Trockene Augen: Ein hilfreicher Überblick
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Trockene Augen entstehen, wenn der Tränenfilm die Augenoberfläche nicht ausreichend befeuchtet. Dadurch kann das Auge brennen, jucken oder sich rötlich zeigen. Oft entsteht auch ein Gefühl, als hätte man Sand oder einen Fremdkörper im Auge.
Wichtige Fakten
- Der Tränenfilm besteht aus drei Schichten: Wasser, Öl und Schleim. Fehlt eine Schicht, wird das Auge trocken.
- Beim Blinzeln verteilt sich der Tränenfilm wieder gleichmäßig – bei Bildschirmarbeit blinzeln wir aber viel seltener.
- Trockene Augen sind in den meisten Fällen gut behandelbar, auch wenn es etwas Geduld braucht.
Ja, trockene Augen sind sehr häufig. Auch in Deutschland kennt fast jeder Zweite zumindest zeitweise solche Beschwerden. Meist sind sie harmlos, können aber das Wohlbefinden deutlich stören.
Betroffen sind vor allem ältere Menschen, besonders Frauen nach den Wechseljahren. Aber auch jüngere Menschen mit viel Bildschirmarbeit, Kontaktlinsenträger und Menschen mit bestimmten Grunderkrankungen wie Rheuma haben ein erhöhtes Risiko.
Symptome
- Rufen Sie sofort den Notruf 112, wenn Sie plötzlich auf einem Auge nichts mehr sehen.
- Wenn das Auge stark schmerzt und zusätzlich Übelkeit oder Kopfschmerzen auftreten.
- Wenn eine ätzende Flüssigkeit oder ein scharfes Objekt ins Auge gelangt ist – spülen Sie nur mit klarem Wasser, während Sie Hilfe holen.
- ⚠Suchen Sie noch am selben Tag eine augenärztliche Praxis oder eine Notfallambulanz auf, wenn das Auge gerötet und geschwollen ist und eitrig absondert.
- ⚠Wenn Sie einen Fremdkörper spüren, den Sie auch nach vorsichtigem Spülen nicht entfernen können.
- ⚠Wenn Sie trotz Augentropfen dauerhaft starke Beschwerden haben oder das Sehen schlechter wird.
Häufige Symptome
- Brennen, Kratzen oder Jucken in den Augen
- Rötung der Augen
- Gefühl, als wäre Sand oder ein Fremdkörper im Auge
- Verschwommene Sicht, die beim Blinzeln kurz besser wird
- Lichtempfindlichkeit
- Tränende Augen – das Auge produziert dann übermäßig viel wässrige Tränen als Reaktion auf die Trockenheit
Symptome bei Kindern
- Kinder reiben sich oft die Augen oder blinzeln überdurchschnittlich viel.
- Sie wirken müde oder haben Konzentrationsschwierigkeiten, etwa in der Schule.
- Manchmal tränen die Augen trotzdem, weil die gereizte Augenoberfläche nur wässrig tränt.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die Augen fühlen sich besonders morgens trocken und sandig an.
- Das Sehen ist zeitweise verschwommen, besonders beim Lesen oder am Computer.
- Oft bestehen zusätzliche Augenerkrankungen wie Alterssichtigkeit oder Grauer Star, die von der Trockenheit unterschieden werden müssen.
Ursachen
Hauptursachen
- Die Tränendrüsen produzieren nicht genug Tränenflüssigkeit – das passiert zum Beispiel bei manchen Medikamenten, Stress oder Entzündungen.
- Die Ölschicht des Tränenfilms fehlt, da die Lidranddrüsen verstopft sind. Dadurch verdunstet die Flüssigkeit zu schnell.
- Der Tränenfilm ist nicht richtig auf der Augenoberfläche verteilt – etwa wenn die Lidstellung verändert ist oder man selten blinzelt.
Risikofaktoren
- Alter über 50
- Weibliches Geschlecht, besonders nach den Wechseljahren
- Stundenlange Bildschirmarbeit
- Kontaktlinsen tragen, insbesondere weiche Linsen und Monatslinsen
- Trockene Raumluft durch Heizung oder Klimaanlage
- Rauchen
- Einige Medikamente, zum Beispiel bestimmte Mittel gegen Blutdruck, Allergien oder Depressionen – lassen Sie das ärztlich prüfen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzlicher Sehverlust oder starke Schmerzen – dann sofort den Notruf 112 rufen.
- Wenn das Auge gerötet und geschwollen ist, mit Eiter oder Ausfluss – das kann ein Notfall sein.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Beschwerden länger als mehrere Tage anhalten und Ihren Alltag stören.
- Wenn Sie schon Augentropfen aus der Apotheke ausprobiert haben, ohne dass es besser wird.
- Wenn Sie regelmäßig Augentropfen benötigen, um den Tag zu überstehen – dann sollte ein Arzt die Ursache abklären.
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin fragt nach Ihren Beschwerden, Ihrem Alltag und möglichen Risikofaktoren. Danach schaut er mit einer Spaltlampe auf die Augenoberfläche und die Lidränder. Dafür ist keine spezielle Vorbereitung nötig.
Mögliche Untersuchungen
- Tränenmenge: Der Arzt legt ein kleines Papierästchen für einige Minuten neben das Auge, um die Tränenproduktion zu messen.
- Tränenfilmaufrisszeit: Ein unbedenklicher Farbstoff wird ins Auge getropft. Der Arzt beobachtet, wie schnell der Tränenfilm zerfällt.
- Oberflächenfärbung: Der Farbstoff färbt trockene Stellen auf der Hornhaut deutlich an, sodass man sie genau erkennen kann.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert meist nur 10 bis 15 Minuten. Das Auge kann kurz brennen oder tränen – das ist normal. Wenn ein Farbstoff verwendet wurde, können die Augen vorübergehend leicht verfärbt sein, der Effekt verschwindet aber schnell.
Behandlung
Die Behandlung passt sich an die Ursache an: Oft reichen befeuchtende Augentropfen, die es als Tränenersatzmittel in der Apotheke gibt. Bei schwerer Trockenheit können zusätzlich entzündungshemmende Medikamente oder Maßnahmen zur Verbesserung der Lidrandfunktion helfen. Wichtig ist, die genaue Art der Trockenheit zu kennen.
Selbsthilfe zu Hause
- Augentropfen ohne Konservierungsstoffe mehrmals täglich anwenden – die Auswahl berät Sie in Ihrer Apotheke oder Ihr Arzt.
- Warme, feuchte Kompressen für 5 bis 10 Minuten auf die geschlossenen Augenlider legen – das hilft den Drüsen.
- Bei Bildschirmarbeit Pausen einlegen und bewusst blinzeln – eine Erinnerung per Smartphone kann helfen.
- Mindestens 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit am Tag trinken, sofern Ihr Arzt keine anderen Mengen empfiehlt.
- Für Luftfeuchtigkeit sorgen, besonders in beheizten Räumen.
- Augen vor Wind und Zugluft schützen, zum Beispiel mit einer Brille.
Medizinische Behandlungen
Wenn einfache Tropfen nicht ausreichen, verschreibt der Arzt manchmal ein Medikament, das die Tränenproduktion anregt oder eine Entzündung im Auge dämpft. Auch entzündete Lidränder lassen sich mit Lidpflege und speziellen Präparaten behandeln. Die Arztpraxis wird die genaue Behandlung individuell auswählen – dazu gehören auch Augensalben für die Nacht. Bei einigen Formen kann ein Verschluss der Tränenkanälchen helfen, sodass die vorhandene Tränenflüssigkeit länger im Auge bleibt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur selten nötig. Sie kann zum Beispiel bei einer Lidfehlstellung sinnvoll sein, wenn das Unterlid nach innen oder außen gedreht ist. Ein kleiner Eingriff kann die Lidstellung korrigieren und damit die Augenoberfläche besser schützen. Auch der Verschluss der Tränenkanälchen ist ein minimalinvasives Verfahren, das aber erst nach ausführlicher Beratung gemacht wird.
Leben mit der Erkrankung
In den Alltag können Sie einiges einbauen: Halten Sie Augentropfen griffbereit, trinken Sie ausreichend und sorgen Sie für Pausen am Arbeitsplatz. Mit der Zeit lernen Sie, was Ihren Augen gut tut – und was Sie meiden sollten, zum Beispiel langes Fernsehen in trockener Luft.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßig bewusst blinzeln, gerade bei Konzentration.
- Eine kleine Erinnerung am Computer einstellen, die an Blink- und Fernpausen erinnert.
- Bei trockener Heizungsluft eine Schale Wasser aufstellen oder einen Luftbefeuchter nutzen.
- Kontaktlinsenhygiene einhalten und gegebenenfalls auf Tageslinsen wechseln – fragen Sie Ihren Augenarzt.
- Schlafen Sie Ihren Augen zuliebe in einem nicht überheizten, dunklen und ruhigen Raum.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, gesunden Fetten und genügend Flüssigkeit unterstützt auch die Augen. Einige Studien deuten auf positive Effekte von Omega-3-Fettsäuren hin, etwa in fettem Fisch oder Leinsamen. Bewegung an frischer Luft hält die Durchblutung aufrecht und tut den Augen gut, wenn Sie dabei nicht direkt in den Wind schauen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Dauerhaft trockene Augen können Schlaf, Konzentration und Stimmung beeinträchtigen. Das ist eine echte Belastung. Wenn Sie merken, dass Sie darunter leiden, scheuen Sie sich nicht, es dem Arzt zu sagen. Auch der Austausch mit Angehörigen tut gut. Wenn Sie in eine akute Krise geraten oder Gedanken an Selbstverletzung haben, rufen Sie sofort den Notruf 112 oder suchen Sie eine psychiatrische Notaufnahme auf.
Vorbeugung
Ganz verhindern lässt sich das trockene Auge nicht immer, aber Sie können das Risiko und die Beschwerden deutlich senken: Blinzeln, Pausen, Flüssigkeit, Luftfeuchtigkeit und ein Verzicht auf Zigarettenrauch tragen viel dazu bei. Wenn Sie Kontaktlinsen tragen, sind Tageslinsen oft verträglicher.
Impfungen
Eine Impfung gegen trockene Augen gibt es nicht. Falls Sie zu anderen Erkrankungen geimpft werden, ist das aber unabhängig von der Augentrockenheit.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein routinemäßiges Screening nur für trockene Augen, aber bei einer Augenuntersuchung aus anderem Grund werden die Augenoberfläche und der Tränenfilm häufig mit beurteilt. Wenn Sie viel am Bildschirm arbeiten, sollten Sie einmal pro Jahr eine Augenuntersuchung machen – nutzen Sie dafür auch Angebote Ihres Arbeitgebers.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Hornhaut kann oberflächlich angegriffen und schmerzhaft werden.
- Es können sich Lidrandentzündungen oder Bindehautentzündungen wiederholen.
- In seltenen, schweren Fällen kann eine andauernde Trockenheit das Sehvermögen dauerhaft einschränken.
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung und ein wenig Geduld werden die Beschwerden in den allermeisten Fällen deutlich besser. Auch wenn manche Menschen dauerhaft Tropfen brauchen, ist das Leben mit trockenen Augen gut machbar. Nehmen Sie sich Zeit und suchen Sie sich ärztliche Hilfe – das ist der wichtigste Schritt.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 2. August 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.