Kardiogener Schock: Wenn das Herz zu schwach ist
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Der kardiogene Schock ist ein lebensbedrohlicher Notfall, bei dem das Herz so schwach pumpt, dass nicht mehr genug Blut und Sauerstoff in den Körper gelangen. Dadurch können Organe wie Gehirn, Nieren und Leber nicht mehr richtig arbeiten. Ohne schnelle Behandlung im Krankenhaus ist der kardiogene Schock meist tödlich.
Wichtige Fakten
- Der kardiogene Schock ist ein medizinischer Notfall und muss sofort im Krankenhaus behandelt werden.
- Die häufigste Ursache ist ein schwerer Herzinfarkt.
- Typische Zeichen sind starke Schwäche, kalter Schweiß, blasse Haut und ein sehr niedriger Blutdruck.
- Eine schnelle Behandlung im Krankenhaus kann Leben retten, aber die Überlebensrate ist trotzdem deutlich eingeschränkt.
Ein kardiogener Schock ist selten. Er tritt bei etwa 5 bis 10 von 100 Menschen auf, die wegen eines großen Herzinfarkts ins Krankenhaus kommen.
Betroffen sind vor allem ältere Menschen mit einer bestehenden Herzerkrankung, insbesondere nach einem schweren Herzinfarkt. Auch jüngere Menschen mit schweren Herzmuskelentzündungen oder angeborenen Herzfehlern können betroffen sein.
Symptome
- Bewusstlosigkeit oder starker Verdacht auf Bewusstlosigkeit
- Sehr starke Brustschmerzen oder Engegefühl in der Brust, besonders mit Atemnot
- Blasse, kalte, schweißnasse Haut und ein sehr schwacher oder schneller Puls
- Atemnot, die in Ruhe nicht besser wird
- ⚠Neu aufgetretene Verwirrtheit oder extreme Schwäche
- ⚠Weniger Urin als normal über mehrere Stunden
- ⚠Wiederholtes Ohnmachtsgefühl oder kurzzeitige Bewusstlosigkeit
- ⚠Anhaltende Schwindelgefühle mit Übelkeit und kalten Händen oder Füßen
Häufige Symptome
- Starker Blutdruckabfall mit Schwindel oder Ohnmacht
- Sehr schneller, oft schwacher Puls
- Kalte, blasse, feuchte Haut und kalter Schweiß
- Verwirrtheit oder Benommenheit
- Kurzatmigkeit und schnelle, flache Atmung
- Sehr wenig Urinausscheidung
Symptome bei Kindern
- Sehr blasse oder bläuliche Haut
- Schnelle Atmung und Unruhe
- Schwaches Trinken oder bei Säuglingen ein schlaffer Körper
- Haut, die sich kalt anfühlt
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit und Unruhe, oft stärker als Schmerzen
- Starke Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Blutdruckabfall, aber auch ein normaler Blutdruck kann vorhanden sein
- Häufig keine typischen Brustschmerzen mehr, sondern nur Atemnot und Schwäche
Ursachen
Hauptursachen
- Großer Herzinfarkt: Ein Teil des Herzmuskels stirbt ab und kann nicht mehr pumpen.
- Schwere Herzinsuffizienz (Herzschwäche), bei der die Pumpleistung stark nachgelassen hat.
- Herzmuskelentzündung (Myokarditis), die den Herzmuskel so schwächt, dass er versagt.
- Schwere Herzklappenfehler, zum Beispiel eine plötzlich undichte oder verengte Herzklappe.
- Lungenembolie: Ein Blutgerinnsel verstopft ein Lungengefäß und belastet das Herz stark.
Risikofaktoren
- Vorheriger Herzinfarkt oder bekannte koronare Herzkrankheit (Verengung der Herzkranzgefäße)
- Schwere Herzschwäche
- Bluthochdruck, Diabetes mellitus und erhöhte Blutfettwerte
- Rauchen und ungesunde Lebensweise
- Hohes Alter
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei starken Brustschmerzen, die länger als ein paar Minuten anhalten, sofort die 112 anrufen.
- Bei Ohnmacht oder dem Gefühl, gleich zusammenzubrechen, sofort den Notarzt alarmieren.
- Bei starker Atemnot in Ruhe und kalter, schweißnasser Haut sofort in die Notaufnahme.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie eine Herzerkrankung haben und neue Symptome wie zunehmende Müdigkeit, Schwindel oder geschwollene Beine bemerken, vereinbaren Sie einen zeitnahen Termin beim Hausarzt oder Kardiologen.
- Wenn Sie nach einem Herzinfarkt in Behandlung sind, sollten Sie regelmäßige Nachsorgetermine wahrnehmen.
Diagnose
Der kardiogene Schock wird im Krankenhaus meist auf der Intensivstation diagnostiziert. Der Arzt prüft zuerst, ob die Pumpfunktion des Herzens stark eingeschränkt ist und ob Organe wie Nieren oder Gehirn gerade noch ausreichend durchblutet werden.
Mögliche Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG): Zeichnet die elektrischen Signale des Herzens auf und zeigt, ob ein Herzinfarkt vorliegt.
- Echokardiografie (Ultraschall des Herzens): Zeigt, wie stark der Herzmuskel sich zusammenzieht und ob Herzklappen verändert sind.
- Blutuntersuchung: Bestimmt Herzenzyme und andere Werte, die auf Schädigungen des Herzmuskels hinweisen.
- Herzkatheter-Untersuchung: Ein dünner Schlauch wird über ein Blutgefäß zum Herzen geführt. Damit lassen sich verengte Herzkranzgefäße erkennen und oft sofort behandeln.
- Messung des Blutdrucks und der Sauerstoffsättigung im Blut
- Urinausscheidungsmessung: Über einen Blasenkatheter wird die Urinmenge stündlich kontrolliert, denn eine niedrige Ausscheidung ist ein Zeichen für schlechte Nierendurchblutung.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose wird oft sehr schnell gestellt, weil eine sofortige Behandlung lebenswichtig ist. Sie werden an Monitore angeschlossen, die Herzschlag, Blutdruck und Sauerstoffgehalt dauernd überwachen. Trotz der Ernsthaftigkeit ist es wichtig zu wissen, dass das Ärzteteam alle Maßnahmen ergreift, um die Durchblutung wiederherzustellen.
Behandlung
Der kardiogene Schock wird auf der Intensivstation behandelt. Das Ziel ist, die Pumpleistung des Herzens zu unterstützen, den Blutdruck zu stabilisieren und die Ursache zu behandeln. Je nach Ursache kommen medikamentöse oder chirurgische Verfahren infrage.
Selbsthilfe zu Hause
- Rufen Sie bei Warnsignalen sofort die Notrufnummer 112 – zögern Sie nicht.
- Bleiben Sie bis zum Eintreffen des Notarztes möglichst ruhig und legen Sie sich mit erhöhtem Oberkörper hin.
- Wenn Sie vom Notarzt oder in der Klinik Anweisungen bekommen, folgen Sie diesen genau.
- Nach der Entlassung ist eine kardiologische Rehabilitation (Anschlussheilbehandlung) fester Bestandteil der Behandlung.
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse behandlung umfasst Mittel, die den Blutdruck stützen, die Durchblutung verbessern und die Herzarbeit erleichtern. Alle Medikamente werden individuell dosiert und ausschließlich von Ärzten verordnet. Bei Bedarf kommt eine Beatmung oder eine Nierenersatztherapie zum Einsatz, wenn Organe nicht mehr ausreichend arbeiten.
Wann kommt eine Operation infrage?
Bei einem akuten Herzinfarkt wird meist sofort eine Herzkatheter-Behandlung durchgeführt, bei der das verschlossene Gefäß geöffnet wird. Sind Herzklappen schwer beschädigt, kann eine Operation nötig sein. In sehr schweren Fällen unterstützt eine Herzpumpe (mechanisches Unterstützungssystem) die Funktion des Herzens, bis es sich erholt hat oder eine Herztransplantation möglich wird.
Leben mit der Erkrankung
Nach einem kardiogenen Schock ist es normal, sich noch lange schwach und erschöpft zu fühlen. Die Erholung dauert oft Wochen bis Monate. In einer kardiologischen Rehabilitation lernen Sie, mit der Herzerkrankung im Alltag zu leben und Ihre körperlichen Kräfte Schritt für Schritt wieder aufzubauen.
Tipps für den Alltag
- Nehmen Sie alle verordneten Medikamente zuverlässig ein – auch wenn Sie sich gut fühlen.
- Behalten Sie regelmäßige Kontrolltermine beim Kardiologen oder Hausarzt bei.
- Rauchen aufzugeben ist das Wichtigste, um das Herz zu entlasten.
- Vermeiden Sie Stress und gönnen Sie sich ausreichend Ruhepausen.
- Achten Sie auf Warnzeichen wie Brustschmerzen, Atemnot oder starke Müdigkeit und suchen Sie bei Unsicherheit schnell ärztlichen Rat.
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und weniger Salz und Fett unterstützt die Erholung. Bewegung ist wichtig, aber nur nach Absprache mit dem Arzt. Leichte Ausdauerübungen wie Spazierengehen oder sanftes Radfahren werden oft empfohlen, wenn der Zustand stabil ist.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein kardiogener Schock ist ein einschneidendes Erlebnis. Angst, Niedergeschlagenheit und Schlafprobleme sind in den ersten Wochen häufig. Es ist wichtig, darüber zu sprechen – mit Angehörigen oder einem Psychologen. Auch Selbsthilfegruppen können helfen, mit der Belastung umzugehen.
Vorbeugung
Ein kardiogener Schock lässt sich am besten verhindern, indem man Herzerkrankungen vorbeugt oder sie gut behandelt. Wer einen Herzinfarkt hatte, kann durch die richtige Medikamente, einen gesunden Lebensstil und regelmäßige Kontrollen das Risiko deutlich senken. Nicht alle Fälle sind vermeidbar, aber eine gute Vorbeugung ist der beste Schutz.
Impfungen
Eine Grippeimpfung kann schwere Krankheitsverläufe bei Menschen mit Herzerkrankungen verhindern und wird in Deutschland für viele Herzpatienten empfohlen. Lassen Sie sich auch zu Ihrer persönlichen Impf-Auffrischung vom Arzt beraten.
Komplikationen
Unbehandelt
- Dauerhafte Schädigung von Organen wie Nieren, Leber oder Gehirn
- Multiorganversagen, bei dem mehrere Organe gleichzeitig ausfallen
- Herzstillstand und Tod
Langzeitprognose
Ein kardiogener Schock ist eine sehr ernste Erkrankung, aber nicht aussichtslos. Mit einer schnellen Behandlung auf der Intensivstation überleben heute mehr Menschen als früher. Manche erholen sich vollständig, andere behalten eine eingeschränkte Herzfunktion. Entscheidend sind die Behandlung im Notfall, die Ursache des Schocks und die weitere Rehabilitation. Ihr Behandlungsteam wird Sie dabei begleiten, realistische Ziele zu setzen.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Herzstiftung ↗ · Deutschland
- Bundesverband Herzkranke Kinder ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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