Speicheldrüsenkrebs: Informationen für Patientinnen und Patienten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Speicheldrüsenkrebs ist eine seltene Krebserkrankung, die in den Speicheldrüsen entsteht. Speicheldrüsen sind kleine Organe, die den Speichel produzieren, der den Mund feucht hält und beim Kauen und Schlucken hilft. Es gibt große Speicheldrüsen (z.B. Ohrspeicheldrüse, Unterkieferspeicheldrüse) und viele kleine, die in der Mundschleimhaut liegen. Krebs entsteht, wenn sich Zellen unkontrolliert vermehren und einen bösartigen Tumor bilden.
Wichtige Fakten
- Speicheldrüsenkrebs ist selten: Nur etwa 1 von 100.000 Menschen erkrankt pro Jahr daran.
- Die meisten Knoten in den Speicheldrüsen sind gutartig, also kein Krebs.
- Die Erkrankung ist nicht ansteckend.
- Eine frühe Behandlung erhöht die Chance auf Heilung deutlich.
Nein, Speicheldrüsenkrebs ist eine seltene Krebsart. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 100 bis 200 Menschen daran.
Speicheldrüsenkrebs kann in jedem Alter auftreten, wird aber häufiger bei Erwachsenen über 50 Jahren gefunden. Auch Kinder können betroffen sein, das ist aber sehr selten. Männer und Frauen erkranken etwa gleich häufig.
Symptome
- Plötzlich starke Atemnot
- Unkontrollierte Blutungen aus dem Mund oder Hals
- Bewusstlosigkeit oder plötzliche Lähmung des Gesichts
- ⚠Eine Gesichtslähmung, die plötzlich auftritt
- ⚠Eine sehr schnell wachsende Schwellung
- ⚠Starke Schmerzen im Gesicht oder Hals, die nicht aufhören
- ⚠Probleme beim Atmen oder Schlucken
Häufige Symptome
- Eine schmerzlose oder leicht schmerzhafte Schwellung im Wangen-, Kiefer- oder Halsbereich
- Ein Knoten, der sich fest anfühlt und nicht wegbewegt
- Taubheitsgefühl oder Kribbeln im Gesicht
- Schwäche oder Lähmung eines Gesichtsnervs (z.B. hängender Mundwinkel)
- Schmerzen im Ohr oder im Kiefer
- Schwierigkeiten beim Schlucken oder Mundöffnen
Symptome bei Kindern
- Eine Schwellung im Gesicht oder Hals, die nicht von alleine zurückgeht
- Sichtbare oder fühlbare Knoten in der Nähe des Kiefers oder Ohrs
- Schmerzen beim Öffnen des Mundes oder beim Kauen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Schwellungen im Gesicht oder Hals, die oft jahrelang bestehen und langsam wachsen
- Neue Taubheit oder Schwäche in einer Gesichtshälfte
- Probleme mit dem Tragen einer Zahnprothese, weil der Kiefer sich verändert
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache von Speicheldrüsenkrebs ist unbekannt.
- Als gesichert gilt, dass bestimmte Veränderungen im Erbgut (Mutationen) der Speicheldrüsenzellen zu unkontrolliertem Wachstum führen.
- Eine Rolle spielen können frühere Strahlenbehandlungen im Kopf-Hals-Bereich und einige Erbkrankheiten.
Risikofaktoren
- Zunehmendes Alter (über 50 Jahre)
- Frühere Strahlenbestrahlung im Kopf- oder Halsbereich
- Arbeitsplatz mit langjährigem Kontakt zu bestimmten Chemikalien (z.B. in der Metall-, Gummi- oder Asbestindustrie)
- Einige familiär gehäufte Erkrankungen, wie das Li-Fraumeni-Syndrom
- Nachgewiesene Infektionen mit bestimmten Viren (z.B. Epstein-Barr-Virus) können das Risiko erhöhen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei einer Gesichtslähmung: Suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe.
- Bei einer Schwellung, die sehr schnell wächst oder starke Schmerzen verursacht.
- Bei Blutungen aus dem Mund oder Hals.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Ein Knoten oder eine Schwellung im Gesicht, Hals oder im Mund, die länger als zwei Wochen bleibt.
- Neu auftretende Taubheit, Kribbeln oder Schwäche im Gesicht.
- Anhaltende Schmerzen im Ohr oder Kiefer.
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin untersucht den Knoten zuerst durch Tasten. Danach werden in der Regel bildgebende Verfahren und eine Gewebeprobe (Biopsie) eingesetzt, um festzustellen, ob es sich um Krebs handelt und wie weit er sich ausgebreitet hat.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschalluntersuchung – eine schmerzfreie Untersuchung mit Schallwellen
- Magnetresonanztomographie (MRT) – erstellt genaue Bilder des Kopf- und Halsbereichs
- Computertomographie (CT) – hilft, die Ausdehnung des Tumors zu beurteilen
- Feinnadelbiopsie – mit einer dünnen Nadel werden Zellen entnommen und im Labor untersucht
- Bei Bedarf: Speicheldrüsenendoskopie – ein dünner Schlauch mit Kamera wird über die Öffnung der Speicheldrüse in die Drüse geführt
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ihr Hausarzt wird Sie bei Verdacht auf einen Speicheldrüsentumor an ein spezialisiertes Zentrum (z.B. eine Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde oder Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie) überweisen. Dort werden die Untersuchungen durchgeführt und ein Behandlungsplan erstellt. Sie erhalten ausführliche Informationen und können Fragen stellen.
Behandlung
Die Behandlung von Speicheldrüsenkrebs wird individuell zusammengestellt. Sie hängt von der Art des Tumors, seiner Größe, seiner Lage und dem Ausbreitungsgrad ab. In der Regel kommt eine Operation als Hauptbehandlung zum Einsatz. Je nach Situation werden zusätzlich eine Strahlentherapie oder eine medikamentöse Therapie (z.B. Chemotherapie oder zielgerichtete Therapie) durchgeführt.
Selbsthilfe zu Hause
- Pflegen Sie eine gründliche Mundhygiene, besonders nach einer Operation oder Bestrahlung.
- Trinken Sie ausreichend, um den Mund feucht zu halten (z.B. Wasser, ungesüßte Tees).
- Sprechen Sie frühzeitig mit einem Ernährungsberater, wenn das Essen schwerfällt.
- Nehmen Sie Ihre Nachsorgetermine regelmäßig wahr.
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse Therapie umfasst in der Regel eine Chemotherapie, die das Wachstum der Krebszellen hemmt, oder zielgerichtete Medikamente, die bestimmte Eiweiße auf den Tumorzellen blockieren. Diese Therapien werden meist über eine Infusion verabreicht. Die genaue Auswahl ist von der Tumorart und dem Stadium abhängig. Sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam über alle Optionen und mögliche Nebenwirkungen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Die Operation ist die häufigste Behandlung. Dabei wird der Tumor vollständig entfernt. Bei größeren Tumoren kann ein Teil der Speicheldrüse oder die gesamte Drüse entfernt werden. In manchen Fällen müssen auch benachbarte Lymphknoten im Hals entfernt werden. Die Ärzte achten darauf, die umgebenden Nerven, insbesondere den Gesichtsnerv, so gut wie möglich zu schonen.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Behandlung kann das Leben mit Speicheldrüsenkrebs einige Veränderungen mit sich bringen. Manche Menschen haben trockenen Mund, Probleme beim Schlucken oder eine vorübergehende Schwäche des Gesichts. Es ist wichtig, sich Zeit zu geben und sich anfangs beruflich und privat zu entlasten. Viele Beschwerden bessern sich mit der Zeit.
Tipps für den Alltag
- Verzichten Sie auf das Rauchen – das verbessert die Durchblutung und Regeneration.
- Reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum, da Alkohol die Schleimhäute zusätzlich reizt.
- Achten Sie auf ein regelmäßiges Schlafmuster und ausreichend Erholungsphasen.
- Bleiben Sie in Kontakt mit Familie und Freunden – das unterstützt die seelische Gesundheit.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten stärkt das Immunsystem. Wenn das Schlucken schwerfällt, wählen Sie weiche, pürierte oder flüssige Nahrung. Beginnen Sie nach einer Operation oder Bestrahlung langsam mit leichter Bewegung, z.B. kurzen Spaziergängen. Hören Sie auf Ihren Körper und steigern Sie sich nach und nach.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose Krebs belastet viele Menschen seelisch. Angst, Traurigkeit und Unsicherheit sind normal. Es hilft, mit vertrauten Menschen darüber zu sprechen. Auch psychoonkologische Beratung oder Selbsthilfegruppen können eine wichtige Stütze sein. Sie sind nicht allein – scheuen Sie sich nicht, Unterstützung zu suchen.
Vorbeugung
Da die genaue Ursache von Speicheldrüsenkrebs unbekannt ist, gibt es keine sichere Methode, die Erkrankung zu verhindern. Sie können aber Ihr allgemeines Risiko senken, indem Sie Tabak und übermäßigen Alkohol vermeiden und auf schädliche Strahlung nur nach medizinischer Notwendigkeit achten. Wichtig ist, Veränderungen im Mund-, Kiefer- oder Halsbereich früh ärztlich abklären zu lassen.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Speicheldrüsenkrebs.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung speziell für Speicheldrüsenkrebs. Eine zahnärztliche Mundhöhleninspektion kann aber helfen, Veränderungen früh zu entdecken.
Komplikationen
Unbehandelt
- Der Tumor kann weiterwachsen und benachbarte Strukturen, wie Nerven, Kieferknochen oder Gefäße, zerstören.
- Krebszellen können über die Lymphbahnen in Lymphknoten und später in andere Organe (z.B. Lunge) streuen.
- Eine Gesichtslähmung könnte dauerhaft bleiben oder es können Schluck- und Atemprobleme entstehen.
Langzeitprognose
Die Heilungschancen sind bei Speicheldrüsenkrebs insgesamt gut, insbesondere wenn er früh erkannt und vollständig operativ entfernt wird. Viele Tumoren wachsen langsam. Auch bei fortgeschritteneren Tumoren gibt es wirksame Behandlungen, die lange Kontrolle ermöglichen. Ihr Behandlungsteam wird einen auf Sie abgestimmten Plan erstellen und Sie während der gesamten Zeit unterstützen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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