Entfernung der Rachenmandeln (Adenotomie)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Rachenmandeln (auch Polypen genannt) sind kleine Lymphknoten im hinteren Bereich der Nase. Wenn sie so groß werden, dass sie Atmung, Hören oder Schlafen stören, kann eine Operation empfohlen werden. Dabei entfernt die Ärztin oder der Arzt die vergrößerten Rachenmandeln – das nennt man Adenotomie oder Entfernung der Rachenmandeln.
Wichtige Fakten
- Die Operation ist bei Kindern häufig und gilt als risikoarm.
- Sie wird meist unter kurzer Vollnarkose durchgeführt.
- Ziel ist es, die Nasenatmung zu verbessern, Ohrentzündungen zu reduzieren und das Gehör zu schützen.
- Nach der Operation sind die meisten Kinder schnell wieder fit.
Ja, es ist eine der häufigsten Operationen bei Kindern. Bei Erwachsenen kommt sie seltener vor.
Hauptsächlich betroffen sind Kinder im Vorschul- und Grundschulalter. Auch ältere Kinder und manchmal Erwachsene können vergrößerte Rachenmandeln haben.
Symptome
- Sehr starke Atemnot, besonders bei Kindern
- Unfähigkeit zu atmen oder zu sprechen
- Blau verfärbte Lippen oder Haut (Sauerstoffmangel)
- ⚠Hohes Fieber mit Ohrenschmerzen oder geschwollenem Hals
- ⚠Starke Schluckbeschwerden, sodass keine Flüssigkeit mehr getrunken werden kann
- ⚠Anhaltende starke Blutungen aus Nase oder Rachen (auch nach einer Operation)
Häufige Symptome
- Verstopfte Nase und Atmen durch den Mund
- Lautes Schnarchen oder unruhiger Schlaf
- Häufige Ohrentzündungen oder Mittelohrentzündungen
- Schwerhörigkeit oder Flüssigkeit hinter dem Trommelfell
- Halsschmerzen, Schluckbeschwerden
- Naselnde oder undeutliche Sprache
Symptome bei Kindern
- Mundatmung, oft mit offenem Mund
- Schwierigkeiten beim Trinken und Schlucken
- Ohrschmerzen, Fieber oder Ohrlaufen
- Verhaltensauffälligkeiten, Tagesmüdigkeit oder Konzentrationsprobleme durch Schlafmangel
- Bettnässen, das nicht altersgerecht ist
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Globgefühl im Hals, Schluckbeschwerden
- Verstopfte Nase und Nasenatmungsbehinderung
- Schnarchen und Schlafprobleme
- Druckgefühl im Gesicht oder wiederkehrende Nasennebenhöhlenentzündungen
Ursachen
Hauptursachen
- Wiederholte Infekte im Hals-Nasen-Ohren-Bereich, besonders bei kleinen Kindern
- Angeborene oder anatomisch enge Nasen-Rachen-Räume
- Chronische Entzündungen der Rachenmandeln selbst
- Allergien, die die Schleimhäute anschwellen lassen
Risikofaktoren
- Kindesalter, besonders zwischen 2 und 6 Jahren
- Häufiger Kontakt mit anderen Kindern (z. B. Kita oder Kindergarten)
- Passivrauchen in der Familie
- Wiederkehrende Antibiotika-Pflichtige Infekte in der Vorgeschichte
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn das Kind nachts Aussetzer in der Atmung hat oder sehr laut schnarcht
- Wenn starke Ohrenschmerzen oder hohes Fieber auftreten
- Wenn Flüssigkeit oder Eiter aus dem Ohr austritt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Nase über Wochen ständig verstopft ist
- Wenn häufige Mittelohrentzündungen (mehr als 3 in einem Jahr) auftreten
- Wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind schlecht hört
- Wenn die Nase im Liegen stärker verstopft ist und das Atmen anstrengend wirkt
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt zuerst nach den Beschwerden und untersucht den Rachen. Oft kann sie oder er die Rachenmandeln mit einem kleinen Spiegel oder einem flexiblen Endoskop sehen. Bei Bedarf wird eine Überweisung zur Hals-Nasen-Ohren-Ärztin oder zum HNO-Arzt empfohlen. Die aktuelle AWMF-Leitlinie empfiehlt, erst bei bestimmten Beschwerden und Befunden eine Operation zu erwägen.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung von Nase, Rachen und Ohren
- Nasenendoskopie (dünner Schlauch mit Kamera, um die Rachenmandeln zu sehen)
- Hörtest (Audiometrie) bei Verdacht auf Hörprobleme
- Schlafuntersuchung zu Hause oder im Schlaflabor, wenn Schlafapnoe vermutet wird
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist meist unangenehm, aber nicht schmerzhaft. Ihr Kind oder Sie können während der Untersuchung auf dem Schoß sitzen. Die Ärztin oder der Arzt erklärt jeden Schritt. Nach der Diagnose besprechen Sie gemeinsam, ob und wann eine Behandlung nötig ist.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Ursache und der Stärke der Beschwerden ab. Bei leichten Beschwerden kann man abwarten oder mit sanften Maßnahmen versuchen, die Symptome zu lindern. Erst wenn die Beschwerden stark sind oder Komplikationen drohen, wird eine Operation empfohlen.
Selbsthilfe zu Hause
- Ausreichend trinken, am besten lauwarmes Wasser oder ungesüßten Tee
- Inhalation mit Wasserdampf, um die Nasenschleimhaut zu befeuchten
- Salzwasser-Nasenspülungen (ohne Zusätze, wie von der Apotheke empfohlen)
- Für eine gute Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer sorgen
- Auf Rauch in der Wohnung verzichten
- Bei Kindern: Kuscheltier oder Trostspender, um die Angst vor der OP zu verringern
Medizinische Behandlungen
Es gibt Medikamente, die Schwellungen in der Nase vermindern oder Entzündungen hemmen. Dazu gehören entzündungshemmende Nasensprays oder – bei Allergie – Antihistaminika. Diese Medikamente sind nicht zur Dauertherapie gedacht. Die Ärztin oder der Arzt entscheidet, ob und für wie lange ein solches Mittel sinnvoll ist. Antibiotika helfen nur bei bakteriellen Infektionen, nicht bei einer vergrößerten Rachenmandel ohne Infektion.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird empfohlen, wenn typische Probleme auftreten wie: starke Atembehinderung mit Schlafapnoe, wiederkehrende Mittelohrentzündungen, chronische Paukenergüsse mit Hörproblemen oder erhebliche Beschwerden beim Essen und Trinken. Die Entscheidung wird immer gemeinsam mit der HNO-Ärztin oder dem HNO-Arzt und den Eltern getroffen.
Leben mit der Erkrankung
Nach der Operation ist es normal, dass der Hals etwas weh tut und das Schlucken unangenehm ist. Meist reichen kühle, weiche Speisen wie Joghurt oder Eis, um den Schmerz zu lindern. Vollständig erholen sich die meisten Kinder innerhalb von ein bis zwei Wochen. Ein Arzt liefert genaue Anweisungen für die Zeit nach der OP.
Tipps für den Alltag
- Viel Ruhe gönnen und anstrengenden Sport für etwa zwei Wochen vermeiden
- Auf den Besuch von Schwimmbädern oder Saunen in den ersten Wochen verzichten
- Auf Staub und Allergieauslöser im Schlafzimmer achten
- Bei Rauchern im Haushalt: das Rauchen vor allem im Innenbereich einstellen
Ernährung und Bewegung
Weiche, kühle Speisen und viel Trinken sind nach der Operation ideal. Säurehaltige oder sehr heiße Speisen sollten vermieden werden. In den ersten Tagen ist es wichtig, auf zu starkes Kauen oder scharf gewürzte Sachen zu verzichten. Nach der Abheilung können Kinder wieder ganz normal essen und sich bewegen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Operation kann bei Kindern und Eltern Unruhe auslösen. Es ist wichtig, Ängste offen anzusprechen und dem Kind Sicherheit zu geben. Bei Erwachsenen können Atem- oder Schlafprobleme vor der Operation zu Erschöpfung führen – nach erfolgreicher Behandlung bessert sich das meist deutlich.
Vorbeugung
Vergrößerte Rachenmandeln lassen sich nicht immer verhindern, da sie oft mit dem natürlichen Immunsystem zusammenhängen. Ein gesunder Lebensstil, regelmäßiges Händewaschen und das Vermeiden von Rauch können aber das Risiko für wiederholte Infekte senken.
Impfungen
Die regulären Impfungen – zum Beispiel gegen Grippe und Pneumokokken – können schwere Atemwegsinfektionen verhindern. Sprechen Sie Ihre Impfungen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein Routine-Screening für Rachenmandel-Probleme. Bei wiederkehrenden Beschwerden oder auffälligen Symptomen sollten Sie aktiv ärztlichen Rat suchen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronische Mittelohrentzündungen mit Flüssigkeitsansammlung können zu Hörverlust führen
- Starke Nasenatmungsbehinderung kann bei Kindern zu Schlafapnoe und Wachstumsstörungen führen
- Anhaltende Entzündungen können das Risiko für Abszesse im Rachenraum erhöhen
- Unerkannte Hörprobleme können die Sprachentwicklung und schulische Leistung beeinträchtigen
Langzeitprognose
Die Entfernung der Rachenmandeln führt bei den meisten Patientinnen und Patienten zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden. Atmung, Schlaf und Gehör können sich erholen. Komplikationen bei der Operation sind selten, und die meisten Kinder werden schnell wieder gesund. Es ist normal, nach der OP ein paar Tage Schluckbeschwerden zu haben.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 2. August 2026
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