Akute myeloische Leukämie (AML) – verständlich erklärt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Akute myeloische Leukämie (AML) ist eine seltene, aber ernste Krebserkrankung des blutbildenden Systems. Sie entsteht im Knochenmark, wo die Blutzellen gebildet werden. Bei der AML vermehren sich unreife weiße Blutkörperchen unkontrolliert und verdrängen die gesunden Blutzellen. Dadurch kann der Körper nicht mehr genug gesunde rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen und Blutplättchen herstellen.
Wichtige Fakten
- AML ist eine Form von Blutkrebs, die schnell fortschreitet und unbehandelt lebensbedrohlich sein kann.
- Sie betrifft vor allem ältere Erwachsene, kann aber in jedem Alter auftreten.
- Die Behandlung ist in der Regel eine intensive Chemotherapie, manchmal auch eine Stammzelltransplantation.
AML ist eine seltene Erkrankung. In Deutschland erkranken jährlich etwa 3 bis 4 von 100.000 Menschen daran. Das sind ungefähr 3.500 Neuerkrankungen pro Jahr.
AML kommt in jedem Alter vor, ist aber am häufigsten bei Menschen über 60 Jahren. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.
Symptome
- Plötzliche starke Blutungen, zum Beispiel aus Nase oder Zahnfleisch, ohne erkennbare Ursache
- Krampfanfälle
- Plötzliche Lähmungen oder Sprachstörungen
- Hohes Fieber mit starkem Krankheitsgefühl (über 39 °C)
- Bewusstlosigkeit oder Kreislaufzusammenbruch
- ⚠Anhaltendes hohes Fieber über 38,5 °C
- ⚠Neue blaue Flecken oder punktförmige Hautblutungen ohne Verletzung
- ⚠Blut im Stuhl oder Urin
- ⚠Starke Kopfschmerzen oder Sehstörungen
- ⚠Atemnot in Ruhe
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Blässe
- Kurzatmigkeit bei Belastung
- Fieber oder häufige Infektionen
- Unerklärliche Blutungen oder blaue Flecken
- Kleine rote Punkte auf der Haut (Petechien)
- Nachtschweiß
- Gewichtsverlust ohne Grund
- Knochenschmerzen
Symptome bei Kindern
- AML ist bei Kindern selten, kommt aber vor. Die Symptome ähneln denen bei Erwachsenen: Blässe, Fieber, Blutungen, Knochenschmerzen und geschwollene Lymphknoten.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen sind die Symptome oft weniger eindeutig. Häufig stehen Müdigkeit, allgemeine Schwäche und wiederkehrende Infektionen im Vordergrund, die zunächst an eine harmlose Erkrankung denken lassen.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache der AML ist nicht bekannt. Man geht davon aus, dass Veränderungen (Mutationen) im Erbgut der Stammzellen im Knochenmark entstehen. Dadurch reifen die weißen Blutkörperchen nicht richtig aus und vermehren sich unkontrolliert. Diese Mutationen können spontan entstehen oder durch äußere Einflüsse wie Strahlung oder bestimmte Chemikalien ausgelöst werden.
Risikofaktoren
- Hohes Alter (über 60 Jahre)
- Männliches Geschlecht
- Rauchen
- Frühere Chemotherapie oder Strahlentherapie wegen anderer Krebserkrankungen
- Bestimmte Erbkrankheiten wie das Down-Syndrom
- Bluterkrankungen wie das myelodysplastische Syndrom
- Langfristiger Kontakt mit Benzol oder anderen Lösungsmitteln
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie wiederholt Fieber ohne erkennbare Ursache haben
- Wenn Sie ungewöhnlich blass sind und sich dauerhaft müde fühlen
- Wenn Sie vermehrt blaue Flecken oder punktförmige Hautblutungen bemerken
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie sich über mehrere Wochen ungewöhnlich schwach oder abgeschlagen fühlen
- Wenn Sie ungewollt Gewicht verlieren
- Wenn Sie nachts stark schwitzen
Diagnose
Zur Diagnose der AML ist eine Untersuchung des Bluts und des Knochenmarks nötig. Zunächst nimmt der Arzt Blut ab, um die Blutwerte zu prüfen. Zeigen sich Auffälligkeiten, folgt eine Knochenmarkpunktion: Dabei entnimmt der Arzt mit einer feinen Nadel eine kleine Menge Knochenmark aus dem Beckenknochen. Dieses wird im Labor unter dem Mikroskop untersucht.
Mögliche Untersuchungen
- Blutbild mit Differenzialblutbild
- Blutuntersuchung auf bestimmte Eiweiße und Enzyme
- Knochenmarkpunktion (Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenknochen)
- Molekulargenetische Untersuchungen zur Bestimmung des Risikoprofils
- Bildgebung wie Ultraschall oder Computertomografie zum Ausbreitungsgrad, falls nötig
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose AML wird meist im Krankenhaus gestellt und behandelt. Sie werden von einem spezialisierten Ärzteteam in einer Hämatologie betreut. Nach der Diagnose bespricht das Team mit Ihnen die besten Behandlungsschritte. Es ist wichtig, dass Sie alle Fragen stellen, die Ihnen wichtig sind. Die Behandlung erfolgt in der Regel nach den Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Behandlung
Die Behandlung der AML beginnt schnell, da die Erkrankung rasch fortschreiten kann. Ziel ist es, die kranken Blutzellen zu zerstören und das gesunde Knochenmark wieder aufzubauen. Die wichtigsten Behandlungsschritte sind eine intensive Chemotherapie sowie – bei geeigneten Patienten – eine Stammzelltransplantation.
Selbsthilfe zu Hause
- Ruhen Sie sich aus und hören Sie auf Ihren Körper
- Bewegen Sie sich an Tagen, an denen Sie sich gut fühlen, leicht an der frischen Luft
- Trinken Sie ausreichend, wenn das vom Ärzteteam erlaubt ist
- Achten Sie auf eine gute Mundhygiene, um Infektionen zu vermeiden
- Meiden Sie Menschenmengen, um das Infektionsrisiko zu senken (wenn Ihr Immunsystem geschwächt ist)
Medizinische Behandlungen
Zur Behandlung stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Die wichtigste Behandlung ist die Chemotherapie, die in mehreren Zyklen verabreicht wird. Sie erfolgt in der Regel im Krankenhaus. Zusätzlich können zielgerichtete Substanzen eingesetzt werden, die gezielt bestimmte Veränderungen an den Krebszellen bekämpfen. Bei einigen Patienten ist auch eine Stammzelltransplantation sinnvoll: Dabei werden die erkrankten blutbildenden Zellen durch gesunde Stammzellen eines Spenders ersetzt. Welche Behandlung für Sie geeignet ist, hängt von vielen Faktoren ab, wie Ihrem Alter, Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand und der genetischen Beschaffenheit der Leukämiezellen. Ihr Ärzteteam wird alle Optionen ausführlich mit Ihnen besprechen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei AML in der Regel nicht erforderlich, da es sich um eine Erkrankung des Bluts und des Knochenmarks handelt.
Leben mit der Erkrankung
Das Leben mit einer AML ist herausfordernd – sowohl körperlich als auch seelisch. Die Behandlung dauert oft viele Monate und ist anstrengend. In dieser Zeit ist es wichtig, eine gute Unterstützung durch Familie, Freunde und das medizinische Team zu haben. Viele Patienten berichten, dass ein strukturierter Tagesablauf mit Ruhephasen und kleinen Aktivitäten hilfreich ist.
Tipps für den Alltag
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und Erholung
- Vermeiden Sie Infektionen durch regelmäßiges Händewaschen
- Besprechen Sie Impfungen mit Ihrem Arzt – während der Behandlung sind bestimmte Impfungen nicht erlaubt
- Reduzieren Sie Stress durch Entspannungsübungen oder Meditation, wenn das für Sie angenehm ist
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt den Körper. Wichtig ist, dass Sie ausreichend proteinreich essen, um Muskeln und Immunsystem zu stärken. Leichte Bewegung wie Spazierengehen kann helfen, Kraft zu bewahren und die Stimmung zu heben. Fragen Sie Ihr Ärzteteam, welche Bewegung für Sie in Ihrer Situation sicher ist.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Krebserkrankung wie AML belastet die Seele stark. Ängste, Traurigkeit und Erschöpfung sind normal. Es ist wichtig, darüber zu sprechen – mit Angehörigen oder mit professionellen Psychoonkologen, die speziell Menschen mit Krebs begleiten. Eine psychologische Unterstützung kann Ihnen helfen, mit der Situation umzugehen. Wenn Sie Gedanken an Selbstverletzung oder Hoffnungslosigkeit haben, wenden Sie sich bitte sofort an Ihren Arzt oder die nächste psychiatrische Notaufnahme – oder rufen Sie den Notruf 112 an.
Vorbeugung
AML lässt sich nicht sicher verhindern. Man kann jedoch das Risiko senken, indem man auf das Rauchen verzichtet und den Kontakt mit schädlichen Chemikalien wie Benzol meidet. Menschen, die eine Krebsbehandlung hinter sich haben, sollten regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen wahrnehmen, um mögliche Spätfolgen früh zu erkennen.
Impfungen
Es gibt keinen Impfstoff gegen AML. Impfungen, die vor Infektionen schützen, können aber sinnvoll sein – sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, insbesondere vor einer Chemotherapie.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung für AML. Eine frühzeitige Abklärung von Blutbildauffälligkeiten bei Beschwerden ist die wichtigste Maßnahme.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne Behandlung schreitet die AML schnell fort und führt zu schweren Infektionen, Blutungen oder Organversagen, was lebensbedrohlich ist.
- Die kranken Blutzellen können in andere Organe einwandern und dort Schäden verursachen.
Langzeitprognose
Eine AML ist eine ernste Erkrankung, aber es gibt gute Behandlungsmöglichkeiten. Besonders bei jüngeren Patienten und bei günstigen genetischen Veränderungen ist die Chance auf Heilung heute deutlich besser als früher. Auch bei älteren Patienten gibt es wirksame Therapien, die das Leben verlängern und die Beschwerden lindern können. Die Medizin entwickelt sich ständig weiter, sodass neue Therapien Hoffnung bieten. Ihr Behandlungsteam wird eng mit Ihnen zusammenarbeiten und Sie auf jedem Schritt begleiten.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 2. August 2026
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