Akute Nierenschädigung: Wenn die Nieren plötzlich nicht mehr richtig arbeiten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Nieren sind zwei bohnenförmige Organe, die das Blut filtern und überschüssiges Wasser und Abfallstoffe als Urin ausscheiden. Bei einer akuten Nierenschädigung (auch akutes Nierenversagen genannt) verlieren die Nieren innerhalb von Stunden bis Tagen plötzlich diese Fähigkeit. Das kann dazu führen, dass sich Abfallstoffe und Flüssigkeit im Körper ansammeln. Eine akute Nierenschädigung ist ernst, aber oft vorübergehend, wenn sie schnell erkannt und behandelt wird.
Wichtige Fakten
- Die Krankheit kann Stunden bis Tage nach einem Auslöser entstehen, zum Beispiel nach einer schweren Infektion oder einer Operation.
- Oft treten zunächst keine Beschwerden auf – man merkt die Störung erst durch Blut- und Urinuntersuchungen.
- Eine akute Nierenschädigung kann vollständig ausheilen, sie kann aber auch zu einer dauerhaften Nierenschwäche führen.
- Die Behandlung hängt von der Ursache ab und wird immer von einer Ärztin oder einem Arzt überwacht.
Ja, bei Menschen im Krankenhaus ist eine akute Nierenschädigung häufig. Studien zeigen, dass etwa jede fünfte bis siebte Person während eines Krankenhausaufenthalts eine solche Störung entwickelt. In der Hausarztpraxis ist sie seltener, aber sie kann auch außerhalb des Krankenhauses vorkommen.
Grundsätzlich kann jede Person betroffen sein – vom Kind bis zum älteren Menschen. Besonders gefährdet sind aber ältere Menschen, Personen mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck und Menschen, die schwer krank sind oder sich einer großen Operation unterziehen müssen.
Symptome
- Plötzlich gar kein Urin über 12 Stunden
- Schwere Atemnot oder Schmerzen in der Brust
- Krampfanfall
- Bewusstlosigkeit oder extreme Verwirrtheit
- ⚠Stark geschwollene Beine mit deutlich geringerer Urinmenge
- ⚠Anhaltendes Erbrechen, sodass Sie keine Flüssigkeit zu sich nehmen können
- ⚠Neue Verwirrtheit oder starke Müdigkeit
Häufige Symptome
- Weniger Urin als normal (obwohl das nicht immer auftritt)
- Geschwollene Beine, Knöchel oder Augenlider (durch Flüssigkeitseinlagerung)
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Übelkeit oder Erbrechen
- Verwirrtheit oder Konzentrationsprobleme
- Luftnot oder Kurzatmigkeit
Symptome bei Kindern
- Geringere Urinmenge oder ein nasses Bett trotz Trockenheit am Tag
- Reizbarkeit oder ungewöhnliche Müdigkeit
- Geschwollene Augenlider oder Beine
- Erbrechen oder Durchfall
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder plötzliche geistige Veränderung
- Schwäche und Schwindel
- Deutlich weniger Urin oder gar kein Urin
- Kurzatmigkeit und geschwollene Beine
Ursachen
Hauptursachen
- Zu wenig Blut in den Nieren: zum Beispiel durch starken Flüssigkeitsmangel (Austrocknung), starken Blutverlust, eine schwere Infektion (Sepsis) oder eine Herzschwäche.
- Direkte Schädigung des Nierengewebes: zum Beispiel durch bestimmte Medikamente, Röntgenkontrastmittel oder Giftstoffe.
- Behinderter Urinabfluss: zum Beispiel durch eine vergrößerte Prostata, Nierensteine oder Tumore, die den Harnleiter blockieren.
Risikofaktoren
- Älteres Alter
- Bestehende Nierenerkrankung oder Diabetes
- Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Krankenhausaufenthalt, besonders auf der Intensivstation
- Einnahme von Schmerzmitteln aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), zum Beispiel Ibuprofen oder Diclofenac
- Austrocknung, zum Beispiel bei Durchfall oder Erbrechen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Symptome wie starke Atemnot, kaum noch Urin oder Verwirrtheit – dann sofort die Notaufnahme aufsuchen oder den Notruf 112 wählen.
- Wenn Sie plötzlich weniger Urin als gewöhnlich ausscheiden, sollten Sie noch am selben Tag ärztlichen Rat suchen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie zu den Risikogruppen gehören und Veränderungen beim Wasserlassen oder Schwellungen bemerken, vereinbaren Sie in den nächsten Tagen einen Termin in Ihrer Hausarztpraxis.
- Wenn Sie Fragen zu bestehenden Medikamenten haben, sprechen Sie in einer regulären Sprechstunde.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach Beschwerden, Vorerkrankungen und Medikamenten. Danach folgen Blut- und Urinuntersuchungen, um die Nierenfunktion zu beurteilen. Gelegentlich sind auch bildgebende Verfahren wie eine Ultraschalluntersuchung nötig.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest: misst den Kreatininwert. Ein Anstieg zeigt eine schwächer arbeitende Niere an.
- Urintest: schaut nach Eiweiß, Blut oder anderen Zeichen einer Nierenschädigung.
- Ultraschall der Nieren: zeigt, ob die Nieren gestaut oder verkleinert sind.
- In manchen Fällen eine Gewebeprobe (Biopsie), um die Ursache zu klären.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die meisten Menschen bekommen bei Verdacht auf eine akute Nierenschädigung Blut abgenommen und müssen eine Urinprobe abgeben. Oft sind Kontrolluntersuchungen in den folgenden Tagen nötig. Wenn die Beschwerden schwer sind, kann eine Einweisung ins Krankenhaus sinnvoll sein.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Das Hauptziel ist, die Nieren zu entlasten und die auslösende Bedingung zu behandeln. Viele Patientinnen und Patienten erholen sich vollständig, wenn die Ursache behoben wird. Schwere Fälle können eine vorübergehende Dialyse (künstliche Blutwäsche) erfordern.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie Medikamente nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, insbesondere Schmerzmittel.
- Trinken Sie ausreichend, aber nur so viel, wie Ihnen empfohlen wird – bei eingeschränkter Nierenfunktion kann zu viel Flüssigkeit schaden.
- Vermeiden Sie Alkohol und rauchen Sie nicht.
- Folgen Sie den Ernährungsempfehlungen, zum Beispiel weniger Salz, wenn Sie Wassereinlagerungen haben.
Medizinische Behandlungen
Die medizinische Behandlung kann eine Infusion mit Flüssigkeit, Medikamente zur Steigerung der Urinproduktion oder zur Kontrolle des Blutdrucks umfassen. In schweren Fällen wird eine Dialyse vorübergehend eingesetzt, um Abfallstoffe und überschüssiges Wasser aus dem Blut zu entfernen. Die genaue Therapie wird immer individuell abgestimmt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Falls ein Harnabflusshindernis wie ein Nierenstein oder eine vergrößerte Prostata die Ursache ist, kann ein kleiner Eingriff nötig sein, um den Urinabfluss wiederherzustellen. Dies wird in einer urologischen Klinik durchgeführt.
Leben mit der Erkrankung
Nach einer akuten Nierenschädigung sollten Sie regelmäßige Kontrollen der Nierenwerte wahrnehmen. Ihre Hausarztpraxis oder eine nephrologische Sprechstunde (Nierenfacharzt) begleitet Sie. Nach einer schweren Episode kann es mehrere Wochen dauern, bis die Nierenfunktion sich erholt.
Tipps für den Alltag
- Arzttermine zur Nachkontrolle einhalten und Laborwerte im Blick behalten.
- Medikamentenliste mit sich führen und jede Behandlung – auch freiverkäufliche Mittel – ärztlich freigeben lassen.
- Anzeichen wie Schwellungen, verminderte Urinmenge oder anhaltende Müdigkeit ernst nehmen und frühzeitig melden.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit wenig Salz unterstützt die Nieren. Fragen Sie nach, ob Sie die Trinkmenge anpassen müssen. Leichte Bewegung ist bei gutem Allgemeinzustand erlaubt und fördert die Genesung. Sprechen Sie aber vorher mit Ihrer Behandlerin oder Ihrem Behandler.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine akute Nierenschädigung kann verunsichern und sorgenvoll machen. Viele Menschen fühlen sich nach einem Krankenhausaufenthalt erschöpft oder ängstlich. Es ist wichtig, darüber zu sprechen und sich Zeit zu geben. Bei anhaltender Niedergeschlagenheit hilft ein Gespräch mit der Hausarztpraxis oder eine psychosoziale Beratungsstelle. In einer akuten seelischen Krise wenden Sie sich bitte sofort an eine psychiatrische Notaufnahme oder wählen Sie die Notrufnummer 112.
Vorbeugung
Eine akute Nierenschädigung lässt sich nicht immer verhindern, besonders im Krankenhaus. Sie können das Risiko aber senken, indem Sie ausreichend trinken (wenn keine Flüssigkeitsbeschränkung besteht), chronische Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck gut behandeln und Schmerzmittel nur kurzfristig und nach Rücksprache einnehmen.
Impfungen
Es gibt keinen speziellen Impfstoff gegen eine akute Nierenschädigung. Gegen einige Grunderkrankungen, die die Nieren gefährden können (wie Grippe oder bestimmte Infektionen), können Impfungen das Risiko verringern.
Früherkennungsprogramme
Bei Menschen mit erhöhtem Risiko – zum Beispiel Diabetes, Bluthochdruck oder bekannten Nierenerkrankungen – sollten die Nierenwerte im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig überprüft werden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Dauerhafte Nierenschädigung bis hin zum chronischen Nierenversagen
- Erhöhte Kaliumwerte im Blut, die Herzrhythmusstörungen auslösen können
- Flüssigkeitsansammlung in der Lunge (Lungenödem) mit Atemnot
- Herz-Kreislauf-Probleme wie erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall
Langzeitprognose
Die meisten Menschen mit einer akuten Nierenschädigung erholen sich, wenn sie früh behandelt wird. Bei manchen bleibt allerdings eine Nierenschwäche zurück oder es entwickelt sich später eine chronische Nierenerkrankung. Eine gute Nachbetreuung und ein gesunder Lebensstil können das Risiko dafür deutlich senken.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 14. August 2026
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