Akute Gallenblasenentzündung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Gallenblase ist ein kleines Organ unterhalb der Leber, das Gallenflüssigkeit speichert. Bei einer akuten Gallenblasenentzündung entzündet sich die Gallenblasenwand ganz plötzlich. Meist ist ein Gallenstein die Ursache, der den Ausgang der Gallenblase verstopft. Die Entzündung verursacht starke Schmerzen und muss rasch behandelt werden.
Wichtige Fakten
- In über 90 von 100 Fällen entsteht die Entzündung durch einen Gallenstein, der den Abfluss blockiert.
- Typisches Zeichen sind starke, anfallsartige Schmerzen im rechten Oberbauch.
- Mit schneller Behandlung ist die Erkrankung gut heilbar – sie kann aber ernst werden, wenn man zu lange wartet.
Ja, eine akute Gallenblasenentzündung ist in Deutschland keine seltene Erkrankung. Sie kommt besonders häufig bei Menschen vor, die Gallensteine haben.
Frauen sind öfter betroffen als Männer, meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr. Auch Menschen mit Übergewicht, Diabetes oder einer familiären Vorbelastung haben ein erhöhtes Risiko.
Symptome
- Rufen Sie sofort den Notruf 112, wenn plötzlich unerträgliche Bauchschmerzen auftreten.
- Hohes Fieber mit starkem Schüttelfrost.
- Gelbe Haut oder gelbe Augen.
- Zeichen eines Kreislaufzusammenbruchs, zum Beispiel kalte, feuchte Haut, schneller Puls und Unruhe.
- ⚠Anhaltende Schmerzen im rechten Oberbauch, die länger als zwei Stunden bestehen
- ⚠Wiederholtes Erbrechen, sodass Sie nichts bei sich behalten können
- ⚠Fieber über 38 Grad Celsius
- ⚠Ausstrahlende Schmerzen, die immer stärker werden
Häufige Symptome
- Starke Schmerzen im rechten Oberbauch, die wellenförmig kommen und gehen
- Schmerzen, die bis in den Rücken oder die rechte Schulter ausstrahlen
- Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit
- Fieber, oft mit Schüttelfrost
- Bei manchen Menschen gelbliche Haut oder gelbe Augen (Gelbsucht)
Symptome bei Kindern
- Bauchschmerzen, die das Kind oft nicht genau zeigen kann
- Übelkeit und Erbrechen
- Fieber ohne klaren Auslöser
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Eher unklare Beschwerden wie Verwirrtheit oder Abgeschlagenheit
- Fieber ohne starke Bauchschmerzen
- Appetitlosigkeit und Teilnahmslosigkeit
Ursachen
Hauptursachen
- In den meisten Fällen verschließt ein Gallenstein den Gang der Gallenblase. Dadurch staut sich die Galle und die Blase entzündet sich.
- Seltener verursachen Bakterien oder andere Erkrankungen die Entzündung.
- Sehr selten entsteht eine solche Entzündung ohne erkennbare Ursache.
Risikofaktoren
- Gallensteine – auch wenn sie bisher keine Beschwerden gemacht haben
- Weibliches Geschlecht
- Alter über 40 Jahre
- Übergewicht
- Rasche Gewichtsabnahme
- Schwangerschaft
- Diabetes mellitus
- Bestimmte blutbildende Erkrankungen, zum Beispiel Sichelzellanämie
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Suchen Sie noch am selben Tag eine Arztpraxis oder Notaufnahme auf, wenn Sie starke Schmerzen im rechten Oberbauch haben, besonders mit Fieber.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Vereinbaren Sie einen zeitnahen Termin, wenn Sie nach fettigen Mahlzeiten wiederholt Druckgefühl oder Schmerzen im Bauch spüren.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach Ihren Beschwerden und führt eine körperliche Untersuchung durch. Dabei tastet sie oder er den Bauch ab und hört den Bauch an. Zur Sicherung der Diagnose wird fast immer eine Ultraschalluntersuchung gemacht.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschall des Bauchs – zeigt Gallensteine, eine verdickte Gallenblasenwand und gestaute Gallenwege
- Blutentnahme – erhöhte Entzündungswerte und Leberwerte weisen auf eine Entzündung hin
- In unklaren Fällen: Computertomographie des Bauchs
- Bei Verdacht auf Steine in den Gallenwegen: Magnetresonanz-Cholangiopankreatikographie, eine besondere MRT-Aufnahme
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei und dauern nicht lange. Für die Blutuntersuchung ist keine besondere Vorbereitung nötig. Bei der Ultraschalluntersuchung liegen Sie bequem auf dem Rücken oder auf der Seite. Wenn Ihr Zustand stabil ist, können Sie danach nach Hause – oft ist aber ein kurzer Krankenhausaufenthalt geplant.
Behandlung
Die akute Gallenblasenentzündung wird in der Regel im Krankenhaus behandelt, weil sie zu schweren Komplikationen führen kann. Zuerst bekommen Sie Flüssigkeit über die Vene und Schmerzmittel. Oft wird auch ein Antibiotikum gegeben. Nach Abklingen der akuten Entzündung wird bei den meisten Betroffenen die Gallenblase entfernt.
Selbsthilfe zu Hause
- Halten Sie sich an die Anweisungen des Behandlungsteams.
- Ruhen Sie sich aus und nehmen Sie Schmerzmittel nur nach Rücksprache ein.
- Trinken Sie vorsichtig Wasser in kleinen Schlucken, wenn Ihnen übel ist.
- Beobachten Sie Ihren Bauch und melden Sie neue oder stärkere Schmerzen sofort.
Medizinische Behandlungen
Die genaue Behandlung hängt von der Schwere der Entzündung ab. Zusätzlich zu Schmerzmitteln kommen entzündungshemmende Medikamente und Antibiotika zum Einsatz, wenn eine Infektion besteht. Welche Medikamente in welcher Dosierung für Sie passen, entscheidet allein das medizinische Team. Manchmal reicht es, die Entzündung mit Flüssigkeit und Schmerzmitteln ausklingen zu lassen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Bei den meisten Patientinnen und Patienten wird die Gallenblase entfernt, oft nach einigen Tagen oder Wochen, wenn die akute Entzündung abgeklungen ist. Der Eingriff erfolgt meist minimal-invasiv über kleine Schnitte, auch Schlüssellochchirurgie genannt. In manchen Situationen, zum Beispiel bei sehr schwerer Entzündung, kann eine sofortige Operation oder ein Abwarten nötig sein. Das Operationsteam bespricht den Zeitpunkt individuell mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Menschen führen auch ohne Gallenblase ein völlig normales Leben. Die Leber bildet weiterhin Galle, die direkt in den Darm gelangt. Kurz nach der Operation kann der Stuhlgang weicher sein oder Sie müssen öfter zur Toilette. Das bessert sich in der Regel innerhalb weniger Wochen.
Tipps für den Alltag
- Nehmen Sie die Nachsorge-Termine in der Klinik oder beim Hausarzt wahr.
- Steigern Sie Ihre körperliche Aktivität langsam, zum Beispiel mit Spaziergängen.
- Vermeiden Sie in den ersten Wochen schweres Heben, wenn die Operation noch zurückliegt.
Ernährung und Bewegung
Eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten unterstützt Ihre Verdauung. Am Anfang nach der Operation können Sie fettreiche Speisen besser meiden oder auf mehrere kleine Mahlzeiten umsteigen. Einige Menschen vertragen sehr fettige Gerichte nicht mehr gut. Trinken Sie ausreichend Wasser und bewegen Sie sich regelmäßig, ohne sich zu überfordern.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine plötzliche Entzündung, eine Operation oder auch nur die Angst vor Komplikationen kann seelisch belasten. Es ist völlig normal, nach einer solchen Erfahrung verunsichert zu sein. Sprechen Sie offen mit Ihren Angehörigen oder Ihrem Hausarzt über Ihre Sorgen. Wenn die Belastung anhält, kann eine psychologische Beratung helfen.
Vorbeugung
Eine akute Gallenblasenentzündung entsteht meist aus Gallensteinen. Man kann das Risiko für Gallensteine verringern, aber nicht vollständig verhindern. Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht, vermeiden Sie extreme Diäten und bewegen Sie sich regelmäßig.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Entzündung kann sich auf die Leber oder umliegende Organe ausbreiten
- Es kann sich ein Abszess, also eine Eiteransammlung, bilden
- Die Gallenblase kann platzen
- Eine Bauchfellentzündung kann entstehen
- Ohne Behandlung kann sich eine Blutvergiftung entwickeln
Langzeitprognose
Mit einer rechtzeitigen Behandlung sieht die Prognose gut aus. Viele Menschen sind nach der Entfernung der Gallenblase vollständig beschwerdefrei. Wie bei jeder Operation gibt es Risiken, die das Behandlungsteam vorher genau mit Ihnen bespricht. Lassen Sie sich nicht entmutigen – die akute Gallenblasenentzündung ist gut behandelbar.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 2. August 2026
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