Hantavirus-Lungensyndrom (HPS): Was Sie wissen sollten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das Hantavirus-Lungensyndrom (kurz HPS) ist eine sehr seltene, schwere Atemwegserkrankung. Sie entsteht durch eine Ansteckung mit bestimmten Hantaviren, die von Nagetieren wie Mäusen und Ratten übertragen werden. Die Viren gelangen meist durch Einatmen von Staub in den Körper, der mit Kot, Urin oder Speichel infizierter Tiere vermischt ist. Das Virus kann die feinen Blutgefäße in der Lunge schädigen, sodass Flüssigkeit austritt und das Atmen schwerfällt.
Wichtige Fakten
- Das Hantavirus-Lungensyndrom wird durch Viren ausgelöst, die von Nagetieren – vor allem Mäusen – übertragen werden.
- Die Ansteckung erfolgt durch Einatmen von Staub, der mit Kot, Urin oder Speichel von Nagetieren verunreinigt ist.
- In Deutschland ist HPS extrem selten. Es kommt hauptsächlich in Nord- und Südamerika vor.
Nein, das Hantavirus-Lungensyndrom ist weltweit eine seltene Erkrankung. In Deutschland treten praktisch keine Fälle auf. Es gibt aber andere Hantavirus-Infektionen in Europa, die eher die Nieren betreffen und nicht die Lunge.
Betroffen sind vor allem Menschen, die sich in ländlichen Gebieten Amerikas aufhalten, etwa in Scheunen oder Hütten mit Mäusebefall. Das sind oft Landwirte, Forstarbeiter, Camper oder Reisende.
Symptome
- Schwere Atemnot in Ruhe
- Bläuliche Verfärbung von Lippen oder Gesicht – das ist ein Zeichen für Sauerstoffmangel
- Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit
- Atemstillstand
- ⚠Fieber mit Husten und Atemnot bei leichter Anstrengung
- ⚠Starke Abgeschlagenheit mit Schwindel oder niedrigem Blutdruck
- ⚠Anhaltende grippeähnliche Symptome nach einem Aufenthalt in einem Risikogebiet
Häufige Symptome
- Fieber
- Muskelschmerzen, besonders in Oberschenkeln und Rücken
- Kopfschmerzen
- Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen
- Schwindel
- Nach einigen Tagen: trockener Husten und zunehmende Atemnot
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern zeigen sich ähnliche Symptome wie bei Erwachsenen, dazu oft starke Müdigkeit und Appetitlosigkeit.
- Achten Sie auf schnelles oder angestrengtes Atmen. Wenn Ihr Kind nicht normal atmen kann, rufen Sie sofort den Notruf 112.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen haben ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf, weil die Lunge weniger Reserven hat.
- Bestehende Herz- oder Lungenerkrankungen können die Atemnot verstärken. Suchen Sie bei Verschlechterung schnell ärztliche Hilfe.
Ursachen
Hauptursachen
- Der Mensch steckt sich an, wenn er Staub einatmet, der mit Kot, Urin oder Speichel von Nagetieren verunreinigt ist.
- Die krankmachenden Viren stammen zum Beispiel von der Hirschmaus in Nordamerika und anderen Nagerarten in Südamerika.
- Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bisher nicht bekannt.
Risikofaktoren
- Arbeiten oder Schlafen in Gebäuden mit Mäuse- oder Rattenbefall, zum Beispiel Scheunen, Schuppen oder Wochenendhäuser
- Aufräumen oder Reinigen von lange ungenutzten Räumen, Schuppen oder Hütten
- Camping oder Wandern in Gebieten mit bekannten Hantavirus-Fällen
- Land- und forstwirtschaftliche Arbeiten in betroffenen Regionen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie nach möglichem Kontakt mit Nagetieren Fieber und Atemnot entwickeln, suchen Sie sofort eine Notaufnahme auf.
- Wenn Sie einen trockenen Husten bekommen, der sich mit Erstickungsgefühl anfühlt.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei anhaltenden grippeähnlichen Symptomen über mehrere Tage ohne Atemnot
- Wenn Sie vor einer Reise in ein Risikogebiet eine persönliche Einschätzung möchten.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach Ihren Beschwerden, Ihrer Reisegeschichte und möglichen Kontakten zu Nagetieren. Entscheidend ist, ob Sie sich in einem amerikanischen Risikogebiet aufgehalten haben. Danach wird Blut abgenommen.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung auf Antikörper gegen Hantaviren
- PCR-Test aus dem Blut, um das Erbgut des Virus nachzuweisen
- Blutgasanalyse, um den Sauerstoffgehalt im Blut zu messen
- Röntgen oder Computertomografie der Lunge, um Flüssigkeitsansammlungen zu erkennen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Wenn der Verdacht auf das Hantavirus-Lungensyndrom besteht, werden Sie in einem Krankenhaus behandelt. Dort überwachen die Ärztinnen und Ärzte Ihre Atmung engmaschig, denn sie kann sich innerhalb weniger Stunden verschlechtern.
Behandlung
Eine direkt gegen das Virus gerichtete Behandlung gibt es nicht. Die Therapie unterstützt vor allem die Atmung und den Kreislauf. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser stehen die Aussichten.
Selbsthilfe zu Hause
- Vollständige körperliche Ruhe, bis die Atemnot abklingt.
- Ausreichend Flüssigkeit trinken, am besten Wasser oder ungesüßten Tee.
- Auf Rauchen und Alkohol verzichten.
- Nehmen Sie keine Medikamente eigenmächtig ein – fragen Sie immer das medizinische Personal.
Medizinische Behandlungen
Im Krankenhaus kann Sauerstoff über eine Maske oder Nasenbrille gegeben werden. Ist die Atmung zu schwach, kann eine künstliche Beatmung auf der Intensivstation nötig sein. Zusätzlich unterstützen Ärztinnen und Ärzte den Blutdruck mit Medikamenten, zum Beispiel mit Kreislauf-stabilisierenden Mitteln.
Wann kommt eine Operation infrage?
Notwendig
Leben mit der Erkrankung
Auch eine milde Form der Erkrankung braucht Zeit. Der Körper erholt sich oft erst nach mehreren Wochen bis Monaten. Gehen Sie es langsam an und hören Sie auf die Signale Ihres Körpers.
Tipps für den Alltag
- Beginnen Sie mit kurzen Spaziergängen, solange Sie dabei normal atmen können.
- Planen Sie ausreichend Schlaf und Ruhepausen ein.
- Vermeiden Sie starke körperliche Anstrengung, bis die Lunge sich vollständig erholt hat.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und Obst unterstützt Ihre Genesung. Trinken Sie ausreichend Wasser oder Tee. Sport und anstrengende Bewegung sind erst nach Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin erlaubt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine schwere Lungenerkrankung kann Angst und Verunsicherung auslösen. Das ist völlig normal. Scheuen Sie sich nicht, mit Angehörigen oder einer psychologischen Beratungsstelle zu sprechen.
Vorbeugung
Ja, der beste Schutz ist, Kontakt mit Nagetieren zu vermeiden. Dazu gehören das Abdichten von Ritzen, die Lagerung von Lebensmitteln in geschlossenen Behältern und das gründliche Lüften von ungenutzten Räumen, bevor man sie betritt. Bei Reinigungsarbeiten in möglicherweise befallenen Räumen sollten Sie eine FFP2-Maske und Handschuhe tragen.
Impfungen
Es gibt derzeit keinen zugelassenen Impfstoff gegen das Hantavirus-Lungensyndrom. Deshalb sind Schutzmaßnahmen am wichtigsten.
Früherkennungsprogramme
Es ist nicht erforderlich, ohne Symptome auf Hantaviren zu testen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Flüssigkeitsansammlung in der Lunge, die zum Ersticken führen kann
- Schwerer Sauerstoffmangel mit Versagen von Organen
- Kreislaufschock, bei dem die Organe nicht mehr ausreichend durchblutet werden
Langzeitprognose
Mit frühzeitiger Behandlung in einem Krankenhaus überleben die meisten Menschen das Hantavirus-Lungensyndrom. Die Erholung kann dauern, aber viele Patienten erreichen eine vollständige Heilung. Moderne Intensivmedizin kann schwer betroffenen Menschen sehr gut helfen.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
- Weltgesundheitsorganisation (WHO) ↗
- Europäisches Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) ↗
Lokale Organisationen
- Robert Koch-Institut ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.