Akute lymphoblastische Leukämie (ALL)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Akute lymphoblastische Leukämie, kurz ALL, ist eine schnell fortschreitende Krebserkrankung des Blutes und des Knochenmarks. Das Knochenmark ist das Gewebe in den Knochen, das Blutzellen herstellt. Bei der ALL produzieren die Zellen im Knochenmark zu viele unreife weiße Blutkörperchen, die sogenannten Lymphoblasten. Diese verdrängen die gesunden Blutzellen und stören so die Blutbildung.
Wichtige Fakten
- Die ALL beginnt im Knochenmark, wo Blutzellen entstehen.
- Sie betrifft vor allem Kinder, kann aber auch Erwachsene treffen.
- Die Krankheit entwickelt sich oft schnell und braucht sofortige Behandlung.
- Die Behandlungsmöglichkeiten sind heute sehr wirksam, besonders bei Kindern.
Die akute lymphoblastische Leukämie ist selten. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 500 bis 600 Menschen daran. Sie ist aber die häufigste Krebserkrankung bei Kindern.
Die ALL kann Menschen jeden Alters betreffen. Am häufigsten ist sie bei Kindern im Alter von 2 bis 5 Jahren. Ein zweiter Häufigkeitsgipfel liegt bei Menschen über 50 Jahren.
Symptome
- Atemnot oder Druckgefühl in der Brust
- Plötzlich auftretende Lähmungen oder Verwirrtheit
- Schwere, nicht stillbare Blutungen
- Hohes Fieber mit starken Kopfschmerzen oder Steifheit des Nackens
- ⚠Fieber über 38 Grad, das länger als einen Tag besteht
- ⚠Neue, rötlich-violette Hautpunkte oder große blaue Flecken aus unklarer Ursache
- ⚠Sehr blasse Haut und starke Abgeschlagenheit
- ⚠Wiederholtes Nasen- oder Zahnfleischbluten
- ⚠Ausstrahlende Schmerzen in Knochen oder Gelenken ohne Unfall
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Schwäche
- Blässe der Haut
- Fieber ohne erkennbaren Grund
- Häufige Infektionen
- Blaue Flecken oder Blutungen ohne Verletzung
- Nasebluten oder Zahnfleischbluten
- Schmerzen in Knochen oder Gelenken
- Geschwollene Lymphknoten, zum Beispiel am Hals oder in den Achseln
Symptome bei Kindern
- Auffallende Blässe und Schlappheit
- Fieber und wiederkehrende Infekte
- Neigung zu blauen Flecken und kleinen roten Hautpünktchen
- Knochenschmerzen, die beim Spielen oder dem Laufen stören
- Geschwollener Bauch durch vergrößerte Milz oder Leber
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Länger anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung
- Luftnot und Herzrasen bei geringer Belastung
- Muskel- und Gelenkschmerzen
- Unerklärlicher Gewichtsverlust
- Gehäufte Infektionen mit langsamem Heilungsverlauf
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache der ALL ist unbekannt.
- Sie entsteht durch Veränderungen im Erbgut einer einzelnen blutbildenden Zelle.
- Diese Fehler führen dazu, dass sich unreife weiße Blutkörperchen unkontrolliert vermehren.
Risikofaktoren
- Bestimmte erbliche Erkrankungen wie das Down-Syndrom
- Frühere Strahlentherapie oder Chemotherapie wegen einer anderen Krebserkrankung
- Bestimmte Umwelteinflüsse wie hohe Strahlung oder dieselben Substanzen, die auch andere Krebsarten begünstigen
- Ein geschwächtes Immunsystem, zum Beispiel nach Organtransplantation
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Anhaltendes, unklares Fieber
- Ungewöhnliche blaue Flecken oder kleine rote Hautpünktchen
- Wiederholtes starkes Bluten aus Nase oder Zahnfleisch
- Starke Schmerzen in Knochen, Gelenken oder Bauch
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Anhaltende Müdigkeit über mehrere Wochen
- Unerklärlicher Gewichtsverlust
- Geschwollene Lymphknoten, die nicht wieder zurückgehen
- Wiederkehrende Infektionen
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt führt zuerst ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung durch. Danach folgen Blutuntersuchungen. Wenn der Verdacht auf eine ALL besteht, wird eine Knochenmarkprobe entnommen. Dabei wird mit einer feinen Nadel etwas Mark aus dem Beckenknochen entnommen. Diese Probe wird im Labor untersucht.
Mögliche Untersuchungen
- Großes Blutbild mit Untersuchung der verschiedenen Blutzellen
- Blutausstrich unter dem Mikroskop
- Knochenmarkpunktion
- Feingewebliche Untersuchung und spezielle Zellfärbungen
- Ultraschall, Röntgen oder Computertomographie zur Untersuchung von Organen
- Lumbalpunktion, um Nervenwasser zu untersuchen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose wird in einem spezialisierten Zentrum bestätigt. Das dauert meist nur wenige Tage. Anschließend wird ein persönlicher Behandlungsplan erstellt. Sie werden nicht allein gelassen: Ein ganzes Team aus Fachleuten begleitet Sie und klärt Sie Schritt für Schritt auf.
Behandlung
Die Behandlung beginnt schnell, weil die ALL schnell voranschreitet. Die Therapie dauert meist etwa zwei Jahre. Das Ziel ist, alle kranken Zellen zu zerstören und das gesunde Knochenmark wiederherzustellen. Es gibt verschiedene Phasen: Einleitung, Konsolidierung und Erhaltung. Dazu gehören medikamentöse Therapien und manchmal eine Stammzelltransplantation.
Selbsthilfe zu Hause
- Achten Sie auf eine gute Hygiene, um Infektionen zu vermeiden, zum Beispiel regelmäßiges Händewaschen.
- Nehmen Sie verordnete Medikamente und Termine ernst, sprechen Sie jede Beobachtung mit Ihrem Team ab.
- Suchen Sie sich Unterstützung im Alltag – Sie müssen nicht alles allein schaffen.
- Schonen Sie sich, aber bleiben Sie in Absprache mit dem Team so aktiv wie möglich.
Medizinische Behandlungen
Die Hauptbehandlung ist eine Chemotherapie, also eine Behandlung mit Medikamenten gegen Krebszellen. Sie wird in der Regel über mehrere Zyklen verabreicht, entweder als Infusion, Spritze oder Tablette. Ergänzend können eine Strahlentherapie oder eine gezielte Therapie eingesetzt werden. Eine Stammzelltransplantation kann nötig werden, wenn die Krankheit zurückkommt oder ein hohes Rückfallrisiko besteht. Welche Therapie im Einzelfall geeignet ist, entscheiden die Fachleute in einem Tumorboard.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation zur Heilung der Leukämie ist nicht nötig. Chirurgische Maßnahmen können aber sinnvoll sein, zum Beispiel um einen dauerhaften Zugang für Medikamente in eine große Vene zu legen (einen sogenannten Port). Auch manchmal, wenn die Milz entfernt werden muss – das ist aber selten.
Leben mit der Erkrankung
Während der Behandlung brauchen viele Patientinnen und Patienten viel Ruhe und Unterstützung. Der Alltag richtet sich stark nach den Therapiephasen. Es ist wichtig, einen guten Rhythmus zu finden, der Energie und Erholung vereint. Sprechen Sie regelmäßig mit Ihrem Behandlungsteam und holen Sie sich Hilfe, wenn Sie sie brauchen.
Tipps für den Alltag
- Nehmen Sie Impfungen im Verlauf nur nach Rücksprache mit Ihren Ärzten vor.
- Meiden Sie Menschen mit ansteckenden Krankheiten während der intensiven Therapie.
- Trinken Sie ausreichend, am besten Wasser oder ungesüßte Tees.
- Schlafen Sie ausreichend und gönnen Sie sich Pausen.
- Verzichten Sie strikt auf Rauchen und Alkohol.
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine spezielle Diät, die eine ALL heilt. Eine ausgewogene Ernährung unterstützt aber den Körper bei der Behandlung. Reichlich Obst, Gemüse und Vollkornprodukte sind empfehlenswert. Bewegung an der frischen Luft ist in Absprache mit dem Team erlaubt und tut oft gut. Bei Alltagsaktivitäten wie Treppensteigen oder Einkaufen kommt es auf das eigene Befinden an – hören Sie auf Ihren Körper.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine solche Diagnose ist eine große Belastung. Angst, Trauer und Wut sind häufige Gefühle. Es ist völlig normal, sich manchmal überfordert zu fühlen. Psychologische Unterstützung kann helfen, mit diesen Gefühlen umzugehen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen wird oft als entlastend erlebt.
Vorbeugung
Eine akute lymphoblastische Leukämie lässt sich nicht sicher verhindern. Die meisten Menschen, die daran erkranken, haben keine bekannten Risikofaktoren. Deshalb gibt es auch keine allgemeinen Schutzmaßnahmen. Es bleibt wichtig, bei anhaltenden Beschwerden frühzeitig eine Ärztin oder einen Arzt zu kontaktieren.
Impfungen
Gegen Leukämie gibt es keine Schutzimpfung.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein allgemeines Früherkennungsprogramm für diese seltene Krebserkrankung.
Komplikationen
Unbehandelt
- Lebensbedrohliche Infektionen, weil es an gesunden weißen Blutkörperchen fehlt
- Schwere Blutungen, zum Beispiel in den Lungen oder im Gehirn
- Ausbreitung der Tumorzellen in andere Organe
- Atemnot und Versagen von Organen
- Tod durch die Folgen der Erkrankung
Langzeitprognose
Die Behandlung der ALL hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verbessert. Bei Kindern werden heute mehr als 90 von 100 Betroffenen geheilt. Bei Erwachsenen sind die Heilungschancen ebenfalls deutlich gestiegen, auch wenn sie nicht so günstig sind wie bei Kindern. Forschung und neue Therapien geben Hoffnung auf noch bessere Ergebnisse.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 14. August 2026
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