Akustikusneurinom
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Akustikusneurinom ist ein gutartiger (nicht bösartiger) Tumor, der an dem Nerv entsteht, der für das Hören und das Gleichgewicht zuständig ist. Er wächst meist sehr langsam und verursacht deshalb oft erst nach Jahren Beschwerden.
Wichtige Fakten
- Der Tumor ist gutartig und streut nicht in andere Körperteile.
- Er entsteht meist einseitig am Hör- und Gleichgewichtsnerv.
- Die häufigsten Anzeichen sind einseitige Hörminderung, Ohrgeräusche und Schwindel.
Ein Akustikusneurinom ist selten: Etwa 1 von 100.000 Menschen pro Jahr erkrankt daran.
Das Akustikusneurinom tritt am häufigsten im Alter zwischen 40 und 60 Jahren auf. Männer und Frauen sind ungefähr gleich häufig betroffen.
Symptome
- Plötzlicher, vollständiger Hörverlust auf einem Ohr
- Akute Gesichtslähmung oder Taubheit im Gesicht
- Plötzliche, sehr starke Kopfschmerzen mit Nackensteifigkeit
- Sehstörungen oder Doppelbilder
- Bei diesen Anzeichen sofort den Notruf 112 wählen!
- ⚠Neuer einseitiger Hörverlust, der nicht plötzlich auftritt
- ⚠Starker Schwindel mit Erbrechen
- ⚠Neu aufgetretenes Taubheitsgefühl im Gesicht
Häufige Symptome
- Einseitige Hörminderung oder Hörverlust, der sich schleichend entwickelt
- Ohrgeräusche (Tinnitus) auf einem Ohr
- Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen
- Druckgefühl oder Völlegefühl im betroffenen Ohr
- In späteren Stadien: Taubheitsgefühle im Gesicht oder Gesichtslähmung
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist ein Akustikusneurinom äußerst selten.
- Die Beschwerden können wie bei Erwachsenen auftreten, werden aber manchmal als Lern- oder Konzentrationsprobleme bemerkt.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen werden die Symptome leicht mit einer Altersschwerhörigkeit verwechselt.
- Zusätzlicher Schwindel oder ein einseitiges Ohrgeräusch können Hinweise sein.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist noch nicht bekannt.
- In den meisten Fällen entsteht der Tumor ohne erkennbaren Auslöser.
- Bei einer seltenen Erbkrankheit (Neurofibromatose Typ 2) treten beidseitige Akustikusneurinome gehäuft auf.
Risikofaktoren
- Eine familiäre Belastung mit Neurofibromatose Typ 2
- Eine frühere Bestrahlung des Kopfes (zum Beispiel wegen anderer Tumoren)
- Möglicherweise langjährige Lärmbelastung, aber der Zusammenhang ist nicht eindeutig belegt
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlicher Hörminderung oder Hörverlust innerhalb von 24 Stunden ärztliche Hilfe suchen.
- Bei neu aufgetretenem Schwindel mit Erbrechen.
- Bei Taubheitsgefühl oder Lähmung im Gesicht.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn ein Ohrgeräusch länger als einige Tage anhält.
- Wenn das Hören auf einem Ohr allmählich nachlässt.
- Bei wiederkehrendem Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen.
Diagnose
Der Arzt erkundigt sich zuerst nach den Symptomen und untersucht Ohren, Hörvermögen und Gleichgewicht. Bei Verdacht erfolgt eine Überweisung an eine Hals-Nasen-Ohren-Praxis (HNO).
Mögliche Untersuchungen
- Hörtest (Audiometrie), um die Hörfähigkeit zu messen
- Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes mit Kontrastmittel
- Gleichgewichtstest (Elektronystagmographie)
- In manchen Fällen Messung der Hirnstamm-Akustik (BERA)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ein MRT ist die sicherste Untersuchung, um ein Akustikusneurinom zu erkennen. Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert in der Regel 20 bis 30 Minuten. Sie müssen dabei nur still liegen.
Behandlung
Nicht jeder Tumor muss sofort behandelt werden. Bei kleinen, langsam wachsenden Tumoren genügt es oft, sie regelmäßig mit MRT zu kontrollieren („Wait-and-Scan“). In Deutschland orientieren sich die Entscheidungen an der Leitlinie der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften).
Selbsthilfe zu Hause
- Bei Hörminderung kann ein Hörgerät helfen – sprechen Sie mit einem Akustiker.
- Bei Schwindel können Sie mit einer Physiotherapie das Gleichgewicht trainieren.
- Vermeiden Sie zusätzlichen Stress, da er Ohrgeräusche verstärken kann.
Medizinische Behandlungen
Medikamente können nur Begleitsymptome wie Schwindel oder Übelkeit lindern. Eine spezielle medikamentöse Therapie, die den Tumor selbst zurückbildet, gibt es in Deutschland derzeit nicht. Zu den behandelnden Verfahren gehören die Strahlentherapie (Bestrahlung) und die Operation.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird vor allem dann empfohlen, wenn der Tumor groß ist, schnell wächst oder starke Beschwerden wie Druck auf das Gehirn verursacht. Ziel ist es, den Tumor möglichst vollständig zu entfernen und dabei den Hör- und Gesichtsnerv zu schonen.
Leben mit der Erkrankung
Das Leben mit einem Akustikusneurinom ist gut machbar, besonders wenn der Tumor klein ist. Planen Sie ausreichend Ruhepausen ein, nutzen Sie technische Hilfen wie Hörgeräte und halten Sie Ihre Kontrolltermine regelmäßig ein.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich vorsichtig, um Stürze bei Schwindel zu vermeiden.
- Schützen Sie Ihr Gehör vor lauten Geräuschen, zum Beispiel mit Gehörschutz.
- Sprechen Sie offen mit Familie und Freunden über Ihre Einschränkungen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung und leichte Bewegung wie Spazierengehen oder Radfahren unterstützen das allgemeine Wohlbefinden. Bei Gleichgewichtsstörungen sollten Sie Sportarten mit Sturzrisiko meiden und vorher mit Ihrem Arzt besprechen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein Hörverlust oder anhaltender Schwindel kann das seelische Gleichgewicht belasten. Es ist normal, sich manchmal unsicher, traurig oder ängstlich zu fühlen. Psychologische Unterstützung kann helfen, besser mit der Situation umzugehen.
Vorbeugung
Ein Akustikusneurinom lässt sich nicht gezielt verhindern, da die Ursache in den meisten Fällen unbekannt ist. Für die Allgemeinbevölkerung gibt es keine sinnvolle Vorsorgeuntersuchung.
Früherkennungsprogramme
Eine Früherkennungsuntersuchung ist nicht empfohlen. Wenn Sie eine familiäre Belastung mit Neurofibromatose Typ 2 haben, kann eine ärztliche Beratung zur regelmäßigen Kontrolle sinnvoll sein.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wenn der Tumor weiterwächst, kann er das Hörvermögen dauerhaft schädigen und das Gleichgewicht stören.
- Er kann benachbarte Nerven bedrängen, zum Beispiel den Gesichtsnerv – dann kann es zu Lähmungserscheinungen kommen.
- Sehr große Tumoren könnten auf das Gehirn drücken und gefährlich werden.
Langzeitprognose
Die Prognose ist in den meisten Fällen gut. Weil der Tumor sehr langsam wächst, verlaufen viele Erkrankungen über Jahre ohne größere Beschwerden. Mit regelmäßigen Kontrollen und einer angepassten Behandlung können die meisten Menschen ein weitgehend normales Leben führen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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