Flugohr: Schmerz im Ohr bei Flugreisen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Flugohr ist ein medizinischer Begriff für Schmerzen oder Druckgefühl im Ohr, die durch schnelle Druckunterschiede in einem Flugzeug entstehen. Das Trommelfell, eine dünne Membran im Ohr, reagiert auf den Luftdruck. Steigt oder fällt der Druck schnell, kann sich das Trommelfell verformen und weh tun. In der Regel ist das harmlos und störend, kann aber manchmal zu Beschwerden führen, die behandelt werden müssen.
Wichtige Fakten
- Das Flugohr tritt am häufigsten beim Sinkflug auf, wenn der Flieger wieder sinkt.
- Durch Schlucken, Gähnen oder Bonbons lutschen kann der Druck im Ohr ausgeglichen werden.
- Die Beschwerden verschwinden meist kurz nach der Landung von selbst.
Ja, das Flugohr ist sehr häufig. Viele Menschen verspüren bei jedem zweiten oder dritten Flug ein Druckgefühl oder leichte Schmerzen in den Ohren, besonders wenn sie eine verstopfte Nase oder ein leichtes Unwohlsein haben.
Betroffen sind alle Altersgruppen, auch Kinder. Menschen mit Schnupfen, einer verstopften Nase, Allergien oder einer Erkältung sind häufiger betroffen. Auch Kinder und Babys haben empfindlichere Ohrtrompeten und reagieren daher öfter auf Druckänderungen.
Symptome
- Starke Schmerzen im Ohr, die auch nach der Landung anhalten
- Blut oder Flüssigkeit fließt aus dem Ohr
- Plötzlicher Hörverlust oder komplettes Taubheitsgefühl
- Schwindel mit Drehgefühl oder Gleichgewichtsstörungen
- Hohes Fieber mit Ohrenschmerzen nach einem Flug
- ⚠Ohrenschmerzen, die länger als zwei Tage anhalten
- ⚠Druck oder Dumpfheit im Ohr, die nach der Landung nicht weggehen
- ⚠Zusätzliche Anzeichen einer Erkältung oder Infektion, wie Schnupfen
- ⚠Ohrenschmerzen, die besonders abends oder nachts unangenehm sind
Häufige Symptome
- Druckgefühl im Ohr
- Leichte bis starke Ohrenschmerzen
- Hören ist gedämpft oder wie mit Watte
- Knacken oder Knistern im Ohr
- Ein Gefühl, als wäre das Ohr zu
Symptome bei Kindern
- Babys und Kleinkinder weinen oder ziehen sich ans Ohr
- Sie wirken unruhig oder angespannt, besonders beim Sinkflug
- Sie schlafen schlecht oder haben wenig Appetit während des Flugs
- Kinder sagen vielleicht, dass das Ohr ‚zugeht' oder ‚wehtut'
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verstärktes Druckgefühl, weil der Druckausgleich im Alter schlechter klappt
- Schwerhörigkeit oder das Gefühl, dass das Ohr zu ist, kann länger anhalten
- Bei bestehenden Ohrproblemen können die Beschwerden stärker wahrgenommen werden
Ursachen
Hauptursachen
- Schneller Luftdruckwechsel beim Start oder Landung
- Eine verstopfte Ohrentrompete (Eustachische Röhre), zum Beispiel durch Schnupfen, Erkältung oder Allergie
- Eine Beeinträchtigung des Druckausgleichs durch vergrößerte Rachenmandeln oder Polypen
- Zu starkes Schlafen oder bewusstes Zuhalten des Ohres während des Sinkflugs
Risikofaktoren
- Erkältung oder Grippe während der Flugreise
- Schnupfen oder Allergie mit verstopfter Nase
- Kleinkind oder Baby
- Vorbestehende Ohrerkrankungen, wie Mittelohrentzündungen oder ein Tubenkatarrh
- Ungünstige Gewohnheiten beim Fliegen, wie Neigen des Kopfes im Landeanflug
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn das Ohr sehr stark schmerzt und die Schmerzen nicht aufhören
- Wenn Sie nach der Landung plötzlich stark schlechter hören oder sogar taub sind
- Wenn Flüssigkeit oder Blut aus dem Ohr austritt
- Wenn Fieber oder Schwellungen hinter dem Ohr auftreten
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn das Druckgefühl nach einem Flug mehrere Tage lang anhält
- Wenn Sie neben den Ohrenschmerzen noch eine Nasennebenhöhlenentzündung oder eine Mittelohrentzündung vermuten
- Wenn Sie häufiger Flugohren haben und möchten, dass die Ursachen (wie eine verstopfte Tuba) genauer untersucht werden
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt schaut mit einem feinen Instrument, dem Otoskop, ins Ohr. Damit sieht man das Trommelfell und erkennt, ob es durch den Druck geschädigt ist. Bei manchen Menschen wird auch die Funktion der Ohrentrompete überprüft, zum Beispiel mit einem speziellen Test namens Tympanometrie.
Mögliche Untersuchungen
- Ohrenspiegel (Otoskopie) – die Ärztin/der Arzt schaut ins Ohr
- Tympanometrie – ein kleiner Test, der den Druck im Ohr misst
- Hörtest (Stimmgabel- oder Reintonaudiometrie), wenn das Hören beeinträchtigt ist
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung dauert meist nur wenige Minuten und ist nicht schmerzhaft. Nach der Untersuchung erklärt die Ärztin oder der Arzt, ob das Trommelfell gereizt, geschwollen oder verletzt ist. Sie bekommen dann verständliche Hinweise, wie Sie die Beschwerden lindern können.
Behandlung
Meist reicht einfache Selbsthilfe, um das Flugohr zu behandeln. Ziel ist es, den Druck im Ohr wieder auszugleichen. Wenn eine Infektion oder eine Verletzung des Trommelfells vorliegt, kann eine ärztliche Behandlung nötig sein.
Selbsthilfe zu Hause
- Schlucken oder Gähnen Sie häufig, zum Beispiel mit einem Glas Wasser oder beim Essen
- Lutschen Sie Bonbons oder kaugummikauen Sie während des Sinkflugs
- Machen Sie spezielle Druckausgleichsübungen: Nase zuhalten, Mund schließen und sanft durch die Nase Luft ausprobieren (sog. Valsalva-Manöver)
- Neigen Sie beim Landeanflug den Kopf zur Seite und versuchen Sie, den Kiefer zu bewegen
- Bei Babys und Kleinkindern: Geben Sie eine Flasche oder einen Schnuller, das fördert das Schlucken
Medizinische Behandlungen
Wenn eine starke Schwellung der Schleimhaut in der Ohrentrompete vorliegt, können abschwellende Medikamente eingesetzt werden. Die Ärztin oder der Arzt kann Ihnen solche Mittel empfehlen – sie wirken auf die Schleimhäute und erleichtern den Druckausgleich. Antibiotika werden nur verschrieben, wenn sich zusätzlich eine Mittelohrentzündung entwickelt hat. Es ist wichtig, solche Medikamente nicht ohne ärztlichen Rat einzunehmen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur sehr selten nötig. Wenn das Ohr häufig stark unter Drucksteht und ein chronisches Problem in der Ohrentrompete besteht, kann eine kleine Operation erwogen werden. Dabei wird manchmal ein Mini-Schläuchchen (Paukenröhrchen) ins Ohr gelegt. Dieses wird von Hals-Nasen-Ohren-Ärzten nach gründlicher Beratung bei bestimmten Fällen durchgeführt.
Leben mit der Erkrankung
Bei gelegentlichen Beschwerden im Alltag hilft es, den Druckausgleich aktiv zu unterstützen. Achten Sie darauf, bei Allergien die Nase freizuhalten, und vermeiden Sie Flugreisen bei starkem Schnupfen, wenn es sich einrichten lässt. Die meisten Menschen haben nach dem Flug wieder sehr schnell ein normales Gehör und keine Schmerzen.
Tipps für den Alltag
- Vermeiden Sie bei Erkältung oder starkem Schnupfen wenn möglich das Fliegen
- Nutzen Sie Nasensprays oder andere abschwellende Maßnahmen nur nach Rücksprache mit der Apotheke oder dem Arzt
- Versuchen Sie beim Fliegen wach zu bleiben, besonders während des Sinkflugs – so können Sie besser schlucken und Druckausgleich machen
- Planen Sie bei Langstreckenflügen Pausen ein, die Ihnen erlauben, sich in der Kabine zu bewegen und zu schlucken
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine spezielle Diät, die das Flugohr verhindert. Ausreichend Wassertrinken ist sinnvoll, da trockene Kabinenluft die Schleimhäute austrocknen kann. Bewegung im Alltag und regelmäßiger Ausgleichssport halten den ganzen Körper fit – das unterstützt auch die Durchblutung der Schleimhäute und damit die Funktion der Ohrentrompete.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Anhaltende Ohrenschmerzen oder ein eingeschränktes Hörvermögen können belasten und Unruhe auslösen. Das ist verständlich. Wenn die Beschwerden Sie nervös machen oder den Flug (oder das Wochenende danach) stark stören, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Manchmal hilft schon eine realistische Einschätzung darüber, wann wieder alles normal ist. Bei anhaltendem emotionalem Stress können Sie auch mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt über Entlastungsmöglichkeiten sprechen.
Vorbeugung
Ja, häufig lässt sich das Flugohr vermeiden oder stark abschwächen. Der wichtigste Punkt ist, während des Landeanflugs wach zu sein und aktiv den Druckausgleich zu fördern. Wer zu Erkältungen neigt, kann sich vor dem Flug mit einer verstopften Nase ärztlich beraten lassen – manchmal ist dann ein Aufschub der Reise besser für die Ohren.
Impfungen
Es gibt keine Impfung, die Flugohr direkt verhindert. Allerdings schützt die Grippeimpfung vor einer Influenza-Infektion, die oft mit Schnupfen und Tubenproblemen einhergeht. Auch eine Pneumokokken-Impfung können Sie mit der Hausärztin oder dem Hausarzt besprechen, insbesondere wenn Sie zu Mittelohrentzündungen neigen – dies dient der allgemeinen Prävention, nicht dem Flugohr selbst.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei wiederholtem starken Druckwechsel kann sich das Trommelfell entzünden
- Ein Riss im Trommelfell kann auftreten, wenn der Druckunterschied sehr groß ist
- Durch einen Riss können Bakterien eindringen und eine Mittelohrentzündung verursachen
- In seltenen Fällen kann es zu einer dauerhaften Hörminderung kommen, wenn sich Narben am Trommelfell bilden
Langzeitprognose
Der Ausblick ist insgesamt sehr gut. Die meisten Menschen erholen sich nach ein paar Stunden oder Tagen vollständig. Selbst bei einer Trommelfellverletzung heilt diese oft von allein, ohne dass eine Therapie nötig ist. Wenn Sie aufmerksam mit Ihren Ohren umgehen und bei anhaltenden Beschwerden rechtzeitig ärztlichen Rat einholen, sind schwere Folgen sehr selten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 2. August 2026
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