Diphtherie: Was Sie über Anzeichen, Schutz und Behandlung wissen sollten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Diphtherie ist eine schwere bakterielle Infektionskrankheit. Sie befällt meist die oberen Atemwege, seltener die Haut. Die Bakterien bilden ein Gift, das schwere Schäden im Hals, am Herzen und an den Nerven verursachen kann. Dank der Impfung ist Diphtherie in Deutschland sehr selten geworden.
Wichtige Fakten
- Die Krankheit wird durch Bakterien ausgelöst, die ein Gift (Toxin) produzieren.
- Typisch ist ein grau-weißer Belag auf den Mandeln, der die Atemwege verlegen kann.
- Eine Schutzimpfung ist die wichtigste Vorbeugung – sie wird im Kindesalter gegeben und alle 10 Jahre aufgefrischt.
In Deutschland ist Diphtherie dank hoher Impfquoten sehr selten. Weltweit gibt es weiterhin Fälle, besonders in Ländern mit niedriger Impfrate.
Menschen ohne oder mit unvollständigem Impfschutz. Auch Reisende in Länder mit Ausbrüchen können sich anstecken. In Deutschland sind vor allem Erwachsene mit fehlender Auffrischimpfung betroffen.
Symptome
- Bei schwerer Atemnot oder dem Gefühl zu ersticken
- Bei bläulich verfärbten Lippen oder Gesicht
- Bei starken Atemgeräuschen und pfeifender Einatmung
- Bei Bewusstlosigkeit oder Kreislaufversagen – wählen Sie sofort die 112
- ⚠Anhaltende Halsschmerzen mit Fieber und grau-weißem Belag im Rachen
- ⚠Starke Schluckbeschwerden und geschwollene Lymphknoten
- ⚠Verdacht auf Kontakt zu einer an Diphtherie erkrankten Person
- ⚠Nach einer Reise in ein Risikogebiet mit Halsbeschwerden und Unwohlsein
Häufige Symptome
- Halsschmerzen und Schluckbeschwerden
- mäßiges Fieber
- geschwollene Lymphknoten am Hals
- grau-weißer, festsitzender Belag im Rachen
- Heiserkeit, bellender Husten
- bei Hautbefall: schlecht heilende, graue Hautgeschwüre
Symptome bei Kindern
- schnell zunehmende Luftnot
- lautes, pfeifendes Einatmen (Stridor)
- angestrengte Atmung mit eingesunkenen Zwischenrippenräumen
- bläulich verfärbte Lippen und Nagelbetten
- hohes Fieber und Erbrechen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- eher unspezifische Symptome, oft lange Zeit nur Abgeschlagenheit
- starke Schluckstörungen mit Verschleimung
- Herzrasen oder Herzstolpern als Zeichen einer Herzbeteiligung
- schnelles Erschöpfen bei leichter Tätigkeit
Ursachen
Hauptursachen
- Ansteckung mit dem Bakterium Corynebacterium diphtheriae
- Übertragung durch Husten, Niesen oder Sprechen (Tröpfcheninfektion)
- Bei Hautdiphtherie auch Ansteckung durch direkten Kontakt mit infizierten Hautwunden
- Das Gift der Bakterien schädigt die Schleimhaut und kann, wenn es ins Blut gelangt, Herz, Nerven und Nieren befallen.
Risikofaktoren
- Fehlender oder unvollständiger Impfschutz
- Reisen in Länder mit niedriger Impfabdeckung
- Enger Kontakt zu infizierten Personen, zum Beispiel in der Familie
- Geschwächtes Immunsystem durch Vorerkrankungen
- Leben unter schlechten hygienischen Bedingungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie einen grau-weißen Belag auf den Mandeln sehen und Fieber haben
- Wenn Schluckbeschwerden das Trinken unmöglich machen
- Wenn Sie in den letzten Wochen Kontakt zu einer erkrankten Person hatten
- Bei Reiserückkehr aus einem Risikogebiet mit Halsschmerzen und Fieber
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Impfschutz aktuell ist
- Vor einer Reise in ein Land mit Diphtherie-Risiko
- Für eine fällige Auffrischimpfung
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt erfragt zuerst Ihre Beschwerden und Ihren Impfstatus. Anschließend schaut sie sich den Rachen an. Bei Verdacht auf Diphtherie wird sofort ein Abstrich genommen und ins Labor geschickt. Wichtig: Die Behandlung wird noch vor dem Endergebnis begonnen, um Zeit zu gewinnen.
Mögliche Untersuchungen
- Abstrich aus Rachen und Nase (auch für Kontaktpersonen wichtig)
- Mikrobiologische Untersuchung auf den Erreger
- Nachweis des Giftes (Toxins) im Labor
- Blutuntersuchung, um Entzündungswerte und Organfunktionen zu prüfen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie werden im Krankenhaus betreut und in der ersten Zeit isoliert, um andere nicht anzustecken. Nach dem Abstrich erhalten Sie schnellstmöglich eine Behandlung. Die ersten Ergebnisse liegen meist nach 24 bis 48 Stunden vor. Bis dahin werden Sie engmaschig überwacht. Diagnostik und Therapie richten sich nach den aktuellen medizinischen Leitlinien, unter anderem der AWMF.
Behandlung
Diphtherie wird immer im Krankenhaus behandelt. Es kommen ein Gegengift (Antitoxin) und ein Antibiotikum zum Einsatz. Ziel ist, das Gift zu neutralisieren und die Bakterien abzutöten. Zusätzlich brauchen Sie Bettruhe und eine Überwachung von Herz- und Atemfunktion.
Selbsthilfe zu Hause
- Sich strikt schonen und Bettruhe halten
- Ausreichend Flüssigkeit trinken, wenn das Schlucken es erlaubt (zum Beispiel lauwarmer Tee)
- Schonkost wie Suppen oder Joghurt, um den Rachen zu entlasten
- Nicht rauchen, da dies die Atemwege zusätzlich reizt
Medizinische Behandlungen
Die Therapie besteht aus zwei Bausteinen: einem spezifischen Antitoxin, das das Gift unschädlich macht, und einem Antibiotikum, das die Bakterien beseitigt. Beides erfolgt ärztlich kontrolliert im Krankenhaus. Bei Atemnot können Medikamente zur Abschwellung der Atemwege eingesetzt werden, in seltenen Fällen auch eine künstliche Beatmung.
Wann kommt eine Operation infrage?
Nur in Ausnahmefällen ist ein chirurgischer Eingriff nötig, etwa wenn die Beläge die Atemwege verlegen und das Einführen eines Beatmungsschlauches nicht möglich ist. Dann kann eine Öffnung der Luftröhre (Tracheostomie) das Leben retten.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus ist Geduld wichtig. Die körperliche Erholung kann mehrere Wochen dauern. Sie sollten sich vollständig ausruhen und keinesfalls zu früh in den Alltag oder in den Sport einsteigen. Die Ärztin oder der Arzt berät Sie, wann dies wieder möglich ist.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Nachuntersuchungen in Ihrer Hausarztpraxis oder beim Facharzt
- Ausgewogene Ernährung, um das Immunsystem zu unterstützen
- Auf körperliche Belastung verzichten, bis das Herz von der Ärztin freigegeben wurde
- Gute Hygiene, um weitere Infektionen zu vermeiden
Ernährung und Bewegung
In den ersten Wochen sind weiche, nicht scharfe Speisen empfehlenswert, die ohne starkes Kauen geschluckt werden können. Sportliche Aktivitäten sind erst wieder erlaubt, wenn eine ärztliche Untersuchung – insbesondere des Herzens – dies erlaubt. Das ist meist nach einigen Wochen der Fall.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Diphtherie ist eine ernste Krankheit, die auch psychisch belasten kann. Angst, Unsicherheit oder Erschöpfung sind normal. Sprechen Sie darüber – mit Ihrem Umfeld oder einem psychologischen Beratungsangebot. Ihre Hausärztin kennt Anlaufstellen in Ihrer Nähe.
Vorbeugung
Ja, Diphtherie ist durch eine Schutzimpfung nahezu vollständig vermeidbar. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Grundimmunisierung im Kindesalter und Auffrischimpfungen alle 10 Jahre. Wer vollständig geimpft ist, erkrankt in den allermeisten Fällen nicht.
Impfungen
Die Diphtherie-Impfung ist meist als Kombinationsimpfung erhältlich – zusammen mit Tetanus- und Keuchhusten-Impfung. Welcher Impfstoff für Sie infrage kommt, hängt von Ihrem Alter und Ihrem Gesundheitszustand ab. Lassen Sie sich hierzu in Ihrer Arztpraxis beraten.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening auf Diphtherie gibt es nicht. Bei speziellen Fragen – etwa vor einer Reise in ein Risikogebiet – kann der Impfstatus im Impfpass überprüft werden. Eine Blutuntersuchung auf Antikörper ist in Einzelfällen möglich.
Komplikationen
Unbehandelt
- zunehmende Verengung der Atemwege mit Erstickungsgefahr
- Entzündung des Herzmuskels mit Herzrhythmusstörungen
- Schäden an Nerven, die zu Schluck- oder Atemlähmungen führen können
- Entzündung der Nieren bis hin zum Nierenversagen
Langzeitprognose
Mit einer frühzeitigen Behandlung erholen sich die meisten Menschen vollständig. Je schneller das Gegengift und Antibiotika gegeben werden, desto besser sind die Aussichten. Auch wenn die Erholung einige Wochen dauert: In Deutschland stehen hervorragende Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, und die Prognose ist insgesamt gut.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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