Konversionsstörung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Bei einer Konversionsstörung zeigen sich körperliche Beschwerden wie Lähmungen, Zittern oder Krampfanfälle, obwohl keine körperliche Ursache gefunden wird. Die Beschwerden hängen mit seelischen Belastungen zusammen und sind nicht absichtlich erzeugt.
Wichtige Fakten
- Die Symptome sind echt und nicht vorgetäuscht.
- Die Störung ist behandelbar – je früher, desto besser.
- Die Diagnose wird erst nach gründlicher Untersuchung gestellt.
Sie kommt bei etwa 5 bis 15 von 100.000 Menschen pro Jahr vor. In Hausarztpraxen ist sie keine Seltenheit.
Sie kann in jedem Alter beginnen, häufig tritt sie im jungen Erwachsenenalter auf. Frauen sind öfter betroffen als Männer.
Symptome
- Rufen Sie sofort die 112, wenn plötzlich Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen oder Bewusstlosigkeit auftreten – das kann ein Notfall sein.
- ⚠Symptome, die neu auftreten oder sich verschlimmern, sollten noch am selben Tag abgeklärt werden – zum Beispiel in einer Notaufnahme oder Hausarztpraxis.
Häufige Symptome
- Schwäche oder Lähmungserscheinungen in Armen oder Beinen
- Zittern oder unwillkürliche Bewegungen
- Gangstörungen
- Anfälle, die einem Krampfanfall ähneln
- Taubheitsgefühle oder Kribbeln
- Sehstörungen
- Probleme beim Sprechen
Ursachen
Hauptursachen
- Starke seelische Belastungen, wie Stress, Überforderung oder Konflikte
- Unbewusste Verarbeitung von belastenden Erlebnissen
- Das Gehirn "übersetzt" seelischen Druck in körperliche Symptome
Risikofaktoren
- Psychische Erkrankungen wie Angst oder Depression
- Belastende Lebensereignisse oder Traumata
- Hoher Leistungsdruck
- Fehlende Unterstützung im Umfeld
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie zum ersten Mal plötzliche Schwächen, Lähmungen, Anfälle oder Sehstörungen haben
- Wenn bestehende Symptome deutlich schlimmer werden
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei wiederkehrenden Beschwerden, die Sie beunruhigen, sprechen Sie bei Ihrem nächsten Arzttermin darüber
- Wenn Sie schon länger Symptome haben, ohne dass eine Ursache gefunden wurde
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt führt eine ausführliche Untersuchung durch, um körperliche Ursachen auszuschließen. Dabei orientieren sich Fachleute unter anderem an der AWMF-Leitlinie. Die Diagnose wird gestellt, wenn die Symptome zu bestimmten Mustern passen und keine organische Krankheit vorliegt.
Mögliche Untersuchungen
- Ausführliche körperliche Untersuchung
- Neurologische Untersuchung (Nerven, Reflexe, Bewegung)
- Blutuntersuchung
- Bildgebung wie Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfes
- Bei Anfällen: Elektroenzephalografie (EEG)
- Psychologische Befragung
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen dauern oft einige Wochen. Lassen Sie sich Zeit und stellen Sie Fragen, wenn etwas unklar ist. Die Befunde werden mit Ihnen besprochen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach den Beschwerden und wird meist gemeinsam von Hausärztin, Neurologie und Psychotherapie gestaltet. Ein wichtiger Teil ist es, die Diagnose zu verstehen und einen vertrauensvollen Umgang damit zu finden.
Selbsthilfe zu Hause
- Bewegung nach eigener Möglichkeit, zum Beispiel mit Physiotherapie oder sanften Spaziergängen
- Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung oder Atemübungen
- Sich regelmäßig Pausen gönnen
- Belastungen im Alltag abbauen
- Vertrauten Menschen von den Beschwerden erzählen
Medizinische Behandlungen
Es gibt keine spezifische Tablette für die Konversionsstörung. Je nach Beschwerden können Physiotherapie, Ergotherapie oder eine Psychotherapie helfen. Eine Ärztin oder ein Arzt wird mit Ihnen zusammen entscheiden, was am besten passt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei einer Konversionsstörung nicht angezeigt.
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag ist es hilfreich, sich kleine, erreichbare Ziele zu setzen. Feiern Sie auch kleine Fortschritte. Scheuen Sie sich nicht, Hilfe von Angehörigen oder Fachleuten anzunehmen.
Tipps für den Alltag
- Fester Schlafrhythmus
- Regelmäßige Tagesstruktur
- Pflege von Freundschaften
- Ausreichend Bewegung
- Alkohol und andere Substanzen vermeiden
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung unterstützen Körper und Psyche. Die Bewegung sollte an die Beschwerden angepasst sein – zum Beispiel Gehen, Schwimmen oder leichtes Krafttraining.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Erkrankung kann Unsicherheit, Ängste und Scham auslösen. Psychotherapeutische Unterstützung hilft, mit diesen Gefühlen umzugehen und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
Vorbeugung
Eine Konversionsstörung lässt sich nicht immer verhindern. Wer Stress regelmäßig abbaut, eigene Grenzen wahrnimmt und sich Unterstützung holt, kann das Risiko verringern.
Komplikationen
Unbehandelt
- Länger anhaltende Beschwerden
- Ausgeprägte Bewegungseinschränkungen
- Rückzug aus Alltag und Beruf
- Begleitende Depression oder Angststörung
Langzeitprognose
Die Aussichten sind oft gut. Viele Menschen erleben eine deutliche Besserung, besonders wenn die Behandlung frühzeitig beginnt und Betroffene Unterstützung erfahren. Die Störung ist kein Zeichen von Schwäche.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.