Epiglottitis – Eine Entzündung, die rasch behandelt werden muss
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Epiglottitis ist eine Entzündung des Kehldeckels (der Epiglottis). Der Kehldeckel ist ein kleiner Knorpel im Rachen, der die Luftröhre beim Schlucken verschließt. Schwillt er an, kann er die Atemwege stark verengen. Deshalb ist eine Epiglottitis ein medizinischer Notfall.
Wichtige Fakten
- Eine Epiglottitis ist selten, aber lebensbedrohlich.
- Sie beginnt oft plötzlich mit hohem Fieber, Halsschmerzen und Atemnot.
- Der Kehldeckel kann so stark anschwellen, dass die Luftröhre verschlossen wird.
- Bei Verdacht muss sofort die 112 gewählt werden.
- Mit rechtzeitiger Behandlung erholen sich die meisten Menschen vollständig.
Nein, die Epiglottitis ist heute selten. Vor einigen Jahrzehnten war sie besonders bei Kindern häufiger. Durch wirksame Schutzimpfungen ist die Zahl stark zurückgegangen.
Eine Epiglottitis kann in jedem Alter vorkommen. Sie tritt heute häufiger bei Erwachsenen auf als bei kleinen Kindern, aber auch Kinder können betroffen sein. Männer scheinen etwas häufiger betroffen zu sein als Frauen.
Symptome
- Ausgeprägte Atemnot oder das Gefühl zu ersticken
- Hörbare, pfeifende oder schnarchende Einatmung (Stridor)
- Verschlucken oder starker Speichelfluss bei Atemnot
- Blaue oder graue Lippen, Zunge oder Haut – Zeichen von Sauerstoffmangel
- Bewusstseinsveränderung, Verwirrtheit oder starke Unruhe
- ⚠Plötzliche, starke Halsschmerzen mit Schluckbeschwerden
- ⚠Hohes Fieber mit ausgeprägtem Krankheitsgefühl
- ⚠Veränderte Stimme ohne erkennbare andere Ursache
- ⚠Zunehmende Atembeschwerden, auch wenn sie noch leicht sind
Häufige Symptome
- Plötzlich auftretende, starke Halsschmerzen
- Hohes Fieber
- Schmerzen beim Schlucken
- Speichelfluss, weil Schlucken schwerfällt
- Veränderte, belegte oder leisere Stimme (Kartoffelstimme)
- Atemnot oder erschwertes Atmen
- Angst oder Unruhe wegen der Atemprobleme
Symptome bei Kindern
- Kind wirkt plötzlich sehr krank und hat hohes Fieber
- Kind sitzt aufrecht und beugt den Kopf nach vorn (Schnüffelstellung)
- Schwierigkeiten beim Atmen mit hörbarem Einatmungsgeräusch (Stridor)
- Vermehrter Speichelfluss
- Kein oder kaum Husten – das unterscheidet die Erkrankung von einem Krupp-Anfall
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Starke Halsschmerzen, oft ohne Schnupfen
- Schluckbeschwerden, die plötzlich beginnen
- Heisere oder kloßige Stimme
- Fieber, begleitet von allgemeinem Krankheitsgefühl
- Atemnot, besonders bei körperlicher Anstrengung oder im Liegen
Ursachen
Hauptursachen
- Bakterien sind in den meisten Fällen die Auslöser, vor allem Haemophilus influenzae Typ b (Hib).
- Auch andere Bakterien, Viren oder Pilze können den Kehldeckel entzünden.
- Verletzungen im Rachenbereich, zum Beispiel durch Verschlucken von Gegenständen oder Verätzungen, können ebenfalls eine Epiglottitis verursachen.
- In seltenen Fällen entzündet sich der Kehldeckel nach einer Bestrahlung im Bereich des Halses.
Risikofaktoren
- Nicht oder unvollständig geimpfter Impfstatus gegen Hib
- Geschwächtes Immunsystem
- Chronische Erkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Alkohol- oder Tabakkonsum
- Frühere Entzündungen im Hals- und Rachenbereich
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich starke Halsschmerzen und zusätzlich Atemnot bekommen, rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Wenn Sie hohes Fieber, starke Schluckbeschwerden und eine veränderte Stimme haben, suchen Sie noch am gleichen Tag eine ärztliche Notaufnahme auf.
- Wenn Ihr Kind plötzlich schwer krank wirkt, Speichel läuft und es sichtlich nach Luft ringt, wählen Sie sofort die 112.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie nur leichte Halsschmerzen haben und normal atmen können, können Sie innerhalb von ein oder zwei Tagen einen Arzttermin vereinbaren.
- Wenn eine Halsentzündung nach einigen Tagen nicht besser wird, sprechen Sie mit Ihrer Hausarztpraxis.
Diagnose
Im Verdachtsfall stellt ein Notarzt oder eine Ärztin in der Klinik die Diagnose. Eine Epiglottitis darf nicht einfach im Sitzen durch die Praxis untersucht werden. Schon ein Löffel auf der Zunge kann durch den Würgereiz eine Atemwegssperre auslösen. Ärzte untersuchen den Kehldeckel daher nur unter kontrollierten Bedingungen, meist im Krankenhaus.
Mögliche Untersuchungen
- Blick in den Rachen mit einem Spezialinstrument (Laryngoskop) im Operationssaal
- Blutuntersuchung zur Bestimmung von Entzündungswerten und Erregern
- Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung des Halses, falls sie sicher durchführbar ist
- Abstrich vom Kehldeckel zur Bestimmung des Erregers
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Wenn Ärzte den Verdacht auf eine Epiglottitis haben, bleiben Sie zur Beobachtung im Krankenhaus. Sie erhalten ruhige Begleitung und werden engmaschig überwacht. Sollte die Atmung gefährdet sein, sichern die Ärzte die Atemwege sofort mit einem Schlauch (Intubation). Das hört sich beunruhigend an, ist aber ein lebensrettender Schutz.
Behandlung
Eine Epiglottitis wird immer im Krankenhaus behandelt – meist auf der Intensivstation, bis die Atemwege sicher frei sind. Die Behandlung zielt darauf ab, die Atemwege offen zu halten, die Entzündung zu stoppen und die Ursache zu bekämpfen.
Selbsthilfe zu Hause
- Bewahren Sie Ruhe und setzen Sie sich aufrecht hin, wenn Sie Luftnot spüren.
- Vermeiden Sie es, zu schlucken: Speichel einfach ablaufen lassen oder ausspucken, wenn das Schlucken schwerfällt.
- Nehmen Sie keine Lutschpastillen, keine Schmerzmittel und keine Hausmittel ein, wenn Sie den Verdacht auf eine Epiglottitis haben.
- Wenn Sie eine ärztliche Notfallversorgung erhalten: Halten Sie den Therapieplan ein und kommen Sie zu Kontrollterminen.
Medizinische Behandlungen
Im Krankenhaus erhalten Betroffene meist Sauerstoff und Flüssigkeit über einen Zugang. Die Ärzte geben entzündungshemmende Medikamente und Antibiotika, um Bakterien zu bekämpfen. Diese Medikamente werden individuell ausgewählt, je nach Alter, Allergien und Erreger. Bei schwerer Atemnot wird ein kleiner Schlauch durch Mund oder Nase in die Luftröhre gelegt, um zu beatmen. Dieser Schritt wird erst bei klarer Notwendigkeit durchgeführt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation im eigentlichen Sinne ist selten nötig. In manchen Fällen wird ein Abszess im Rachen durch einen kleinen Schnitt entleert. Lebensrettend ist meist nicht ein chirurgischer Eingriff, sondern das Sichern der Atemwege mit einem Beatmungsschlauch.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer Epiglottitis sind die meisten Menschen innerhalb von ein bis zwei Wochen wieder zu Hause. Die Genesung dauert unterschiedlich lang. Planen Sie nach dem Klinikaufenthalt ausreichend Ruhe ein. Gehen Sie zu allen Kontrollterminen, auch wenn Sie sich schon besser fühlen. Ihre Stimme und das Schlucken können in den ersten Wochen noch belegt oder unangenehm sein.
Tipps für den Alltag
- Trinken Sie regelmäßig, sobald der Arzt oder die Ärztin es erlaubt. Achten Sie auf weiche oder flüssige Kost, bis das Schlucken wieder schmerzfrei ist.
- Verzichten Sie in den ersten Wochen auf Zigaretten, Alkohol und heißen Dampf.
- Waschen Sie regelmäßig die Hände, um Infektionen zu vermeiden.
- Ein vollständiger Impfschutz beugt erneuten schweren bakteriellen Entzündungen vor.
Ernährung und Bewegung
In der ersten Zeit nach der Entlassung sind weiche Nahrungsmittel wie Joghurt, Suppen, Püree und gut gekochte Nudeln angenehm. Essen Sie langsam und kauen Sie gut. Körperliche Schonung ist zunächst wichtig. Leichte Spaziergänge sind in Ordnung, sobald Sie sich kräftig genug fühlen. Bei Atemnot oder Schmerzen sollten Sie Bewegung aber meiden und ärztlichen Rat suchen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Epiglottitis ist ein einschneidendes Erlebnis. Angst vor Erstickung, ein Aufenthalt auf der Intensivstation oder medizinische Maßnahmen können seelisch belasten. Solche Gefühle sind normal. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin darüber, wenn Sie sich auch nach der körperlichen Genesung weiter belastet fühlen. Auch Atemübungen oder Entspannungsverfahren können helfen.
Vorbeugung
Nicht jede Epiglottitis lässt sich verhindern, aber die häufigste Ursache kann durch Impfung vermieden werden. In Deutschland wird die Schutzimpfung gegen Haemophilus influenzae Typ b für alle Säuglinge empfohlen. Auch Erwachsene mit fehlendem oder unsicherem Impfschutz können ihren Impfstatus ärztlich überprüfen lassen. Zu einem gesunden Lebensstil gehören außerdem eine gute Handhygiene und das Vermeiden von starkem Zigarettenkonsum.
Impfungen
Es gibt eine Schutzimpfung gegen das Bakterium Hib, das früher die häufigste Ursache der Epiglottitis war. Sie wird in Deutschland als Teil der Grundimmunisierung im Säuglingsalter gegeben. Lassen Sie Ihren Impfstatus regelmäßig in Ihrer Hausarztpraxis prüfen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Zunehmende Verengung der Luftröhre bis zum Verschluss der Atemwege
- Akuter Sauerstoffmangel im Gehirn und in wichtigen Organen
- Übergang der Bakterien ins Blut (Blutvergiftung/Sepsis)
- Ausbreitung der Entzündung auf benachbarte Gewebe im Hals
- Herz- und Kreislaufversagen
Langzeitprognose
Mit sofortiger Behandlung ist die Prognose sehr gut. Die meisten Menschen überleben ohne bleibende Schäden. Die Beschwerden bessern sich oft innerhalb weniger Tage. Entscheidend ist, dass Betroffene rasch in eine Klinik kommen, wo die Atemwege im Notfall sofort gesichert werden können. Eine vollständige Genesung ist daher in den allermeisten Fällen möglich.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
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