Faktor-V-Leiden: Verständlich erklärt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Faktor-V-Leiden ist eine angeborene Veränderung im Erbgut, die die Blutgerinnung beeinflusst. Dabei ist ein Eiweiß namens Faktor V verändert. Dadurch kann das Blut leichter gerinnen als normal. Das erhöht das Risiko, dass sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) in einem Blutgefäß bildet. Es ist keine Krankheit im engeren Sinn, sondern eine Veranlagung – viele Menschen haben sie, ohne jemals davon betroffen zu sein.
Wichtige Fakten
- Faktor-V-Leiden ist die häufigste erbliche Gerinnungsstörung in Europa.
- Die Veränderung erhöht das Risiko für Blutgerinnsel in den Beinvenen oder in der Lunge – aber nur bei einem Teil der Betroffenen.
- Ein Gentest kann Klarheit bringen; er wird aber nur bei bestimmten Hinweisen empfohlen.
Ja. In Deutschland tragen schätzungsweise 3 bis 7 von 100 Menschen eine oder zwei Kopien der Veränderung in sich. Die meisten davon bemerken nie etwas.
Sie kann bei beiden Geschlechtern auftreten. Besonders wichtig ist das Risiko bei Frauen mit Kinderwunsch, bei Einnahme von östrogenhaltigen Verhütungsmitteln, nach Operationen, bei langer Bettruhe oder nach langen Reisen. Viele Betroffene erfahren erst nach einem Blutgerinnsel von der Anlage.
Symptome
- Plötzliche Atemnot oder Schmerzen im Brustkorb
- Husten mit Blut oder blutigem Schleim
- Schneller Puls oder das Gefühl, zu ersticken
- ⚠Ein Bein schwillt deutlich an, wird heiß, schmerzt oder erscheint bläulich oder rot – rufen Sie noch am gleichen Tag eine Ärztin oder einen Arzt oder suchen Sie eine Notaufnahme auf.
Häufige Symptome
- Die Gerinnungsstörung selbst macht keine Beschwerden.
- Erste Anzeichen können Blutgerinnsel sein – zum Beispiel eine tiefe Venenthrombose im Bein. Dann schwillt das Bein an, wird schwer, schmerzt und die Haut ist gerötet oder warm.
- Wenn ein Gerinnsel die Lunge erreicht, können plötzliche Atemnot, Brustschmerzen oder Husten mit Blut auftreten.
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern sind Blutgerinnsel sehr selten.
- Wenn bei einem Kind ein Gerinnsel auftritt, wird oft nach einer erblichen Gerinnungsstörung gesucht.
- Auch Kinder können Faktor-V-Leiden tragen, meist ohne Auswirkungen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Im höheren Lebensalter steigt das Risiko für Blutgerinnsel zusätzlich – etwa durch weniger Bewegung, Operationen, Krebserkrankungen oder längere Krankenhausaufenthalte.
- Gesunde Lebensführung und frühzeitiges Aufstehen nach Eingriffen helfen, das Risiko zu senken.
Ursachen
Hauptursachen
- Die Ursache ist eine vererbte Veränderung im Gen für den Gerinnungsfaktor V.
- Sie wird von den Eltern an die Kinder weitergegeben.
- Die Veränderung macht den Faktor V unempfindlich gegen einen natürlichen Hemmstoff namens aktiviertes Protein C. Dadurch kann die Blutgerinnung zu leicht angeschaltet werden.
Risikofaktoren
- Risikofaktoren für ein Blutgerinnsel zusätzlich zur Anlage sind: Operationen, Unfälle, längere Bettruhe, lange Flugreisen, Schwangerschaft und Wochenbett, hormonelle Verhütungsmittel, starkes Übergewicht, Rauchen sowie Krebserkrankungen.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie ein geschwollenes Bein haben, das warm und schmerzhaft ist, oder wenn Sie plötzlich Luftnot bekommen, sollten Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn in Ihrer Familie bereits Blutgerinnsel ohne erkennbaren Anlass aufgetreten sind, können Sie in einer Sprechstunde ein Beratungsgespräch führen.
- Wenn Sie eine Schwangerschaft planen und bei Ihnen oder einem engen Angehörigen ein Blutgerinnsel aufgetreten ist, besprechen Sie dies mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Diagnose
Der Nachweis erfolgt über eine Blutuntersuchung. Dabei wird das Erbgut auf die typische Veränderung im Faktor-V-Gen untersucht. In manchen Fällen wird zuerst ein Gerinnungstest auf aktiviertes Protein C gemacht, der einen Hinweis liefern kann.
Mögliche Untersuchungen
- Blutentnahme für den genetischen Test auf Faktor-V-Leiden
- Gerinnungsdiagnostik (aktiviertes Protein C)
- Beratungsgespräch vor und nach dem Testergebnis
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Blutentnahme dauert nur wenige Minuten. Ein Gentest sollte nie ohne vorherige ärztliche Beratung erfolgen. Die Ärztin oder der Arzt erklärt Ihnen, was das Ergebnis bedeutet und welche Folgen dies für Ihre Gesundheit und Ihre Familie hat.
Behandlung
Ob eine Behandlung nötig ist, hängt davon ab, ob Sie bereits ein Blutgerinnsel hatten und ob weitere Risiken bestehen. Die Diagnose allein macht keine Behandlung erforderlich. Bei erhöhtem Risiko werden vorbeugende Maßnahmen empfohlen – zum Beispiel gerinnungshemmende Medikamente zeitweise nach Operationen oder in der Schwangerschaft. Welche Behandlung für Sie infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen.
Selbsthilfe zu Hause
- Bewegen Sie sich regelmäßig, auch nach Operationen so früh wie möglich.
- Vermeiden Sie lange Phasen des Sitzens oder Liegens – stehen Sie auf und gehen Sie ein paar Schritte.
- Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht und verzichten Sie auf das Rauchen.
- Trinken Sie ausreichend Flüssigkeit, besonders auf langen Reisen.
- Tragen Sie bei Reisen oder nach Absprache mit dem Arzt medizinische Stützstrümpfe, wenn diese empfohlen werden.
Medizinische Behandlungen
Zum Einsatz können gerinnungshemmende Medikamente (Antikoagulanzien) kommen – zum Beispiel nach einer Thrombose, nach Operationen oder in bestimmten Schwangerschaftssituationen. Die Behandlung wird individuell geplant und regelmäßig kontrolliert. Es gibt verschiedene Wirkstoffe; der Arzt wählt den passenden für Sie aus. Bitte nehmen Sie keine Medikamente auf eigene Faust ein, sondern sprechen Sie immer mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
Wann kommt eine Operation infrage?
Vor einer Operation sollten Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt über die Faktor-V-Leiden-Anlage informieren. Oft wird vorbeugend eine gerinnungshemmende Behandlung gegeben, um das Risiko von Blutgerinnseln während und nach der Operation zu senken. Ihr OP-Team stimmt das Vorgehen genau auf Sie ab.
Leben mit der Erkrankung
Der Alltag sieht für die meisten Menschen mit Faktor-V-Leiden völlig normal aus. Wichtig ist, auf Warnsignale des Körpers zu achten und in besonderen Situationen an das erhöhte Risiko zu denken – zum Beispiel bei langen Autofahrten, im Krankenhaus oder in der Schwangerschaft.
Tipps für den Alltag
- Bleiben Sie in Bewegung – regelmäßige Spaziergänge, Radfahren oder Schwimmen sind gut für die Durchblutung.
- Vermeiden Sie langes Sitzen ohne Unterbrechung.
- Lassen Sie sich bei psychischer Belastung unterstützen – daran ist nichts Schlimmes.
- Besprechen Sie geplante Operationen oder Reisen im Voraus mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung hält das Gewicht und die Gefäße gesund. Ausreichend Bewegung unterstützt den venösen Blutrückfluss. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie viel Bewegung für Sie sinnvoll ist und ob eine Ernährungsberatung hilfreich ist – besonders, wenn Sie gerinnungshemmende Medikamente einnehmen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer erblichen Gerinnungsstörung kann Verunsicherung auslösen – gerade wenn in der Familie bereits Komplikationen aufgetreten sind. Es ist normal, Fragen oder Ängste zu haben. Es hilft, diese mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt zu besprechen. Auch psychologische Beratung kann einen guten Rahmen bieten.
Vorbeugung
Die erbliche Veranlagung lässt sich nicht verhindern. Sie ist Teil des Erbguts. Wohl aber lässt sich das Risiko für Blutgerinnsel im Einzelfall verringern: durch gesunde Lebensführung, ausreichend Bewegung, frühe Mobilisierung nach Operationen und eine individuelle Vorbeugung in Hochrisikosituationen. Ihr Arzt kann Sie dabei beraten.
Impfungen
Eine Impfung gegen Faktor-V-Leiden gibt es nicht.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening für alle Menschen wird nicht empfohlen. Ein Test ist nur dann sinnvoll, wenn ein persönlicher oder familiärer Hinweis auf eine thrombophile Veranlagung vorliegt – etwa wiederholte Blutgerinnsel, ein Gerinnsel in jungen Jahren oder bei schwangeren Frauen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Unbehandelt kann ein Blutgerinnsel in den tiefen Beinvenen entstehen – mit Schwellung, Schmerzen und dauerhaften Schäden an den Venen.
- Ein Teil des Gerinnsels kann sich lösen und in die Lunge wandern – das ist eine Lungenembolie und ein Notfall.
Langzeitprognose
Die Prognose ist vor allem deshalb gut, weil Faktor-V-Leiden mit einfachen Maßnahmen gut zu kontrollieren ist. Die meisten Menschen mit der Anlage erleiden nie ein Blutgerinnsel. Und selbst wenn ein Gerinnsel aufgetreten ist, lässt es sich heute gut behandeln. Mit einer guten ärztlichen Begleitung können Sie Ihre Risiken aktiv mitgestalten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
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