Patientenverfügung: Ihre Wünsche für die Behandlung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Patientenverfügung (auch Advance Statement genannt) ist ein schriftliches Dokument. Sie halten darin fest, welche medizinischen Maßnahmen Sie später wünschen oder ablehnen, falls Sie selbst nicht mehr entscheiden können. Sie ist eine Anleitung für Ärzte, Pflegekräfte und Angehörige, damit Ihr Wille respektiert wird.
Wichtige Fakten
- Sie wird selbstbestimmt aufgesetzt und kann jederzeit geändert werden.
- Sie gilt erst, wenn Sie nicht mehr einwilligungsfähig sind – also nicht mehr verstehen oder entscheiden können.
- Sie ersetzt keine Vorsorgevollmacht. Beide Dokumente ergänzen sich aber gut.
Ja, in Deutschland haben inzwischen viele Erwachsene eine Patientenverfügung. Zahlen aus Umfragen zufolge sind es mehr als die Hälfte, auch wenn die Angaben schwanken.
Sie kann für alle Erwachsenen nützlich sein, unabhängig vom Alter. Besonders häufig nutzen sie Menschen mit chronischen Erkrankungen, ältere Menschen und Personen, die sich auf eine belastende Behandlung vorbereiten.
Symptome
- Bei akuten Notfällen – z.B. Bewusstlosigkeit, starke Schmerzen im Brustkorb, Atemnot oder Lähmungserscheinungen – rufen Sie sofort den Notruf 112. Eine Patientenverfügung ist in dieser Situation wichtig, darf aber die Notfallrettung nicht verzögern.
- ⚠Wenn Sie kurzfristig eine medizinische Entscheidung treffen müssen und Ihre Wünsche unklar sind, wenden Sie sich noch am selben Tag an Ihre Hausarztpraxis oder an den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Telefon 116117).
Häufige Symptome
- Ein Krankenhausaufenthalt oder eine schwere Erkrankung steht an.
- Sie überlegen, was passiert, wenn Sie nach einem Unfall nicht mehr sprechen können.
- Sie möchten sichergehen, dass Ihr Lebenswille im Pflegefall geachtet wird.
Ursachen
Hauptursachen
- Verlust der Entscheidungsfähigkeit durch einen Unfall, zum Beispiel eine schwere Kopfverletzung.
- Fortschreitende Krankheiten wie Demenz, die das Denken und Verstehen allmählich beeinträchtigen.
- Schwere Zustände wie ein Koma oder Wachkoma, bei denen eine Kommunikation nicht mehr möglich ist.
Risikofaktoren
- Hohes Alter
- Chronische Grunderkrankungen
- Pflegebedürftigkeit
- Schwere körperliche oder seelische Krankheit
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie eine schwere Diagnose erhalten haben und schnell klären möchten, was Sie an Behandlung wünschen.
- Wenn Sie in ein Krankenhaus oder Pflegeheim aufgenommen werden.
- Wenn Ihr Gesundheitszustand sich deutlich verschlechtert hat.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei einem Vorsorgetermin in Ihrer Hausarztpraxis.
- Wenn Sie generell für alle Fälle vorsorgen möchten, auch ohne aktuelle Krankheit.
- Wenn Sie mit Ihrer Familie über Vorsorge sprechen möchten und eine neutrale Begleitung wünschen.
Diagnose
Eine Patientenverfügung ist kein ärztlicher Test. Sie wird von Ihnen selbst verfasst. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann Sie dabei beraten und die Formulierungen mit Ihnen besprechen.
Mögliche Untersuchungen
- Ein ausführliches Gespräch mit Ihrer Hausarztpraxis.
- Vordrucke aus der Praxis oder von neutralen Beratungsstellen.
- Keine körperlichen Untersuchungen nötig.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird Ihnen erklären, welche Situationen in der Verfügung sinnvoll abgedeckt sein können, zum Beispiel Herz-Kreislauf-Wiederbelebung, künstliche Beatmung oder künstliche Ernährung. Sie können in Ruhe Ihre Vorstellungen darlegen, und der Arzt formuliert den medizinischen Hintergrund verständlich.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich bei Entscheidungsunfähigkeit nach Ihrem dokumentierten Willen. Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, Ihre Patientenverfügung zu beachten. Wenn sie Ihrem Willen widerspricht, dürfen sie diese Maßnahmen nicht durchführen – und wenn sie erforderlich ist, müssen sie sie anbieten.
Selbsthilfe zu Hause
- Sprechen Sie frühzeitig mit Ihren Angehörigen über Ihre Behandlungswünsche, damit sie im Ernstfall wissen, was Sie wollen.
- Überprüfen Sie Ihre Verfügung in regelmäßigen Abständen, zum Beispiel alle zwei Jahre, und passen Sie sie bei Bedarf an.
- Bewahren Sie das Dokument an einem leicht auffindbaren Ort auf – und geben Sie eine Kopie Ihrer Hausarztpraxis.
Medizinische Behandlungen
Es gibt keine medikamentöse Behandlung für eine Patientenverfügung. Die medizinischen Maßnahmen selbst – etwa Wiederbelebung, Schmerztherapie oder künstliche Ernährung – werden von den behandelnden Ärzten anhand Ihrer Wünsche eingesetzt oder unterlassen. Ein Palliativteam kann unterstützen, wenn es um Linderung statt Heilung geht.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist keine Behandlung der Patientenverfügung. Sie wird durchgeführt, wenn Sie ihr vorher zugestimmt haben oder wenn sie aus Ihrem dokumentierten Willen abgeleitet werden kann und dringend notwendig ist. In dringenden Fällen entscheidet das Ärzteteam nach Ihrem mutmaßlichen Willen, bis Angehörige Ihre Verfügung vorlegen können.
Leben mit der Erkrankung
Eine Patientenverfügung ist ein begleitendes Dokument. Sie sollten es regelmäßig zur Hand nehmen, zum Beispiel bei Lebensänderungen wie einer neuen Diagnose oder dem Eintritt ins Rentenalter. So bleibt sie aktuell.
Tipps für den Alltag
- Sprechen Sie offen mit Ihrer Familie über Ihre Wertvorstellungen.
- Nehmen Sie die Verfügung bei jedem Arztbesuch oder Krankenhausaufenthalt mit.
- Ergänzen Sie sie durch eine Vorsorgevollmacht, damit jemand Ihre Entscheidungen vertreten kann.
Ernährung und Bewegung
Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und ausreichend Bewegung kann das Risiko für manche Krankheiten senken und trägt dazu bei, dass Sie lange selbstbestimmt bleiben. Sie ersetzt jedoch keine Vorsorgeplanung.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Das Auseinandersetzen mit einer Patientenverfügung kann Ängste wecken – vor Krankheit, Alter oder Kontrollverlust. Viele erleben es jedoch als Erleichterung, die eigenen Wünsche zu klären. Scheuen Sie sich nicht, über diese Gefühle mit Ihrem Arzt oder einer Vertrauensperson zu sprechen.
Vorbeugung
Man kann nicht verhindern, dass man in eine Situation gerät, in der man nicht mehr selbst entscheiden kann. Aber man kann dafür sorgen, dass der eigene Wille trotzdem bekannt ist. Eine Patientenverfügung ist eine wichtige Form der Vorsorge und des Selbstbestimmungsrechts.
Früherkennungsprogramme
Bei Vorsorgeuntersuchungen wie dem Check-up 35 können Sie das Thema Patientenverfügung ansprechen. Ihr Hausarzt oder Ihre Hausärztin kann Sie auf diesem Weg gut beraten und Ihnen helfen, Ihre Gedanken zu ordnen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wenn keine Patientenverfügung vorliegt, müssen Ärzte und Angehörige im Zweifel selbst entscheiden, was im besten Interesse des Patienten ist.
- Es kann zu Maßnahmen kommen, die die Person selbst nicht gewollt hätte.
- Streitigkeiten innerhalb der Familie über die richtige Behandlung können entstehen.
Langzeitprognose
Eine Patientenverfügung gibt viele Menschen ein Gefühl der Sicherheit. Auch wenn niemand gerne über Krankheit und Tod nachdenkt: Die meisten, die eine Verfügung aufgesetzt haben, berichten, dass es sie entlastet. Ärzte respektieren den schriftlich geäußerten Willen, sofern er klar formuliert ist.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 2. August 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.