Nach dem Hochwasser: Sicher nach Hause zurückkehren
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Nach einem Hochwasser ist das eigene Zuhause oft nicht sofort wieder sicher. Es kann verschmutztes Wasser, beschädigte Stromleitungen, Schimmel und gesundheitliche Gefahren geben. Diese Information hilft Ihnen, sich und Ihre Familie zu schützen, wenn Sie nach dem Hochwasser in Ihr Haus zurückkehren. Es geht darum, gesund zu bleiben und Unfälle zu vermeiden.
Wichtige Fakten
- Hochwasserwasser ist meist stark verschmutzt und kann Keime, Öl, Chemikalien und Abwasser enthalten.
- Schimmel kann sich schon nach 24 bis 48 Stunden in feuchten Räumen bilden und Atemwegserkrankungen auslösen.
- Auch das Aufräumen selbst kann gefährlich sein – durch Verletzungen, Stromschläge oder einstürzende Gebäudeteile.
Hochwasser kommt in Deutschland immer wieder vor, besonders in der Nähe von Flüssen oder nach starkem Regen. Viele Menschen sind betroffen und müssen nach dem Wasserstand in ihre Häuser zurückkehren.
Jeder, dessen Haus oder Wohnung von Hochwasser betroffen war, kann mit gesundheitlichen Risiken in Berührung kommen. Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem, chronischen Erkrankungen, Kinder, ältere Menschen und Menschen, die bei den Aufräumarbeiten helfen.
Symptome
- Atemnot oder Erstickungsgefühl
- Bewusstlosigkeit oder starke Benommenheit
- Starke Schmerzen im Brustkorb oder Herzrasen
- Anzeichen einer Blutvergiftung (Sepsis): hohes Fieber, Verwirrtheit, schneller Puls, kalter Schweiß
- Schwere Verletzungen oder starke Blutungen
- ⚠Fieber über 38,5 Grad Celsius
- ⚠Anhaltender Durchfall oder Erbrechen, besonders bei Kindern oder älteren Menschen
- ⚠Eitrige oder gerötete Wunden, die sich warm anfühlen
- ⚠Neu aufgetretener Husten oder Atemprobleme
- ⚠Hautausschlag, der sich ausbreitet oder stark juckt
Häufige Symptome
- Husten, Halskratzen oder Atembeschwerden durch Schimmelsporen oder verschmutzte Luft
- Hautausschlag, Rötungen, Juckreiz oder Hautreizungen nach Kontakt mit Hochwasserwasser
- Durchfall, Übelkeit oder Bauchschmerzen durch verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel
- Augenreizungen, rote oder tränende Augen
- Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Unwohlsein
Symptome bei Kindern
- Fieber, Durchfall oder Erbrechen nach Kontakt mit verschmutztem Wasser
- Verkühlung oder Unterkühlung, wenn sie längere Zeit nass oder in feuchter Kleidung waren
- Ungewöhnliche Reizbarkeit, Weinen oder Antriebslosigkeit als Zeichen von Überforderung
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verstärkung von bestehenden Erkrankungen wie Asthma, COPD oder Herzproblemen
- Anzeichen von Dehydration wie Schwindel, Verwirrtheit oder trockene Lippen
- Infektionen nach kleinen Verletzungen, die schlecht heilen
- Starke Erschöpfung oder Schwäche
Ursachen
Hauptursachen
- Hochwasserwasser ist oft mit Abwasser, chemischen Stoffen, Tierkot und Keimen verunreinigt
- Feuchte Wände und Möbel fördern das Wachstum von Schimmelpilzen
- Eingestürzte oder beschädigte Gebäudeteile können zu Unfällen führen
- Elektrische Leitungen unter Wasser oder in feuchten Räumen können Stromschläge verursachen
- Verletzungen beim Aufräumen, zum Beispiel durch herumliegende Nägel oder Glasscherben, können sich entzünden
Risikofaktoren
- Längere Zeit in feuchten Räumen ohne Schutzausrüstung
- Rückkehr ins Haus, bevor es offiziell freigegeben wurde
- Offene Wunden oder Hautverletzungen bei der Arbeit mit Hochwasserwasser
- Vorerkrankungen wie Asthma, Diabetes oder ein geschwächtes Immunsystem
- Ungenügender Schutz wie fehlende Handschuhe, Gummistiefel oder Atemschutzmaske
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie Fieber, Schüttelfrost oder starke Kopfschmerzen haben
- Wenn sich eine Wunde entzündet (rot, heiß, schmerzhaft, eitrig)
- Wenn Durchfall oder Erbrechen länger als einen Tag anhalten
- Wenn Sie starken Husten oder Atemprobleme entwickeln
- Wenn Sie unsicher sind, ob Sie sich durch das Wasser infiziert haben könnten
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Aktualisieren Sie Ihren Impfschutz, zum Beispiel gegen Tetanus, und lassen Sie das beim Hausarzt oder der Hausärztin prüfen
- Wenn Sie nach Wochen noch erhöhte Feuchtigkeit in der Wohnung spüren und Schimmel vermuten, können Sie das ärztlich besprechen
- Wenn Sie nach der Aufräumarbeit länger müde oder niedergeschlagen sind, können Sie das mit Ihrer Hausarztpraxis besprechen
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Ihren Symptomen, möglichen Kontakten mit Hochwasserwasser und begutachtet eventuelle Hautveränderungen oder Wunden. Bei Atemwegsbeschwerden wird die Lunge abgehört.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung, um Zeichen einer Infektion zu erkennen
- Wundabstrich, wenn eine Wunde entzündet aussieht
- Stuhluntersuchung bei anhaltendem Durchfall
- Allergietest bei Verdacht auf Schimmelpilzallergie
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist meist unkompliziert und findet in der Arztpraxis statt. Sie sollten mit Fragen zu Ihren Aktivitäten nach dem Hochwasser rechnen. Falls nötig, wird die Praxis Sie an eine Fachärztin oder ein Krankenhaus überweisen.
Behandlung
Die Behandlung hängt davon ab, welche Beschwerden aufgetreten sind. Bei Infektionen werden meist Antibiotika eingesetzt – dies entscheidet aber die Ärztin oder der Arzt. Bei Hautreizungen und Schimmelallergie stehen Cremes, Inhalationen oder Medikamente zur Verfügung. Wichtig ist auch, die Quelle der Belastung zu beseitigen, also zum Beispiel Schimmel fachgerecht entfernen zu lassen.
Selbsthilfe zu Hause
- Waschen Sie Hautkontakt mit Hochwasserwasser gründlich mit klarem Wasser und Seife
- Desinfizieren Sie offene Wunden mit einer antiseptischen Lösung aus der Apotheke
- Trinken Sie ausreichend sauberes Wasser, um den Körper zu hydrieren
- Lüften Sie die Räume und tragen Sie beim Aufräumen Handschuhe, Gummistiefel und Staubschutzmaske
- Werfen Sie Lebensmittel weg, die mit Hochwasserwasser in Kontakt gekommen sind
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf und Pausen bei der körperlich anstrengenden Arbeit
Medizinische Behandlungen
Die Ärztin oder der Arzt kann bei Bedarf Medikamente verschreiben, zum Beispiel gegen Durchfall, Husten oder Hautausschlag. Bei bakteriellen Infektionen kann eine antibiotische Behandlung nötig sein. Sie erhalten von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt die passende Therapie und genaue Anweisungen zur Einnahme.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in seltenen Fällen nötig, zum Beispiel bei tiefen, verschmutzten Wunden, die gründlich gereinigt werden müssen. Dies wird dann im Krankenhaus durchgeführt.
Leben mit der Erkrankung
Achten Sie in den ersten Tagen nach der Rückkehr besonders auf Ruhe und Hygiene. Nehmen Sie Kontakt zu Ihrer Hausarztpraxis auf, um Ihren Impfstatus zu prüfen. Verfolgen Sie, ob neue Beschwerden auftreten, und scheuen Sie sich nicht, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Tipps für den Alltag
- Tragen Sie bei der Reinigung immer Handschuhe und festes Schuhwerk
- Verwenden Sie Schutzmasken, um Schimmelsporen nicht einzuatmen
- Waschen Sie Arbeitskleidung getrennt von normaler Wäsche bei hoher Temperatur
- Kochen Sie Trinkwasser ab, solange die Behörden es empfehlen
- Sorgen Sie für Pausen und Erholung – das Immunsystem dankt es Ihnen
Ernährung und Bewegung
Essen Sie leicht Verdauliches wie Obst, Gemüse und Vollkornprodukte, um den Körper zu stärken. Bei Durchfall können Zwieback, Bananen und Geriebener Apfel helfen (Hausmittel). Vermeiden Sie schwere, fettige Speisen und Alkohol, bis der Magen sich beruhigt hat. Schwere körperliche Arbeit sollten Sie nur mit Pausen und ausreichend Flüssigkeit leisten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Hochwasser ist eine belastende Erfahrung. Viele Menschen fühlen sich überfordert, ängstlich oder traurig. Das ist eine normale Reaktion auf eine außergewöhnliche Situation. Es ist wichtig, Gefühle zuzulassen, mit anderen zu sprechen und sich nicht zu isolieren. Wenn die Belastung anhält oder den Alltag bestimmt, ist es sinnvoll, ärztliche oder psychologische Unterstützung zu suchen. Gerade in akuten Krisen gilt: Sie sind nicht allein.
Vorbeugung
Eine erneute Überschwemmung kann man nicht verhindern, aber Sie können gesundheitliche Folgen vermeiden. Wichtig sind Schutzkleidung, gründliche Hygiene und das richtige Verhalten beim Aufräumen. Informieren Sie sich über die aktuellen Warnungen und Empfehlungen der örtlichen Behörden.
Impfungen
Lassen Sie Ihren Impfschutz regelmäßig überprüfen, besonders gegen Tetanus. Wenn Sie Zweifel haben, fragen Sie Ihre Hausarztpraxis. Je nach Situation kann auch eine Impfung gegen Hepatitis A oder B empfohlen werden – das entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Früherkennungsprogramme
Wenn Sie an einer chronischen Erkrankung leiden, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin, ob besondere Vorsorgemaßnahmen nach dem Hochwasser sinnvoll sind.
Komplikationen
Unbehandelt
- Lungenentzündung oder Asthmaanfälle durch Schimmelbelastung
- Schwere Magen-Darm-Infektionen mit starkem Flüssigkeitsverlust
- Hautinfektionen, die sich ausbreiten und zur Blutvergiftung führen können
- Verschlimmerung von Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Problemen
- Langfristige Feuchtigkeit im Mauerwerk kann zu chronischen Atemwegsbeschwerden führen
Langzeitprognose
Mit den richtigen Schutzmaßnahmen und frühzeitiger ärztlicher Hilfe sind die meisten Gesundheitsprobleme nach einem Hochwasser gut behandelbar. Ihr Körper kann sich erholen, besonders wenn Sie auf Hygiene, Ruhe und Unterstützung achten. Auch seelische Belastungen können mit Zeit und Unterstützung überwunden werden. Es besteht Anlass zur Hoffnung.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 1. August 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.