Präeklampsie – Anzeichen, Behandlung und Alltag
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Präeklampsie ist eine Erkrankung, die während der Schwangerschaft auftreten kann. Der Blutdruck steigt stark an, und im Urin findet sich Eiweiß. Früher wurde sie auch ‚Schwangerschaftsvergiftung‘ genannt, aber das ist nicht wörtlich zu verstehen: Es handelt sich nicht um eine Vergiftung von außen, sondern um eine Reaktion des Körpers auf die Schwangerschaft. Die Erkrankung betrifft die Versorgung mit der Plazenta (Mutterkuchen) und kann Mutter und Kind gefährden. Wenn sie rechtzeitig erkannt wird, ist sie gut behandelbar.
Wichtige Fakten
- Präeklampsie tritt meist erst in der zweiten Schwangerschaftshälfte auf, also nach der 20. Schwangerschaftswoche.
- Sie kann auch nach der Geburt auftreten, meist innerhalb der ersten 48 Stunden.
- Die einzige endgültige Behandlung ist die Entbindung. Bis dahin wird die Schwangerschaft engmaschig überwacht.
Ja. Bei etwa 2 bis 5 von 100 Schwangeren tritt eine Präeklampsie auf. Sie ist eine der häufigsten Schwangerschaftskomplikationen.
Präeklampsie betrifft schwangere Frauen, meist ab der 20. Schwangerschaftswoche. Auch nach der Geburt kann sie auftreten. Bestimmte Umstände erhöhen das Risiko, zum Beispiel eine erste Schwangerschaft, eine Zwillingsschwangerschaft oder vorbestehender hoher Blutdruck.
Symptome
- Krampfanfall (Eklampsie)
- Bewusstlosigkeit oder starke Verwirrtheit
- Starke Kopfschmerzen, die nicht nachlassen
- Sehverlust oder plötzlich stark eingeschränktes Sehen
- Atemnot
- Sehr starke Schmerzen im Oberbauch
- Wenn Sie das Gefühl haben, dass es Ihnen sehr schlecht geht, rufen Sie sofort den Notruf 112 an.
- ⚠Neu aufgetretener oder deutlich erhöhter Blutdruck zu Hause (über 140/90 mmHg) – noch am selben Tag ärztlichen Rat holen
- ⚠Neue oder starke Schwellungen im Gesicht oder an den Händen
- ⚠Plötzliche Gewichtszunahme von mehr als einem Kilogramm pro Woche
- ⚠Schmerzen im Oberbauch ohne klaren Grund
- ⚠Starke Kopfschmerzen, die nicht besser werden – sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Hebamme, bevor Sie Schmerzmittel einnehmen
Häufige Symptome
- Blutdruck über 140/90 mmHg, gemessen durch medizinisches Personal
- Eiweiß im Urin, das bei der Vorsorgeuntersuchung festgestellt wird
- Wassereinlagerungen (Ödeme), besonders an Händen, Füßen und im Gesicht
- Kopfschmerzen, die nicht verschwinden
- Sehstörungen wie Blitzen, Flimmern oder verschwommenes Sehen
- Schmerzen im rechten Oberbauch oder unter den Rippen
- Neu auftretende Übelkeit oder Erbrechen
- Allgemeines Unwohlsein oder das Gefühl, dass etwas nicht stimmt
Symptome bei Kindern
- Nicht anwendbar. Präeklampsie betrifft die schwangere Frau. Das ungeborene Kind kann jedoch durch eine verminderte Durchblutung der Plazenta in Mitleidenschaft gezogen werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Nicht anwendbar. Diese Erkrankung tritt nur während einer Schwangerschaft auf.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Eine wichtige Rolle spielt der Mutterkuchen (Plazenta). Bei Präeklampsie ist die Einnistung und Durchblutung der Plazenta gestört. Dadurch werden bestimmte Substanzen an das Blut der Mutter abgegeben, die die Gefäße verengen und den Blutdruck erhöhen.
- Es handelt sich um eine Überreaktion des Körpers auf die Schwangerschaft – nicht um eine Vergiftung von außen.
Risikofaktoren
- Erste Schwangerschaft
- Präeklampsie in einer früheren Schwangerschaft
- Schwangerschaft mit Zwillingen oder Mehrlingen
- Vorbestehender Bluthochdruck oder Nierenerkrankung
- Familienmitglieder, die eine Präeklampsie hatten
- Alter über 40 Jahre
- Starkes Übergewicht (Adipositas)
- Schwangerschaft nach künstlicher Befruchtung
- Bestimmte Autoimmunerkrankungen, zum Beispiel Lupus
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen starken Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Schmerzen im Oberbauch sollten Sie sofort ärztliche Hilfe suchen. Wenn die Beschwerden schwerwiegend sind, rufen Sie den Notruf 112 an.
- Wenn Sie zu Hause einen Blutdruck über 140/90 mmHg messen und sich unwohl fühlen, wenden Sie sich umgehend an Ihre Frauenärztin, Ihre Hebamme oder die nächste Geburtsklinik.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Nehmen Sie alle Vorsorgetermine in der Schwangerschaft wahr. Dort werden Blutdruck und Urin regelmäßig kontrolliert.
- Wenn Sie zu Hause Blutdruck messen möchten, besprechen Sie das vorher mit Ihrer Ärztin oder Hebamme – sie zeigt Ihnen, wie es richtig geht.
Diagnose
Die Diagnose wird von einer Ärztin oder einem Arzt gestellt. Grundlage sind der Blutdruck, die Untersuchung des Urins und weitere Blutuntersuchungen. Bei der Schwangerschaftsvorsorge werden diese Werte regelmäßig geprüft. Wenn ein Verdacht besteht, werden zusätzliche Tests im Krankenhaus durchgeführt.
Mögliche Untersuchungen
- Mehrfache Blutdruckmessung im Ruhezustand
- Urinuntersuchung auf Eiweiß (Urinteststreifen oder 24-Stunden-Sammelurin)
- Blutuntersuchung auf Leberwerte, Nierenwerte und Blutplättchen
- Ultraschall des ungeborenen Kindes und der Plazenta (einschließlich Dopplersonografie zur Beurteilung des Blutflusses)
- Cardiotokografie (CTG) zur Überwachung der Herztöne des Kindes
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Wenn Sie den Verdacht auf Präeklampsie haben, kann es sein, dass Sie zur Beobachtung ins Krankenhaus eingewiesen werden. Dort werden Sie engmaschig überwacht, bis die Ärztinnen und Ärzte entscheiden, ob und welche Behandlung nötig ist. Sie haben jederzeit das Recht, Fragen zu stellen und verstehen die Schritte ausführlich erklärt zu bekommen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich danach, wie schwer die Präeklampsie ist und wie weit die Schwangerschaft fortgeschritten ist. Ziel ist es, die Schwangerschaft möglichst lange zu erhalten, aber das Risiko für Mutter und Kind so gering wie möglich zu halten. Bei einer leichten Präeklampsie reichen oft Ruhe und regelmäßige Kontrollen. Bei schwerer Präeklampsie ist eine Behandlung im Krankenhaus notwendig. Die einzige ursächliche Therapie ist die Entbindung des Kindes.
Selbsthilfe zu Hause
- Schonen Sie sich und legen Sie sich immer wieder hin. Die linke Seitenlage kann den Blutfluss zur Plazenta verbessern.
- Trinken Sie ausreichend Wasser, wenn Ihr Behandlungsteam nichts anderes empfiehlt.
- Vermeiden Sie Stress und anstrengende körperliche Aktivität.
- Messen Sie den Blutdruck nur, wenn es Ihnen aufgetragen wurde, und notieren Sie die Werte.
- Nehmen Sie keine Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel oder pflanzliche Mittel ohne Rücksprache ein.
Medizinische Behandlungen
Die medizinische Behandlung umfasst in der Schwangerschaft die Gabe von Blutdruck senkenden Medikamenten, die für Schwangere geeignet sind. In der Klinik können Frauen mit schwerer Präeklampsie Medikamente zur Vorbeugung von Krampfanfällen erhalten. Wenn das Kind früher geboren werden muss, können Medikamente gegeben werden, um die Lungenreifung des ungeborenen Kindes zu unterstützen. Alle Medikamente werden individuell ausgewählt und streng überwacht. Sie dürfen niemals ohne Rücksprache mit Ihrem Behandlungsteam etwas einnehmen, absetzen oder verändern.
Wann kommt eine Operation infrage?
Ein Kaiserschnitt ist nicht immer erforderlich. Wenn die Entbindung geplant wird, geschieht das aus medizinischen Gründen – etwa wenn die Präeklampsie schwer ist oder das Kind gefährdet wäre. Das Team bespricht mit Ihnen den besten Zeitpunkt und den sichersten Weg der Geburt.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Entbindung und Überwindung der akuten Phase ist die Nachsorge wichtig. Blutdruck und Urinwerte normalisieren sich meist innerhalb von einigen Wochen. In dieser Zeit sollten Sie sich ausreichend erholen und regelmäßig zu den Kontrollterminen gehen. Ihre Ärztin wird mit Ihnen besprechen, was Sie zu Hause beachten sollten.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung – ohne Salz zu stark einzuschränken, aber auch ohne besondere Ausschweifungen.
- Bewegen Sie sich moderat, zum Beispiel mit Spaziergängen, sobald Ihr Behandlungsteam das zulässt.
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und Ruhepausen.
- Verzichten Sie auf Rauchen und auf Alkohol.
Ernährung und Bewegung
Sie brauchen keine spezielle Diät zu halten. Empfohlen wird eine ausgewogene Ernährung mit Gemüse, Obst, Vollkorn und ausreichend Eiweiß. Leichte Bewegung wie Spazierengehen ist in der Schwangerschaft und nach der Geburt in Absprache mit Ihrem Team gut möglich. Extreme Diäten und Leistungssport sind nicht empfehlenswert.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Erkrankung wie Präeklampsie kann Angst, Sorge und Erschöpfung auslösen. Es ist völlig normal, sich nach der Erfahrung belastet zu fühlen. Sprechen Sie offen mit Ihrer Hebamme, Ihrer Ärztin oder Menschen, denen Sie vertrauen. Wenn die seelische Belastung sehr groß wird, kann eine psychologische Unterstützung helfen – sprechen Sie das bei der Nachsorge ruhig an. Falls Sie akut in eine schwere Krise geraten, wenden Sie sich an die nächstgelegene psychiatrische Notaufnahme oder rufen Sie den Notruf 112.
Vorbeugung
Eine Präeklampsie lässt sich nicht sicher verhindern. Wenn ein erhöhtes Risiko bekannt ist, können Ärztinnen und Ärzte unterstützende Maßnahmen besprechen und die Kontrollen intensivieren. Am wichtigsten ist, dass Sie alle Vorsorgeuntersuchungen nutzen – dann wird die Erkrankung früh erkannt.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland gehört die Blutdruck- und Urinmessung zur Mutterschaftsvorsorge. Es gibt außerdem Risikofragebögen und Bluttests, die in der frühen Schwangerschaft helfen können, ein erhöhtes Risiko einzuschätzen. Sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt in der Schwangerschaftsfrüherkennung an, wenn Sie wissen möchten, ob Ihr Risiko besonders ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Eklampsie – das ist ein Krampfanfall, der für Mutter und Kind lebensbedrohlich sein kann.
- HELLP-Syndrom – eine schwere Form der Präeklampsie mit Leber- und Blutgerinnungsstörungen.
- Vorzeitige Ablösung des Mutterkuchens (Plazentaablösung).
- Wachstumsverzögerung des ungeborenen Kindes (Unterversorgung).
- Nierenversagen bei der Mutter.
- Frühgeburt mit allen damit verbundenen Risiken für das Kind.
- Langfristig ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind gut, wenn die Präeklampsie früh erkannt und fachgerecht behandelt wird. Die meisten Frauen erholen sich nach der Entbindung vollständig. Auch für das Kind sind die Aussichten in einer Klinik mit spezialisierter Betreuung in der Regel günstig. Nach einer Präeklampsie ist die Betreuung in weiteren Schwangerschaften zwar intensiver, aber gut möglich. Ihr Behandlungsteam ist für Sie da – mit Rat, Begleitung und Kontrolle.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 2. August 2026
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