasser- und Lebensmittelhygiene.
Shigellen können Menschen jeden Alters infizieren. Besonders häufig betroffen sind Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen, Reisende in hygienisch schwierige Gebiete sowie Menschen mit engen sexuellen Kontakten.
Symptome
- Rufen Sie sofort die 112, wenn Sie oder Ihr Kind kaum noch Urin ausscheiden.
- Rufen Sie die 112 bei Bewusstseinstrübung, starker Teilnahmslosigkeit oder Verwirrtheit.
- Rufen Sie die 112 bei einem Krampfanfall, besonders bei Kindern.
- Rufen Sie die 112 bei Anzeichen eines Kreislaufschocks: sehr schneller Puls, kalter Schweiß, blasses Gesicht.
- ⚠Blut im Stuhl oder schwarz verfärbter Stuhl
- ⚠Starke Bauchschmerzen oder ständiges Erbrechen
- ⚠Hohes Fieber über 39 Grad Celsius
- ⚠Säuglinge, Kleinkinder oder ältere Menschen mit Durchfall und Trinkverweigerung
- ⚠Durchfall nach einer Reise in ein Risikogebiet
Häufige Symptome
- Wässriger Durchfall, der später schleimig oder blutig werden kann
- Krampfartige Bauchschmerzen
- Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl
- Übelkeit und Erbrechen
- Starker Stuhldrang, oft nur mit geringen Mengen Stuhl
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern verläuft die Infektion oft schwerer als bei Erwachsenen.
- Zusätzlich zum Durchfall kann hohes Fieber auftreten.
- Erbrechen und schneller Flüssigkeitsverlust sind häufig.
- In seltenen Fällen können Fieberkrämpfe auftreten.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen haben ein höheres Risiko für Austrocknung.
- Verwirrtheit und Schwäche können Zeichen von Flüssigkeitsmangel sein.
- Trockene Haut, wenig Urin und Kreislaufprobleme sollen ernst genommen werden.
Ursachen
Hauptursachen
- Übertragung durch Stuhlreste (fäkal-orale Ansteckung): Hände, Lebensmittel, Wasser oder Gegenstände werden mit winzigen Mengen Stuhl einer infizierten Person verunreinigt.
- Direkter Kontakt von Mensch zu Mensch, zum Beispiel in Kitas, Pflegeheimen oder bei sexuellen Kontakten.
- Verzehr von ungekochten oder verunreinigten Speisen und Getränken, besonders auf Reisen.
Risikofaktoren
- Reisen in Länder mit mangelhafter Wasser- und Lebensmittelhygiene
- Arbeit oder Betreuung in Kindergärten und Gemeinschaftseinrichtungen
- Geschwächtes Immunsystem, zum Beispiel durch Vorerkrankungen
- Leben auf engem Raum mit vielen Menschen, etwa in Gemeinschaftsunterkünften
- Bestimmte sexuelle Praktiken, bei denen Keime aus dem Darm übertragen werden
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Blutiger oder schleimiger Durchfall
- Zeichen einer Austrocknung: wenig Urin, trockene Zunge, eingefallene Augen
- Durchfall und Erbrechen bei Säuglingen, Kleinkindern oder geschwächten älteren Menschen
- Hohes Fieber
- Durchfall nach einer Tropen- oder Risikoreise
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Durchfall, der nach zwei bis drei Tagen nicht besser wird
- Leichte Beschwerden, wenn in der Umgebung bereits eine Shigellose nachgewiesen wurde
- Fragen zur Ansteckungsgefahr für Kita, Schule oder Beruf
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Beschwerden, Reisen und Kontakten. Die Diagnose wird gesichert, indem der Stuhl im Labor auf Shigellen untersucht wird. In Deutschland orientieren sich Ärztinnen und Ärzte dabei an den aktuellen AWMF-Leitlinien.
Mögliche Untersuchungen
- Stuhlprobe – dies ist der wichtigste Test.
- Blutuntersuchung bei schweren Verläufen, um Entzündungswerte und Flüssigkeitshaushalt zu prüfen.
- In bestimmten Fällen ein Abstrich oder eine rektale Probe.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Stuhlprobe wird in ein Labor geschickt. Das Ergebnis liegt meist nach ein bis drei Tagen vor. Bis dahin ist es wichtig, viel zu trinken und sorgfältig auf Hygiene zu achten.
Behandlung
Die Behandlung zielt vor allem darauf ab, den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Bei leichten Verläufen genügt es oft, viel zu trinken und sich zu schonen. Bei schweren Fällen können Ärztinnen und Ärzte Arzneimittel gegen die Bakterien verordnen. Mittel, die den Durchfall stoppen sollen, sollten nicht ohne ärztliche Rücksprache eingenommen werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel trinken: Wasser, ungesüßter Tee, Brühe oder Elektrolytlösung aus der Apotheke
- Leichte Kost: Zwieback, Bananen, geriebener Apfel, Haferbrei
- Auf Kaffee, Milchprodukte, fettige und scharfe Speisen verzichten
- Mehrmals täglich die Hände gründlich mit Seife waschen
- Viel Ruhe und Schonung des Körpers
Medizinische Behandlungen
Bei starken oder langen Krankheitsverläufen kann die Ärztin oder der Arzt ein Antibiotikum verschreiben. Welches Mittel eingesetzt wird, hängt vom Erreger, der Resistenzlage und der persönlichen Situation ab. Bei schwerer Austrocknung kann im Krankenhaus Flüssigkeit über eine Infusion gegeben werden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei einer Shigellose in der Regel nicht nötig.
Leben mit der Erkrankung
Solange Durchfall besteht und noch 48 Stunden nach dem letzten Durchfall gilt die Person als ansteckend. Bleiben Sie möglichst zu Hause und verzichten Sie auf den Besuch von Kitas, Schulen oder Pflegeheimen. Benutzen Sie ein eigenes Handtuch und reinigen Sie die Toilette regelmäßig mit Desinfektionsmittel.
Tipps für den Alltag
- Hände nach jedem Toilettengang mindestens 20 bis 30 Sekunden gründlich mit Seife waschen
- Unterwäsche, Handtücher und Bettwäsche bei mindestens 60 Grad Celsius waschen
- Toilette, Türgriffe und Wasserhähne regelmäßig reinigen
- Vor dem Umgang mit Lebensmitteln die Hände immer gründlich waschen
Ernährung und Bewegung
Essen Sie leicht und in kleinen Portionen. Gut geeignet sind Zwieback, Bananen, geriebener Apfel, Kartoffeln und Haferbrei. Verzichten Sie bis zum Abklingen auf Alkohol. Sport sollten Sie erst wieder aufnehmen, wenn der Durchfall vollständig vorbei ist und Sie sich wieder kräftig fühlen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine ansteckende Darmerkrankung ist unangenehm und kann Scham, Angst oder Unsicherheit auslösen. Das ist verständlich. Sprechen Sie mit Menschen Ihres Vertrauens und holen Sie sich bei seelischem Druck ärztliche Unterstützung.
Vorbeugung
Ja. Die wichtigsten Maßnahmen sind gründliches Händewaschen, sauberes Trinkwasser, hygienische Lebensmittelzubereitung und das Meiden ungekochter Speisen in Risikogebieten. Enger Kontakt zu erkrankten Personen sollte vermieden werden.
Impfungen
Gegen Shigellose gibt es in Deutschland derzeit keinen empfohlenen Impfstoff.
Früherkennungsprogramme
Eine spezielle Vorsorgeuntersuchung für Shigellose gibt es nicht. Bei Reisen in Länder mit unzureichenden Hygienebedingungen kann eine reisemedizinische Beratung helfen, das Risiko zu senken.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schwere Austrocknung mit Kreislaufproblemen
- Darmgeschwüre oder sehr selten eine Darmperforation (Loch in der Darmwand)
- Krampfanfälle bei Kindern durch hohes Fieber
- Reaktive Gelenkentzündung – Gelenkschmerzen, die Wochen nach der Infektion auftreten können
- Nierenprobleme, in seltenen Fällen bis hin zum Nierenversagen
Langzeitprognose
Die meisten Menschen erholen sich vollständig, wenn sie ausreichend trinken und sich ärztlich betreuen lassen. Schwere Komplikationen sind selten. Nach einer Infektion bleibt nur eine kurze Immunität zurück, eine erneute Ansteckung ist also möglich.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.