Ovarielles Überstimulationssyndrom (OHSS)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das Ovarielle Überstimulationssyndrom (OHSS) ist eine mögliche Reaktion der Eierstöcke auf Hormonbehandlungen, die bei einer künstlichen Befruchtung eingesetzt werden. Die Eierstöcke schwellen stark an und es kann Flüssigkeit aus den Blutgefäßen in den Bauchraum austreten. Das kann zu Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit und einem starken Völlegefühl führen.
Wichtige Fakten
- OHSS entsteht meist nach einer Hormonstimulation im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung.
- Eine leichte Überstimulation ist nicht selten und klingt meist von selbst wieder ab.
- Schwere Verläufe sind selten, können aber ernst sein und eine Behandlung im Krankenhaus nötig machen.
Eine leichte Form tritt bei etwa einem Drittel aller Stimulationszyklen auf. Schwere Formen sind selten und betreffen weniger als 5 von 100 Behandlungen.
Betroffen sind vor allem Frauen, die sich einer künstlichen Befruchtung unterziehen, also einer Stimulation der Eierstöcke mit Hormonen. Manche Frauen haben ein höheres Risiko, zum Beispiel bei polyzystischen Eierstöcken oder in jungem Alter.
Symptome
- Starke Atemnot oder das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen
- Sehr starke Bauchschmerzen, die nicht nachlassen
- Schnelle große Gewichtszunahme (mehrere Kilo in ein bis zwei Tagen)
- Deutlich weniger Urin als sonst oder gar keine Urinausscheidung
- Schwellung und Schmerzen in einem Bein, die auf ein Blutgerinnsel hinweisen können
- ⚠Anhaltende Übelkeit oder Erbrechen, sodass keine Flüssigkeit mehr aufgenommen werden kann
- ⚠Zunehmende Bauchschwellung mit starkem Unwohlsein
- ⚠Fieber
- ⚠Sich immer schlechter fühlende Allgemeinzustand
Häufige Symptome
- Schwellung und Spannungsgefühl im Bauch
- Bauchschmerzen
- Übelkeit und Erbrechen
- Durchfall
- Gewichtszunahme innerhalb weniger Tage
- Verminderte Urinmenge
Symptome bei Kindern
- Dieses Syndrom betrifft nur Frauen im gebärfähigen Alter, nicht Kinder.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Frauen nach den Wechseljahren sind nicht betroffen, da diese Behandlung in dieser Lebensphase nicht üblich ist.
Ursachen
Hauptursachen
- Hormonstimulation der Eierstöcke im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung
- Die Befruchtung und Einnistung des Embryos, die die Reaktion oft verstärken
- Das Hormon zur Auslösung des Eisprungs, das der Körper stark reagieren lässt
Risikofaktoren
- Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom)
- Junges Alter (unter 35 Jahren)
- Viele heranwachsende Eibläschen bei der Ultraschalluntersuchung
- Schlanker Körperbau
- Erhöhte Hormonspiegel während der Stimulation
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie starke Beschwerden haben, plötzlich mehrere Kilo zunehmen oder deutlich weniger Urin lassen, suchen Sie sofort eine Ärztin oder einen Arzt auf oder rufen Sie den Notruf 112.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie nach einer Stimulationsbehandlung anhaltende Bauchschmerzen oder Schwellungen haben, informieren Sie Ihre Kinderwunschklinik oder Ihre Hausärztin.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt spricht zunächst mit Ihnen, fragt nach Ihren Beschwerden und der durchgeführten Kinderwunschbehandlung. Anschließend wird der Bauch abgetastet und eine körperliche Untersuchung durchgeführt.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke
- Blutuntersuchung (zum Beispiel Blutbild, Nierenwerte, Elektrolyte)
- Urinuntersuchung zur Kontrolle der Nierenfunktion
- Messung von Gewicht und Bauchumfang
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel nicht schmerzhaft und geben schnell Aufschluss darüber, ob eine leichte oder schwere Form vorliegt. Bei einem schweren Verlauf kann eine Aufnahme ins Krankenhaus nötig sein.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich danach, wie stark die Beschwerden sind. Bei einer leichten Überstimulation reicht oft etwas Ruhe, ausreichend Trinken und die Beobachtung der eigenen Beschwerden. Bei schweren Verläufen wird die Frau im Krankenhaus überwacht und medizinisch unterstützt.
Selbsthilfe zu Hause
- Ausreichend trinken – Wasser oder Elektrolytgetränke in Absprache mit dem Arzt
- Schonen und körperliche Anstrengung vermeiden
- Weite Kleidung tragen, die nicht drückt
- Leichte Kost, Verzicht auf Alkohol und Koffein
Medizinische Behandlungen
Im Krankenhaus kann eine Infusion mit Flüssigkeit gegeben werden, um den Flüssigkeitshaushalt zu stabilisieren. Bei einer starken Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum kann eine Punktion – das Entfernen der Flüssigkeit mit einer dünnen Nadel – Linderung bringen. Außerdem werden Nierenfunktion, Blutdruck und Atmung überwacht. Es können Medikamente eingesetzt werden, die die Beschwerden und das Entzündungsgeschehen lindern. Die Behandlungsentscheidung trifft immer die Ärztin oder der Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
In seltenen Fällen, wenn sich ein Eierstock durch die starke Schwellung verdreht, kann eine Operation nötig sein, um den Eierstock zu retten. Dies ist ein Notfall und erfordert sofortige Hilfe.
Leben mit der Erkrankung
Bei einer Überstimulation ist Geduld wichtig. Der Körper braucht Zeit, um die Flüssigkeitsansammlung wieder abzubauen. Meist klingen die Beschwerden innerhalb von ein bis zwei Wochen ab, wenn keine Schwangerschaft eingetreten ist. Bei einer eingetretenen Schwangerschaft kann es etwas länger dauern.
Tipps für den Alltag
- Bewegung nur in Maßen, keine schweren Lasten heben
- Sich ausruhen, wann immer möglich
- Körperliche Warnzeichen ernst nehmen
Ernährung und Bewegung
Essen Sie leicht verdauliche Mahlzeiten, zum Beispiel Zwieback, Reis oder Bananen. Vermeiden Sie fettreiche und blähende Speisen. Trinken Sie regelmäßig, aber nicht übermäßig viel – genauere Mengen empfiehlt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Sportliche Belastung ist in der akuten Phase nicht sinnvoll.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Beschwerden können belastend sein, gerade wenn sie zu einem ohnehin aufwühlenden Zeitpunkt einer Kinderwunschbehandlung dazukommen. Es ist völlig normal, dass man sich verunsichert fühlt und Sorgen macht. Sprechen Sie über Ihre Gefühle, mit Ihrem Partner oder mit Menschen, denen Sie vertrauen. Wenn die Belastung groß wird, scheuen Sie sich nicht, professionelle Unterstützung zu suchen.
Vorbeugung
Ganz verhindern lässt sich eine Überstimulation nicht, aber das Risiko lässt sich durch eine sorgfältige Überwachung während der Stimulation deutlich verringern. Ärztinnen und Ärzte passen die Behandlungsdosis individuell an und können in manchen Fällen den Zyklus abbrechen oder verschieben, um den Eierstöcken Zeit zur Erholung zu geben.
Früherkennungsprogramme
Bei Frauen mit erhöhtem Risiko werden häufigere Kontrollen durchgeführt. Dazu gehören eine Ultraschallmessung der Eibläschen sowie Blutentnahmen, um den Hormonspiegel zu prüfen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Nierenversagen
- Blutgerinnsel in Beinen oder Lunge
- Ansammlung von Flüssigkeit in Bauch- oder Brustraum mit Atemnot
- Verdrehung eines Eierstocks (Ovarialtorsion)
Langzeitprognose
Mit rechtzeitiger Behandlung ist die Prognose sehr gut. Die meisten Frauen erholen sich vollständig, und die Beschwerden klingen ab. Auch wenn ein Krankenhausaufenthalt nötig war, ist das Risiko für Langzeitschäden gering. Ihre Ärztinnen und Ärzte werden Sie eng begleiten, damit Ihre Kinderwunschreise so sicher und schonend wie möglich weitergeht.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
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