Schwangerschaftsabbruch: Informationen für Patientinnen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Schwangerschaftsabbruch ist ein medizinischer Eingriff, der eine bestehende Schwangerschaft beendet. In Deutschland ist er unter bestimmten Bedingungen bis zur 12. Woche nach der Empfängnis möglich. Vor dem Abbruch ist eine Beratung in einer anerkannten Beratungsstelle vorgeschrieben, danach gilt eine Wartefrist von drei Tagen.
Wichtige Fakten
- In Deutschland ist ein Schwangerschaftsabbruch in den ersten zwölf Wochen nach der Empfängnis straffrei, wenn eine Pflichtberatung und die Wartefrist eingehalten wurden.
- Es gibt zwei sichere Methoden: die medikamentöse Abtreibung mit Tabletten und den chirurgischen Eingriff mit Absaugung.
- Ein Abbruch ist medizinisch sicher, wenn er von qualifiziertem Personal durchgeführt wird.
- Die Entscheidung für einen Abbruch ist sehr persönlich und braucht Zeit und Unterstützung.
Ja, in Deutschland werden jährlich etwa 100.000 Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. Es gehört damit zu den häufigeren gynäkologischen Eingriffen.
Ein Schwangerschaftsabbruch kann Frauen im gebärfähigen Alter betreffen, meist zwischen 20 und 40 Jahren. Auch jüngere Frauen und Mädchen können betroffen sein.
Symptome
- Nach einem Abbruch: sehr starke Blutungen (mehr als zwei Binden pro Stunde), Ohnmacht oder Kreislaufprobleme – rufen Sie sofort die 112.
- Nach einem Abbruch: hohes Fieber über 38,5 °C, starke Unterleibsschmerzen oder Schüttelfrost – auch das ist ein Notfall.
- ⚠Wenn Sie nach einem Abbruch nur leichte, aber zunehmende Schmerzen oder ungewöhnlichen Ausfluss bemerken, suchen Sie noch am selben Tag eine Ärztin oder einen Arzt auf.
- ⚠Wenn Sie während einer laufenden Schwangerschaft plötzlich Blutungen bekommen, sollten Sie ebenfalls am selben Tag ärztliche Hilfe suchen.
Häufige Symptome
- Ausbleiben der Periode
- Übelkeit, besonders am Morgen
- Spannungsgefühl in den Brüsten
- Müdigkeit und vermehrter Harndrang
Ursachen
Hauptursachen
- Die Frau fühlt sich nicht bereit für ein Kind.
- Gesundheitliche Probleme der Mutter können eine Schwangerschaft erschweren.
- Schwere Auffälligkeiten beim ungeborenen Kind.
- Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung oder in einer belastenden Lebenssituation.
Risikofaktoren
- Verhütungsfehler oder unsichere Verhütungsmethoden.
- Fehlende Aufklärung über Empfängnisverhütung.
- Sexuelle Gewalt oder Missbrauch.
- Schwierige soziale oder wirtschaftliche Lebensumstände.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Starke Blutungen, Fieber oder heftige Schmerzen in der Frühschwangerschaft oder nach einem Eingriff.
- Verdacht auf eine ungewollte Schwangerschaft, wenn Sie schnell Klarheit brauchen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie eine Schwangerschaft bestätigt haben möchten.
- Wenn Sie über einen Schwangerschaftsabbruch nachdenken und sich beraten lassen möchten.
- Wenn Sie Verhütungsmethoden besprechen möchten, um eine ungewollte Schwangerschaft zu vermeiden.
Diagnose
Eine Schwangerschaft wird durch einen Urintest oder einen Bluttest nachgewiesen. Die Ärztin oder der Arzt kann per Ultraschall die Schwangerschaftswoche bestimmen und kontrollieren, ob eine intakte Schwangerschaft in der Gebärmutter vorliegt.
Mögliche Untersuchungen
- Urin- oder Bluttest auf das Schwangerschaftshormon HCG.
- Ultraschalluntersuchung zur Bestimmung der Schwangerschaftsdauer.
- Beratungsgespräch in einer staatlich anerkannten Beratungsstelle.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Nach der Feststellung der Schwangerschaft werden Sie über alle Möglichkeiten informiert – das Austragen des Kindes, Adoption oder einen Abbruch. In Deutschland ist die Beratung vor einem Abbruch gesetzlich vorgeschrieben. Die Beratungsstelle stellt eine Bescheinigung aus, danach müssen Sie mindestens drei Tage warten, bevor der Eingriff durchgeführt werden darf. Für die medizinischen Schritte gelten die Empfehlungen der AWMF-Leitlinien.
Behandlung
In Deutschland stehen zwei sichere Methoden zur Verfügung: der medikamentöse Abbruch und der chirurgische Abbruch. Welche Methode am besten geeignet ist, hängt von der Schwangerschaftswoche, Ihrer Gesundheit und Ihren Wünschen ab. Alle Eingriffe werden von medizinischem Fachpersonal durchgeführt.
Selbsthilfe zu Hause
- Schonen Sie sich nach dem Eingriff für ein bis zwei Tage.
- Benutzen Sie Binden statt Tampons, um das Infektionsrisiko zu senken.
- Verzichten Sie für etwa zwei Wochen auf Geschlechtsverkehr, Schwimmen und Sauna.
- Wärme auf dem Unterleib (z.B. eine Wärmflasche) kann bei krampfartigen Schmerzen helfen.
Medizinische Behandlungen
Der medikamentöse Abbruch wird mit zwei verschiedenen Medikamenten durchgeführt, die die Schwangerschaft beenden und Kontraktionen der Gebärmutter auslösen. Diese Medikamente werden von der Ärztin oder dem Arzt verschrieben und je nach Schwangerschaftswoche entweder in der Praxis oder zu Hause eingenommen. Der chirurgische Abbruch erfolgt unter örtlicher Betäubung oder Kurznarkose. Dabei wird die Gebärmutterschleimhaut mit einer dünnen Absaugkanüle entfernt. Beide Methoden sind in Deutschland etabliert und sicher.
Wann kommt eine Operation infrage?
Ein chirurgischer Eingriff wird oft dann empfohlen, wenn die Schwangerschaft fortgeschrittener ist, wenn der medikamentöse Weg nicht möglich oder nicht gewünscht ist, oder wenn es medizinische Gründe gibt, die für eine schnelle Beendigung sprechen.
Leben mit der Erkrankung
Nach einem Abbruch erholt sich der Körper meist schnell. Sie können oft schon nach ein bis zwei Tagen wieder Ihrem Alltag nachgehen, sollten aber anstrengende Tätigkeiten für etwa eine Woche vermeiden. In der Regel setzt die nächste Monatsblutung nach vier bis sechs Wochen wieder ein.
Tipps für den Alltag
- Planen Sie nach dem Abbruch in Ruhe, welche Verhütungsmethode Sie in Zukunft nutzen möchten.
- Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über körperliche Aktivität und die Rückkehr zum Sport.
- Gönnen Sie sich Zeit für sich selbst und sprechen Sie mit vertrauten Menschen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt die Heilung. Leichte Bewegung wie Spazierengehen ist erlaubt, schweres Training oder Heben sollten Sie für etwa eine Woche vermeiden. Achten Sie auf viel Flüssigkeit.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Nach einem Schwangerschaftsabbruch können viele Gefühle auftreten – Erleichterung, Trauer, Verwirrung oder Schuld. Das ist normal. Wenn diese Gefühle lange anhalten oder Sie stark belasten, suchen Sie sich professionelle Unterstützung. Auch ein Gespräch mit einer Beratungsstelle kann helfen.
Vorbeugung
Eine ungewollte Schwangerschaft lässt sich durch zuverlässige Verhütung meist vermeiden. Es gibt verschiedene Methoden wie Pille, Spirale, Kondom oder natürliche Familienplanung. Eine Beratung bei der Gynäkologin oder beim Hausarzt hilft, die passende Methode zu finden.
Impfungen
Gegen bestimmte Ursachen von Gebärmutterhalskrebs gibt es eine Impfung (HPV-Impfung). Sie schützt indirekt die Fruchtbarkeit, beugt aber keiner Schwangerschaft vor.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt können sexuell übertragbare Infektionen erkennen, die die Fruchtbarkeit beeinträchtigen könnten. Besprechen Sie auch Ihren Verhütungswunsch bei diesen Terminen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Unbehandelte starke Blutungen können zu einem Kreislaufschock führen.
- Unbehandelte Infektionen der Gebärmutter können sich auf die Eileiter und Eierstöcke ausbreiten und langfristig die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.
- Anhaltende psychische Belastungen können sich ohne Unterstützung verschlimmern.
Langzeitprognose
Mit guter medizinischer Betreuung sind Komplikationen selten. Die meisten Frauen erholen sich körperlich und seelisch gut. Viele Frauen haben später eine gesunde Schwangerschaft und ein gesundes Kind. Es ist wichtig, auf den eigenen Körper zu hören und bei unerwarteten Beschwerden ärztliche Hilfe zu suchen.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.