Fehlgeburt (Abort) – Ursachen, Symptome und was jetzt hilft
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Fehlgeburt (medizinisch: Abort) ist das vorzeitige Ende einer Schwangerschaft innerhalb der ersten 20 Wochen. Meist passiert das in den ersten zwölf Wochen. Die Schwangerschaft endet von allein, das ungeborene Kind kann nicht überleben. Die Gebärmutter stößt das Schwangerschaftsgewebe ganz oder teilweise ab.
Wichtige Fakten
- Etwa 10–15 von 100 bestätigten Schwangerschaften enden in einer Fehlgeburt.
- Die häufigste Ursache ist eine zufällige Chromosomenveränderung des Embryos – sie ist nicht durch das Verhalten der Mutter bedingt.
- Blutungen in der Frühschwangerschaft sind nicht immer ein Zeichen einer Fehlgeburt.
- Die meisten Frauen können nach einer Fehlgeburt wieder gesund schwanger werden.
Ja. Fehlgeburten sind häufiger als angenommen. Schätzungsweise 10 bis 15 von 100 Schwangerschaften enden in einer Fehlgeburt. Viele Fehlgeburten ereignen sich sehr früh, oft bevor die Frau überhaupt von der Schwangerschaft weiß.
Fehlgeburten betreffen Frauen im gebärfähigen Alter. Das Risiko steigt mit dem Alter der Mutter: Frauen über 35 haben ein höheres Risiko als jüngere Frauen. Auch das Alter des Partners kann eine Rolle spielen. Fehlgeburten kommen in allen sozialen Schichten und Kulturen vor.
Symptome
- Starke Blutungen, die nicht aufhören (mehr als eine Binde pro Stunde)
- Starke Unterleibsschmerzen, die nicht nachlassen
- Fieber über 38 °C zusammen mit Blutungen
- Schwindel, Ohnmacht oder große Schwäche – das kann auf einen starken Blutverlust hinweisen
- ⚠Jegliche Blutung in der Frühschwangerschaft, um eine Fehlgeburt abzuklären
- ⚠Krampfartige Schmerzen, die länger als einen Tag anhalten
- ⚠Übel riechender Ausfluss oder Fieber – mögliche Zeichen einer Infektion
- ⚠Wiederholte Fehlgeburten (zwei oder mehr) zur weiteren Abklärung
Häufige Symptome
- Blutungen aus der Scheide – leicht bis stark, oft mit Gewebestücken
- Unterleibsschmerzen oder krampfartige Schmerzen
- Rückenschmerzen
- Nachlassen der typischen Schwangerschaftsbeschwerden wie Übelkeit oder Spannen der Brust
- Manchmal keine Symptome – die Fehlgeburt wird nur bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt
Symptome bei Kindern
- Nicht zutreffend. Fehlgeburten betreffen nur schwangere Frauen, keine Kinder.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Nicht zutreffend nach den Wechseljahren. Bei älteren Schwangeren (über 35) ist das Risiko erhöht. Die Schwangerschaft wird dann oft engmaschiger überwacht.
Ursachen
Hauptursachen
- Chromosomenfehler des Embryos – die häufigste Ursache
- Hormonelle Störungen der Mutter (zum Beispiel Gelbkörperschwäche)
- Anatomische Besonderheiten der Gebärmutter (zum Beispiel Myome oder Scheidewände)
- Schilddrüsen- oder Stoffwechselerkrankungen
- Bestimmte Infektionen in der Schwangerschaft
- Einnistungsstörungen nach künstlicher Befruchtung
Risikofaktoren
- Alter der Mutter über 35
- Frühere Fehlgeburten
- Rauchen, Alkohol oder Drogen in der Schwangerschaft
- Starkes Übergewicht oder starkes Untergewicht
- Schlecht eingestellter Diabetes oder Bluthochdruck
- Bestimmte Medikamente oder Umweltgifte
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Sehr starke Blutungen oder heftige Schmerzen – wenden Sie sich sofort an eine Notaufnahme oder rufen Sie 112 an.
- Fieber zusammen mit Blutungen oder übel riechendem Ausfluss
- Ohnmachtsgefühl oder Schwindel
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Jede Blutung während der Schwangerschaft, auch wenn sie leicht ist
- Wenn Sie unsicher sind, ob die Schwangerschaft noch besteht
- Zwei oder mehr Fehlgeburten in Folge – dann ist eine Ursachenforschung sinnvoll
- Wenn Sie nach einer Fehlgeburt eine neue Schwangerschaft planen
Diagnose
Bei einem Verdacht auf eine Fehlgeburt führt die Ärztin oder der Arzt ein Gespräch, tastet den Bauch ab und macht in der Regel einen Ultraschall durch die Scheide. Dabei wird geprüft, ob die Fruchthöhle und der Embryo sichtbar sind und ob ein Herzschlag da ist. Zusätzlich wird oft das Schwangerschaftshormon hCG im Blut gemessen. Wenn es nicht wie erwartet ansteigt oder abfällt, spricht das für eine Fehlgeburt.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschalluntersuchung (vaginale Sonographie) zur Darstellung der Gebärmutter und der Fruchthöhle
- Bluttest auf das Schwangerschaftshormon hCG
- Blutuntersuchung zur Bestimmung der Blutgruppe und möglicher Antikörper
- Bei wiederholten Fehlgeburten: Chromosomenanalyse des Gewebes oder Hormonstatus der Mutter
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung kann meist ambulant in der Frauenarztpraxis oder in einer Klinik erfolgen. Manchmal sind mehrere Kontrollen nötig, um den Verlauf sicher zu beurteilen. Die Ärztin oder der Arzt wird alle Befunde verständlich erklären und mit Ihnen besprechen, welche Schritte als Nächstes sinnvoll sind.
Behandlung
Die Behandlung hängt davon ab, ob die Fehlgeburt vollständig von selbst abgelaufen ist, wie weit die Schwangerschaft fortgeschritten war und wie es Ihnen gesundheitlich geht. Es gibt drei Grundsäulen: abwartendes Verhalten, medikamentöse Unterstützung oder ein kleiner Eingriff. Ihr medizinisches Team bespricht mit Ihnen die beste Option – immer mit Rücksicht auf Ihre Wünsche und Ihre Sicherheit.
Selbsthilfe zu Hause
- Wärme zum Beispiel mit einer Wärmflasche gegen Unterleibskrämpfe
- Ruhe und Schonung, solange die Blutung anhält
- Viel trinken, um den Kreislauf zu unterstützen
- Binden statt Tampons verwenden, um die Blutungsmenge gut zu beobachten
- Körperliche Anstrengung und Geschlechtsverkehr vermeiden, bis die Blutung vorbei ist
- Bei zunehmender Blutung oder Schmerzen zeitnah ärztliche Hilfe holen
Medizinische Behandlungen
Wenn die Gebärmutter das Schwangerschaftsgewebe nicht von allein vollständig ausstoßt, können Medikamente eingesetzt werden, die Wehen auslösen und die Ausstoßung unterstützen. Diese Medikamente werden von einer Ärztin oder einem Arzt verordnet und manchmal in der Klinik gegeben. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt erklärt Ihnen genau, welche Wirkung diese Medikamente haben und welche Nebenwirkungen möglich sind. Bitte nehmen Sie niemals ohne ärztliche Anweisung Medikamente ein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn starke Blutungen bestehen oder Gewebsreste in der Gebärmutter zurückbleiben, kann ein kleiner Eingriff notwendig sein. Dabei wird die Gebärmutter vorsichtig ausgeräumt – medizinisch spricht man von Ausschabung oder Saugkürettage. Der Eingriff erfolgt meist ambulant unter kurzer Narkose. Er ist schonend und die Erholungszeit meist kurz.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer Fehlgeburt braucht der Körper Zeit, um sich zu erholen. Die Blutung klingt meist innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Bereits nach zwei bis drei Wochen kann der Eisprung wieder stattfinden, sodass eine erneute Schwangerschaft möglich ist. Planen Sie für sich selbst ausreichend Erholung ein–körperlich und seelisch.
Tipps für den Alltag
- Auf Rauchen, Alkohol und Drogen verzichten – auch im Hinblick auf eine neue Schwangerschaft
- Koffein in Maßen, zum Beispiel höchstens zwei Tassen Kaffee am Tag
- Auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten achten
- Sanfte Bewegung wie Spaziergänge fördert das Wohlbefinden
- Nehmen Sie sich Zeit für Gespräche mit Ihrem Partner, Ihrer Familie oder Menschen Ihres Vertrauens
Ernährung und Bewegung
Eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung unterstützt die körperliche Regeneration. In den ersten zwei Wochen sollten Sie auf intensive Sportarten verzichten. Leichte Bewegung wie Spazierengehen ist in Ordnung, sobald Sie sich wohl fühlen. Achten Sie darauf, ausreichend zu trinken.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Fehlgeburt ist ein Verlust und kann tiefe Trauer, Schuldgefühle und Ängste auslösen. Diese Gefühle sind normal. Viele Frauen brauchen Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten. Es ist wichtig, sich diese Zeit zu geben und sich nicht unter Druck zu setzen. Wenn die seelische Belastung anhält oder den Alltag stark beeinträchtigt, ist professionelle Unterstützung sinnvoll. Auch das Gespräch mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt kann helfen.
Vorbeugung
Die häufigste Ursache einer Fehlgeburt – eine zufällige Chromosomenveränderung – lässt sich nicht verhindern. Sie können aber das Risiko senken, indem Sie auf Rauchen, Alkohol und Drogen verzichten, ein gesundes Körpergewicht anstreben und chronische Erkrankungen gut behandeln lassen. Folsäure schon vor der Schwangerschaft kann bestimmte Fehlbildungen verhindern. Wichtig: Machen Sie sich keine Vorwürfe, denn die meisten Fehlgeburten sind nicht durch Ihr Verhalten entstanden.
Impfungen
Impfungen vor einer Schwangerschaft können Infektionen verhindern, die eine Fehlgeburt auslösen können – zum Beispiel die Rötelnimpfung. Lassen Sie Ihren Impfstatus idealerweise vor einer geplanten Schwangerschaft überprüfen. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt berät Sie dazu.
Früherkennungsprogramme
Die regulären Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft mit Ultraschall können den Verlauf der Schwangerschaft überwachen. Sie verhindern keine Fehlgeburt, helfen aber, Probleme früh zu erkennen und richtig einzuordnen. Nach wiederholten Fehlgeburten gibt es weiterführende diagnostische Möglichkeiten – sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt darauf an.
Komplikationen
Unbehandelt
- Starke Blutungen mit hohem Blutverlust, die manchmal eine Bluttransfusion nötig machen
- Infektion der Gebärmutter (Endometritis), die sich ausbreiten kann
- Verwachsungen in der Gebärmutter (Asherman-Syndrom), die künftige Schwangerschaften erschweren können
- Unvollständige Ausstoßung des Gewebes, die eine medizinische Behandlung erfordert
Langzeitprognose
Die allermeisten Frauen erholen sich körperlich vollständig von einer Fehlgeburt. Seelisch ist jede Frau anders – manche trauern lange, andere verarbeiten das Erlebnis schneller. Eine Fehlgeburt bedeutet nicht, dass Sie keine gesunden Kinder bekommen können. Über 85 % der Frauen haben nach einer Fehlgeburt eine erfolgreiche Schwangerschaft. Lassen Sie sich Zeit, suchen Sie ärztliche Begleitung und vertrauen Sie darauf, dass Hoffnung berechtigt ist.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 2. August 2026
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