Placenta accreta: Wenn die Plazenta mit der Gebärmutter verwachsen ist
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Plazenta (Mutterkuchen) ist die Organanlage, die das ungeborene Kind während der Schwangerschaft mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Normalerweise löst sie sich nach der Geburt leicht von der Gebärmutterwand. Bei einer Placenta accreta ist die Plazenta zu tief und zu fest mit der Muskelschicht der Gebärmutter verwachsen. Dadurch kann sie sich nach der Geburt nicht vollständig von selbst lösen, was starke Blutungen verursachen kann. Es ist eine seltene, aber ernsthafte Schwangerschaftskomplikation.
Wichtige Fakten
- Die Plazenta ist während der Schwangerschaft über die Nabelschnur mit dem Kind verbunden und versorgt es mit Nährstoffen und Sauerstoff.
- Bei einer Placenta accreta ist die Plazenta in die Muskulatur der Gebärmutter eingewachsen – wie Wurzeln, die sich tief in einer Wand festhalten.
- Die Diagnose wird meist schon während der Schwangerschaft durch Ultraschall gestellt.
- Mit einer guten Planung und Behandlung in einer spezialisierten Klinik ist die Prognose heute deutlich besser.
Nein, die Placenta accreta ist selten. Sie tritt bei etwa 0,1 bis 0,2 Prozent aller Schwangerschaften auf. In den letzten Jahrzehnten ist die Häufigkeit allerdings etwas gestiegen, vor allem weil Kaiserschnittgeburten häufiger geworden sind.
Die Placenta accreta betrifft schwangere Frauen. Besonders gefährdet sind Frauen, die bereits einen Kaiserschnitt oder eine andere Operation an der Gebärmutter hatten. Auch Frauen mit einer sogenannten Plazenta praevia (die Plazenta liegt vor dem Muttermund) haben ein erhöhtes Risiko.
Symptome
- Starke vaginale Blutung – also wenn eine Binde oder ein Slipeinlage in kurzer Zeit durchnässt ist.
- Sehr starke, krampfartige Schmerzen im Unterleib.
- Schwindel, Ohnmacht oder das Gefühl, gleich zusammenzubrechen – das kann auf einen großen Blutverlust hinweisen.
- ⚠Jede neue oder zunehmende vaginale Blutung in der Schwangerschaft – auch wenn sie schwach ist.
- ⚠Anhaltende oder sich verschlimmernde Unterleibsschmerzen – bitte noch am selben Tag ärztlich abklären lassen.
Häufige Symptome
- In vielen Fällen verursacht die Placenta accreta keine Symptome. Sie wird oft erst beim Routine-Ultraschall entdeckt.
- Mögliche Anzeichen sind rote, schmerzlose Blutungen aus der Scheide, besonders in der zweiten Schwangerschaftshälfte.
- Einige Frauen haben ein Druckgefühl oder leichte Unterleibsschmerzen, aber das ist unspezifisch.
Symptome bei Kindern
- Nicht zutreffend. Die Placenta accreta ist eine Erkrankung während der Schwangerschaft und tritt bei Kindern nicht auf.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Nicht zutreffend. Die Placenta accreta tritt nur bei schwangeren Frauen auf und nicht bei älteren Menschen.
Ursachen
Hauptursachen
- Bei einer normalen Schwangerschaft wächst die Plazenta nur in die oberste Schleimhautschicht der Gebärmutter. Bei einer Placenta accreta fehlt diese natürliche Grenze, und das Gewebe wächst in die Muskelschicht hinein.
- Der genaue Mechanismus ist noch nicht vollständig verstanden. Man geht davon aus, dass Narbengewebe in der Gebärmutterwand die Ursache ist: An einer Narbe kann sich die Schleimhaut nicht so gut aufbauen, sodass die Plazenta sich tiefer verankert.
- Die meisten Fälle treten bei Frauen auf, die vorher einen Kaiserschnitt hatten.
Risikofaktoren
- Eine oder mehrere Kaiserschnittgeburten in der Vergangenheit.
- Eine Plazenta praevia – das heißt, die Plazenta liegt tief und bedeckt den Muttermund.
- Andere Operationen an der Gebärmutter, zum Beispiel eine Ausschabung (Kürettage) oder myom-Operationen.
- Mütterliches Alter über 35 Jahre.
- Wenn die Frau bereits mehrere Schwangerschaften durchgemacht hat (Mehrgebärende).
- Schwangerschaft nach einer künstlichen Befruchtung (In-vitro-Fertilisation).
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei jeder vaginalen Blutung während der Schwangerschaft, insbesondere nach der 20. Schwangerschaftswoche, sollten Sie frühzeitig ärztlichen Rat suchen – wenn die Blutung stark ist, sofort die 112 anrufen.
- Bei plötzlichen, starken Schmerzen im Unterleib oder im Becken sollten Sie noch am selben Tag in die Klinik oder zur Ärztin/zum Arzt.
- Wenn Sie sich sehr schwach, schwindelig oder ohnmächtig fühlen, ist das ein Notfall – bitte sofort Hilfe holen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Nehmen Sie alle Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft wahr. Der Ultraschall kann Hinweise auf eine Placenta accreta geben, besonders wenn Sie Risikofaktoren wie einen Kaiserschnitt in der Vorgeschichte haben.
- Sprechen Sie bei den Vorsorgeterminen aktiv an, wenn Sie Fragen zur Lage der Plazenta oder zu Ihrem persönlichen Risiko haben.
Diagnose
Die Placenta accreta wird in der Regel durch eine Ultraschalluntersuchung entdeckt, die meist zwischen der 18. und 24. Schwangerschaftswoche durchgeführt wird. Bei dieser Untersuchung kann die Ärztin oder der Arzt erkennen, ob die Plazenta zu tief in die Gebärmutterwand einwächst. Zusätzlich kann eine Magnetresonanztomographie (MRT) machen, um die Lage noch genauer zu beurteilen.
Mögliche Untersuchungen
- Transvaginaler Ultraschall: Dabei wird eine kleine Sonde in die Scheide eingeführt, um die Plazenta und ihre Verbindung zur Gebärmutterwand sehr genau darzustellen.
- Abdominaler Ultraschall: Der Bauch wird von außen mit einem Schallkopf untersucht.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Ein bildgebendes Verfahren, das mit Magnetfeldern und Radiowellen arbeitet – ohne Röntgenstrahlen. Es liefert ein detailliertes Bild der Gebärmutter und der Plazenta.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Wenn der Verdacht auf eine Placenta accreta besteht, werden Sie an ein spezialisiertes Zentrum überwiesen, in dem viel Erfahrung mit dieser Erkrankung vorhanden ist. Dort werden weitere Untersuchungen durchgeführt und ein individueller Geburtsplan erstellt. Sie werden ausführlich beraten und alle Schritte werden Ihnen erklärt. In der Regel sind mehrere größere Untersuchungen nötig, aber das dient Ihrer Sicherheit und der Ihres Kindes.
Behandlung
Die Behandlung der Placenta accreta hängt vom Ausmaß des Einwachsens, Ihrer Gesundheit und dem Zustand des Kindes ab. Das oberste Ziel ist es, schwere Blutungen zu vermeiden und die Gesundheit von Mutter und Kind zu schützen. Die Behandlung findet immer in einem Krankenhaus statt – meist in einem Perinatalzentrum, das auf Risikoschwangerschaften spezialisiert ist. Es gibt konservative (nicht-operative) und operative Ansätze, die individuell abgestimmt werden.
Selbsthilfe zu Hause
- Suchen Sie frühzeitig eine Klinik mit einem spezialisierten Team auf – je besser die Planung, desto sicherer.
- Vereinbaren Sie ein ausführliches Beratungsgespräch: Lassen Sie sich die möglichen Abläufe genau erklären und stellen Sie alle Fragen.
- Sorgen Sie für Ruhe und vermeiden Sie körperliche Anstrengung, besonders wenn Sie Blutungen hatten.
- Bereiten Sie sich emotional auf die Geburt vor – sprechen Sie mit Ihrer Hebamme, ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Ihre Ängste.
Medizinische Behandlungen
Erste Maßnahme ist meist die Planung eines Kaiserschnitts zu einem optimalen Zeitpunkt in der Schwangerschaft. Bei einem schweren Einwachsen der Plazenta ist oft eine Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) nach der Geburt des Kindes erforderlich, um eine lebensbedrohliche Blutung zu stoppen. Es gibt auch organerhaltende Verfahren, bei denen versucht wird, die Gebärmutter zu erhalten – zum Beispiel durch eine spezielle Operationstechnik oder durch vorübergehende Gerinnungsunterstützung. Medikamente können eingesetzt werden, um die Wehentätigkeit zu regulieren, Blutungen zu verringern oder Infektionen vorzubeugen – die Auswahl erfolgt immer individuell durch das Behandlungsteam.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist fast immer notwendig, weil die Plazenta nicht gefahrlos von der Gebärmutterwand gelöst werden kann. In vielen Fällen wird der Kaiserschnitt mit der Entfernung der Gebärmutter in einem Eingriff kombiniert. Dies wird ausführlich mit Ihnen besprochen. Falls Sie den Kinderwunsch bereits abgeschlossen haben, ist dieser Schritt einfacher zu akzeptieren. Bei manchen Frauen gibt es auch die Möglichkeit, die Gebärmutter zu erhalten – die Entscheidung hängt vom Einzelfall ab.
Leben mit der Erkrankung
Die Zeit nach der Diagnose ist oft emotional belastend. Es hilft, sich auf das geplante Vorgehen zu konzentrieren und keine überstürzten Entscheidungen zu treffen. Sie werden von einem Team aus Gynäkologen, Hebammen und anderen Fachleuten begleitet. Nehmen Sie jede angebotene Unterstützung an – zum Beispiel Gespräche mit einer Psychologin oder einem Psychologen.
Tipps für den Alltag
- Planen Sie frühzeitig: Klären Sie, wer Sie in der Klinik besuchen kann und wer sich gegebenenfalls um ältere Geschwisterkinder kümmert.
- Meiden Sie schweres Heben oder Sportarten, die den Bauch stark belasten – gerade bei Blutungsneigung.
- Achten Sie auf regelmäßige Ruhepausen, auch wenn Sie sich gut fühlen.
- Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber über vorgeburtliche Termine und eine eventuelle Freistellung.
Ernährung und Bewegung
Essen Sie ausgewogen mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten – das unterstützt die Blutbildung und die Wundheilung. Leichte Bewegung wie Spazierengehen ist in der Regel erlaubt, aber bitte besprechen Sie genau, was bei Ihnen in Ordnung ist. Vermeiden Sie anstrengende Übungen oder Sport mit Sprüngen und ruckartigen Bewegungen. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist ebenfalls wichtig.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer Placenta accreta kann Angst, Verunsicherung und Trauer auslösen – besonders wenn eine Gebärmutterentfernung droht. Diese Gefühle sind völlig normal. Es kann helfen, mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt über alle Ängste zu sprechen. Psychologische Unterstützung, zum Beispiel durch eine spezialisierte Psychologin, kann Ihnen helfen, mit der Situation umzugehen. Scheuen Sie sich nicht, Hilfe anzunehmen.
Vorbeugung
Die Placenta accreta lässt sich nicht immer verhindern. Es gibt jedoch Maßnahmen, die das Risiko senken können: So ist eine gut begründete Entscheidung für einen Kaiserschnitt wichtig, weil jede Kaiserschnittnarbe das Risiko bei späteren Schwangerschaften erhöht. Auch eine sorgfältige Behandlung von Schwangerschaftsblutungen und eine gute Planung bei bekannten Risikofaktoren sind entscheidend. Vorbeugung bedeutet hier vor allem: regelmäßige Vorsorge und frühes Erkennen.
Früherkennungsprogramme
Die wichtigste Vorsorge ist der Ultraschall. Bei Frauen mit einem Kaiserschnitt in der Vorgeschichte und einer tief liegenden Plazenta schauen Ärzte gezielt nach Anzeichen einer Placenta accreta. Diese Untersuchungen sind Standard – sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt darauf an, wenn Sie unsicher sind.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne geplante Behandlung kann es bei der Geburt zu einer sehr starken Blutung kommen, die lebensbedrohlich werden kann.
- Die Plazenta kann sich nicht vollständig lösen, sodass Teile zurückbleiben und zu Blutungen oder Infektionen führen können.
- Es kann eine Bluttransfusion nötig werden.
- In schweren Fällen kann die Gebärmutter geschädigt werden bis hin zur Notwendigkeit einer Entfernung.
Langzeitprognose
Mit einer frühen Erkennung und einer geplanten Entbindung in einem spezialisierten Zentrum ist die Prognose heute sehr gut. Die meisten Frauen erholen sich vollständig und können ein normales Leben führen. Auch wenn die Gebärmutter in manchen Fällen entfernt werden muss, gibt es viele Möglichkeiten, diese Zeit körperlich und seelisch gut zu überstehen. Ihr Behandlungsteam wird alles dafür tun, dass Sie und Ihr Kind sicher durch diese Schwangerschaft kommen. Sie sind nicht allein.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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