Hüftdysplasie – wenn das Hüftgelenk nicht richtig passt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Hüftdysplasie bedeutet, dass die Hüftgelenkspfanne zu flach ist. Dadurch sitzt der Oberschenkelkopf nicht fest genug in der Pfanne. Das Gelenk kann dadurch instabil werden. Ohne Behandlung kann eine Hüftdysplasie zu Verschleiß und Schmerzen führen. Bei Babys ist sie gut behandelbar.
Wichtige Fakten
- Die Hüftdysplasie ist die häufigste angeborene Fehlbildung des Hüftgelenks.
- Mit einer frühzeitigen Behandlung lassen sich bei Säuglingen meist Folgeschäden vermeiden.
- Auch wenn sie erst im Erwachsenenalter entdeckt wird, gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten.
Sie kommt bei etwa zwei bis vier Prozent aller Neugeborenen vor. Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen.
Hüftdysplasie tritt am häufigsten bei Säuglingen auf. Sie kann aber auch erst im Kindes-, Jugend- oder Erwachsenenalter auffallen. Dann zeigt sie sich oft durch Hüftschmerzen oder einen auffälligen Gang.
Symptome
- Plötzliche starke Hüftschmerzen und das Bein steht in einer unnatürlichen Stellung – das kann auf eine ausgekugelte Hüfte hinweisen.
- Starke Schmerzen in der Hüfte mit Fieber und dem Gefühl, das Bein nicht bewegen zu können – das kann auf eine Infektion hindeuten.
- Das Bein fühlt sich taub an oder ist blass – dann muss sofort gehandelt werden.
- ⚠Schmerzen, die über einige Tage nicht nachlassen
- ⚠Ein Kind weint stark, wenn die Hüfte bewegt wird
- ⚠Plötzliches Hinken oder das Unvermögen, ein Bein zu belasten
Häufige Symptome
- Schmerzen in der Hüfte, in der Leiste oder im unteren Rücken
- Ein hinkendes oder watschelndes Gangbild
- Eingeschränkte Beweglichkeit der Hüfte
- Anhaltendes Unwohlsein beim Liegen auf der betroffenen Seite
Symptome bei Kindern
- Bei Babys: Hautfalten an den Oberschenkeln sind ungleich
- Ein Bein wirkt kürzer als das andere
- Das Kind kann die Beine nicht weit spreizen
- Manchmal hört man ein Klickgeräusch, wenn das Bein bewegt wird
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Hüftschmerzen, besonders bei Belastung oder nach dem Aufstehen
- Steifheit der Hüfte am Morgen
- Schwierigkeiten, über eine Treppe zu steigen
- Nachlassende Kraft in den Beinen
Ursachen
Hauptursachen
- Die Hüftdysplasie ist meist angeboren. Die Hüftgelenkspfanne entwickelt sich im Mutterleib nicht richtig.
- Die genaue Ursache ist nicht immer bekannt. Es spielen mehrere Faktoren zusammen, zum Beispiel Erbanlagen und die Lage des Kindes im Mutterleib.
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht (Mädchen sind häufiger betroffen)
- Steißlage in der Schwangerschaft
- Hüftdysplasie bei einem Elternteil oder Geschwisterkind
- Erstgeborene, weil die Gebärmutter weniger Platz bietet
- Zu wenig Fruchtwasser während der Schwangerschaft
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie bei Ihrem Baby eines der Zeichen einer Hüftdysplasie bemerken, zum Beispiel ungleiche Hautfalten oder ein hörbares Klicken beim Bewegen.
- Wenn Ihr Kind hinkt oder über Hüftschmerzen klagt.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Alle Neugeborenen werden in Deutschland im Rahmen der U-Untersuchungen auf Hüftdysplasie gecheckt. Lassen Sie diese Untersuchungen unbedingt durchführen.
- Bei Erwachsenen mit anhaltenden Hüftschmerzen ist ein Termin bei der Hausärztin, beim Hausarzt oder bei einer Orthopädin oder einem Orthopäden sinnvoll.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach Beschwerden und untersucht die Hüfte. Bei Säuglingen wird die Hüfte vorsichtig bewegt und auf Auffälligkeiten geprüft. Bei Babys im ersten Lebensjahr ist eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) der Standard. Die Diagnostik folgt der S2k-Leitlinie der AWMF.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung: Die Ärztin oder der Arzt bewegt die Beine und prüft die Beweglichkeit und Stabilität des Hüftgelenks.
- Ultraschalluntersuchung der Hüfte (bei Säuglingen)
- Röntgenbild (bei Kindern ab etwa 6 Monaten und bei Erwachsenen)
- In unklaren Fällen: Magnetresonanztomografie (MRT) für eine detaillierte Darstellung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten. Bei Babys ist sie meist Teil der U-Untersuchung. Sie bekommen das Ergebnis direkt erklärt und können alle Fragen stellen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach dem Alter und der Schwere der Hüftdysplasie. Bei Babys wird meist mit einer Schiene oder einer Spreizhose behandelt, die das Hüftgelenk in eine stabile Position bringt. Ältere Kinder und Erwachsene profitieren oft von Physiotherapie. Manchmal ist auch eine Operation nötig.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßige physiotherapeutische Übungen zu Hause durchführen, die Ihnen eine Fachperson zeigt
- Gelenkschonende Bewegung wie Schwimmen oder Radfahren
- Auf Übergewicht achten, um das Hüftgelenk zu entlasten
- Schmerzmittel nur in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt einnehmen
Medizinische Behandlungen
Die konservative Therapie beinhaltet krankengymnastische Übungen und gegebenenfalls eine vorübergehende Entlastung. Entzündungshemmende Medikamente werden nur bei Schmerzen eingesetzt – immer in Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt. Bei Babys kommt eine Abspreizbehandlung infrage, bei der das Hüftgelenk über Wochen in einer Hüftbeugeschiene gehalten wird.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist meist nur dann nötig, wenn die konservative Behandlung nicht ausreicht oder wenn die Hüftdysplasie erst spät entdeckt wird. Es gibt verschiedene Operationen, zum Beispiel die Korrektur der Hüftpfanne (periazetabuläre Osteotomie) bei jüngeren Erwachsenen oder ein künstliches Hüftgelenk bei fortgeschrittenem Verschleiß.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer Hüftdysplasie lassen sich viele Aktivitäten gut gestalten. Wichtig ist, die Empfehlungen der Ärztinnen und Physiotherapeuten umzusetzen. Bei Babys und Kleinkindern ist die Behandlungsphase eine Zeit der Geduld. Tragen Sie Ihr Kind so, dass die Hüfte nicht überstreckt wird – zum Beispiel in der Anhock-Spreiz-Haltung (Froschhaltung).
Tipps für den Alltag
- Machen Sie regelmäßig gelenkschonenden Sport, am besten nach Rücksprache mit dem behandelnden Team.
- Vermeiden Sie starke Stoßbelastungen wie Springen oder Laufen auf hartem Boden.
- Wechseln Sie häufig die Sitzposition und vermeiden Sie langes Sitzen in derselben Haltung.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung hält das Körpergewicht im gesunden Bereich und unterstützt Knochen und Gelenke. Achten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D und Kalzium – aber nehmen Sie Nahrungsergänzungsmittel nur nach ärztlicher Empfehlung. Bewegung wie Walken, Radfahren oder Wassergymnastik kräftigt die Muskulatur um die Hüfte und hilft oft, Beschwerden zu lindern.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Hüftdysplasie kann – gerade bei längerer Behandlung – auch seelisch belasten. Eltern eines betroffenen Babys machen sich oft Sorgen. Es ist wichtig, über diese Sorgen zu sprechen und sich Hilfe zu holen, wenn die Belastung zu groß wird. Auch Erwachsene mit chronischen Schmerzen können Unterstützung erhalten, zum Beispiel durch psychologische Beratung oder Schmerzbewältigungskurse.
Vorbeugung
Eine Hüftdysplasie lässt sich nicht immer verhindern, weil sie oft angeboren ist. Früh erkannt und behandelt kann man schweren Folgen vorbeugen. Auch das Vermeiden eines zu engen Wickelns der Säuglingsbeine kann dazu beitragen, die Hüfte nicht in eine ungünstige Position zu bringen.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland wird bei allen Neugeborenen im Rahmen der U3-Untersuchung (zwischen der 4. und 6. Lebenswoche) ein Ultraschall der Hüfte empfohlen. Dies dient der Früherkennung einer Hüftdysplasie.
Komplikationen
Unbehandelt
- Vorzeitige Abnutzung des Hüftgelenks (Hüftarthrose) mit Schmerzen und eingeschränkter Beweglichkeit
- Eine bleibende Längenveränderung der Beine
- Einschränkung der Gelenkfunktion bis hin zu einer Verrenkung (Luxation)
- Dauerhafte Probleme beim Gehen und in der Beweglichkeit
Langzeitprognose
Die Aussichten sind in den meisten Fällen sehr gut. Bei Säuglingen führt die Behandlung mit einer Spreizschiene in etwa 9 von 10 Fällen zu einer normalen Entwicklung der Hüfte. Auch bei späterer Diagnose gibt es gute konservative und operative Möglichkeiten, um Schmerzen zu lindern und die Gelenkfunktion zu erhalten. Entscheidend ist, die Behandlung in einer spezialisierten Praxis oder Klinik durchführen zu lassen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 2. August 2026
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