Glücksspielstörung (Glücksspielsucht) – Was Sie wissen sollten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Glücksspielstörung ist eine seelische Erkrankung. Menschen mit dieser Störung haben einen sehr starken Drang, zu spielen – auch wenn sie dadurch große Probleme in Beruf, Familie oder mit dem Geld bekommen. Das Spielen wird zum Mittelpunkt des Lebens und ist nur noch schwer kontrollierbar.
Wichtige Fakten
- Ein starkes Verlangen nach Glücksspiel, das schwer zu kontrollieren ist.
- Betroffene spielen weiter, obwohl sie Geld, Beziehungen oder den Arbeitsplatz verlieren.
- Eine gute Behandlung hilft, das Spielen wieder in den Griff zu bekommen.
Etwa 1 von 100 Menschen in Deutschland ist vom Glücksspiel abhängig. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen.
Die Störung kann in jedem Alter beginnen, tritt aber meist im jungen Erwachsenenalter auf. Menschen mit Stress, finanziellen Sorgen, seelischen Belastungen oder einer familiären Vorgeschichte von Suchterkrankungen sind besonders gefährdet.
Symptome
- Gedanken, sich selbst etwas anzutun oder sich umzubringen
- Akute Gefahr für sich selbst oder andere
- Starke Verzweiflung mit Panikattacken und dem Gefühl, keinen Ausweg mehr zu sehen
- ⚠Starke Entzugserscheinungen wie Zittern, Schwitzen, Herzrasen oder innere Unruhe
- ⚠Starke Suizidgedanken – noch kontrollierbar, aber sehr belastend
- ⚠Akuter finanzieller Notstand mit Existenzangst und Schlafstörungen – Suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe oder eine psychiatrische Einrichtung auf.
Häufige Symptome
- Ständiges Denken an das Glücksspiel – z.B. überlegen, wie man an Geld kommt oder das nächste Spiel plant
- Den Einsatz immer weiter erhöhen, um dieselbe Aufregung zu spüren
- Mehrfach erfolglos versucht, das Spielen zu reduzieren oder aufzuhören
- Unruhe oder Gereiztheit, wenn man nicht spielen kann
- Spielen als Flucht vor Problemen, Sorgen oder schlechten Gefühlen
- Nach einem Verlust sofort weiterspielen, um den Verlust auszugleichen
- Lügen gegenüber Freunden oder Familie, um das eigene Spielen zu verbergen
- Geld von anderen leihen, Schulden aufnehmen oder sogar stehlen, um spielen zu können
Ursachen
Hauptursachen
- Die genauen Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Vermutlich wirken mehrere Faktoren zusammen.
- Im Gehirn wird das Belohnungssystem durch das Glücksspiel stark aktiviert – ähnlich wie bei anderen Suchterkrankungen.
- Gewinne und die Vorfreude auf das nächste Spiel verändern die Verarbeitung von Belohnungen im Gehirn und verstärken das Suchtgedächtnis.
Risikofaktoren
- Männliches Geschlecht
- Junges Erwachsenenalter
- Bestehende seelische Erkrankungen wie Depression oder Angststörung
- Alkohol- oder Nikotinkonsum
- Finanzielle Probleme oder Arbeitslosigkeit
- Suchterkrankungen in der Familie
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie den Drang zu spielen nicht mehr kontrollieren können und unter starkem Leidensdruck leiden
- Wenn es Ihnen trotz mehrfacher Versuche nicht gelingt, mit dem Spielen aufzuhören
- Wenn Sie sich selbst vernachlässigen oder Gedanken an Selbstverletzung haben
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie merken, dass das Spielen mehr Zeit und Geld kostet, als Ihnen lieb ist
- Wenn Angehörige oder Freunde Sie mehrfach auf Ihre Spielerei ansprechen
- Wenn Schulden oder finanzielle Probleme auftreten, die mit dem Spielen zusammenhängen
Diagnose
Die Diagnose wird von einer Ärztin oder einem Arzt oder einer Psychotherapeutin gestellt. Sie führen ein ausführliches Gespräch über das Spielverhalten, die Auswirkungen auf den Alltag und mögliche Begleiterkrankungen. Die Einordnung erfolgt nach international anerkannten Kriterien (ICD-11). Auch die Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) helfen, die Diagnose sicher zu stellen.
Mögliche Untersuchungen
- Ausführliches ärztliches Gespräch über Ihr Spielverhalten und Ihre Familiensituation
- Fragebögen zur Selbsteinschätzung, z.B. zum Glücksspielverhalten
- Körperliche Untersuchung, um andere Ursachen für Beschwerden auszuschließen
- Wenn Sie einverstanden sind, Gespräch mit Angehörigen, um das Ausmaß der Belastung zu verstehen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung erfolgt in der Regel ambulant, das heißt Sie gehen in eine Praxis oder Klinik. Das Gespräch ist vertraulich und wertschätzend. Sie werden nicht abgestempelt. Danach bekommen Sie konkrete Empfehlungen, welche Behandlung zu Ihnen passen könnte.
Behandlung
Eine Glücksspielstörung ist behandelbar. Es gibt gute Konzepte aus Psychotherapie, Beratung und – in bestimmten Fällen – auch medikamentöser Unterstützung. Die Behandlung richtet sich nach den Leitlinien der AWMF. Ziel ist es, das Spielen zu beenden oder langfristig unter Kontrolle zu bringen und die Lebenssituation zu stabilisieren.
Selbsthilfe zu Hause
- Setzen Sie sich ein klares, erreichbares Ziel, z.B. mit Unterstützung eine Woche oder einen Monat ganz ohne Glücksspiel
- Schreiben Sie auf, welche Situationen oder Gefühle zum Spielen verleiten – so können Sie Auslöser besser erkennen
- Ersetzen Sie die Spielzeit durch andere Aktivitäten wie Sport, Spaziergänge, Lesen oder Treffen mit Freunden
- Vermeiden Sie Orte und Gelegenheiten, die an das Glücksspiel erinnern – z.B. bestimmte Bars, Casinos oder Online-Angebote
- Führen Sie ein Tagebuch über Ihr Spielverhalten, Ihre Gedanken und Ihre Fortschritte
Medizinische Behandlungen
Die Psychotherapie ist die wichtigste Säule der Behandlung. Dabei lernen Sie, den Spieltrieb zu steuern und andere Wege im Umgang mit Belastungen zu finden. Auch bei gleichzeitig bestehenden Erkrankungen wie Depressionen kann eine Behandlung helfen. In einigen Fällen können Ärztinnen oder Ärzte Medikamente verordnen, die das Belohnungsempfinden im Gehirn beeinflussen – deren Einsatz muss individuell und ärztlich begleitet sein. Es gibt keine speziell für Glücksspielsucht zugelassene Medikamente, daher ist die ärztliche Abstimmung besonders wichtig.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei der Glücksspielstörung nicht möglich und nicht erforderlich.
Leben mit der Erkrankung
Der Alltag mit einer Glücksspielstörung ist eine tägliche Herausforderung. Es hilft, einen festen Tagesablauf zu haben: regelmäßige Arbeit, Mahlzeiten, Schlafenszeiten und geplante Freizeit. Lassen Sie sich von einer Suchtberatungsstelle begleiten – ein stabiles Netz gibt Halt.
Tipps für den Alltag
- Bewegung an der frischen Luft – auch 30 Minuten Gehen pro Tag können den Drang reduzieren
- Fester Schlafrhythmus mit regelmäßigen Schlafenszeiten
- Entspannungsübungen oder Atemübungen, um Stress abzubauen
- Soziale Aktivitäten ohne Glücksspiel – z.B. Sportverein, Kirche oder Ehrenamt
- Bargeld zu Hause lassen und nur das Nötigste mitnehmen, um nicht spontan spielen zu können
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten hält Körper und Geist stabil. Vermeiden Sie Alkohol und reduzieren Sie Koffein – beides kann den Drang zu spielen verstärken.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Glücksspielsucht belastet die Seele sehr. Scham, Schuldgefühle, Ängste und Depressionen sind häufig. Es ist wichtig, sich diese Gefühle einzugestehen und Unterstützung zu suchen. Wenn Sie Gedanken haben, sich etwas anzutun, rufen Sie sofort die Telefonseelsorge an (0800 111 0 111) oder wählen Sie den Notruf 112.
Vorbeugung
Eine Glücksspielstörung lässt sich nicht in jedem Fall verhindern. Sie können das Risiko aber senken, indem Sie sich klare Grenzen setzen – z.B. ein monatliches Spielbudget festlegen –, Warnsignale ernst nehmen und frühzeitig Hilfe suchen, wenn Sie merken, dass das Spielen mehr Raum einnimmt.
Impfungen
Eine Impfung gegen Glücksspielstörung gibt es nicht.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein allgemeines Screening. Hausärztinnen und Hausärzte können bei bestimmten Warnzeichen gezielt nachfragen. Wenn Sie selbst bemerken, dass Sie Probleme mit dem Glücksspiel haben, sprechen Sie es am besten aktiv an – zum Beispiel bei Ihrer Hausarztpraxis oder einer Suchtberatungsstelle.
Komplikationen
Unbehandelt
- Finanzielle Not bis hin zur Privatinsolvenz
- Verlust des Arbeitsplatzes
- Zerrüttung von Partner- und Familienbeziehungen
- Seelische Begleiterkrankungen wie Depression oder Angststörung
- Erhöhter Alkohol- oder Drogenkonsum
- Suizidgedanken – im schlimmsten Fall mit lebensbedrohlichen Folgen
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung ist die Prognose gut. Viele betroffene Menschen schaffen es, über längere Zeit ganz ohne Glücksspiel zu leben oder das Spielen deutlich zu reduzieren. Ein Rückfall bedeutet nicht das Ende – wichtig ist, nach einem Rückfall schnell wieder eine Beratung oder Therapie aufzusuchen.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Suchtdruckberatung vor Ort – z.B. Caritas oder Diakonie · Deutschland
- Suchtberatungsstelle Ihrer Stadt oder Gemeinde · Deutschland
Hilfetelefone
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 2. August 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.